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Porsche 930 Turbo - der Volkswagen unter den Supersportwagen?

Erstellt am 21. Dezember 2016
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
40
Archiv Porsche AG 
2
Zwischengas Analyse / Classic Data 
1
Archiv 
11

Wenn Leute über den Porsche 911 schnöden, dann fällt schnell das Wort “Käfer”. Zurecht, denn schliesslich geht das technische Grundlayout des Heckmotor-Porsches auf den ebenfalls durch Ferdinand Porsche mitentwickelten VW Käfer zurück. Und tut es bis heute, obschon statt sechs luftgekühlten inzwischen (noch) dieselbe Anzahl wassergekühlter Zylinder in Boxer-Aufstellung ihren Dienst tun.

Porsche 911 Turbo (930) (1977) - herrliche Silhouette
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Natürlich hatte der Porsche 911 (oder 901) schon bereits bei seiner Vorstellung im Jahr 1963 einen deutlichen Abstand zum Käfer gelegt. Im Jahr 1974 distanzierte sich der erstmals in Serienform präsentierte 911 Turbo aber noch wesentlich deutlicher vom Käfer - mit viel Leistung und Sportlichkeit, ohne dabei die Alltagstauglichkeit zu opfern. Er katapultierte sich direkt in die Liga der Supersportwagen, wo der Porsche 911 Turbo mit Mittelmotorboliden vom Schlag eines Ferrari 365 GT/4 BB oder Lamborghini Countach konkurrierte.

Porsche 911 Turbo (930) (1977) - nur die ersten Turbos bis 1977 hatten den schlanken Heckflügel
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Der Volkswagen unter den Supersportwagen

Nicht, dass ein Porsche 911 Turbo, auch 930 genannt, Mitte der Siebzigerjahre billig gewesen wäre. Für den Preis von DM 66’450 oder CHF 78’650 gab’s damals immerhin auch sieben VW Golf zu kaufen, aber die Konkurrenten aus dem Süden waren eben nochmals deutlich teurer, lagen knapp unter der sechsstelligen Grenze (DM) oder sogar darüber (CHF).

Porsche 911 Turbo (930) (1977) - drei Liter Hubraum, 260 PS dank Turbolader
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Und spätestens beim ersten Wartungsdienst lernte man die bescheidenen sechs Zylindereinheiten zu schätzen, die dazu noch einigermassen gut zugänglich unter dem Heckmotordeckel sassen, während die Konkurrenz die doppelte Anzahl Zylinder (und Zündkerzen) bemühte und auch noch auf mühselig zu synchronisierende Vergasereinheiten setzte, anstatt auf die einfachere Benzineinspritzung.

Alltagstauglicher als die Konkurrenz

Als Beinahe-Volkswagen entpuppte sich der Porsche 911 Turbo aber auch im Alltag. Denn er lief lammfromm an, erlaubte auch das Mitführen von (nicht zu grossen) Passagieren hinten oder das Einladen grösserer Gepäckstücke (auf der Hinterbank). Auch der Einstieg gelang deutlich einfacher, schliesslich war der Porsche rund 20 cm höher als die Mittelmotorflundern aus Italien.

Porsche 911 Turbo (930) (1977) - klassisches Porsche-Interieur
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Beim Parken bewährte sich die übersichtliche Form des 911 sowieso und der Turbo-Heckflügel vereinfachte das Rangieren, während man vor allem aus dem Countach kaum heraussehen konnte. 

An der Tankstelle gehörte man im Turbo sowieso zum Sieger, denn, obschon selber nicht unbedingt sparsam, schlug man die Zwölfzylinderkonkurrenz um 6 bis 10 Liter pro 100 km, was den Durchschnittsverbrauch anging.

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Kaum langsamer als die Italiener

Selbst in den Fahrleistungen brauchte sich der zwangsbeatmete Porsche nicht zu verstecken.

