Sunk costs: Was Verbrenner-Gegner von Ökonomen lernen könnten

Bruno von Rotz
31.10.2020

Renault Ondine (© Bruno von Rotz)

In der Ökonomie gibt es den Begriff der “sunk costs”. Eine wirklich gute Übersetzung existiert dafür nicht, denn “versunkene Kosten” tönen irgendwie schräg. Es geht darum, dass Geld, das man bereits ausgegeben hat, für zukünftige Entscheidungen oft nicht mehr relevant ist.

Wenn ich beispielsweise für meine Wohnung viel zu viel bezahlt habe, kann das keinen Einfluss auf die Fragestellung haben, ob ich nun den Teppich ersetzen soll oder nicht. Der Teppich kostet genau gleich viel und ob es ihn braucht, bestimmt der Erhaltungszustand des Vorgängers.

Oder wenn ich ein sehr teures Radio-Gerät gekauft habe, die Übertragung der für den Betrieb nötigen Frequenzen aber gestoppt werden, dann werden diese ehemaligen Kosten keine Auswirkung darauf haben, ob ich mir nun ein teures oder billiges Ersatzgerät kaufe, zumindest aus ökonomischer Sicht.

Ähnlich könnte man auch über die CO2-Emissionen von Automobilen nachdenken. Wenn ein Auto bereits gebaut ist, dann sind die dabei entstandenen CO2-Emissionen Geschichte und für einen Entscheid, wie stark dieser Wagen die Umwelt schädigt, nicht mehr relevant. Ein neues, noch zu bauendes batterieelektrisches Auto muss sich also CO2-technisch inklusive der beim Bau entstandenen Emissionen mit denen beim reinen Betrieb eines bereits auf der Strasse befindlichen Benziners messen.

Wenn wir alle heute herumfahrenden Autos mit Benzin- oder Dieselmotor augenblicklich durch neu produzierte Elektroautos ersetzen müssten, dann würden die damit entstehenden CO2-Emissionen, die beim batterielelektrisch betriebenen Wagen eben anteilsmässig stark beim Bau entstehen, unsere Klimabilanz zunächst deutlich verschlechtern. Anders sieht es allerdings aus, wenn man neu zu produzierende Autos vergleicht und da entstehen natürlich auch beim Auto mit Ottomotor nennenswerte CO2-Emissionen.

Langer Rede kurzer Sinn: Ein sparsam eingesetzter Oldtimer belastet die Umwelt auf viele Jahre hinaus gerechnet deutlich weniger als ein neu produziertes und viel gefahrenes Elektroauto. Und mit synthetischem Treibstoff könnte die Rechnung sogar noch stärker zugunsten des Klassikers ausgehen, allerdings wohl nur, wenn man vom Sunk-Cost-Prinzip wieder abgeht  …

Die Freude am Detail

Bruno von Rotz
30.10.2020

Titelblätter AMS 1961/1962

Solche Titelseite, wie sie “auto motor und sport” in den frühen Sechzigerjahren zeigte, wären heute für eine Publikumszeitschrift, die nennenswerte Stückzahlen am Kiosk absetzen will, undenkbar. So denken zumindest Verlagsleute. Und vermutlich haben sie gute Gründe und viele Statistiken, die das belegen können.

Vor fast 60 Jahren aber, da hatte man aber offensichtlich noch das Gefühl, die Frontscheinwerfer eines Fiat 2300 oder das Cockpit eins Jaguar E-Types seien interessant genug, um Leser vom Heft zu überzeugen.

Ästhetisch konnten diese Titelseiten sicherlich überzeugen. Nur zeigten sie halt wenig vom tatsächlichen Inhalt des Hefts. Dazu muss man auch wissen, dass die Zeitschriften damals deutlich dünner und mit weniger verschiedenen Reisser-Themen gefüllt waren als heute.

Trotzdem würde uns nun interessieren, ob unsere Leser einer Zeitschrift, die nur ein interessantes Detail eines Autos zeigt auf dem Titelblatt am Kiosk eine Chance geben würden …

Wenn Sie eine Meinung dazu haben, dann kommentieren Sie einfach zu diesem Blog. Wir danken und freuen uns jetzt schon über die Wortmeldungen!

