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JM19

Ein reichhaltiges Oldtimerjahr liegt hinter uns (Blick zurück auf das Jahr 2017)

Bruno von Rotz - 31.12.2017

Rückspiegel des REO Flying Cloud von 1929 ( Bruno von Rotz)

Das Jahr 2017 geht sicherlich als eines der besseren in die Annalen der Oldtimer-Geschichtsschreibung ein. Beim Zurückdenken sind uns jedenfalls einige Dinge eingefallen, die das Jahr für uns besonders machten.

Delage 1500 an der Rétromobile 2017 (© Daniel Reinhard)

Da war etwa die Rétromobile in Paris , die wie fast noch mehr als die Jahre zuvor unter Oldtimer-Dichtestress, allerdings grösstenteils im positiven Sinne, litt. Soviel besondere Automobile wie die Delage Achtzylinder-Rennwagen sieht man halt nur selten auf wenigen Quadratmetern.

AvD Classic Gala Schwetzingen 2017 (© Bruno von Rotz)

Ganz anders dann die Classic Gala in Schwetzingen , die (am Samstag) mit einer ganz besonderen Stimmung überraschte, als sich Sonnenschein und Regen mehrfach abwechselten. Kombiniert mit wunderschönen Autos, die auf viel Fläche grosszügig gezeigt werden können, offerierte der Anlass jedenfalls viel.

Porsche 917 von 1970 (© Gooding & Co)

Auch versteigerungstechnisch bot das Jahr 2017 einige Überraschungen, etwa als der Ex-Siffert-Porsche 917 von Gooding & Co in Pebble Beach zum Rekordpreis verkauft wurde, als RM/Sotheby’s in Monterey den teuersten Aston Martin aller Zeiten versteigerte oder als Bonhams in Quail Lodge einen McLaren F1 für über USD 15 Millionen einem neuen Besitzer zuführen konnte.

McLaren F1 von 1995 (© Bonhams)

Und zum Jahresende überraschte dann noch der schwarze Volvo 262 C von 1981, einst gefahren von David Bowie, mit einer gegenüber einem “normalen” Exemplar fast zehnfach höheren Bewertung an der Versteigerung der Oldtimer Galerie in Gstaad . Etwas war uns besonders freute, weil die Zwischengas-Bilder um die Welt  ging.

Volvo 262 C von 1981 - ex David Bowie (© Bruno von Rotz)

Über das ganze Jahr portraitierten wir rund 120 Berichte über Fahrzeuge und deckten damit eine riesige Bandbreiten an Epochen und Bauweisen ab.

Lamborghini Jarama S von 1976 (© Daniel Reinhard)

Einige Autos blieben uns ganz besonders in Erinnerung, etwa der Lamborghini Jarama S , die AC Cobra 289 (Recreation), ...

Apal C Buggy von 1975 (© Bruno von Rotz)

... der Apal Buggy , der Formcar Formel V und die vier BMW-/Alpina-Sportlimousinen/-coupés , die wir an einem einzigen Tag vergleichen konnten.

BMW-M- und Alpina-Modelle von 1984 bis 1985 im Vergleich (© Daniel Reinhard)

Insgesamt gutes Oldtimer-Wetter ermöglichte es uns, soviele Auto zu portraitieren wie nie zuvor, aber auch ab und zu hinter das Lenkrad unserer eigenen Fahrzeuge zu sitzen. Es war trockener und weniger heiss als in anderen Jahren, das sollte auch einmal gesagt sein.

Und bei Zwischengas selber? Das Jahresmagazin war aufwändiger als die zwei vorher mit noch mehr exklusiven und besonderen Geschichten. Zum Jahresende konnten wir noch die ersten Jahrgänge von “Auto Motor und Sport” im Zwischengas-Zeitschriftenarchiv integrieren, nachdem bereits vorher mit “Powerslide” und “auto exklusiv”.

