Ungleiche Brüder?

Bruno von Rotz
13.02.2021

Ungleiche Brüder - VW 1600 TLE und Audi 60 im Vergleichstest von ams (© ams)

Es war im Jahr 1970, als “auto motor und sport” den Audi 60 mit dem VW 1600 TLE verglich und dies auf der Frontseite mit der Überschrift “Ungleiche Brüder” ankündigte. Im Vergleichstest selber war der Titel noch deutlicher: “Technischer K.o.”

Tatsächlich gewann der 55 PS starke Audi den Vergleich Punkt um Punkt: Bessere Karosserie, überlegene Sichtverhältnisse, grösserer Kofferraum, sicherere Fahreigenschaften, überlegener Komfort und geringerer Verbrauch. Die Zukunft hatte gegen die Vergangenheit gesiegt.

Der VW verdankte seine Existenz dem seit den Nachkriegsjahren gebauten Käfer, was Heckmotor, Heckantrieb und Luftkühlung bedeutete.

Der Audi war eine moderne Konzeption mit selbstragender Karosserie, Frontmotor und Frontantrieb.

50 Jahre später könnte man wiederum eine ähnliche Paarung aufstellen, nämlich einen Audi A3 und einen VW ID3, preislich ähnlich teuer, leistungsmässig vergleichbar.

Der ID3 würde den A3 bezüglich Raumverhältnisse, Laufruhe und Verbrauch haushoch schlagen, obwohl er genau wie der VW 1600 (Elektro-) Heckmotor und Heckantrieb aufweist, während der Audi natürlich über einen quer eingebauten wassergekühlten Frontbenzinmotor und Vorderradantrieb verfügt. “Ungleiche Brüder” halt, allerdings noch deutlich ungleicher als vor 51 Jahren …

