Die Zehnerjahre - Rückblick auf das zweite Klassiker-Jahrzehnt (2011-2020)

Bruno von Rotz
31.12.2020

Klassiker-Gegensätze im zweiten Jahrzent (© Bruno von Rotz / Aston Martin)

Es scheint, man ist sich bei der Definition des Jahrzehnts nicht ganz einig. Reden wir nun von 2010 bis 2019 oder 2011 bis 2020? Nun, beim jetzt ablaufenden Jahrzehnt, und wir übernehmen nun die breiter angewandte Form 2011 bis 2020, macht es gar keinen so grossen Unterschied, denn das Jahr 2020 scheint ja irgendwie gar nicht stattgefunden zu haben. Wer an grosse Anlässe, Concours oder Rallyes zurückdenkt, an denen er teilgenommen hat, muss oft bis ins Jahr 2019 zurückgehen. Die Corona-Pandemie hat zumindest teilweise das Jahr 2020 ausradiert.

Heute Nacht aber erfolgt der Übertritt ins nächste Jahrzehnt, wenn das Jahr 2021 beginnt. Ein guter Zeitpunkt, die letzten zehn Jahre noch einmal unter die Lupe zu nehmen, zumal das ziemlich genau der Zeithorizont ist, den zwischengas.com mit über 11’000 Berichten/Artikel/Beiträgen eng verfolgt hat.

Beginnen wir mit den modernen Autos, denn diese sind es ja, die in 20 oder 30 Jahren zu Youngtimern und Oldtimern werden sollen. Zudem prägen die Regulierungen der modernen Mobilität immer auch den Umgang mit dem historischen Kulturgut.

Schneller Wandel

Die grossen Themen der letzten Jahre waren sicherlich die CO2-Problematik und die Elektromobilität. Kaum je zuvor wurde der Übergang von einer Technologie zur anderen mit derartig viel politischem Druck ausgelöst. Die Autohersteller sind gezwungen, von bewährten Antriebskonzepten Abstand zu nehmen und auf Elektro- oder Wasserstoffautos zu setzen. Die Feinstaub-Problematik (inkl. “Diesel-Gate”) machte dem Diesel den Garaus. Unabhängig von der Antriebstechnik werden moderne Autos immer mehr zu fahrenden Computern, Assistenzsysteme machen sich breit und sind oder werden sogar Pflichtausrüstung. Der herkömmliche Zündschlüsel verschwindet genauso wie das von Hand geschaltete Vier-, Fünf- oder Sechsganggetriebe.

Sicherheitsanforderungen machen die Autos immer schwerer, grösser, aber auch unübersichtlicher. Das “Sport Utility Vehicle” (SUV) wird zur meistverkauften Fahrzeugkategorie.

Gleichzeitig überbieten sich die Hypercars mit immer monströseren Motorleistungen, waren anfangs der Zehnerjahre 1000 PS noch ein Spitzenwert, so müssen heute 2000 und mehr PS aufgerufen werden, um die Quartettspieler, sollte es noch solche geben, zu beeindrucken.
Die Individualmotorisierung nimmt auch am Ende der Zehnerjahre immer noch zu, aber die Regulierungsdichte und zunehmende Staus, machen es immer schwieriger, schnell von A nach B zu kommen.

Leere Strassen während des Corona-Lockdowns 2020 (© Daniel Reinhard)

Im Corona-Jahr 2020 mussten viele Leute zuhause bleiben, die CO2-Belastung durch den rollen Verkehr nahm ab, dafür nahm die Geräuschempfindlichkeit zu. Nie zuvor gab es soviele Klagen wegen “Posern” und lauten Motorrädern.

Obwohl das Automobil gemäss jüngsten Untersuchungen auch bei jüngeren Menschen immer noch einen hohen Stellenwert hat, nimmt die Bedeutung des Fahrzeugbesitzes ab. Die “Sharing Economy”, also das Teilen von Mobilitätskapazitäten tritt mit Fahrrädern, Rollern und auch Autos immer stärker in unser Leben.

Blättern wir kurz zurück ins Jahr 2011, da gab es den Tesla Roadster, das erste Modell des amerikanischen “Shooting Stars” gerade seit drei Jahren und das Modell S existierte erst als Prototyp. Elektroautos waren eine absolute Nische. Wer ökologisch erscheinen wollte, fuhr einen Toyota Prius. Oder das Konkurrenzprodukt von Honda. Viel mehr gab’s gar nicht. Über zehn Jahre hat sich dies komplett geändert, denn am Ende des Jahrzehnts werden bald mehr Elektroautos vorgestellt als herkömmlich, sprich mit Benzin- oder Dieselmotoren angetriebene Fahrzeuge. Und immer mehr Staaten wollen den Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren schon in naher Zukunft, also in weniger als 10 Jahren, verbieten.

Keine gute Ausgangslage für unser geliebtes historisches Kulturgut. Aber was lief eigentlich im Umfeld der Klassiker zwischen 2011 und 2020?

Klassiker-Jahrzehnt der Gegensätze

Der Gegensatz zwischen der Baillot-Versteigerung vom 6. Februar 2015 und dem Trend zum fabrikgebauten Neu-Oldtimer könnte kaum grösser sein, aber genau solche Gegensätze prägten das Jahrzehnt 2011-2020. In Paris wurden für teilweise kaum restaurierbare Originale Rekordpreise bezahlt. Aston Martin, Chevron, Jaguar und Lister begannen, neben anderen Herstellern, ihre alten Autos neu zu bauen. Ab Werk konnte man einen nagelneuen Aston Martin DB4 GT Zagato, aber auch einen brandneuen Jaguar XKSS bestellen. Das Geschäft mit der Vergangenheit hat damit eine neue Dimension erhalten. Auch Werksrestaurierungen gehörten plötzlich zu den interessanten Geschäftsfeldern, egal, ob es nun darum ging, alte Land Rover wieder neu zu erschaffen, oder Lamborghini- und Ferrari-Sportwagen in zertifizierter Originalität zu erhalten.