Porsche 911 Turbo (930) (1977) - 250 km/h schnell
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Bis 160 km/h hielt er den Ferrari und den Lamborghini in Schach, erst bei sehr hohen Geschwindigkeiten spielten die Zwölfzylinder-Exoten die höhere Leistung zu ihren Gunsten aus. Und dass beim Porsche bei 250 km/h Ende der Fahnenstange war, während die Quartetthelden aus der Emilia-Romagna über 280 km/h liefen, war fast schon von akademischer Natur, denn schon damals war der Verkehr meist zu dicht für derartige Geschwindigkeiten.

Deutlich leiser

Der Porsche 911 Turbo war kein Leisetreter, aber im Vergleich zur Mittelmotorkonkurrenz schonte er die Trommelfelle der Insassen. Bei 200 km/h erlaubten 83 Phon zwar keine Flüsterdialoge, aber mit etwas angehobener Stimmte konnte man immerhin die Route diskutieren, während die 90 Phon des BB und noch mehr die 95 Phon des Countach schon nach Gehörschutzmassnahmen riefen (oder schrieen).

Vergleich Porsche 911 Turbo mit Ferrari 365 GT/4 BB und Lamborghini Countach LP 400

Der folgende Datenvergleich nimmt seine Daten aus drei Testberichten, die allesamt im Jahr 1975 in der Motor Revue veröffentlicht wurden.

Fahrzeugtyp Porsche 911 Turbo 3.0 Ferrari 365 GT/4 BB Lamborghini Countach LP 400
Baujahre Modell 1974-1977 1973-1975 1974-1978
Hubraum 2992 4390 3929
Zylinder 6 12 12
PS 260 351 375
bei U/min 5500 7100 8000
max. Drehmoment mkg 35 44 38.6
bei U/min 4200 3900 5500
Kühlung Luft Wasser Wasser
Vergaser/Einspritzung Bosch K-Jetronic 4 Weber 30 IF3C 6 Weber 45 DCOE
Turbolader ja nein nein
Gewicht (vollgetankt) kg 1210 1550 1375
Leistungsgewicht kg pro PS 4.7 4.4 3.7
Zuladung kg 260 200 245
Länge mm 4291 4360 4140
Breite mm 1775 1800 1890
Höhe mm 1320 1120 1070
0-60 km/h 2.6 3.2 3
0-100 km/h 5.2 6.2 5.4
0-120 km/h 7 8 7.2
0-140 km/h 8.8 10.2 9.4
0-160 km/h 11.8 13.3 11.8
0-200 km/h 19.8 19.9 18.7
1 km mit stehendem Start 24.4 25.2 24.3
Spitze km/h 250 281.3 288
Innengeräusch bei 100 km/h Phon 74 79 85
Innengeräusch bei 200 km/h Phon 83 90 95
Verbrauch (Test) l/100 km 20.9 29.5 26.6
Neupreis DM (1975) 66'450 98'457 99'800
Neupreis CHF (1975) 78'650 119'500 115'000
Produzierte Stückzahl 2876 387 150
Wert 2016 Zustand 2 EUR 180'000 453'000 805'000
Wertsteigerung Heute:Neupreis (Faktor) 5.15 8.74 15.33

 

Spät entdeckt

Über Jahrzehnte fristete der Porsche 911 Turbo bis in die Neunzigerjahre eine Gebrauchtwagen-Existenz, wurde von den Autosammlern kaum beachtet, was auch daran lag, dass er optisch fast unverändert bis Ende der Achtzigerjahre gebaut wurde.

Die Wertnotierungen dümpelten selbst für Fahrzeuge in sehr gutem Zustand (Classic-Data-Notation 2) um 20’000 Euro, bis die Preise dann ab 2005 langsam anzusteigen begannen. Bis 2013/2014 aber lag ein gebrauchter Erstgenerations-Porsche Turbo immer noch höchstens auf Neupreis-Niveau, und dies trotz deutlicher Teuerung seit den Siebzigerjahren. Tatsächlich waren die deutlich zahlreicheren 3,3-Liter-Modelle und insbesondere die Fünfgang-Varianten sogar noch beliebter als die Ur-Turbos.

