Déjà Vu? Autos als Geldanlage

Bruno von Rotz
08.02.2021

BMW 2002 Turbo (© Daniel Reinhard)

Man muss wirklich schmunzeln nach dem letzten Jahrzehnt der Wertgewinne, aber auch nach einer Phase der nachgebenden Preise. Vermutlich haben wir schon wieder vergessen, dass es Leute gab, die Oldtimer als “moveable assets” bezeichneten, und dass Finanzkonstrukte aus dem Boden schossen, die auf Wertsteigerungen bei klassischen Fahrzeugen spekulierten.

Dabei war die Idee so neu gar nicht. Bereits vor über 45 Jahren publizierte “auto motor und sport” einen Bericht zum Thema “Oldtimer - Goldtimer?”.

Die Einleitung damals lautete:
“Auto-Veteranen und profilierte Modelle aus jüngerer Zeit erfreuen sich zügig steigender Wertschätzung. Es ist die Frage, ob es sich lohnt, das vom Kaufkraftschwund bedrohte Geld in automobilen Raritäten anzulegen.”

Natürlich wurden Beispiele genannt. Gemäss dem Artikel in ams 3/1975 war ein Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer im Jahr 1958 DM 20’000 wert, 1974 aber bereits DM 50’000.

Mercedes-Benz 300 SL - Wertvergleich 1958 vs 1974 (© AMS)

Mit dem Wertgewinn schnitt der 300 SL über die 16-jährige Periode besser ab als das Sparbuch, allerdings immer noch schlechter als Gold. Und die Garagenkosten waren noch nicht inbegriffen. So ganz überzeugend wirkte das ROI-Wunder also nicht, zumindest nicht rückwärts betrachtet.

Doch, was noch nicht ganz war, konnte ja noch werden. Vielleicht würden ja die Autos von 1974 zu “Goldtimern” in der Zukunft? Als “Spekulationsautos” wurden das VW Käfer Cabriolet, der BMW 2002 Turbo (siehe Bild oben) und der NSU Ro80 vorgeschlagen. Wir wissen heute, dass insbesondere der Käfer und der BMW durchaus beträchtlich an Wert zugelegt haben, aber reich wäre man wohl eher mit dem 300 SL zu DM 50’000 geworden, wenn man ihn denn im Jahr 1974 behalten und erst 2015 verkauft hätte.

“Die beste Geldanlage sind oft Autos, die gar keiner haben will”, war daher eine andere Empfehlung. Als Beispiel wurden die Kleinstautomobile vom Stile einer BMW Isetta oder eines Goggomobils herangezogen. Das waren Fahrzeuge, die Mitte/Ende der Sechzigerjahre niemand mehr haben wollte. Die relativ sparsam motorisierten Autöchen erfreuten sich Mitte der Siebzigerjahre wieder steigender Beliebtheit bei Bauern, die zwar einen Traktor, aber kein “richtiges” Auto fahren durften. Und so liess sich eine Isetta oder ein Goggomobil in “restauriertem” Zustand für DM 5000 an den Mann bringen, was damals wie eine beträchtliche Wertsteigerung erschien.

Nun wissen wir, dass eine gute BMW Isetta heute auch EUR 30’000 wert sein kann, also umgerechnet etwa 58’000 frühere DM. Da konnten die damaligen Käufer also auch hier noch etwas Geld verdienen …

von Reiffan
09.02.2021 (19:30)
Antworten
Schade, dass die Klassiker viel zu sehr zu Spekulationsobjekten gemacht werden und damit auch Ersatzteile in abartige preisliche Höhen getrieben werden.
Ich freue mich selber zwar auch, wenn einer meiner Old - oder Youngtimer im Wert steigt, aber NIE hätte ich ein Auto aus solchen Ueberlegungen gekauft. Für mich zählen Zuverlässigkeit, Design, einfache Wartung und bezahlbarer Unterhalt und, vor allem, Freude am fahren und besitzen zu den Kaufargumenten, welche mich zum Kauf eines bestimmten Autos bewegten.
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