B.A.T.-Alfa-Romeo-Trio für 15 Millionen verkauft

Bruno von Rotz
29.10.2020

B.A.T. Alfa Romeo 1900 Bertone 5, 7, 9d von 1953/1954/1955 (© Ron Kimball - Courtesy RM/Sotheby's)

Als am 16. Oktober 2020 angekündigt wurde, dass die Prototypen Alfa Romeo B.A.T. 5 (1953), B.A.T. 7 (1954) und B.A.T. 9d (1955) zusammen bei der Sotheby's Contemporary Art Evening Auction am 28. Oktober 2020 unter den Hammer kämen, war dies sicherlich die Überraschung des Auktionsherbstes, wenn nicht des Auktionsjahres 2020.

Man hatte bei Sotheby’s bereits in vergangenen Jahren gute Erfahrungen damit gemacht, ein klassisches oder besonderes Auto im Rahmen einer Kunstversteigerung anzubieten, aber das BAT-Trio passte noch deutlich besser in die Zusammenstellung moderner Kunstwerke als z.B. der Formel1-Rennwagen vor einem Jahr.

Zeitgenössische Kunst / Sotheby's am 28. Oktober 2020

Um 18:00 Uhr New-York-Zeit begann die Versteigerung, an der die drei Autos trotz Schätzwert von USD 14 bis 20 Milllionen noch nicht einmal das wertvollste Lot waren. Diese Ehre kam nämlich dem Rothko ohne Titel zu, der einen Estimate von USD 25 bis 35 Millionen trug. Allerdings wurde der knapp nicht verkauft.

Tisch von Carlo Mollino, versteigert durch Sotheby's am 28.10.2020

Dafür gab es einen fast schon epischen Bieterkampf um einen Tisch von Carlo Mollino, der schliesslich als Lot 16 anstatt für USD 2 bis 3 für 5,15 Millionen (vor Aufpreis) zugeschlagen wurde. Und dies war bei weitem nicht das einzige Kunst-Lot, bei dem der Verkaufspreis deutlich über dem Schätzwert zu liegen kam.

Sotehby's in New York, London und Hong Kong

Es gab kein Publikum vor Ort, aber es konnte an drei Orten rund um die Welt (New York, London, Hong Kong) via Telefonanruf oder via Internet geboten werden. Auch Vorgebote waren möglich. Aber es waren die Sotheby’s-Leute am Telefonapparat, die praktisch bei allen Lots den Ausgang bestimmten.

Als schliesslich Lot 38, das Alfa-Trio nach über 90 Minuten an die Reihe kam, da waren natürlich plötzlich nicht mehr die Kunstverständigen von Sotheby’s sondern die Autospezialisten von RM/Sotheby’s am heissen Draht gefragt.

Gebote werden per Telefon entgegen genommen

Aufgerufen wurden die drei Alfa Romeo Showcars der Jahre 1953 bis 1955, gezeichnet von Franco Scaglione, gebaut bei Bertone, um dem Wind möglichst wenig Widerstand entgegen zu setzen, für USD 12 Millionen. Es resultierte ein relatives kurzes Bietergeplänkel und bei USD 13.25 Millionen fiel der Hammer. B.A.T. 5, 7 und 9d waren zusammen für USD 14,84 Millionen (umgerechnet EUR 11,27 Millionen , CHF 12,05 Millionen) verkauft worden.

Sotheby's - B.A.T. Trio verkauft

Pro Wagen zahlte der neue Besitzer als rund fünf Millionen amerikanische Dollar. Damit gehört schon jeder einzelne dieser drei Wagen zu den teuersten Alfas aller Zeiten, als Trio schaffen sie es sicherlich in die Top 5 und bilden wohl das teuerste Auto-Lot des Auktionsjahres 2020 zusammen. Dabei haben sie weder einen Sechs-, noch einen Acht- oder Zwölfzylinder unter der Haube, sondern einen klassischen Vierzylinder. Die Basis für die B.A.T.-Prototypen bildete der Alfa Romeo 1900, vorgestellt 1950 am Parier Autosalon, respektive dessen nachgereichten schnelleren und sportlicheren Versionen.

