Wieviel Wert hat Tradition nach einem Technologieumbruch noch?

Bruno von Rotz
16.02.2021

Reimagine - Jaguar Land Rover - neue Strategie

Es ist eine bange Frage, die sich viele Oldtimer- und Youngtimer-Liebhaber dieser Tage stellen. Was passiert mit der Traditionspflege, wenn Autohersteller sich komplett umorientieren und – wie Jaguar Land Rover eben gerade kommunizierte – schon in wenigen Jahren konsequent auf rein elektrische Autos setzen wollen? Was ist dann eine Markentradition noch wert, die kurz nach dem Krieg einen überaus fortschrittlichen Reihensechszylindermotor hervorbrachte und ein paar Jahre später den Jaguar E-Type?

Werden die Hersteller dann ob des Kostendrucks und neuer Käufersegmente schon bald auf die Pflege ihrer eigenen Historie und die Ersatzteilhaltung für nicht mehr der aktuellen Strategie entsprechenden Fahrzeuge verzichten? Werden die Werksmuseen aufgelöst, die Sammlungen verkauft, innovative Prototypen von damals vernichtet, Archive entsorgt? Fertig mit den oft interessanten Beteiligungen an Messen, welche auch zukünftige Autofahrer und -käufer auf die Markengeschichten aufmerksam machte?

Es wäre natürlich mehr als nur schade, wenn so etwas passieren würde. Und es wäre wohl auch komplett falsch! Tradition ist auch dann wichtig, wenn sich die technologische Windrichtung ändert, schliesslich prägt die Geschichte das Marken-Image.

Und warum sollten zukünftige Autokäufer zum Jaguar (oder BMW, Alfa Romeo, Audi, etc.) und nicht zum Beispiel zum Hyundai oder Geely greifen, wenn nicht deshalb, weil ihnen die Marke Jaguar (oder ...) sympathisch ist und sie deren “Heritage” (also das Erbe) schätzen?

von vp******
16.02.2021 (08:18)
Antworten
Heritage ist ein relativ neuer Marketingtrick: Die größten Autos wurden von zukunftsorientierten Genies hergestellt, die sich nicht für Heritage interessieren (Ferrari, Bugatti, Porsche usw.). Wenn Giotto Bizzarrini Enzo Ferrari vorgeschlagen hätte, dass der GTO die Styling-Ideen des 166MM widerspiegeln sollte, wäre er sofort aus Maranello rausgeschmiessen... Heritage ist interessant für uns Liebhabern, für Konstrukteure es ist aber eine traurige Maske, die die Leere ihrer technischen Ideen verdeckt.
Antwort von vi******
16.02.2021 (08:44)
Ganz Genau. Gerade bei Alfa gibt es ohnehin seit jeher eine fast nicht existente Ersatzteilversorgung, und Jaguar und Co sind permanent von der Pleite bedroht und haben andere Probleme. Das hat den wahren Sammler und Oldtimer Liebhaber aber noch nie davon abgehalten, alte Autos mit nachgefertigten Teilen zu restaurieren.
von le******
16.02.2021 (11:30)
Antworten
..............wenn denn nur die Elektrofizierung der Autos das Problem wäre, aber nein der linksgrünen Gutmenschen Ziel ist es, den motorisierten Individualverkehr zu eliminieren, sodass wir uns alle nur mit Öffis und Rädern bewegen und dann werden wir vielleicht mit Wehmut die Oldtimer ansehen und sogar dafür bezahlen.
Antwort von he******
17.02.2021 (15:48)
So sieht's leider aus, nur noch ÖV und Velo ist das Ziel der Grünen.
Viele haben das aber noch nicht realisiert und wählen weiter Grün, weil es momentan im Trend liegt.
Antwort von 11******
23.02.2021 (09:07)

...dem ist leider nichts hinzuzufügen-außer das es stimmt! Wenn es wirklich um Klimaschutz ginge, dann müsste die E-Mobilität ja sofort verboten werden, denn der gesamte CO2-Rucksack inklusive Batterie würde bei einem nicht-natürlichen Wechsel der Fahrzeuge zu massiv höherer CO2-Erhöhung und eben nicht zu dessen Reduktion führen. Ein mit Steuergeldern finanzierter Wahnsinn (ohne diesen würde es ja eh niemand wollen)!
von st******
18.02.2021 (12:11)
Antworten
Es stellt sich auch die Frage, wie wichtig den klassischen Autoherstellern noch ihre Tradition sein wird, wenn man mit dem Verbrennungsmotor nichts mehr zu tun haben will. Wenn es bei modernen Fahrzeugen nur mehr um Connectivity, autonomes Fahren und Ladedauer geht, interessiert es irgendwann niemand mehr, was den Reiz eines Reihensechszylinders ausmacht.
Da geht es ja nicht nur um die Kosten der Traditionspflege. Das sind in der Tat bange Fragen...
Antwort von Stefan Fritschi
20.02.2021 (20:26)
Genau! Der Reiz der Marke oder des Modells ist weg. Wenn ich ins Flugzeug steige, weiss ich, dass ich Swiss oder Lufthansa fliege. Aber ob ich Airbus, Boing oder Embraer fliege, weiss ich nicht mehr. Es ist auch völlig egal. Daher werden im Zeitalter des autonomen Fahrens und des Car Sharings die Automarken, wie wir sie kennen, völlig unwichtig werden. Ich bestelle beim Dienstleister XY per 12 Uhr ein Auto für vier Personen. Was er mir schickt, ist völlig egal, weil ich das Auto sowieso gleich wieder abgebe und es mir nicht gehört, mich nicht stolz macht, ich mich nicht darüber identifiziere. Mit der Entwicklung elektrischer, selbstfahrender Fahrkabinen und der Gründung von Abo- und Sharing-Diensten machen sich die Autohersteller selber überflüssig ...
Antwort von cr******
23.02.2021 (09:05)
Die Antwort von Stefan Fritschi bringt es m.E. umfassend auf den Punkt !
Schon jetzt gleichen sich die im Windkanal weichgespülten Einheitsmodelle schon bis zur Unkenntlichkeit einer dahinter stehenden Marke. Eine Identifikation über die Marke wird weiter in den Hintergrund treten.
Seltsam, dass man in den Chefetagen diesen Zusammenhang nicht kapiert, sondern im Gegenteil immer weiter in Richtung Einheitsbrei agiert.
Ein Porsche z.B ist ja nicht wirklich um Faktor "besser" , wieviel er "mehr kostet" als ein VW, mit vielen identischen Teilen aus dem VW-Regal.
Die Bereitschaft der Käufer dennoch viel mehr zu bezahlen liegt zum großen Teil in eben diesen psychologischen "Markenwerten" , die aber durch eigene Hand der Herstellter in den Hintergrund treten werden....
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