Was wir selber denken ist allerdings weniger spannend als das, was Sie, liebe Zwischengas-Leser, selber vom Oldtimer-Jahr denken. Kommentieren Sie doch einfach zu diesem Blog und erzählen Sie uns von Ihren Oldtimer-Höhepunkten des Jahres 2017. Wir würden uns freuen und es könnte daraus sicherlich eine rege Diskussion entstehen.

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Alles schon da gewesen - Werbung auf der Titelseite

Bruno von Rotz - 30.12.2017

Titelseite von zwei Ausgaben der Motor Revue des Jahres 1957

Haben Sie in letzter Zeit ein Magazin aufgeschlagen, auf dessen Titelseite grossflächig ein Werbung z.B. für eine Uhr oder ein Parfum abgebildet war? Und gedacht, muss das jetzt auch noch sein, dass die Magazine sogar ihre Titelseiten an die Werbekunden verkaufen?

Nun, dies ist kein neuer Trend, deutsche Automagazine nutzten schon in den Fünfzigerjahren die Titelseite, um auf Produkte aufmerksam zu machen und dabei wohl gutes Geld zu verdienen.

Bei einem publikumsstarken Magazin konnten das schnell Tausende von DM sein, in den Siebziger- und Achtzigerjahren sogar noch deutlich mehr.

Werbung auf den Titelseiten von Auto Motor und Sport in den Fünfzigerjahren

Fairerweise muss man den Werbern aber zugestehen, dass sie zumindest bei den Titelblättern von Auto Motor und Sport und von der Motor Revue viel Geschmack zeigten, die Sujets sind noch heute attraktiv anzuschauen.

Werbung auf den Titelseiten von Auto Motor und Sport sowie Motor Revue in den Fünfzigerjahren

Wer eine Prise davon nehmen möchte, sei einerseits auf unser Zeitschriftenarchiv , das neuerdings auch mit den Ausgaben von Auto Motor und Sport ergänzt wird, und andererseits auf unsere Mediathek , in der z.B. die Motor Revue fast komplett erfasst ist, verwiesen. Viel Vergnügen!

 

Claude Haldi, der Pirmin Zurbriggen des Motorsports (Nachruf)

Daniel Reinhard - 29.12.2017

Claude Haldi im Porsche 908 (© J. Froidevaux / Archiv Daniel Reinhard)

"Autofahren hat mit Skifahren viel gemeinsam, vor allem auf Schnee und Eis”, erklärte Claudi Haldi einst einem Zuhörer. Mit einem Simca 1000 startete er bei der "Rallye des Neiges" und wurde auf Anhieb Siebter unter 50 Teilnehmern. Diese Rallye weckte seine Lust am Motorsport. Sein Weg führte über einen Abarth Simca, Ford Cortina Lotus zum Porsche Super 90.

Mit der Freundschaft zum Porsche-Motorentuner Guido Haberthür blieb er bis auf wenige Ausnahmen den Stuttgartern treu.

Die Karriere von Claude Haldi dauerte mehr als zwei Jahrzehnte. Haldi, der ausschließlich Touren- und Sportwagenrennen bestritt, an Formelautos hatte er kein Interesse, war mit 22 Le-Mans-Starts der Schweizer mit den meisten Teilnahmen beim Langstrecken-Klassiker an der Sartre.

Claude Haldi (© J. Froidevaux / Archiv Daniel Reinhard)

In den Siebzigerjahren gehörte er zu den besten Fahrern der GT-Klasse. 1970 holte er sich die Gesamtwertung der Europa-Bergmeisterschaft in der GT-Klasse auf einem Porsche 911S mit Klassensiegen in Barcelona, Cesena, Trento und Schauinsland. Im gleichen Jahr wurde Haldi auch noch Gesamtzweiter der Rallye Stuttgart-Lyon-Charbonnières. 1977 erzielte er mit Bob Wollek und John Fitzpatrick seinen einzigen Sieg in der Sportwagen-Weltmeisterschaft beim 6-Stunden-Rennen von Hockenheim.