Nun fragt man sich schliesslich, ob das Trio wohl auch in Zukunft zusammen bleiben wird, denn es ist wohl unklar, ob die einzelnen Fahrzeuge in Summe nicht mehr wert wären als die Trio. Wir werden es sehen, zu wünschen wäre es, wenn man die drei Konzeptfahrzeuge auch in Zukunft von Zeit zu Zeit zusammen bewundern könnte …

P.S. Das Ergebnis hat natürlich Eingang in die Zwischengas-Auktionsatenbank gefunden!

Ein verstellbarer Flügel, der nicht die gewünschte Wirkung hatte

Bruno von Rotz
28.10.2020

Lancia Fulvia Competitione Ghia 1969/1970 (© Ian Wells - Courtesy RM/Sotheby's)

Alejandro De Tomaso hatte Ende der Sechzigerjahre grosse Pläne. Er versuchte Ford zu überzeugen, Lancia zu übernehmen und ihm das Kommando für den italienischen Autobauer zu übergeben. Die Rechnung ging nicht auf, Lancia wurde von Fiat gekauft.

Um Ford von Lancia zu überzeugen hatte  De Tomaso einige Projekte in seiner Design- und Karosseriebaufirma Ghia angestossen. Der Lancia Fulvia Competitione war eines davon. Man beliess es allerdings nicht bei einer Änderung der Karosserie. Der Motor wurde tiefer eingebaut, die hintere Starrachse durch Einzelradaufhängungen ersetzt. Der Leichtbau und die Aerodynamik wurde auf die Spitze getrieben, unter anderem mit einem ausfahrbaren und einstellbaren Heckflügel für mehr Anpressdruck.

Heckflügel Lancia Fulvia Competitione Ghia 1969/1970 (© Ian Wells - Courtesy RM/Sotheby's)

Der Competitione (oder Competizione) sollte sowohl im Alltag als auch auf der Rennstrecke brillieren, ob der diesen Kompromiss wirklich geschafft hätte, darf bezweifelt werden.

Für das Design war Tom Tjaarda zuständig und er selber beschrieb den Lancia als einen seiner besten Entwürfe.

Nun, das Auto gefiel nicht allen, aber aufgefallen ist es damals bei der Präsentation sicher.

Lancia Fulvia Competitione Ghia 1969 in Genf

Die Automobil Revue schrieb anlässlich des Genfer Autosalons 1969 :
“Symbolische Flügel nach Ghia: An diesem Lancia Fulvia 1600 Competitione macht Ghia der Versuch, die Aerodynamik mit der Ästhetik zu vereinen. Die hydraulisch ausfahrbaren Stabilisierungsflossen können an diesem Fronttriebwagen ihre Aufgabe nur teilweise erfüllen.”

Der gelbe Fulvia blieb ein Einzelstück und hat überlebt. Jetzt soll es für £ 140’000 bis 180’000 anlässlich der RM London Online Only Versteigerung bis zum 31. Oktober 2020 einen neuen Besitzer finden. Man darf gespannt sein.

Wie sich der Begriff Gran Turismo über die Zeit verändert

Bruno von Rotz
27.10.2020

Maserati 3500 GT von 1965 (© Bruno von Rotz)

Am Sonntag Abend wurde auf BBC 1 zur besten Sendezeit die neueste Folge von Top Gear ausgestrahlt, das Motto war “best of british”. Im üblichen Stil wurden die drei Moderatoren gebeten, in einem britischen “Gran Turismo” (kurz GT) vorzufahren und ein paar Herausforderungen zu bestehen. Interessant war sodann die Auswahl, denn da kamen ein viertüriger Bentley-Zwölfzylinder, ein McLaren GT und ein Aston Martin DBX daher. Gemeinsam ist diesen drei Autos, dass sie stark (über 500 PS) und schnell sind. Aber sie hätten unterschiedlicher nicht sein können. Eine Limousine, ein Supersportwagen und ein SUV? Ist damit die Idee des “Gran Turismo” verraten? Argumentiert wurde, dass alle diese Autos doch eigentlich den Wunsch, bequem und schnell zu reisen erfüllen würden. Und da ist etwas daran, aber blättern wir etwas zurück.

So richtig en vogue kam der Gran Turismo Ende der Fünfzigerjahre. Sportwagen wie der Maserati 3500 GT oder der Ferrari 250 GT erlaubten hohe Reisedurchschnittsgeschwindigkeiten, boten hohe Reserven für Überholmanöver, verfügten aber gleichzeitig über genügend Platz. Auch der Komfort blieb nicht (komplett) auf der Strecke.

