Wettkampf der besten Supersportwagen der späten Sechzigerjahre

Erstellt am 28. Juni 2013
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Courtesy RM Auctions 
17
Stephen Goodal - Courtesy RM Auctions 
8
Simon Clay 
5
Khiem Pham - Courtesy RM Auctions 
2
Archiv Aston Martin 
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Theo Civitello - Courtesy RM Auctions 
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RM Auction Glenn Zanotti 
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Tim Scott - Courtesy RM Auctions 
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Pawel Litwinski - Courtesy RM Auctions 
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Simon Clay - Courtesy RM Auctions 2013 
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Darin Schnabel - Courtesy RM Auctions 
1
Bruno von Rotz 
1
Archiv 
18

Wer Ende der Sechzigerjahre mit viel Geld gesegnet war und nach einem Spitzensportwagen Ausschau hielt, kam an den italienischen Erzeugnissen nicht vorbei. Zwar boten auch Porsche (911 S), Mercedes (280 SL) oder etwa Chevrolet (Corvette C3) durchaus rasante Wagen an, aber die Granturismo-Wagen der norditalienischen Autoschmieden Lamborghini, Maserati, Ferrari oder De Tomaso waren die Speerspitze von damals.


Ferrari 365 GTB/4 Daytona Berlinetta (1973) - angeboten als Lot 111 an der RM Auction Villa Erba am 25. Mai 2013
Copyright / Fotograf: Simon Clay

Sie hiessen Miura, Ghibli, Daytona und Mangusta und die Jungs von damals drückten sich ihre Nase an den Seitenscheiben platt, wenn einmal, was selten genug stattfand, eine dieser Designikonen auftauchte. 300 km/h und mehr war auf den Tachos zu lesen, da war Ehrfurcht durchaus angebracht.

Preismässig auf ähnlichem Niveau war der Aston Martin DBS angeordnet, der die englische Fahne vertrat, aber eigentlich erst mit dem ab Ende 1969 lieferbaren V8-Motor statt des vorerst eingebauten Reihensechszylinders mithalten konnte. 


Aston Martin DBS V8 (1968) - von RM in London im Jahr 2011 für £ 61'500 versteigert
Copyright / Fotograf: Stephen Goodal - Courtesy RM Auctions

Unerreichbar für Otto Normalverbraucher

Während der einfache Bürger sich damals vielleicht nach vielen Jahren des Sparens einen VW Käfer für 5995 Franken, einen Citroën 2 CV für 4995 Franken, oder, wenn der Zahltag denn etwas grösser war auch einen BMW 1600 für 11’700 Franken oder einen Mercedes Benz 200 für 17’400 in die Garage stellen konnte, kostete der Eintritt in den Supersportwagen-Club normalerweise über 60’000 Franken. Nur der De Tomaso Mangusta war mit 54’000 Franken etwas günstiger zu haben.


De Tomaso Mangusta (1970) - von RM 2009 in Arizona für 91'850 USD versteigert
Copyright / Fotograf: Courtesy RM Auctions

Über zehn Mal mehr als für die Minimalmotorisierung musste man also dem Neuwagenhändler auf den Tisch legen, wenn man sich in seinen eigenen Maserati Ghibli 4700 (65’500 Franken), Lamborghini Miura P400 S (68’500 Franken) oder Ferrari 365 GTB/4 Daytona (63’000) setzen wollte. Aber fuhr man damit auch derart viel besser?


Lamborghini Miura P400 S (1971) - durch RM im Jahr 2010 an der Monterey-Woche versteigert
Copyright / Fotograf: Courtesy RM Auctions

Bis 280 km/h Spitzengeschwindigkeit

Auf jeden Fall kam man schneller voran, wenn es denn die Strassen - der Autobahnbahn war voll im Gange - und die Verkehrsverhältnisse - auch damals gab es schon Stau - zuliessen.


Maserati Ghibli (1968) - von RM Auctions 2010 an der Monterey-Versteigerung für USD 82'500 verkauft
Copyright / Fotograf: Courtesy RM Auctions

Während dem VW Käfer bei gut 120 km/h der Schnauf ausging, erreichten die Supersportwagen 250 km/h (Aston Martin, De Tomaso), 275 km/h (Maserati, Ferrari) oder sogar 280 km/h (Lamborghini), wenn man sich denn traute. Denn hohe Geschwindigkeiten sorgten damals für feuchtere Hände als heute, sei es, weil sich die Front des Lamborghini beängstigend anhob oder Seitenwind die Richtungsstabilität stark beeinflusste. Aber deshalb trugen wohl die noblen Sportfahrer auch edle Lederhandschuhe mit Löchern über den Fingerkuppen.