Generell bescherten die 2010-er-Jahre dem Oldtimer einen enormen Boom. Noch nie gab es so viele alte Autos, noch nie so viele Enthusiasten, die einen haben wollten. Dies wirkte sich in stetig steigenden Preisen aus. Gesuchte Klassiker konnten innert eines Jahres in zweistelligen Prozentsätzen an Wert gewinnen. Ab 2015/2016 etwa erfolgte langsam eine Wende, trotzdem ist das Gros der alten Autos im Jahr 2020 deutlich mehr wert als zehn Jahre zuvor.

Ferrari 250 GTO von 1962 - versteigert im Jahr 2018 in Monterey durch RM/Sotheby's (© RM/Sotheby's)

Es hagelte Rekorde, kaum ein Jahr verging, in dem nicht Hunderte von Rekorden gebrochen wurden. Am 25. August 2018 verkaufte Rm/Sotheby’s einen Ferrari 250 GTO von 1962 für USD 48’405’000, womit der Auktionsrekord der Zehnerjahre geschrieben wurde. Selbst der billigste Wagen der Top-20 wechselte noch für USD 17,6 Millionen die Hand. Und auch im Jahr 2020 gab es neue Rekorde, auch wenn dies seltener der Fall war.

Jahr für Jahr wechselten Klassiker im Wert von Hunderten von Milliarden die Hand, ein Geschäft von beträchtlichen Volumen und Anziehungskraft. Dass es in der Folge auch zu einigen Betrügereien kam und der eine oder andere Porsche Carrera RS 2.7 gleich in mehrfacher Ausführung mit derselben Fahrgestellnummer an die Öffentlichkeit trat, musste niemanden überraschen.

Mit der Corona-Pandemie werden Auktionshäuser gezwungen, stärker online zu denken. Gleichzeitig wachsen neue Internet-Versteigerungsfirmen fast schon wöchentlich aus dem Boden.

Rétromobile 2020 (© Daniel Reinhard)

Nicht nur das Auktionswesen profitierte vom Oldtimer- und Youngtimer-Boom. Das Angebot an Veranstaltungen wurde Jahr für Jahr immer grösser, der Kampf um die Teilnehmer wuchs. Selbst das Messeangebot nahm zu und gleichzeitig feierten die grossen Publikumsmessen in Paris, Essen, Stuttgart oder Padua immer neue Besuchsrekorde. Umso abrupter fühlte sich dann der plötzliche Stillstand im Corona-Jahr 2020 an.

Steigende Bedeutung von Originalität und Geschichte

Waren vor wenigen Jahrzehnten noch perfekt restaurierte Klassiker, vornehmlich aus den Vorkriegsjahren, die Stars der grossen Concours, so wurde die Nachfrage nach Originalität und unveränderten Oldtimern in den Zehnerjahren immer grösser. Womit wir wieder bei der Baillon-Sammlung wären, aus den neben vielen Ruinen eben auch zwei fast unberührte Klassiker von Maserati und Ferrari versteigert wurden. Beim Ferrari handelte es sich um einen 250 GT Spyder California, einst gefahren von Alain Delon und an der Auktion im Februar 2015 schliesslich für USD 18,6 Millionen verkauft. Selbst toprestaurierte Exemplare mit deutlich spannender Geschichte haben das nicht geschafft.

Ferrari 250 GT California Spider 1961 (© Bruno von Rotz)

Noch nie wurde soviel geforscht und dokumentiert, um Klassikern ihre Identität zu geben und ihre Historie zu bewahren. Gefragt sind in diesem Zusammenhang natürlich auch Online-Medien, wie es zwischengas.com ist, was sicherlich einen Teil unseres Wachstums erklärt.

Der Aufstieg des jungen Klassikers

In den Zehnerjahren wurden die Klassiker immer jünger, es entstand die neue Kategorie der Neo-Klassiker, die es nicht nur in die Auktionen der grossen Anbieter schafften, sondern sogar an den Concours-Veranstaltungen auftauchten. Und plötzlich tauchten Lamborghini, Pagani oder Koenigsegg in den Listen der Versteigerungsrekorde  auf.

Stehen oder fahren?

Mit immer stärker werdendem Verkehr und im Alltag kaum noch zu bewegenden Super- und Hyper-Sportwagen im Neoklassikersegment, wird das eigentlich Fahren des alten Autos auf öffentlichen Strassen immer unwichtiger. An Bedeutung gewannen dagegen Trackdays und historische Rennveranstaltungen. Doch für manchen Klassiker sind selbst abgesicherte Umgebungen zu risikoreich, das Fahrzeug wird zum Standzeug, zum Investitionsvehikel. Mitte der Zehnerjahre erfreuten sich Funds und Investment-Clubs rund um das historische Fahrzeug grosser Beliebtheit, kein Wunder bei jährlichen Gewinnen von 10 oder 20 %. Die Euphorie legte sich allerdings ab 2017 wieder.

Generationenfrage

Die Frage, wer die Oldtimerliebhaber von morgen sind, war eine der meistdiskutierten. Vielen Enthusiasten fehlt der Nachwuchs, kein Wunder kamen umfangreiche Olditmer-Sammlungen unter den Hammer. Werden die Jungen von heute in Zukunft überhaupt noch alte Autos fahren oder lieben? Eine endgültige Antwort konnte in den Zehnerjahren nicht gegeben werden. Ein Rezept, die Autobegeisterung wieder zu steigern wurde leider nicht gefunden.

Drohende Fahrverbote

Im Sog der Feinstaubdebatten und der Klimabewegung ging es auch dem alten Auto an den Kragen. Manche Stadt, darunter immerhin auch Paris, verhängte Fahrverbote, schloss z.B. die Youngtimer vom Verkehr aus. Zwar konnte für die “richtigen” Oldtimer vielerorts eine Ausnahmeregelung erwirkt werden, aber wie lange das hält, ist unklar.