Claude Haldi in Le Mans 1983 (© Dan Morgan)

1975 gewann er den mit 50’000 Mark dotierte Porsche-Cup-Titel gegen Teams wie Kremer und Loos, die weitaus höhere Budgets zur Verfügung hatten und setzte sich gegen insgesamt 122 Fahrer aus 16 Nationen durch. Im gleichen Jahr gewann Claude Haldi die GTX Klasse beim 24h Rennen von Le Mans auf einem Haberthür präparierten 930 Porsche Turbo zusammen mit Peter Zbinden und dem französischen Fahrer Beguin (Startnummer 20). Sie belegten mit diesem "Strassen Porsche Turbo" den 15. Gesamtrang. Jener Porsche war übrigens der 13. je gebaute 930 Turbo Porsche und gleichzeitig das offizielle Ausstellungsauto des Genfer Salons 1975, bei welchem erstmalig ein Porsche Turbo Typ 930 in der Schweiz vorgestellt wurde. Der Sieg in Le Mans in der GTX Klasse war zudem auch für die Firma Porsche das allererste Mal ein Klassensieg mit einem Turbomotor.

Auch bei Rallyes im In- und Ausland war der Lausanner erfolgreich. 1979 entschied er auf einem Porsche 930 Turbo die Schweizer Rallye-Meisterschaft für sich. Herausragend waren 1969 sein zweiter Gesamtrang mit Bernard Chenevière auf einem Porsche 911S bei den 24 Stunden von Spa und 1973 der dritte Platz bei der legendären Targa Florio auf einem Werks-Carrera RSR.

1979 wurde ihm die höchste Auszeichnung der Schweiz, die "BP-Racing-Trophy" übergeben.

Da er überall gewann, egal ob Berg, Rund, oder Rallye, war er mit Sicherheit der beste Allrounder der Schweiz, wenn nicht sogar von ganz Europa und gilt damit als Pirmin Zurbriggen des Motorsports. "Bei den Rallyes haben mich immer die Improvisation und die sich immer ändernde Strasse fasziniert, auf der Rundstrecke war es dann die notwendige Präzision und das hohe Tempo und bei den Bergrennen die extrem hohe Konzentration auf eine kurze Fahrt nach einem Start mit kalten Reifen und Bremsen."

Claude Haldi in Le Mans, u.a. mit Peter Sauber (© J. Froidevaux / Archiv Daniel Reinhard)

Trotz immer wieder sehr guten Resultaten in der Langstrecken-WM, blieben ihm aber in Le Mans Top-Ten Ergebnisse bei 22 Teilnahmen von 1968-1993 versagt. Er sah insgesamt nur fünf Mal die Zielflagge und seine beste Platzierung erreichte er 1979 mit dem 11. Platz in der Gesamtwertung auf einem Porsche 935 mit den Teamkollegen H. Loewe und Rodrigo Teran. 1981 überlebt er nur mit viel Glück einen schweren Abflug, als an seinem Porsche 935 auf der Hunaudières Geraden bei 320 km/h der Heckflügel brach. "Zuerst war es nur schwarz vor meinen Augen, dann bin ich lange den Leitplanken entlang geschliffen und schliesslich hat es den Rest des Wagens einige Male gedreht. Als ich nach einer halben Ewigkeit endlich zum Stillstand kam, befand sich der Wagen in die Gegenrichtung blickend, mitten auf der Strecke. Vom Auto war nur noch das Chassis vorhanden, Karosserie und Motor wurden in tausend Einzelteile zerlegt."

Claude Haldi mit Alain Delon (© Courtesy Artcurial)

Nur wenige Wochen später lag er nach einem Kartunfall bei einer Clubveranstaltung in Lyss (CH) mit offenen Brüchen an beiden Beinen für drei Monate im Spital.

Als Amateurrennfahrer, der die meisten seiner Einsätze selbst finanzierte, konnte er auch einige Werkseinsätze für Porsche bestreiten. Ihm wurde sehr schnell klar: "Es ist unglaublich, welcher Unterschied zwischen den Werkswagen und den Privatautos besteht. Erst wenn man beide gefahren ist, merkt man, dass man als Privatfahrer nie und nimmer auch nur den Hauch einer Chance hat."