In den Sechzigerjahren wurde das GT-Konzept perfektioniert, Autos wie der Lamborghini Espada oder der Ferrari 365 GT 2+2 kamen heraus und stellten eine Alternative zu den ersten Mittelmotor-Supersportwagen dar. Schliesslich wollte niemand einen Ferrari LM oder auch einen Miura ernsthaft als Reisesportwagen für die Familie einsetzen. Der Maserati Bora wartete allerdings bereits mit mehr Komfort auf. Schnelle Limousinen wie etwa den Mercedes-Benz 300 SEL 6.3 oder den Maserati Quattroporte gab es zwar auch, aber sie dienten meist (noch) anderen Bedürfnissen.

Dieses Segment erhielt allerdings immer mehr Zulauf und in den Achtzigerjahren sorgten Autos wie der BMW M3, der Mercedes-Benz 190E 2.3-16, aber auch der Lancia Thema 8.32 für Furore. Sehr schnell reisen zu können, war schon lange nicht mehr das Privileg der Sportwagen, die Viertürer hatten nachgezogen.

In den Neunzigerjahren dann begannen allradgetriebene und optisch den Geländewagen nachempfundene Personenwagen aufzukommen. BMW X5 und Mercedes-Benz ML strebten dem Range Rover nach, der zusammen mit Jeep-Ablegern das SUV-Segment ins Leben gerufen hatte. Und diese vergleichsweise hoch bauenden 4x4-Limousinen wurden immer schneller. Sogar Porsche zwängte sich in die stetig wachsende Nische, Maserati, Lamborghini, Bentley und zuletzt Aston Martin folgten. Ausgeklügelte elektronische Helfer und bärenstarke Motoren stellten sicher, dass auch diese Semi-LKWs eine schnelle Nürburgring-Runde schafften und sich damit wie die einstigen GT-Sportwagen für die schnelle und komfortable Reise eigneten.

Vielleicht hat sich der Sportwagen einfach zu wenig entwickelt, dass heute Limousinen und Geländewagen ebenbürtig erscheinen? Enzo Ferrari jedenfalls dürfte sich im Grab umdrehen, wenn er sehen müsste, gegen welche 2,5-Tonnen-Alternativen heute seine Sportwagen antreten müssen.

Vielleicht wäre es Zeit, dem Label “Gran Turismo” eine neue Bedeutung zu geben, eine, in der der Sportwagen wieder einen Platz hätte?

Fast ein Patt - Oldtimer-Privilegien erst ab 40 Jahren (Frage der Woche)

Bruno von Rotz
26.10.2020

Frage der Woche 167 - 30 oder 40 Jahre als Oldtimer-Startalter?

Die Diskussion gährt schon eine ganze Weile. Weil die Oldtimer immer jünger, respektive die jüngeren Jahrgänge anteilsmässig zu dominieren drohen, muss man sich die Frage stellen, ob Oldtimer-Privilegien erst ab einem höheren Alter als 30 Jahre, wie es heute in Deutschland (H-Kennzeichen) oder der Schweiz (Veteranenzulassung) der Fall ist, vergeben werden sollten.

Wir haben die Zwischengas-Leser mit einer "Frage der Woche" dazu vor die Wahl gestellt und die Antworten der rund 380 Umfrage-Teilnehmer haben uns fast ein wenig überrascht.

47 Prozent sprachen sich nämlich für eine Anhebung des Eintrittsalters auf 40 Jahre aus, während 45,6 Prozent dafür sind, alles zu belassen wie es heute ist.

Allerdings gab es auch noch 7,4 Prozent, die weder das eine noch das andere befürworten. Hier muss spekuliert werden, aber vielleicht hätten einige dieser Antwortenden lieber eine differenziertere Lösung, wo es auch noch auf die Häufigkeit der Fahrzeuge ankäme.

Angesichts der Verschiebungen in Richtung Elektromobilität und der Omnipräsenz der Elektronik werden allerdings in Zukunft vielleicht sogar noch ganz andere Kriterien relevant werden.