Zurückblickend kann man sagen, dass jetzt ablaufenden Zehnerjahre das Jahrzehnt des automobilen Klassikers waren. Wäre ein Oldtimer-Enthusiast aus den Achtzigerjahren mit einer Zeitmaschine ins Jahr 2015 gereist, er hätte seinen Augen nicht getraut. Auktionen mit Hunderten von Millionen Umsatz an einem Abend, Klassikertreffen mit mehr als tausend Teilnehmerautos, historische Veranstaltungen mit Startgeldern in fünfstelliger Höhe, all dies wäre 1985 wohl undenkbar gewesen.

Aber was meinen Sie? Haben wir die wesentlichen Entwicklungen der Zehnerjahre richtig zusammengefasst? Fehlt etwas Wichtiges? Kommentieren Sie, ergänzen Sie! Dafür genau haben wir zwischengas.com geschaffen, jetzt sind Sie dran!

Ein ganz besonderes Jahr aus Redaktionssicht

Bruno von Rotz
30.12.2020

Porsche 968 (© Daniel Reinhard)

Noch zwei Tage, dann ist das Jahr 2020 Geschichte, aber leider nicht die Pandemie. Diese hat manches Leben umgekrempelt und nur schon die Tatsache, dass wir heute von einer “neuen Normalität” sprechen, zeigt, wie tief sich dieses Virus in unsere Wahrnehmung gebohrt hat.

Kein Wunder, war auch der Redaktionsalltag im Jahr 2020 ein anderer. Bis Ende Februar 2020 lief eigentlich noch alles ab wie gewohnt. Drei grosse Messen – Bremen, Paris und Stuttgart – konnten noch fast wie in anderen Jahren durchgeführt werden, die Retro Classics schrammte gerade noch knapp am Lockdown vorbei. Danach wurden wir bald schon von Absagen und Verschiebungen überhäuft. Wir versuchten, die ständigen Terminänderungen weiterzumelden und erfanden den Corona-Ticker. An Veranstaltungsberichte war schon bald nicht mehr zu denken, sogar der Genfer Autosalon wurde kurz vor Eröffnung einfach abgesagt. Zugesagte Werbeaufträge wurden gestoppt, zunächst waren nicht einmal Foto-Shootings mit Autos mehr realisierbar. Alles abgesagt. Die Welt stand (fast) still. Dies liess dann, als wir uns wieder daran heranwagten, auch ganz besondere Fotoaufnahmen zu. Denn wann kann man schon einen Porsche auf einer praktisch leeren Autobahn fotografieren?

Nun hätten wir, wie so viele andere auch, einfach auf Sparflamme weitermachen können. Doch wir entschieden anders. Wir gaben im wahrsten Sinne des Wortes Vollgas. Ab März 2020 erfanden wir, allesamt im Home Office werkelnd, jede Woche ein neues Autokennerquiz . Anstatt über Veranstaltungsbesuche zu berichten, wühlten wir tief im Archiv und stiessen auf Autos und deren Geschichten, die schon längst in Vergessenheit geraten waren, aber trotzdem lohnten, neu erzählt zu werden. Wir bauten unsere Berichterstattung aus, anstatt sie zu reduzieren. Würde man die über 1100 Artikel/Beiträge, die wir im Jahr 2020 online veröffentlicht haben, in Heftform abdrucken, dann würden fast 6000 Seiten entstehen, und das wäre reine Nutzlast. Dazu kämen erfahrungsgemäss weitere mindestens 4000 Seiten Anderes (z.B. Werbung, Inhaltsverzeichnis, Rubriken-Inserate, Kalender, etc.) dazu, was nach Adam Riese zu 40 bis 60 fetten Oldtimer-/Youngtimer-Magazinen geführt hätte. Wir könnten aber auch einen zehnbändigen Jahresrückblick 2020 herausgeben, der fast ein ganzes Tablar im Bücherregal belegen würde. Natürlich machen wir dies nicht, wir haben dafür einige wenige Geschichten aussortiert und einige weitere zusammengefasst und zusammen mit einer guten Handvoll neuer Geschichten unser bewährtes Jahresmagazin fabriziert.

SS1 - best of show Classic Gala Schwetzingen 2020 (© Bruno von Rotz)

Im Sommer konnten wir ja dann wieder an einigen (maskierten) Veranstaltungen teilnehmen und nach anfänglicher Übervorsicht konnten wir auch wieder umfangreiche Fotoproduktionen mit Autos durchführen. Das meiste wurde bereits auf zwischengas.com verwertet, einige wenige Beiträge warten noch auf Fertigstellung.

Während sich die Corona-Lage gegen den Herbst hin wieder verdüsterte, planten wir unser 10-Jahres-Jubiläum und arbeiteten gleichzeitig am Redesign unserer Website. Schliesslich konnten wir die neugestaltete Online-Präsenz gleichzeitig mit dem 10. Geburtstag feiern. Und für diesen grossen Moment bereiteten wir einen ganz besonderen Bericht vor, der drei rote Autos aus drei Epochen einander gegenüberstellte. Dies war auch für uns ein ganz spezieller Tag, denn selbst für ausgebuffte Redaktoren war dieser Vergleich von Fiat Balilla, Jaguar E-Type und Ferrari Testarossa hochinteressant, vor allem, wenn man sich dafür hinter das Lenkrad dieser drei Klassiker setzen durfte.

Jaguar E-Type, Ferrari Testarossa und Fiat Balilla (© Daniel Reinhard)

Vom 23. November 2020 bis heute waren es dann nur noch gut fünf Wochen, aber wir liessen natürlich erneut nicht locker und präsentierten dann am Weihnachtstag den Höhepunkt unserer diesjährigen Berichterstattung, den Artikel über eine fast v ergessene Mercedes-Benz-Sammlung . Dies war aufwändiger, als es vielleicht aussah. Denn unser Fotograf besuchte die Aufräumarbeiten gleich mehrmals, beobachtete die “Archäologen” beim Herausziehen, Reinigen und Verladen der Fahrzeuge. Ihren Anfang nahm die Geschichte bereits im September 2020, als wir auf diesen interessanten Fund aufmerksam gemacht wurden. Eine spannende Fotoproduktion entstand, die pünktlich auf die Festtage fertig wurde.