Seit dem Ende seiner Rennkarriere 1993 leitete er den 1919 gegründete Familienbetrieb (Apparatebau) in Lausanne, den er auch während seiner Rennfahrerkarriere nie im Stich liess. So war der gelernte Kupferschmied Besitzer mehrerer Industriebetriebe und lange Jahre als Vizepräsident des Schweizer Automobilclubs dem Motorsport nach wie vor eng verbunden. Er kämpfte auch, so lange er gesundheitlich konnte, für die Realisierung einer Schweizer Rennstrecke im Raume Moudon.

Der am 28. November 1942 geborene Waadtländer Claude Haldi hätte sich bestimmt an der Durchführung des Formel-E Rennens in Zürich gefreut, leider aber litt er in den letzten Monaten an Alzheimer und verstarb er am 25. Dezember 2017 im Alter von 75 Jahren.

 

Ein Weihnachtsgeschenk vergessen? In Gstaad gibts Nachschub …

Daniel Reinhard - 28.12.2017

Klassiker an der Gstaader Versteigerung (© Daniel Reinhard)

Für all die, die noch kein passendes Weihnachtsgeschenk gefunden haben oder eins vergessen hatten, gäbe es morgen noch die grosse Chance etwas Passendes zu ersteigern.

Lancia Aurelia B24S in Gstaad 2017 (© Daniel Reinhard)

Die Oldtimer Galerie Toffen lädt dann nämlich nach Gstaad ein, wo ab 17:00 Uhr 44 Raritäten unter den Hammer kommen werden. Bereits ab 16:00 gibt es einige Automobilia, darunter auch von Roger Moore und Sean Connery sowie all den damaligen Bond-Girls signierte Fotos, zu ergattern. Günstig wird das alles nicht, aber Geld war in Gstaad ja noch nie das Problem.

Bilderausstellung an der Oldtimer-Versteigerung in Gstaad (© Daniel Reinhard)

Für die erste Oldtimer-Galerie-Versteigerung von Gstaad ist alles bereit. Auf- und eingerichtet wurde bereits alles am Mittwoch, den 27. Dezember, bei starkem Schneefall. Weihnachtliche Stimmung machte sich breit im gut gefüllten Skiort, während der De Tomaso Pantera auf Slicks in die Halle geschoben wurde. Eigentlich nicht wirklich die Jahreszeit für schnelle Fahrzeuge.

Dies zeigte sich dann auch ganz deutlich bei der Rückfahrt auf schneebedeckter Fahrbahn. Klar blieben auch im Nobelskiort Gstaad die Ferraris und Astons in den beheizten Tiefgaragen. Für dieses Wetter hat Mann und vor allem Frau ja noch den passenden SUV mit Turbo-Power. Doch leider nützten auch all die heutigen Hilfsmittel wenig, denn der Verkehr kam kurzzeitig immer wieder zum Erliegen, da sich plötzlich keiner mehr getraute, aufs Gaspedal zu treten. Die rund 30 Kilometer von Gstaad zurück ins Flachland jedenfalls waren abenteuerlich, allerdings stellte der Verkehr die deutlich grössere Gefahr dar als der Schnee. Es lebe der Fortschritt, es lebe der SUV, dachte man als bescheidener Kombifahrer da, während man sich in Geduld übte und an die schönen Klassiker im Zelt von Gstaad dachte und welcher von denen jetzt wohl am meisten Spass auf Schnee und Glätte machen würde.

Die Ankündigung der Versteigerung auf Zwischengas mit allen Nachmeldungen sollte man sich jedenfalls nicht entgehen lassen. Und die Versteigerung am Freitag natürlich auch nicht. Wir jedenfalls werden vor Ort sein.     