Wertentwicklung des Porsche 911 Turbo 3-Liters (930, 1974-1977) seit 2002 (Stand Ende 2016)
Copyright / Fotograf: Zwischengas Analyse / Classic Data

Dies änderte sich aber ab 2014 schlagartig und heute sind die Marktpreise der ersten Generation der 3.0-Liter-Turbos, von welcher bekanntlich gerade einmal 2876 Exemplare gebaut wurden, den späteren Varianten deutlich enteilt. Spitzenexemplare wurden für über EUR 300’000 versteigert, Classic-Data nennt Ende 2016 EUR 180’000 als Wert für ein Zustand-2-Exemplar, notabene rund das 5.5-fache des damaligen Neupreises.

Allerdings, den Wertsteigerungswettstreit verliert der Porsche 911 Turbo bisher gegen seine damaligen Widersacher Ferrari BB und Lamborghini Countach trotzdem, denn diese werden zum fast 9-, respektive sogar über 15-fachen ihres damaligen Neupreises gehandelt. So gesehen ist der Porsche sogar bis heute ein “Volkswagen” geblieben. Unterhaltstechnisch dürfte er sowieso ein Engel sein, zumindest im Vergleich zu den Exoten aus Sant’Agata oder Maranello.

Einer von 2876

Der portraitierte Porsche 911 Turbo stammt aus dem Jahr 1977. Ausgeliefert wurde er am 1. Juli 1977 und zwar in die USA. Mit elektrischen Fensterhebern und Schiebedach, Ledersitzen und Klimaanlage ist er komplett ausgerüstet. Chassis 930 780 024 1 gelangte 2011 in die Schweiz, wurde danach umfangreich restauriert, obschon der Wagen nur eine geringe Laufleistung aufwies. Dabei wurde auf Originalität viel Gewicht gelegt und auf eine akribische Dokumentation sowieso.

Porsche 911 Turbo (930) (1977) - kam deutlich höher daher als Ferrari und Co
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Besitzer Mark Schürmann liebt den klassischen Look an seinem Turbo, aber auch die Tatsache, dass er trotz seiner 40 Jahren noch locker im Verkehr mithalten kann. “Klar sind es ‘nur’ 260 PS, aber sie haben halt auch nur mit 1,2 Tonnen zu tun, die Beschleunigung von 80 auf 140 km/h ist auch heute noch ein Erlebnis”, meint Schürmann und seine Augen leuchten. “Zudem muss ich auf nichts verzichten und zuverlässig ist er noch dazu”, ergänzt er, nachdem er gerade von einer längeren Fahrt zurückgekehrt ist.

Porsche 911 Turbo (930) (1977) - kräftige Heckpartie
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

“Aus meiner Sicht ist der 930 Turbo immer noch unterbewertet, schliesslich war er der erste Strassen-Turbo von Porsche, dazu diente dieses Auto als Basis für die Rennsportwagen 934 und 935 und im Vergleich zu anderen Porsche-911-Modellen, etwa dem 2.4 S, ist er selten und eine fahrerische Sensation”, meint Schürmann mit Blick auf die bisherige Wertentwicklung.

Technik und Entwicklungsgeschichte

Einen umfangreichen Artikel zur Entwicklung des Porsche 911 Turbo und der eingesetzten Technik wurde bereits vor einigen Jahren publiziert.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von di******
03.01.2017 (17:49)
Antworten
Wer für einen solch legendären Sportwagen nicht wenigstens einen 4stelligen Betrag in den Unterhalt und Wartung steckt - oder zu stecken in der Lage ist sollte von vornherein die Finger von solchen Autos lassen.
Dacia, Smart und Co fahren ja schließlich auch - nur man muss halt wissen was man will - ICE fahren kostet beider Bahn auch mehr...
von to******
28.12.2016 (16:08)
Antworten
Was mich am meisten erstaunt:
dieser Porsche und der Ferrari waren kaum breiter als heutige Kleinwagen.
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