Vergessene Mercedes-Benz (© Daniel Reinhard)

Den schwer nachvollziehbaren Vorgängen im Sozialen Netz und der guten Reportage war es dann zu verdanken, dass unsere Server zwischen dem 25. und 28. Dezember 2020 ob der vielen Leser unter der Last arg zu ächzen begannen. So etwas hatten wir noch nie in diesem Ausmass erlebt. Tatsächlich haben innert Tagen weit über 150’000 Leser diesen Bericht verschlungen.

Welch ein Jahresabschluss! Nur, das Jahr ist noch nicht ganz zu Ende. Vielleicht geht ja noch etwas …

Wie ein Zwischengas-Artikel entsteht

Bruno von Rotz
29.12.2020

Making Of - Volvo P 1800 E

Wir werden immer wieder gefragt, wie eigentlich der Entstehungsprozess eines Zwischengas-Artikels aussieht. Nun, Magie ist dabei keine involviert, sondern gut geplantes und effizientes Arbeiten. Wir wollen dies einmal am Beispiel eines Klassikerporträts illustrieren.

Es beginnt mit der Auswahl des Fahrzeugs. Manchmal werden uns Autos vorgeschlagen, manchmal haben wir auch einen bestimmten Typ im Auge und suchen gezielt danach. Es gilt dann, den passenden Tag für die Fotoaufnahmen und die Probefahrt zu finden. Dazu muss es nicht unbedingt sommerlich warm und sonnig sein, je nach Auto darf es auch einmal schneien oder regnerisch kühl zugehen.

Vor Ort muss dann eine passende “Location” gefunden werden, die dem Auto gerecht wird und auch fotografisch genügend Freiheiten lässt. Dort wird der Wagen dann umfangreich abgelichtet, Detail- und Ganzaufnahmen entstehen. Ein Plus sind dann anschliessende dynamische Fahraufnahmen, die das Auto eben als Fahr- und nicht als Stehzeug zeigen. Je nach Möglichkeiten werden auch sogenannte “car-to-car”-Aufnahmen gemacht, bei denen der Klassiker aus einem anderen Auto heraus fotografiert wird. Sind die Bilder im Kasten, müssen sie noch nachbearbeitet werden, um den richtigen Ausschnitt zu bestimmen und alle Details ins richtige Licht zu rücken. Manchmal sind auch mehrere Aufnahmetage nötig, wenn z.B. Veränderungen über die Zeit wiedergegeben werden sollen, oder sehr unterschiedliche Locations genutzt werden können.

Making Of - Literaturstudium

Parallel zu den Fotoaufnahmen und deren Vorbereitung (oder Nachbearbeitung) erfolgt eine umfangreiche Recherche über das Fahrzeug und die Geschichte des Fahrzeugtyps. Dazu werden Bücher, alte Magazine und natürlich das Zwischengas-Zeitschriftenarchiv durchforstet, vielfach kann auch der Fahrzeugbesitzer noch einiges beitragen. Wichtige Informationsquellen werden gesammelt und dann später auch dem Bericht zugefügt.

Auf Papier vorliegendes Archivmaterial wird aufwändig digitalisiert und umfangreich beschriftet. Auch die frisch gemachten Fahrzeugaufnahmen werden mit Bildunterschriften versehen.

Sind die Fakten beisammen, kann es ans Entwerfen des Artikeltextes gehen. Hier sollen wichtige Hintergründe, aber auch Emotionen herübergebracht werden. Nach mehrmaligem Überarbeiten steht schliesslich ein publizierbarer Text bereit.

Als letzter Schritt erfolgt das Online-Stellen der gesamten Ergebnisse. Bilder und Unterlagen werden auf zwischengas.com hochgeladen und mit sogenannten “Tags” versehen, nach denen man später suchen kann. Der Text wird online ins Redaktionssystem eingepflegt, Verweise werden integriert, die Formatierung möglichst lesefreundlich vorgenommen. Bilder werden zugewiesen und im Textfluss hervorgehoben. Nun erfolgt noch eine Schlusskontrolle, dann kann der fertige Bericht live-gestellt werden. Je nach Thema sind nun einige Stunden bis mehrere Tage Aufwand in den Artikel geflossen und natürlich ist die Redaktion dann sehr gespannt, wie das Gelieferte bei den Lesern ankommt.

Wenn der Bericht, wie es gerade beim kürzlich veröffentlichten Artikel zur “Fast vergessenen Mercedes-Benz-Sammlung” der Fall war, innert weniger Tage über 150’000 mal gelesen wird, dann freuen wir uns natürlich darüber, aber wir packen auch gerne Nischenthemen an und da sind uns dann wohlwollende Leserkommentare und -feedbacks mehr wert als Statistiken …

Renaissance der einfachen Autos?

Bruno von Rotz
28.12.2020

MG TC von 1947 (© Daniel Reinhard)

Moderne Autos werden immer klüger, nehmen einem immer mehr “Arbeiten” beim Autofahren ab. Schon haben viele Autofahrer verlernt, das Licht oder den Scheibenwischer von Hand einzuschalten. Die Handschaltung und damit auch die mit dem Fuss betätigte Kupplung gehören zu den Auslaufmodellen. Ein heutiger Personenwagen, selbst ein Cabriolet, lässt einen die Geschwindigkeit kaum mehr spüren. Und schirmt einen immer mehr von der Technik ab.

Gleichzeitig werden die Geschwindigkeiten, die man fahren darf, immer stärker reglementiert, an Überholen ist wegen des regen Verkehrs kaum mehr zu denken. Innerorts gilt bald flächendeckend Tempo 50 km/h, selbst auf Autobahnen kann nur noch selten schneller als die einstige Richtgeschwindigkeit gefahren werden.

