Es ist vorbei – das Auktionsjahr 2020 im Rückblick

Bruno von Rotz
22.12.2020

Alfa Romeo B.A.T. 5 (1953), B.A.T. 7 (1954) und B.A.T. 9d (1955) (© Ron Kimball - Courtesy RM/Sotheby's)

Letzte Woche fand auch die letzte grössere Versteigerung im Corona-Jahr 2020 statt. Es war auch für die Auktionshäuser ein besonderes Jahr, denn eine ganze Reihe von Traditionsveranstaltungen, um die sich üblicherweise die Versteigerungen gruppieren, fielen pandemiebedingt aus.

Nach einer Überraschungspause rappelten sich die Auktionshäuser wieder auf und nutzten verstärkt das Internet, um ihre Versteigerungen durchzuführen. Im Sommer waren dann sogar für einige Zeit wieder Präsenz-Veranstaltungen möglich. Der Trend in Richtung Online wird wohl auch in Zukunft anhalten. Trotz der erschwerten Verkaufsbedingungen gab es auch im Jahr 2020 Rekorde und Überraschungen und auch teure Autos fanden neue Besitzer.

Die 25 teuersten Autos/Lots waren 2020:

Marke Typ Jahr EUR VP CHF VP
Alfa Romeo B.A.T. 5 / 7 / 9d 1953 12388750 13263250
Bugatti Type 59 Sports 1934 10679200 11537350
Bugatti Type 57S Atalante 1937 8797600 9504550
Bugatti Type 55 Super Sport Roadster 1932 6319000 6674000
Bugatti Type 55 Two-Seat Supersport 1931 4600000 4922000
Bugatti Type 35C Grand Prix 1928 4407200 4761350
Ferrari 550 GT1 Prodrive 2001 3603600 3903900
Lamborghini Miura P400 SV Speciale 1971 3591840 3880470
Aston Martin DB3S 1955 3372320 3643310
Ford Mustang GT390 "Bullit" 1968 3366000 3627800
Shelby GT350 R Prototype 1965 3349500 3619000
Renault Type AI 35/45HP Vanderbilt Racer 1907 2965925 3132550
Ferrari F50 1995 2900250 3125825
Ferrari 275 GTB Long Nose 1966 2618000 2802800
Ferrari Enzo 2003 2448600 2587725
Ferrari 275 GTB 6C 1965 2444000 2615080
Ferrari 225 S Berlinetta by Vignale 1952 2388500 2557100
Ferrari Enzo 2003 2376000 2534400
Hispano-Suiza J12 Dual Cowl Phaeton 1932 2182500 2352250
Pagani Huayra Roadster 2018 2133000 2298900
Lamborghini Miura SV 1972 2122875 2295000
Ferrari 288 GTO 1985 2079000 2217600
BMW 507 Series II Roadster 1959 2070000 2235600
Ferrari Enzo 2003 2000900 2142140
BMW 507 Roadster Series II 1958 1996250 2135988


Einmal mehr lieferte Ferrari die meisten Top-Seller. Überraschend ist das zahlreiche Auftreten von Bugatti und dass auch BMW zwei 507er in den Top-25 platzieren konnte. Ebenfalls ist speziell, dass Porsche mit keinem einzigen Auto in den Top-25 repräsentiert ist. Und aussergewöhnlich darf sicher auch zu werten sein, dass an der Spitze  Alfa Romeo stehtn, notabene allerdings mit drei Autos als Gemeinschaftslot.

Deutlicher Wertrückgang

Obschon das Volumen der beobachten Transaktionen etwa gleich hoch lag im Jahr 2020 (5295) wie im Jahr zuvor (5210) zeigte sich der Einfluss von Corona und einer Verschiebung Richtung Online-Auktionen in den Ergebnissen.

Beim Verkauf der 20 teuersten Lots kamen 2020 EUR 86,9 Millionen zusammen, im Jahr zuvor waren es noch EUR 137,4 Millionen.

Aber auch die Schätzwerte sanken, 2019 noch betrug der durchschnittliche Estimate EUR 247’400, im Jahr 2020 nur noch etwa EUR 169’600.

Kaum unterschiedlicher zeigten sich die Verkaufsquoten, diese pendelte sich 2020 bei 74,5 % ein, während sie 2019 bei 73,3 % lag.

Die gehandelten Autos waren im Jahr 2020 mit 51 Jahren etwas jünger als 2019 mit 54 Jahren. Der Anteil von “No Reserve”-Angeboten sank von 45 % auf 40 %.

Die 20 meistgehandelten Marken präsentierten sich wie folgt im Jahr 2020:

Rang Marke Anzahl D-Alter D-VP EUR Anteil Verkauft
1 Porsche 442 36 161195 71 %
2 Mercedes-Benz 379 42 152114 76 %
3 Ferrari 353 31 389737 64 %
4 Ford 312 57 85807 75 %
5 Jaguar 297 53 113272 67 %
6 BMW 202 41 86404 75 %
7 Chevrolet 192 50 47391 73 %
8 Alfa Romeo 128 53 252641 60 %
9 Aston Martin 128 36 227533 55 %
10 Bentley 128 42 114528 65 %
11 Rolls-Royce 128 60 111040 76 %
12 Cadillac 102 66 76629 77 %
13 Buick 92 69 33213 75 %
14 Citroën 78 60 31647 87 %
15 Fiat 78 56 87099 83 %
16 Lamborghini 71 38 392081 66 %
17 Volkswagen 70 49 35754 91 %
18 Lancia 69 56 145364 68 %
19 Maserati 68 45 143676 60 %
20 Land Rover 56 38 39715 75 %


Die Tabelle zeigt die Marken, die Anzahl verkaufter Fahrzeuge, das Durchschnttsalter, der Durchschnittsverkaufspreis und der Anteil verkaufter Wagen.


Konsolidierung

Wenn man den längerfristigen Trend anschaut, dann dürfte das Jahr 2020 als weiteres Konsolidierungsjahr in die Geschichte eingehen. Noch immer sinkt das gros der Klassiker leicht im Wert. Natürlich ist es für jede Marken-/Typen-Kombination etwas anders, aber als Beispiel sei hier der Porsche 911 Carrera RS Touring, gebaut in den Jahren 1972 und 1973, gezeigt, der seit drei oder vier Jahren mit fallenden Bewertungen kämpft.

Porsche 911 RS von 1973 (© Daniel Reinhard)

Das Hoch war um die Mitte der Zehnerjahre. Danach ging es tendenziell wieder runter, wie dieTrendlinie zeigt.

Porsche 911 RS Touring - Wertentwicklung von 2012 bis 2020

Ähnlich geht es auch vielen anderen Fahrzeugtypen, wie Auswertungen der Zwischengas-Auktionsdatenbank , die wir unter anderem im Jahresmagazin 2021 publiziert haben, zeigen.

Für das kommende Jahr sind die Aussichten nicht unbedingt besser, die Pandemie wird uns noch mindestens bis in den Sommer beschäftigen. Aber dies wird verkaufswillige Klassikerbesitzer nicht daran hindern, ihre Autos zu Versteigerungen einzuliefern. Die nächsten grossen Auktionen in Scottsdale und Paris im Januar/Februar 2021 werden zeigen, in welche Richtung der Zug fährt.

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