44 Auto-Klassiker (inkl. 1 Traktor) an der Versteigerung der Oldtimer Galerie in Gstaad (© Daniel Reinhard)

 

Der Kampf der zwei Jaguar D-Type

Bruno von Rotz - 27.12.2017

XKD 518 und XKD 403 - zwei Jaguar D-Type an Versteigerungen (© Mathieu Heurtault und Patrick Ernzen)

Es wurden vermutlich 71 Jaguar D-Type Rennwagen gebaut (und 16 Strassen-Varianten namens XKSS). Wie gross ist also die Wahrscheinlichkeit, dass an einem Wochenende gleich zwei davon unter den Hammer kommen? Gering? Nun ja, vielleicht, aber am Wochende vom 20./21. Januar 2018 passiert es trotzdem.

RM/Sotheby’s und Gooding & Company können je einen der eleganten Renner mit windschlüpfiger Karosserie versteigern.

Jaguar D-Type XKD 403 (© Patrick Ernzen - Courtesy RM/Sotheby's))

RM/Sotheby’s scheint das prominentere Fahrzeug nach Arizona bringen zu können, handelt es sich dabei doch um ein Werksauto mit Chassis-Nummer XKD 403 von 1954, das von Stirling Moss und Peter Walker in Le Mans gefahren wurde im Jahr 1954 und später durch das Werk als Entwicklungsfahrzeug genutzt wurde. 

Jaguar D-Type XKD 518 (© Mathieu Heurtault - Courtesy Gooding & Co)

Gooding & Co dagegen wird einen der 53 Kundenautos nach Scottsdale lotsen. XKD 518 von 1956 weist eine lange britische Renngeschichte (mit einem Start beim Flugplatzrennen Wien-Aspern im Mai 1958) auf und ging einst sogar durch die Hände des jungen Bernie Ecclestone.

RM/Sotheby’s haben USD 12 bis 15 Millionen geschätzt für den Werkswagen XKD 403, Gooding USD 10 bis 12 Millionen für den Privatfahrer-D-Type XKD 518.

Ob sich die Tatsache, dass gleich zwei D-Types unter den Hammer kommen, wohl auf den Preis auswirken wird. Und wenn ja, in welcher Weise? Für Interessenten jedenfalls dürfte sich der Flug nach Arizona jedenfalls lohnen, eine derart grosszügige Auswahl erhält man selten.

 

Ein Käferjahr

Bruno von Rotz - 26.12.2017

VW 1303 Cabriolet 1975 (© Daniel Reinhard)

Es geht dem Jahresende entgegen und somit ist es auch Zeit, ein wenig zurückzublicken. Was mir auffällt, ist dass viele der Autoerinnerungen des Jahres 2017 mit dem VW Käfer zu tun haben. Nicht nur mit dem Käfer selber, wie dem abgebildeten 1303 Cabriolet, sondern auch mit dessen Derivate, die uns dieses Jahr richtig viel Spass gemacht haben.

Formcar Formel V von 1965 (© Daniel Reinhard)

Da war etwa der Formcar Formel V von 1965, der trotz relativ geringer Motorleistung unglaublich dynamisch auftrat, ein Monoposto eben. Alleine schon die niedrige Sitzposition exakt zwischen den vier Rädern sorgte schon für ein Fahrgefühl der Sonderklasse.

Apal VW Buggy von 1975 (© Balz Schreier)

Und dann war da noch der Apal Buggy, der uns im Sommer ein paar Wochen begleitet hat und uns viel Sonne ins Cockpit und ins Herz führte.

Was uns die VW-Derivate gelehrt haben, ist, dass auch mit 30 oder 40 PS viel Fahrfreude möglich ist und dass man keine zwei obenliegenden Nockenwellen und 6, 8 oder 12 Zylinder benötigt, um sich auf vier Rädern sportlich bewegen zu können.

Unser “Käferjahr” wird uns jedenfalls noch lange in Erinnerung bleiben.

 

Auto Motor und Sport im Zwischengas-Zeitschriftenarchiv!