Wer von alle dem frustriert ist und eine richtige Abwechslung sucht, dem empfehlen wir den Einstieg in ein rustikales Nachkriegsautomobil vom Typ eines MG TC oder TD. Natürlich darf es auch ein richtiger Vorkriegsklassiker sein, aber die Unterschiede zwischen Autos der Dreissiger- und Fünfzigerjahre sind nicht riesig. Hauptsache ist, man kriegt richtig zu tun. Dazu gehört schon das Startritual mit Choke und sorgfältig agierendem Gasfuss. Dann das sachgemässe Wechseln der Gänge mit Zwischenkuppeln und Zwischengas. Schliesslich das modulierte Bremsen und das Lesen von Gelände und Strasse, um es dem vermutlich schmächtig motorisierten Gefährts nicht zu schwer zu machen. Selbstverständlich gilt auch den diversen Anzeigen ein wachsames Auge. Wird das Wasser zu heiss? Stimmt der Öldruck? Droht ein Ende der Batteriespannung?

Ja, man ist ziemlich beschäftigt in einem Auto mit Jahrgang 1947 (oder so). Das Tempo spielt da überhaupt keine grosse Rolle und schon 80 km/h werden zur Herausforderung. Aber, wenn man dann am vielleicht gar nicht allzu fern liegenden Ziel ankommen, dann wird man dem kleinen Sportwagen deutlich zufriedener entsteigen als der Nachbar, der mit seinem modernen MeBAReSkEl gleich daneben parkt. Garantiert!

Vielleicht feiern wir im kommenden Jahrzehnt ja die Renaissance der einfachen Vor- und Nachkriegsautos?

Auch Italien hatte sein erstes Auto

Bruno von Rotz
27.12.2020

Bernardi Dreirad von 1894 (© AR)

Deutschland feierte 1986, Frankreich im Jahr 1984. Das erste im eigenen Land gebaute Automobil war eine grosse Sache, im 19. wie im 20. Jahrhundert. Aber auch Italien feierte und zwar im Jahr 1984 oder 1985.

Als erster italienischer Autobauer gilt Professor Enrico Bernardi, der 1884 (oder 1885) eine Art Kinderauto mit Benzinmotor für seinen Sohn konstruierte. Bereits 1882 hatte Bernardi den nötigen Einzylinder-Benzin- bzw. Gasmotor mit 121,6 cm3 entwickelt. “Richtige” Autos von Bernardi, notabene mit drei Rädern und für längere Fahrten ausgerüstet, fabrizierte die Firma “Miari & Giusti” allerdings erst ab 1894. Da hatten die Deutschen also dann wieder die Nase vorne.

Die Italiener aber feierten 1984 am Turiner Salon, wo obiges Bild entstand, nicht nur den 100. Geburtstag des ersten italienischen Autos, sondern gleich auch den 100. Geburtstag des weltersten Fahrzeugs mit Benzinmotor.

Die Idee von der Qual der Wahl

Bruno von Rotz
26.12.2020

Qual der Wahl am 25. 12. 2020 (© autoscout24.ch / collage zwischengas)

Es ist Weihnachten, ein besonderes Jahr 2020 geht zur Neige. Das Urlaubsgeld blieb auf dem Bankkonto und trotzdem wurde man ein Jahr älter. Da könnte man ja durchaus auf die Idee kommen, sich noch etwas Gutes anzutun und als Vorbereitung auf den nächsten Corona-Frühling noch eine Neuanschaffung zu tätigen.

Ein Cabriolet wäre doch eine feine Sache. Nicht vernünftig, aber schön luftig. Die Auswahl ist gross. Selbst,wenn man sich nur mit einer Online-Plattform, die alte und neue Autos anbietet, beschäftigt und ein sehr genau definiertes finanzielles Budget vorgibt (in diesem Falle +/- 30’000), kriegt man eine wunderbar breite Auswahl angeboten.

Unsere kleine Selektion gibt einen Einblick in das aktuelle Marktumfeld. Wie wärs z.B. mit einem Lotus Elise S Club Racer von 2010, 136 PS stark und nur gerade 56’000 km gelaufen? Ein Klassiker der Zukunft, da kann man sich fast sicher sein, dazu noch gelb! Und ganz sicher der richtige Wagen für die sportliche Kurvenhatz.

Wer etwas mehr PS sucht, der könnte mit dem BMW Z4 M Roadster von 2007 glücklich werden. Hier zerren satte 343 PS an der Hinterachse und die 82’900 km auf dem Tacho tun dem Wagen kaum weh. Die rote Farbe passt zum heissen Motor.

A propos heiss. Aus dem Süden kommt der Alfa Romeo Spider 2.0 Veloce, einer der letzten mit Chromstossstangen und dem schönen Fastback-Heck. Motorisiert mit dem Zweiliter-Doppelnocker, der es auf 128 PS bringt. 58’240 km stehen auf dem Tacho und eine Veteranenzulassung hat der Alfa auch.

Von ähnlichem Charakter, aber komplett anderer Herkunft ist der Triumph TR6 von 1970. Mit seinem Sechszylinder verströmt er tolle Musik und viel offener kann ein Cabriolet ja kaum sein. Dass er rechtsgelenkt ist, wird anglophile Klassikerfreunde nicht stören, dass er rot und nicht “british racing green” ist, vielleicht schon.

Aus England stammt auch der knorrige MG TD von 1950. Als US-Import hat er das Lenkrad links und mit seiner relativ primitiven Technik und den freistehenden Kotflügeln atmet er noch den Geist der Vorkriegszeit. Eine Zeitmaschine par excellence.

Da ist der Mazda RX7 Turbo von 1989 deutlich moderner und trotzdem exotischer. Denn unter seiner Motorhaube dreht ein Kreiskolbenmotor, der dank Aufladung satte 200 PS abgibt. Dass er die letzten 30 Jahre denselben Besitzer gehabt hat, adelt ihn noch zusätzlich.

Ebenfalls ausserordentlich rar ist der Innocenti Spider S von 1963. Nur gerade 2074 Exempalre sollen gebaut worden sein. Die Technik stammt vom Austin-Healey Sprite, die elegante Form von Tom Tjaarda. Gebaut wurde er bei Osi und beim lokalen Concours dürfte er sicherlich eine Chance haben.

