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Pfarrer von Ah und sein fahrender Beichtstuhl

Karl Imfeld / Daniel Reinhard - 23.12.2017

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Fiat - fahrender Beichtstuhl des Pfarrer von Ah (© Daniel Reinhard)

Um 1935 hatte Bischof Georgius den Priestern noch streng verboten, ausser in Notfällen Fahrrad zu fahren. Eile im Dienst des lieben Gottes war nicht angemessen. Weil Verordnungen da sind, um nicht gehalten zu werden, wurde der Dienst am Heil der Seelen mit den Jahren halt doch speditiver. Zwanzig Jahre später bedurfte es immer noch wichtiger Gründe und frommer Überzeugungskraft, die Anschaffung eines "Christenverfolgers", Marke Vespa oder Lambretta, zu rechtfertigen.

Pionier Pfarrer Albert von Ah

Bischöfliches Missfallen hin oder her, der Kernser Pfarrer Albert von Ah war seinen Kollegen um Jahrzehnte voraus. Als erster Geistlicher und dritter Obwaldner überhaupt, schaffte er sich 1909 sein erstes Auto an, einen hochrädrigen Fiat. Brauchte er auch. Seine Freunde, die wie er einen Jass (Schweizer Kartenspiel) und eine Flasche guten Wein schätzten, lebten fast drei Fusstunden entfernt, im Kanton Nidwalden.

Selbstverständlich konnte man das knatternde Gefährt auch zu einer Ausfahrt mit der Dorfprominenz nach Sarnen benützen. Mit dem Gemeinderat immer ein bisschen auf Kriegsfuss war es nicht schlecht, wenigstens die Gunst des Gemeindeschreibers zu pflegen. Von Ahs hochbeiniger Zweisitzer mit Vorhänglein an den Seitenfenstern stand immer regelmässiger in Sarnen vor dem "Obwaldnerhof".

Das ehrfurchtslose Fussvolk hatte für das Auto längst die Bezeichnung "von Ahs Beichtstuhl" gefunden. Bald zeigte sich, wie unausgereift und unverlässlich die Technik noch war. Die Strasse von Sarnen nach Kerns war steil, eher für Pferde und einen fluchenden Fuhrmann, als für den neuen Motorwagen geschaffen. Spätestens bei der Boll-Kapelle musste der Gemeindeschreiber aussteigen und auf dem letzten Stück die Ausfahrt gegebenenfalls mit Schieben abverdienen. Ins Dorf wurde dann wieder zweisitzig gefahren.

Vereinte Kraft

Ein so kostbarer Wagen brauchte einen Unterstand. Zu diesem Zweck liess von Ah ohne Erlaubnis des Kirchenvogtes, aber zu dessen Ärger die Vorderwand des Hühnerstalls ob dem Pfarrhof herausreissen. Es haperte mit der Zufahrt. Der Regen weichte den Boden auf und die schmalen Räder drehten durch. Die Hilfe der Pfarrhofköchin, einer energischen und kräftigen Jungfer, war gefragt. Mit vereinten Kräften und ermunternden Zurufen ging man ans Werk. Aus dem Wagen schrie der Pfarrer: "Stoss, Aff!", die Köchin hinter dem Wagen: "Zieh, Esel!".

Die Technik machte Fortschritte. Von Ah tauschte den leistungsschwachen, eher als Stadtfahrzeug gebauten "Beichtstuhl" gegen einen Ford. Der bewältigte den alten Karrweg von Kerns nach Stans mühelos und viel schneller. Seltsamerweise vermochte der Wagen beim Heimfahren, wenn der Herr mit seinen Freunden ein, zwei Liter Roten ausgejasst hatte, öfter die Spur nicht zu halten. Einmal blieb der Ford kurz vor Mitternacht in Ennetmoos neben dem Strassenrand im Dreck des Drachenriedes stecken. Ein Bauer und ein Ochse brachten den Pfarrer wieder auf den rechten Weg.

Scheiterhaufen im Weg

Um den Gefahren des Drachenriedes zu entgehen gab es von Nidwalden nach Kerns einen breiteren und etwas besseren Umweg über die Acheregg und Alpnach. Es war an einem milden Sommerabend des Jahres 1921, nach einem ausgiebigen Jass im "Engel" zu Stans. Von Ah geriet in Alpnach, heute würde man sagen um etwas mehr als ein Promille, von der Strasse ab. "Er fuhr von der Brücke über die kleine Schliere nachts um halb elf sechs Meter über die Strasse hinaus und just nicht in die Schliere". So wenigstens hielt es der Alpnacher Dorfpolizist in seinem Rapport fest. Der Polizist und ein paar Männer von der nahen "Krone" schafften das Auto auf die Strasse zurück, worauf der Pfarrer, kaum wieder am Steuer, in einen Schotterhaufen fuhr. Der Polizist hielt eine Busse von zwei Franken für angemessen. Nicht wegen dem Schotterhaufen. Unverschämt! Ein gutes Znacht (Abendessen) bekäme man dafür, wetterte von Ah. Die Busse zahlte er erst nach einem Bescheid des Polizeidirektors. Dieser hatte herausgefunden, dass der Pfarrer und seine Freunde reichlich Wein genossen hatten und der Stanser Wirt im Hinblick auf die späte Stunde und die tückische Heimfahrt seiner Hochwürden sich geweigert hatte, einen weiteren Liter aufzustellen.

Bischöfliches Machtwort

Der Gemeinde- und Kirchenrat gab dem Bischof einen zarten Wink, ob man nicht doch vielleicht…….?

Doch, doch, meinte der Bischof und gebot von Ah in einem harschen Brief, sein Auto sofort zu verkaufen. Beim Firmbesuch wollte der Bischof die Wirkung seines Machtwortes sehen.
Dass der Pfarrer dem Bischof den leeren Hühnerstall gezeigt habe und der Bischof ihm beinahe geglaubt hätte, wenn nicht der Kirchenvogt aus der Schule geplaudert und verraten hätte, das Auto stehe im Futterstall des Pfarrhofes, das glaube wer will. Glaubhaft dagegen ist, dass das Auto solange im Stall blieb, bis der Bischof wieder abgereist war.

Neueste Kommentare

 
 
Ol******:
26.12.2017 (10:08)
Ist auf dem Bild wirklich ein FIAT 1909 abgebildet? Gibt es dazu einen Nachweis?
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
26.12.2017 (20:42)
Das ist mit ziemlicher Sicherheit weder der Fiat noch der Ford, den Pfarrer von Ah hier fährt. Ort und Person sind aber authentisch, vermutlich ist einfach das Auto ein anders, das vielleicht zwischen Fiat und Ford seine Dienste leistete. Vielleicht weiss auch einer der Leser, um was es sich handeln könnte?
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