von Toddel
28.02.2021 (12:27)
Antworten
Audi 60 und VW 1600 waren niemals Brüder weil beide aus verschiedenen Vergangenheiten entstanden.
von dagamba
17.02.2021 (09:11)
Antworten
Es ist mir schon klar, dass dieses Forum nicht die Hurra-Elektro-Schreier enthält. Das witzige: Ich arbeite im Bereich Fahrzeugelektrifizierung in der Automobilindustrie an vorderster Front. Auch wenn meine Lieblinge aus längst vergangenen Epochen stammen. Lassen Sie mich erst einmal auf Herrn Frey eingehen:
Der Akku kostet keine paar Tausender. Der Akku kostet ein paar ZEHNtausender. Jeglicher Batterieschaden ist ein wirtschaftlicher Totalschaden. Die Lebensdauer und der Zustand vom Akku ist dann aber ganz viel extremer als Benziner/Diesel/Getriebe von der Behandlung und Fahrweise abhängig. Zwischen schlecht behandelt und gut behandelt ist ein Faktor von ca. 20-25 in der Lebensdauer. Man kann ein Batteriefahrzeug in 1/2 Jahr und 15 Tkm schrottreif bekommen (bei mir in der Stadt gibt es einen notorischen Batterie-Taxi-Fahrer, dem die Firma seiner Wahl kein Batterieauto mehr verkauft, weil das alle 3 Monate ein Garantiefall ist). Mit ganz seltener perfekter Behandlung sind heute schon Laufleistungen von 300.000 km möglich. Kommt aber im freien Feld praktisch nicht vor. Und woher soll man wissen, wie das gebrauchte Auto, was man kaufen möchte, behandelt wurde? Hier geht es um ein Batterieelektrisches Fahrzeug, was mit der heutigen Batterietechnologie ausgerüstet ist. In 10-15 Jahren wird es kein vernünftig fahrbereites Batterieelektrisches Auto von heute noch geben. Die schaffen keine 15 Jahre. Und ja, Elektromotoren haben eine potentielle Laufleistung von Millionen Kilometern und auch die anderen Komponenten haben keinerlei Verschleiß.
Damit komme ich zu ba******: Was heute gebaut wird, ist für die sogenannten "Early Adoptors" gedacht. Die brauchen wir. Wenn jemand heute ein erste-Generation-i-Phone zur Hand nehmen würde, würde er im Angesicht der Unausgereiftheit und schrecklichen Leistung SCHREIEN. Schlimmer noch: Die ersten Handys. Oder - was ich besitze und erade restauriert habe - das erste Schnurlos-Telefon. EIN KILO! Trotzdem war es wichtig, dass Tech-Freaks sich unbedingt so einen Prototypen in die Tasche stecken mussten (wo dann eh ein Loch vom fehlenden Geld war). Sonst gäbe es heute keine Smartphones.
Der Punkt, an dem das Elektroauto mit moderner Batterietechnologie mit dem Verbrennungsmotorgetriebenen Auto gleichziehen wird, ist 2035 erreicht. Vielleicht 2037. Bis dahin ist die Batterie des Fahrzeuges schon mit einem sog. Feststoffelektrolyt ausgestattet, der z.B. die Brandgefahr heutiger Batterien vollständig eliminiert und eine Volumenenergiedichte und Gewichtsenergiedichte von bis zu Faktor 3 gegenüber heutigen Batterien erlaubt (da ist man dann aber immer noch bei 150-200 kg für 800 km). Es sieht im Moment tatsächlich eher so aus, als ob der Personenwagen in dieser Zukunft ein batterieelektrisches Fahrzeug sein wird. Mit 800-1000 km Reichweite in unter 10 min vollgestromt. Lebensdauer (planned obsolence) auf max. 300.000 km ausgelegt. Preis (inflationsbereiningt) etwa 5-10% teurer als ein heutiges Auto mit gleicher Größe und gleicher Reichweite (kostenpflichtiges Extra wird Reichweite sein, das bleibt so, so wie es jetzt aussieht). Denkbar ist ein Nebeneinander von Brennstoffzellen- und Batterieelektrischen Fahrzeugen im PKW-Bereich. Der komplette Lastverkehr auf längeren Distanzen wird nach heutigem Wissen Brennstoffzelle sein. 40 Tonnen und 1000 km würden selbst mit zukünftigen Technologien 15 Tonnen Batterie verlangen, zu füllen in 12 Stunden. Würde sich "äußerst mäßiger" Beliebtheit erfreuen. Oberleitungs/Stromschienenkonzepte haben keinerlei Zukunft. Geldverschwendung. Ehrlich. Inzwischen weiß das die Deutsche Bundesregierung, es gibt aber noch einen gewissen "Bremsweg"...
Nach heutigem Wissen: Das Elektrische Fahrzeug hat im Jahr 1912 den Kampf gegen Verbrenner verloren und ist in diesem Jahr praktisch hundertprozentig von der Welt verschwunden. Erst im Jahr 2012 ist das erste brauchbare Elektroauto plötzlich wieder aufgetaucht, als die Batterietechnologie das - mit Abstrichen - erstmals ermöglichte. Die Weiterentwicklung des Elektroautos wurde praktisch erst dann wieder aufgenommen. Heißt: Wir befinden uns mit dem Elektroauto dort, wo der Verbrenner in den 20er, 30er Jahren war. Damals konnte niemand ahnen, dass eines Tages fast alle Autos einen 2-l-4-Zyl-wassergekühlten(!!)-Quermotor und Frontantrieb haben würden. Da wurden dann Dinge als zukunftsweisend gefeiert wie ein luftgekühlter V8-Heckomotor (eins meiner Lieblingsautos!!). Die Entwicklung bezüglich Energiespeicher und Antriebsmotor konvergiert beim Elektroauto im Moment noch absolut überhaupt nicht! Also kann niemand, wirklich niemand, sagen, wo wir in 20, 30 Jahren sind.
Mit dem Elektroauto ist dann das Autonome Fahren sehr viel einfacher, weil die Tchnologie des Autos dann primitivst ist. Autonomes Fahren. Oder wie man es in unseren Klassischen-Auto-Kreisen ausdrücken würde: "AAAAARRRRRGGGGHHHH!!!!" Kommt. Leider. Wie das Amen in der Kirche.
Nein, ich bin mir sicher: Es wird in ferner Zukunft KEINERLEI Oldtimer-Szene mit über-30-jährigen autonom fahrenden Elektrofahrzeugen geben. Die werden dann Verbrauchsartikel werden, wie ein Kühlschrank oder eine Mikrowelle.
Warum dieser Drang? Ein Batterieelektrisches Fahrzeug hat eine Effizienz des Antriebs von Speicher bis Vortrieb von über 90%, Potential bis über 95%. Der Verbrennungsmotor hat allein als Motor um die 40% bestenfalls. Heißt: 60% der Energie wird einfach nur in die Luft gepufft (oh, und wird das himmlisch schön getan! Mit Geräusch und Geruch!), da ist der Verlust bis zum Vortrieb noch garnicht mit eingerechnet. Verbesserungspotential ist de facto erschöpft. Zum Vergleich: Die Brennstoffzelle ist im Moment bei ca. 60%. Mit Verbesserungspotential bis vermutlich 80%. OK, nichts von diesen Zahlen ist sogenanntes Well-to-Wheel, also solange wir keinen Überschuss an erneuerbarer Energie haben, die wir in Vortrieb umsetzen können, und effiziente Verteilmöglichkeiten, ist alles reine Augenwischerei (außer im asiatischen Bereich, wo man die Verpestung aus den Städten bekommen möchte, da ist Well-to-Wheel nicht so interessant).
Wichtig ist, dass die Gesetzgeber jetzt nicht durch Verbote in die Entwicklung eingreifen. Und das steht zu befürchten. Das ist bislang eine Entwicklung, die durch Förderung etwas beschleunigt worden ist, aber die erst fertig werden muss. Mit Verboten bombt man uns ins Mittelalter zurück.
Oder wie ein mir persönlich bekannter - aber von mir perönlich nicht besonders gemochter - Bundespolitiker einmal gesagt hat: Mit den fossilen (!!) Brennstoffen ist es wie mit der Stein(!!)zeit: Die Steinzeit ist nicht zuende gegangen, weil den Menschen die Steine ausgegangen sind. Und ich füge noch hinzu: Die Steinzeit ist nicht zuende gegangen, weil den Menschen die Steine verboten wurden.
Antwort von dagamba
17.02.2021 (09:15)
Wer Drufckeler entdeckt, darf sie gerne behalten...
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