Zu alt? Dann dürfte es vielleicht das andere Extrem sein, ein knapp eingefahrener Abarth 124 Spider aus dem Jahr 2017? 170 Turbo-PS können von Hand in die richtige Drehzahl der Hinterachse übersetzt werden. Die mattschwarze Motorhaube zitiert die berühmten Rallye-Fahrzeuge der frühen Siebzigerjahre aus gleichem Hause, obwohl ja bekanntlich (teilweise) ein Mazda MX-5 unter der Abarth-/Fiat-Verkleidung steckt. Der rote Drehzahlmesser erinnert an Maranello und sieht super aus.

Und zu guter Letzt: Das VW Käfer 1303 Cabriolet von 1979 in der ungewöhnlichen Farbe “türkismetallic”. Bei einem Käfer kann man sich ja der Sympathiepunkte sicher sein. 50 PS sind nicht viel, aber der Wolfsburger ist ja auch nicht schwer und Hauptsache der Boxermotor säuselt im Heck. Dafür ärgert dann auch das 60 km/h-Limit nicht und selbst die 30-er-Zone macht Spass.

Neun Autos von sehr unterschiedlicher Couleur und Ausstrahlung. Charaktertypen sind sie alle und man könnte von jedem träumen. Jetzt müsste nur noch ein Platz in der Garage frei sein …

Die faszinierenden Einblicke in die Automobilproduktion von damals

Bruno von Rotz
25.12.2020

Lamborghini-Countach-Produktion 1988 (© Daniel Reinhard)

Der Entstehungsprozess eines Automobils hat sich über die letzten 100 Jahre immer wieder geändert. Mit der Fliessbandproduktion, die erstmals mit dem Ford Model T eingeführt wurde, begann eine stetige Reduktion der Handarbeit. Die Herstellungsweise war allerdings auch stets vom Produktionsvolumen abhängig, denn bei Kleinstserien (Beispiel Lamborghini oben) wurde meist deutlich mehr von Hand gemacht, weil sich eine Automatisierung nicht lohnte.

Bilder, die einen Einblick in die Herstellung eines Automobils erlauben, sind immer spannend. Die Heirat von Chassis und Karosserie etwa oder der Einbau des Motors sind Momente, die früher oftmals gerne auf Abbildungen gezeigt wurden.

Bau des Citroën CX im Jahr 1980 (© Zwischengas Archiv)

Weil auch wir diese Aufnahmen lieben, haben wir ihnen schon längst eine “Bildermagie”-Folge gewidmet. Zudem dachten wir uns, dass diese doch der passende Rahmen für ein Autokennerquiz wären. Darin gilt es zu erraten, zu welchem Hersteller die mehr oder weniger fertigen Fahrzeuge gehören. Wagen Sie den Versuch, denn alleine schon die zwölf besonderen Bilder sind es wert, genauer angeschaut zu werden. Zu gewinnen gibt es nichts und man kann das Quiz auch in mehreren Anläufen lösen.

Hier geht’s zu unserem 102. Autokennerquiz “Automobilproduktion”.

AUtokennerquiz 102 - Automobilproduktion

Als der Weihnachtsmann beinahe strandete …

Bruno von Rotz
24.12.2020

Weihnachtsmann mit Elektroauto (© Lena von Rotz)

Es war der 24. Dezember. Wie jedes Jahr wurden den Weihnachtsmänner im Hauptquartier in Rovaniemi ihre Autos, die Geschenke zur Auslieferung und die Zielgebiete zugeteilt. Und frohgemut machte sich unser Weihnachtsmann auf den Weg. Man hatte ihm noch mitgeteilt, dass sein Wagen verbessert und optimiert worden wäre, schliesslich gehe man mit der Zeit, von wegen CO2-Neutralität und so.

Tatsächlich fühlte sich sein Auto anders an. Der Antritt war stupend, der Motor gar nicht zu hören. Aber unser Weihnachtsmann machte sich keine Gedanken und fuhr durch die finnischen Wälder dem Süden entgegen. Bis er plötzlich stehen blieb. “Was ist denn nun?”, fragte er sich. Als technisch versierter Mensch öffnete er sofort die Motorhaube … und erschrak. Da war ja gar kein richtiger Verbrennungsmotor zu sehen, nur ein grauer Block und viele Kabel, dazu Starkstrom-Warnungen. Langsam dämmerte es dem Weihnachtsmann. Er fuhr elektrisch oder er hatte es mindestens bis dahin getan. Aber wo, um Himmels willen, konnte er inmitten der verschneiten finnischen Wälder eine Wallbox finden, die ihm den nötigen elektrischen Strom zur Verfügung stellen konnte. Weit und breit war kein Mensch zu sehen, geschweige denn eine Stromtankstelle.

Der Weihnachtsmann begann zu verzweifeln und still über die moderne Technik zu fluchen: “Früher, ja früher, da war ….”

Doch weiter kamen nicht. Denn plötzlich bohrten sich grelle Lichtkegel durch das Dunkel und knurrend näherten sich mehrere Fahrzeuge. Sie hielten an, als sie den gestrandeten Weihnachtsmann mit seiner wichtigen Fracht sahen.

“Können wir helfen?”

Jetzt erkannte auch der Weihnachtsmann die nicht mehr ganz jungen Männer, die da in ihren schneetauglichen Autos herangebraust waren.

Der eine hiess Hannu Mikkola, der zweite Rauno Aaltonen und der dritte wurde Marcus Grönholm genannt. Es waren allesamt Rallye-Fahrer und sie kamen wie gerufen!

“Ja, klar”, sagte der Weihnachtsmann, “ich muss auf schnellstem Weg in den Süden, um die Geschenke auszuliefern”.

Hannu, Rauno und Marcus zögerten nicht lange. Sie packten die bunten Päckchen in ihre Rallye-Autos. Mikkola bot dem Weihnachtsmann den Beifahrer-Sitz in seinem Audi quattro an. “Ich brauche einen Navigator, damit die Geschenke auch ans richtige Ort kommen”, murmelte er. Aaltonen stieg in seinen Mini, Grönholm in den Peugeot 206. Und los stoben sie.