Hier die Auswertung der Antwort in grafischer Form:

Frage der Woche 167 - Antworten

Und natürlich haben wir bereits die nächste Frage der Woche gestellt, sie dreht sich um die Thematik, ob Oldtimer-/Youngtimer-Besitzer angesichts Corona und anderen Einschränkungen ihren Bestand eher reduzieren oder steigern. Wir sind gespannt.

Natürlich können alle bisherigen Auswertungen der “Frage der Woche” weiterhin im entsprechenden Themenkanal nachgelesen werden.

Es war einmal in Amerika

Bruno von Rotz
25.10.2020

Ford Bronco versus Mercedes-Benz 300 (© RM/Sotheby's / Montage ZG)

Die letzten beiden Tage fand in Indiana, USA die RM/Sotheby’s-Versteigerung der sogenannten “Elkhart Collection” statt. Während des ersten Auktionstages am Freitag kamen hintereinander ein Mercedes-Benz 300 c von 1956 (Lot 1201) und ein Ford Bronco von 1967 (Lot 1202) unter den Hammer.

Von der luxuriösen Mercedes-Limousine wurden in den Fünfzigerjahren 1432 Exemplare gebaut, die alle den Reihensechszylinder unter der Haube trugen, welcher auch den 300 SL in modifizierter Form antrieb. DM 22’000 kostete ein solcher Luxus-Viertürer in Deutschland, dafür konnte man zwei Alfa Romeo Giulietta oder fast drei Borgward Isabella Cabriolets kaufen. Für einen 300 SL Flügeltürer hätte man gerade einmal DM 7000 aufzahlen müssen.

Gleich nach diesem Mercedes kam ein Ford Bronco der ersten Generation von 1967 an die Reihe. Allein vom Baujahr 1967 wurden 14’230 Exemplare verkauft und damit war dieses Produktionsjahr mit Ausnahme von 1975 das Schlechteste von allen bis und mit 1977, als die zweite Generation angekündigt wurde. Und ja, ein Ford Bronco war zwar nicht billig, aber natürlich im Vergleich trotzdem deutlich günstiger als beispielsweise der Nachfolger des Mercedes-Benz 300.

Unterschiedlicher könnten zwei Autos fast nicht sein als der Mercedes-Benz 300 und der Ford Bronco und trotzdem traten sie mit Schätzwerten auf fast gleicher Höhe an. Doch während der Ford Bronco etwas günstiger angesagt war, gingen die Gebote bis USD 55’000 hoch, während der Mercedes-Benz bereits bei USD 53’500 zugeschlagen wurde.

Eine Geschichte, wie sie sich wohl nur in den Vereinigten Staaten von Amerika zutragen konnte ….

Die Ergebnisse der RM-Elkhart-Versteigerung haben wir bereits in einem umfangreichen Artikel analysiert und zusammengefasst.

Happy Birthday Griffith!

Bruno von Rotz
24.10.2020

TVR Griffith 500 von 1996

Fast hätten wir’s verpasst, unsere Glückwünsche zu übermitteln. Allerdings an wen? Peter Wheeler ist schon vor einer Weile (2009) verstorben. Der ehemalige Öl-Millionär war damals für die Entstehung des TVR Griffith verantwortlich. Es geht die Legende um, dass sich Wheeler damals mit seinem Designer an die Autobahn stellte, um passende Rückleuchten für das Auto zu finden. Gewählt wurden schliesslich die Lampen des Vauxhall/Opel Vectra, die einfach verkehrt herum montiert wurden.

TVR Grifith 400 von 1992

Vorgestellt wurde der TVR Griffith an der britischen Motorshow in Birmingham im September 1990. Die Automobil Revue schrieb kurz: “Die neueste Sportwagenkonstruktion aus Blackpool gefällt mit harmonischer Linienführung, kompakter Bauweise und kräftiger Motorisierung (3.9-V8, über 240 PS), die viel Fahrspass verspricht.”

Kaufen konnte man das Auto allerdings erst ein Jahr später und der Hubraum betrug schon bald 4,3 (Griffith 430) und wenige Jahre Später fünf Liter (Griffith 500). Damit war man bei rund 320 bis 340 PS angekommen, was für einen weniger als 1,2 Tonnen schweren Sportwagen von der Grösse eines Mazda MX-5 doch für ziemlich sportliches Temperament sorgte.