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Temperamentvoll

Auch beim Ampelsprint vergeigten die Sportwagen den fahrbaren Untersatz der Massenmotorisierten. Während sich ein Käfer schon mal mehr als 30 Sekunden Zeit nahm, um Tempo 100 km/h zu erreichen, reichten bei den italienischen GTs maximal ein Schaltmanöver und gut 6 Sekunden. Und auch darüber beschleunigten die Sportwagen flott weiter, bis die Aerodynamik den Vortrieb einbremste. In dieser Disziplin schwangen der De Tomaso Mangusta und der Lamborghini Miura obenauf - dank gutem Leistungsgewicht und viel Traktion auf den Hinterrädern.

Schönheit über alles

Optisch waren sie alle Spitzenerzeugnisse. Kein Wunder, denn die Crème de la Crème des italienischen Designs stand am Zeichentisch, als es darum ging die teuersten Sportwagen der Welt zu gestalten. Giorgetto Giugaro (Mangusta, Ghibli), Pininfarina (Daytona) und Bertone/Gandini (Miura) schufen allesamt Meisterwerke.

Nur der Aston Martin DBS wurde von einem Engländer, William Towns, gezeichnet und es dauerte ein wenig, bis man die Qualitäten des Entwurfs richtig zu schätzen lernte.

Dass Funktionalität und schönes Design oft nicht zusammen gehen, das zeigten die italienischen Sportwagenentwürfe in aller Deutlichkeit. Die starke Erhitzung der Cockpits, die nicht optimale Rundumsicht, minimale Stauräume und teilweise gewöhnungsbedürftige Sitzpositionen erforderten ein gewisses Mass an Masochismus, wenn man sich auf lange Reisen wagen wollte.

Nicht unproblematisch im Alltag

Von der Zuverlässigkeit moderner Sportwagen waren die Autos damals ein weites Stück entfernt, bei einem Vergleichstest, den die Zeitschrift hobby im Jahr 1971 durchführte, verglühte die Kupplung des Lamborghini Miura und das Reserverad des Mangusta passte nur auf die Vorderachse. Mancher damalige Besitzer besuchte mehrmals das Werk, um Anpassungen an seinem Spitzenerzeugnis durchführen zu lassen.

Freude hatte aber auf jeden Fall der Tankwart an den Sportwagenfahrern, denn nicht nur verbrauchten sie rund 18 bis 30 Liter pro 100 km, sie kauften auch in grossen Mengen ein, denn eine Tankgrösse von über 100 Litern war damals nicht exotisch.

Unterschiedliche Wertentwicklung

Aus heutiger Sicht gebührt allen fünf Sportwagen ein Platz im Klassiker-Olymp, die im Marktpreis dokumentierte Wertschätzung unterscheidet sich allerdings stark. Während ein Aston Martin DBS in der Nähe seines damaligen Neupreises gehandelt wird, kostet ein Miura heute das Sieben- bis Zehnfache und ein Daytona das Fünf- bis Siebenfache. Deutlich günstiger kommt man beim Mangusta oder beim Ghibli weg, deren Wert sich ungefähr verdoppelte.

Für welchen sich der Klassikerkäufer also heute entscheiden will, wenn man denn über die nötigen Mittel, die dann auch die nicht unerheblichen Unterhalts- und Versicherungskosten abdecken müssen, verfügt, hängt primär von den eigenen Vorlieben ab.

Die fünf Fahrzeuge waren trotz ähnlicher Zielsetzungen der Konstrukteure recht unterschiedlich geraten. Während der Maserati Ghibli, der Ferrari Daytona und der Aston Martin DBS den Motor vorne haben, vertrauten De Tomaso beim Mangusta und Lamborghini beim Miura auf die sportlichere Mittelmotorbauweise. Während acht Zylinder bei Maserati und De Tomaso reichen mussten, der Aston sich (vorerst) gar mit sechs begnügen musste, schöpfen Ferrari und Lamborghini ihre Leistung aus grossen V12-Motoren. Und wenn die Kinder mitfahren sollen, kommt sowieso nur der Aston Martin in Frage, denn die anderen vier sind strikt Zweisitzer.

Die Sportwagen im Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt die fünf Sportwagen im Vergleich. Die Daten für Motorgrösse, Gewicht und Leistung stammen aus den damaligen technischen Datenblätter. Bei den Beschleunigungszeiten und Höchstgeschwindigkeiten handelt es sich um Mittelwerte damaliger Testfahrten. Die Preisangabe in Schweizer Franken stammt aus dem Jahr 1969 und die Wertentwicklung “Wert %” zeigt den Wertzuwachs gemäss Marktbeobachter Classic Data und anderen Quellen.

Marke Typ Motor Hubraum PS Gewicht kg/PS 0-100 km/h Vmax Preis CHF Wert %
Aston Martin DBS R6 3995 325 1300 4.9 8.1 250 60500 99
De Tomaso Mangusta V8 4728 306 985 3.2 6.2 250 54000 176
Ferrari 365 GTB/4 Daytona V12 4390 352 1280 3.6 6.1 275 63000 556
Lamborghini Miura P400 S V12 3929 430 1075 2.5 6 280 68500 876
Maserati Ghibli 4700 V8 4709 310 1530 5.3 7 275 65500 183

 

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