Bruno von Rotz - 25.12.2017

Auto Motor und Sport und Das Auto im Zwischengas-Zeitschriftenarchiv

Seit Beginn von zwischengas.com und dies ist immerhin schon über sieben Jahre her, haben wir daran gearbeitet, möglichst alle relevanten Dokumente zu sammeln und online zur Verfügung zu stellen, die über das Automobil geschrieben wurden, insbesondere die grossen Automobil Zeitschriften. Den Anfang machte die Schweizerische Automobil Revue, doch es folgte schon bald die ADAC Motorwelt und weitere Magazine.

Jetzt steht ein besonders grosser Wachstumsschub ins Haus, seit einigen Monaten sind wir nämlich daran, die führende deutsche Autozeitschrift “Auto Motor und Sport” (und der Vorgänger “Das Auto”) komplett, Seite für Seite, zu digitalisieren und auf zwischengas.com zur Verfügung zu stellen.

Als Weihnachtsgeschenk an unsere Leser sozusagen konnten wir jetzt die ersten rund 25’000 Seiten im Zwischengas-Zeitschriftenarchiv integrieren. Es sind die Jahrgänge 1946, 1947, 1948, 1950 und 1951 von “Das Auto” und die Jahre 1952 bis 1963 sowie 1969 von “Auto Motor und Sport”. Ein Genuss für Autoliebhaber und voll von Nostalgie und Erinnerungen.

Bis März 2018 werden weitere folgen, Auto Motor und Sport umfasst (zusammen mit Das Auto) über 200’000 Seiten, die schliesslich komplett auf Zwischengas abrufbar sein werden. Insgesamt vergrössert sich unser Zeitschriftenarchiv damit auf weit über 500’000 Seiten und alle werden durchsuchbar und (für Premium-Nutzer) lesbar sein. Einmalig, nicht nur im deutschsprachigen Umfeld!

Zur Feier und auch zur Dokumentation haben wir auch einen kurzen Film redigiert, der einen Einblick gibt, was es bedeutet, ein derartiges Volumen zu digitalisieren. Viel Vergnügen.

Hier geht es zum erweiterten Zeitschriften-Archiv.

 

Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

Bruno von Rotz - 24.12.2017

Audi TT Diesel

Wir schreiben das Jahr 2045, die Welt ist eine andere als noch vor 20 oder 30 Jahren. Den letzten Schnee hat man in niedrigen Lagen im Jahr 2024 gesehen. Autos fahren elektrisch, autonom und trotzdem nicht lautlos. Alte Automobile mit Verbrennungsmotoren erkennt man kaum noch, sie sind die Passion einiger weniger Enthusiasten, die sie in Hallen oder auf abgesperrten Strassen und Parkplätzen fahren. Auf öffentlichen Strassen mit automatisch rollendem Verkehr haben sie keinen Platz mehr, wurden in fast allen Ländern verbannt.

Und dann die Sensationsmeldung: Nur wenig ausserhalb der Metropole wird in einer abgetakelten Garage ein Dieselsportwagen aus dem frühen 21. Jahrhundert gefunden. Dabei galten die Selbstzünder schon lange als ausgestorben und vernichtet. Und der Wagen lässt sich sogar starten, trotz über 25 Jahren Stillstand. Gebannt lauschen die Passanten dem harten Verbrennungsgeräusch, das schon lange in Vergessenheit geraten ist. Und dann beginnt es auch noch zu schneien, zum ersten Mal seit 21 Jahren. So muss sich Weihnachten anfühlen …

 

Pfarrer von Ah und sein fahrender Beichtstuhl

Karl Imfeld / Daniel Reinhard - 23.12.2017

Fiat - fahrender Beichtstuhl des Pfarrer von Ah (© Daniel Reinhard)

Um 1935 hatte Bischof Georgius den Priestern noch streng verboten, ausser in Notfällen Fahrrad zu fahren. Eile im Dienst des lieben Gottes war nicht angemessen. Weil Verordnungen da sind, um nicht gehalten zu werden, wurde der Dienst am Heil der Seelen mit den Jahren halt doch speditiver. Zwanzig Jahre später bedurfte es immer noch wichtiger Gründe und frommer Überzeugungskraft, die Anschaffung eines "Christenverfolgers", Marke Vespa oder Lambretta, zu rechtfertigen.