CO2-neutral war dies zwar nun nicht mehr, aber wenigstens erreichten die sehnlichst erwarteten Weihnachtsgeschenke ihr Ziel und zwar schneller als je zuvor …

Zwischengas wurde nochmals zehn Jahre alt

Bruno von Rotz
23.12.2020

Autofriedhof Kaufdorf im Jahr 2008 (© Daniel Reinhard)

Ja, es stimmt, wir haben unseren 10. Geburtstag bereits am 23. November 2020 gefeiert. Doch wie in der Automobilgeschichte manches Auto einen unklaren Startpunkt hat, so ist dies auch bei zwischengas.com ein wenig der Fall. Am 23. November 2010 gingen wir mit der unvollständigen Beta-Version live, am 22. Dezember 2010 dann mit der kompletten Produktionsversion.

Der Unterschied war nicht riesig, aber zwischen November und Dezember 2010 kam doch einiges dazu, so etwa die Einführung der Premium-Mitgliedschaft mit den entsprechenden Privilegien. Allerdings waren wir natürlich bereits ab 23. November 2010 redaktionell produktiv für unsere (damals noch wenigen) Leser unterwegs.

Während wir am 23. November 2010 den Start der Beta-Phase in einem Blog ankündigten, vermeldeten wir am 22. Dezember 2010 dann das “Ende der Beta-Phase” .

Wir schrieben damals: “Gestern Nacht wurden die letzten Spuren der Beta-Phase entfernt, www.zwischengas.com ist live und erreichbar für alle. Ein bewegender Moment. Neben der Einrichtung eines Zahlungsprozesses haben wir auch diverse Verbesserungen für unsere Nutzer eingeführt, eine der wichtigsten ist wohl eine Seite, die für häufig verlangte Fahrzeugmarken- und Typen vorgefertigte Suchen hinterlegt und damit den schnellen Zugang zu den relevantesten Artikeln vereinfacht. Jede Marke und jeder aufgeführte Fahrzeugtyp ist anklickbar und führt auf die Suchergebnisseite. Einfach mal ausprobieren!”.

Zwischengas 2010 und 2020

Wie lange ist das schon her! Seither haben wir unsere Website mehrfach überarbeitet, für die Nutzung der immer wichtigeren mobilen Geräte fit gemacht und zuletzt am 20. November 2020 komplett in neuem Kleid erscheinen lassen.

Und seit dem 22. Dezember 2010 ist vor allem inhaltsmässig einiges dazugekommen! Schliesslich waren wir damals mit 46 publizierten Blogs, 126 Artikeln, 979 Bildern und 140’000 Zeitschriftenseiten noch relativ schlank unterwegs. Seither sind 6922 Berichte/Artikel und 3784 Blogbeiträge dazugekommen, zudem 277’397 Bilder und etwa 400’000 Zeitschriftenseiten. Es gab damals weder eine Mediathek noch eine Auktionsdatenbank und auch die Fahrzeugbewertungen fehlten noch, wie unsere Wunschliste vom 31. Dezember 2010 zeigte. Heute bieten wir gegen zwei Millionen indexierte Objekte an, damals waren es vielleicht 150’000.

Gleichzeitig sind auch unsere Leserzahlen gewaltig gewachsen, von einigen Hundert auf jährlich deutlich über zwei Millionen.

Den Übergang von der Beta-Version auf die öffentliche Zwischengas-Präsenz erfolgte übrigens mitten in der Nacht, ein Foto machten wir damals nicht und die Champagner-Korken flogen genauso wenig. Da waren wir einfach viel zu müde dazu. Manche Dinge ändern sich eben auch nicht …

P.S. Einige Artikel der ersten Stunde möchten wir unseren Lesern noch ans Herz legen, etwa die Fahrt in einem Ferrari 250 GTO von Modena nach Lausanne , das Porträt zum TVR 2500 M , den Nachruf zu Tom Walkinshaw , der vor zehn Jahren starb, oder den Rückblick auf die Planai-Classic des Jahres 2010 , aus dem auch nachfolgend gezeigte Foto stammt. Eine schöne Fotoreportage zum Thema Vergänglichkeit offerierte vor 10 Jahren zudem der Bericht zum Autofriedhof Kaufdorf , wie das Bild oben zeigt.

MG PA an der Planai-Klassik 2010 (© Daniel Reinhard)

Es ist vorbei – das Auktionsjahr 2020 im Rückblick

Bruno von Rotz
22.12.2020

Alfa Romeo B.A.T. 5 (1953), B.A.T. 7 (1954) und B.A.T. 9d (1955) (© Ron Kimball - Courtesy RM/Sotheby's)

Letzte Woche fand auch die letzte grössere Versteigerung im Corona-Jahr 2020 statt. Es war auch für die Auktionshäuser ein besonderes Jahr, denn eine ganze Reihe von Traditionsveranstaltungen, um die sich üblicherweise die Versteigerungen gruppieren, fielen pandemiebedingt aus.

Nach einer Überraschungspause rappelten sich die Auktionshäuser wieder auf und nutzten verstärkt das Internet, um ihre Versteigerungen durchzuführen. Im Sommer waren dann sogar für einige Zeit wieder Präsenz-Veranstaltungen möglich. Der Trend in Richtung Online wird wohl auch in Zukunft anhalten. Trotz der erschwerten Verkaufsbedingungen gab es auch im Jahr 2020 Rekorde und Überraschungen und auch teure Autos fanden neue Besitzer.

