Warum nicht zweimotorig?

Bruno von Rotz
18.02.2021

Alfa Romeo Alfasud 1.2 Ti Bimotore Wainer (© Paolo Carlini - Courtesy RM/Sotheby's)

Nein, einen zweimotorigen Alfasud gab es ab Werk nicht. Er war das Werk von Gianfranco Mantovani (auch Wainer genannt), der einen 74-er Alfa Romeo Alfasud Ti 1.2 so umbaute, dass er denselben Motor hinten nochmals aufwies.

Boden des Alfa Romeo Alfasud 1.2 Ti Bimotore Wainer (© Paolo Carlini - Courtesy RM/Sotheby's)

Damit wurde die Leistung von 79 auf 158 PS gesteigert, was im Jahr 1977, als der Wagen fertig wurde, sicherlich eine ganze Menge war. Allerdings stieg auch das Gewicht und mit zwei Getrieben war die Fahrerei sicherlich nicht einfach, obwohl es nur einen Schalthebel gab. Während die vordere Kupplung dem Fahrerfuss gehorchte, sorgte hinten eine hydraulisch betätigte Kupplung für die Trennung von Motor und Getriebe.

Ob das Ganze wirklich gut funktioniert hat, ist fraglich. Aber Wainer war längst nicht der einzige Ingenieur, der sich mit einem zweimotorigen Auto abmühte.

Alfa Romeo GP16C von 1935

Es gab sogar 1935 schon einen Vorgänger von Alfa Romeo mit zwei Achtzylindermotoren, der immerhin über 320 km/h schnell war und trotzdem keine Chancen gegen die noch schnelleren Mercedes hatte. Der erste Alfa Bimotore stammte sogar aus dem Jahr 1931 und der hatte noch zwei Reihensechszylindermotoren. (Artikel in Auto Exklusiv 4/1992).

Porsche 356 Bimotor von 1954 (© AMS)

Im Jahr 1954 baute ein Amerikaner einen zweimotorigen Porsche 356, nachdem er bereits ab 1946 mit zweimotorigen Rennwagen experimentiert hatte. Um einen zweiten Vierzylindermotor vorne unterzubringen, war offensichtlich nicht einmal so viel Aufwand nötig. (Artikel im ams 4/1954)

Zweimotoriger Tempo im Jahr 1941 (© Deutsche Kraftfahrt / ADAC Motorwelt)

Ein anderes Beispiel entstand in den Kriegsjahren in Deutschland, hier wurden einfach zwei Tempo-Vorderteile kombiniert, was in der Summe ein geländegängiges Fahrzeug ergab. (Artikel in Deutsche Kraftfahrt 5/1941)

Citroën 2 CV Sahara von 1961

Das vermutlich berühmteste zweimotorige Auto, das es sogar in die Serienfertigung schaffte, war aber wohl der Citroën 2CV Sahara. Auch hier wurde einfach hinten nochmals derselbe Motor eingebaut wie vorne. (u.a. Artikel in ams 19/1961)

VW Scirocco Bimotor von 1983 (© ams)

In den Achtzigerjahren sorgte dann Volkswagen für ein Revival des zweitmotorigen Autos. In schneller Folge entstand ein VW Jetta mit zwei Motoren (Artikel in ams 15/1981), ein VW Scirocco mit doppeltem Antrieb (Artikel in ams 14/1983) und schliesslich noch der vermutlich von den dreien am bekannteste, der VW Golf II “Pikes Peak” Rennwagen mit über 600 PS aus den beiden kombinierten Vierzylindern (Artikel in ams 14/1987).

VW Golf II Bimotor von 1987

Wir sind sicher, dass unsere Leser noch diverse weitere Beispiele von zweimotorigen Autos nennen können, auch unser Zeitschriftenarchiv dürfte wohl noch einige mehr finden lassen, wenn man sich etwas mehr Zeit nähme.

Auto Motor und Sport hat übrigens einen ausführlicheren Artikel zum Alfasud Ti Bimotore publiziert, welchen RM/Sotheby’s schon in Kürze versteigern wird.

P.S. Heute sind übrigens mehrmotorige Automobile fast schon normal, denn spätestens mit der Hybridisierung und Elektrifizierung, sowie der damit einhergegangenen Computersteuerung sind Autos mit zwei und mehr Motoren bald bei jedem Hersteller zu finden.

von vo******
27.02.2021 (01:37)
Antworten
Im Saab Museum Trollhättan habe ich vor Jahren einen Rallye Saab ( 96 ?) gesehen, der mit 2 Motoren ausgerüstet war. Details habe ich leider nicht mehr im Kopf...
von gi******
18.02.2021 (22:35)
Antworten
Dann war da noch der Sbarro Super Twelve, ein 3,15 m langer Kleinwagen mit zwei Kawasaki Z 1300-Motorradtriebwerken als 12-Zylinder-Mittelmotor und die Präsentation durch den Meister höchstpersönlich bei den Pressetagen in Genf 1982 inklusive Anlassen mit Gebrüll, was natürlich in der Messehalle durchaus nicht erlaubt war . . .
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.