Pionier Pfarrer Albert von Ah

Bischöfliches Missfallen hin oder her, der Kernser Pfarrer Albert von Ah war seinen Kollegen um Jahrzehnte voraus. Als erster Geistlicher und dritter Obwaldner überhaupt, schaffte er sich 1909 sein erstes Auto an, einen hochrädrigen Fiat. Brauchte er auch. Seine Freunde, die wie er einen Jass (Schweizer Kartenspiel) und eine Flasche guten Wein schätzten, lebten fast drei Fusstunden entfernt, im Kanton Nidwalden.

Selbstverständlich konnte man das knatternde Gefährt auch zu einer Ausfahrt mit der Dorfprominenz nach Sarnen benützen. Mit dem Gemeinderat immer ein bisschen auf Kriegsfuss war es nicht schlecht, wenigstens die Gunst des Gemeindeschreibers zu pflegen. Von Ahs hochbeiniger Zweisitzer mit Vorhänglein an den Seitenfenstern stand immer regelmässiger in Sarnen vor dem "Obwaldnerhof".

Das ehrfurchtslose Fussvolk hatte für das Auto längst die Bezeichnung "von Ahs Beichtstuhl" gefunden. Bald zeigte sich, wie unausgereift und unverlässlich die Technik noch war. Die Strasse von Sarnen nach Kerns war steil, eher für Pferde und einen fluchenden Fuhrmann, als für den neuen Motorwagen geschaffen. Spätestens bei der Boll-Kapelle musste der Gemeindeschreiber aussteigen und auf dem letzten Stück die Ausfahrt gegebenenfalls mit Schieben abverdienen. Ins Dorf wurde dann wieder zweisitzig gefahren.

Vereinte Kraft

Ein so kostbarer Wagen brauchte einen Unterstand. Zu diesem Zweck liess von Ah ohne Erlaubnis des Kirchenvogtes, aber zu dessen Ärger die Vorderwand des Hühnerstalls ob dem Pfarrhof herausreissen. Es haperte mit der Zufahrt. Der Regen weichte den Boden auf und die schmalen Räder drehten durch. Die Hilfe der Pfarrhofköchin, einer energischen und kräftigen Jungfer, war gefragt. Mit vereinten Kräften und ermunternden Zurufen ging man ans Werk. Aus dem Wagen schrie der Pfarrer: "Stoss, Aff!", die Köchin hinter dem Wagen: "Zieh, Esel!".

Die Technik machte Fortschritte. Von Ah tauschte den leistungsschwachen, eher als Stadtfahrzeug gebauten "Beichtstuhl" gegen einen Ford. Der bewältigte den alten Karrweg von Kerns nach Stans mühelos und viel schneller. Seltsamerweise vermochte der Wagen beim Heimfahren, wenn der Herr mit seinen Freunden ein, zwei Liter Roten ausgejasst hatte, öfter die Spur nicht zu halten. Einmal blieb der Ford kurz vor Mitternacht in Ennetmoos neben dem Strassenrand im Dreck des Drachenriedes stecken. Ein Bauer und ein Ochse brachten den Pfarrer wieder auf den rechten Weg.