Die 25 teuersten Autos/Lots waren 2020:

Marke Typ Jahr EUR VP CHF VP
Alfa Romeo B.A.T. 5 / 7 / 9d 1953 12388750 13263250
Bugatti Type 59 Sports 1934 10679200 11537350
Bugatti Type 57S Atalante 1937 8797600 9504550
Bugatti Type 55 Super Sport Roadster 1932 6319000 6674000
Bugatti Type 55 Two-Seat Supersport 1931 4600000 4922000
Bugatti Type 35C Grand Prix 1928 4407200 4761350
Ferrari 550 GT1 Prodrive 2001 3603600 3903900
Lamborghini Miura P400 SV Speciale 1971 3591840 3880470
Aston Martin DB3S 1955 3372320 3643310
Ford Mustang GT390 "Bullit" 1968 3366000 3627800
Shelby GT350 R Prototype 1965 3349500 3619000
Renault Type AI 35/45HP Vanderbilt Racer 1907 2965925 3132550
Ferrari F50 1995 2900250 3125825
Ferrari 275 GTB Long Nose 1966 2618000 2802800
Ferrari Enzo 2003 2448600 2587725
Ferrari 275 GTB 6C 1965 2444000 2615080
Ferrari 225 S Berlinetta by Vignale 1952 2388500 2557100
Ferrari Enzo 2003 2376000 2534400
Hispano-Suiza J12 Dual Cowl Phaeton 1932 2182500 2352250
Pagani Huayra Roadster 2018 2133000 2298900
Lamborghini Miura SV 1972 2122875 2295000
Ferrari 288 GTO 1985 2079000 2217600
BMW 507 Series II Roadster 1959 2070000 2235600
Ferrari Enzo 2003 2000900 2142140
BMW 507 Roadster Series II 1958 1996250 2135988


Einmal mehr lieferte Ferrari die meisten Top-Seller. Überraschend ist das zahlreiche Auftreten von Bugatti und dass auch BMW zwei 507er in den Top-25 platzieren konnte. Ebenfalls ist speziell, dass Porsche mit keinem einzigen Auto in den Top-25 repräsentiert ist. Und aussergewöhnlich darf sicher auch zu werten sein, dass an der Spitze  Alfa Romeo stehtn, notabene allerdings mit drei Autos als Gemeinschaftslot.

Deutlicher Wertrückgang

Obschon das Volumen der beobachten Transaktionen etwa gleich hoch lag im Jahr 2020 (5295) wie im Jahr zuvor (5210) zeigte sich der Einfluss von Corona und einer Verschiebung Richtung Online-Auktionen in den Ergebnissen.

Beim Verkauf der 20 teuersten Lots kamen 2020 EUR 86,9 Millionen zusammen, im Jahr zuvor waren es noch EUR 137,4 Millionen.

Aber auch die Schätzwerte sanken, 2019 noch betrug der durchschnittliche Estimate EUR 247’400, im Jahr 2020 nur noch etwa EUR 169’600.

Kaum unterschiedlicher zeigten sich die Verkaufsquoten, diese pendelte sich 2020 bei 74,5 % ein, während sie 2019 bei 73,3 % lag.

Die gehandelten Autos waren im Jahr 2020 mit 51 Jahren etwas jünger als 2019 mit 54 Jahren. Der Anteil von “No Reserve”-Angeboten sank von 45 % auf 40 %.

Die 20 meistgehandelten Marken präsentierten sich wie folgt im Jahr 2020:

Rang Marke Anzahl D-Alter D-VP EUR Anteil Verkauft
1 Porsche 442 36 161195 71 %
2 Mercedes-Benz 379 42 152114 76 %
3 Ferrari 353 31 389737 64 %
4 Ford 312 57 85807 75 %
5 Jaguar 297 53 113272 67 %
6 BMW 202 41 86404 75 %
7 Chevrolet 192 50 47391 73 %
8 Alfa Romeo 128 53 252641 60 %
9 Aston Martin 128 36 227533 55 %
10 Bentley 128 42 114528 65 %
11 Rolls-Royce 128 60 111040 76 %
12 Cadillac 102 66 76629 77 %
13 Buick 92 69 33213 75 %
14 Citroën 78 60 31647 87 %
15 Fiat 78 56 87099 83 %
16 Lamborghini 71 38 392081 66 %
17 Volkswagen 70 49 35754 91 %
18 Lancia 69 56 145364 68 %
19 Maserati 68 45 143676 60 %
20 Land Rover 56 38 39715 75 %


Die Tabelle zeigt die Marken, die Anzahl verkaufter Fahrzeuge, das Durchschnttsalter, der Durchschnittsverkaufspreis und der Anteil verkaufter Wagen.


Konsolidierung

Wenn man den längerfristigen Trend anschaut, dann dürfte das Jahr 2020 als weiteres Konsolidierungsjahr in die Geschichte eingehen. Noch immer sinkt das gros der Klassiker leicht im Wert. Natürlich ist es für jede Marken-/Typen-Kombination etwas anders, aber als Beispiel sei hier der Porsche 911 Carrera RS Touring, gebaut in den Jahren 1972 und 1973, gezeigt, der seit drei oder vier Jahren mit fallenden Bewertungen kämpft.

Porsche 911 RS von 1973 (© Daniel Reinhard)

Das Hoch war um die Mitte der Zehnerjahre. Danach ging es tendenziell wieder runter, wie dieTrendlinie zeigt.

Porsche 911 RS Touring - Wertentwicklung von 2012 bis 2020

Ähnlich geht es auch vielen anderen Fahrzeugtypen, wie Auswertungen der Zwischengas-Auktionsdatenbank , die wir unter anderem im Jahresmagazin 2021 publiziert haben, zeigen.

Für das kommende Jahr sind die Aussichten nicht unbedingt besser, die Pandemie wird uns noch mindestens bis in den Sommer beschäftigen. Aber dies wird verkaufswillige Klassikerbesitzer nicht daran hindern, ihre Autos zu Versteigerungen einzuliefern. Die nächsten grossen Auktionen in Scottsdale und Paris im Januar/Februar 2021 werden zeigen, in welche Richtung der Zug fährt.

Zwischengas publiziert in diesem Blog täglich einen Beitrag seit 2010

Für weitere Einträge verwenden Sie deshalb bitte die Navigation nach Jahren und Monaten.

Archivierte Einträge:

Weitere Blog-Einträge:

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...