Scheiterhaufen im Weg

Um den Gefahren des Drachenriedes zu entgehen gab es von Nidwalden nach Kerns einen breiteren und etwas besseren Umweg über die Acheregg und Alpnach. Es war an einem milden Sommerabend des Jahres 1921, nach einem ausgiebigen Jass im "Engel" zu Stans. Von Ah geriet in Alpnach, heute würde man sagen um etwas mehr als ein Promille, von der Strasse ab. "Er fuhr von der Brücke über die kleine Schliere nachts um halb elf sechs Meter über die Strasse hinaus und just nicht in die Schliere". So wenigstens hielt es der Alpnacher Dorfpolizist in seinem Rapport fest. Der Polizist und ein paar Männer von der nahen "Krone" schafften das Auto auf die Strasse zurück, worauf der Pfarrer, kaum wieder am Steuer, in einen Schotterhaufen fuhr. Der Polizist hielt eine Busse von zwei Franken für angemessen. Nicht wegen dem Schotterhaufen. Unverschämt! Ein gutes Znacht (Abendessen) bekäme man dafür, wetterte von Ah. Die Busse zahlte er erst nach einem Bescheid des Polizeidirektors. Dieser hatte herausgefunden, dass der Pfarrer und seine Freunde reichlich Wein genossen hatten und der Stanser Wirt im Hinblick auf die späte Stunde und die tückische Heimfahrt seiner Hochwürden sich geweigert hatte, einen weiteren Liter aufzustellen.

Bischöfliches Machtwort

Der Gemeinde- und Kirchenrat gab dem Bischof einen zarten Wink, ob man nicht doch vielleicht…….?

Doch, doch, meinte der Bischof und gebot von Ah in einem harschen Brief, sein Auto sofort zu verkaufen. Beim Firmbesuch wollte der Bischof die Wirkung seines Machtwortes sehen.
Dass der Pfarrer dem Bischof den leeren Hühnerstall gezeigt habe und der Bischof ihm beinahe geglaubt hätte, wenn nicht der Kirchenvogt aus der Schule geplaudert und verraten hätte, das Auto stehe im Futterstall des Pfarrhofes, das glaube wer will. Glaubhaft dagegen ist, dass das Auto solange im Stall blieb, bis der Bischof wieder abgereist war.

 

Lucas - Prinz der Dunkelheit (prince of darkness)

Bruno von Rotz - 22.12.2017

Lucas Scheinwerfer von 1947

Lucas war eine Art Äquivalent zu Bosch in Grossbritannien. Praktisch in allen Autos der Insel sind Elektrikkomponenten von Lucas eingebaut. Einst war Lucas eine stolze Firma, doch mit dem Niedergang der britischen Autoindustrie verlor auch Lucas an Bedeutung, wurde 1996 mit der American Varity Corporation verschmolzen und überlebte schliesslich nur noch ein Markenname, der heute witzigerweise ZF Friedrichshafen gehört.

Lucas Elektrik in einem Auto von 1947

Weil Lucas-Komponenten so breit in britischen Fahrzeugen verbaut wurden und diese nicht immer mit der nötigen Zuverlässigkeit überzeugten, erhielt auch Lucas einen schlechten Ruf. Dieser wurde durch eine Vielzahl von Witzen noch verstärkt. Beispiele gefällig?

Lucas habe den Kurzschluss erfunden. Oder, wenn Lucas Waffen fabriziert hätte, wäre es nie zu einem Krieg gekommen. Oder, Lucas als Hersteller des Dreipositionenschalters - Aus, Flackern, Ein. Und so weiter. Weil bei vielen Autos mit Lucas-Elektrik sprichwörtlich ab und zu das Licht ausging, entstand auch der Spruch “Lucas, Prince of Darkness”.

Tatsächlich fabrizierte Lucas wohl einiges an Elektrikkomponenten, die weder vom Design, noch mit Materialqualität überzeugten. Zudem war wohl die Qualitätskontrolle nicht immer Herr der Lage. Es gab aber auch viele hochqualitative Produkte von Lucas, so verbaute man in den Rolls-Royce-Automobilen der Vorkriegszeit sehr zuverlässige Elektrikkomponenten. Lucas übernahm auch die berühmte Bremsen-Firma Girling. Und manche Mängel, die mit Lucas in Verbindung gebracht wurden, hatten wohl auch mit den Lucas-Kunden zu tun, die sie spezifizierten und einbauten. Aber man war wohl auch zu änderungsresistent, packte Probleme nicht mit der geforderten Konsequenz an. Da konnten dann auch interessante Entwicklungen und Innovationen den Niedergang nicht verhindern.

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