Natürlich wurde der Griffith wie seine Vorgänger von Hand in Blackpool gebaut, ich selber gehörte 1996 zu den Käufern eines nagelneuen Griffith 500. Und ich durfte damals die Fabrik besuchen, als mein Auto halbfertig war und konnte so den jeweils während des Baus aufgemalten “Griffith” fotografieren, den die wenigsten TVR-Käufer je sahen, weil er im Rahmen der Fertigstellung mit Teppich überzogen wurde.

Griffith-Fratze auf dem TVR Griffith 500 von 1996

Nun ist der TVR Griffith also ein Oldtimer geworden, wobei die meisten verkauften Exemplare im Moment noch tüchtige Youngtimer sind.

Happy Birthday!

Wenn Tuner Autos schöner machen

Bruno von Rotz
23.10.2020

Alfa Romeo Spider von 1983

Die Tuner hatten in den Achtzigerjahren ja nicht immer den besten Ruf, manche ihrer Kreationen wurden als Angriff auf den guten (Design-) Geschmack gesehen. Und dies hat sich bis heute eigentlich nur wenig geändert, obwohl es immer wieder gute Gegenbeispiele gab.
Als wir letzthin von den Plänen des Tuners Prior Design hörten, die neue riesige Niere bei BMW M3/M4 etwas zu redimensionieren, konnten wir dem durchaus etwas abgewinnen.

BMW M3 vom Hersteller und vom Tuner

Die Zeichnungen (Renderings) jedenfalls sehen interessant aus, wie eine von uns erstellte Gegenüberstellung mit dem Original von BMW zeigt.

Aber es gibt auch interessante Beispiele aus der Vergangenheit. So kam 1983 der oben abgebildete Alfa Spider “Aerodinamica”, der mit seinem grossvolumigen Gummi-Heckabschluss nicht allen Freunden klassischer Alfa-Designsprache gefiel.

Alfa Romeo Spider von 1983 - Heck

Tuner Zender aber wusste Rat und stellte 1986 ein Bodykit für den Alfa vor. Die Automobil Revue berichtete damals:
“Der Zender-Hausdesigner Günther Zillner hat es als besonders reizvolle Aufgabe empfunden, auch den Alfa Romeo Spider in seiner heutigen Form sorgfältig in die Kur zu nehmen. In der Tat findet dieses von Pininfarina geschaffene und auch gebaute Auto nicht mehr den ungeteilten Beifall aller Fans. Die Zender/Ziller-Änderungen sind überaus dezent: Die Front erhielt eine GFK-Spoilerstossstange, in die der traditionelle Alfa-Grill integriert ist, die Bugschürze findet in den Seitenleisten eine Fortsetzung, und die Gummilippe an der Heckabrisskante weicht einem dreiteiligen, weit flacheren Spoiler aus PUR-Schaum.”

Zender Alfa Romeo Spider 1986

Man konnte die einzelnen Teile, es gab auch noch Leichtmetallräder, einzeln kaufen, der Heckspoiler kostete DM 361.00. Da griffen nicht wenige zu.

Nun fragt man sich natürlich, ob ein mit Zender-Teilen damals modifizierter Alfa Spider "Aerodinamica" heute mehr oder weniger wert ist als das Original mit dem Pininfarina-Heck …

Stammen die besseren Achtzigerjahre-Oldtimer aus den frühen Neunzigerjahren?

Bruno von Rotz
22.10.2020

Mercedes-Benz 500E von 1992 (© Bruno von Rotz)

Die jüngsten Oldtimer stammen aktuell aus den Achtzigerjahren. Bald werden wir beginnen, die Neunzigerjahre anzuknabbern. Autos der Neunzigerjahre haben in der Oldtimer-Szene nicht den besten Ruf, weil man ihnen eine schwer wartbare Elektronik vorwirft und riesige Stückzahlen dazu.

Ein Kommentar eines Lesers erinnerte uns kürzlich aber daran, dass man diese Thematik wohl deutlich differenzierter angehen muss. Was der Kommentarschreiber nämlich ausführte, war, dass es vor allem zu Beginn der Neunzigerjahren viele Achtzigerjahreautos gab, welche nun geradezu auf dem Höhepunkt ihrer Reife angelangt waren. Als Beispiel nannte er den Audi 80 B4 als verbesserten B3.

Tatsächlich wurden ja viele Baureihen von den Achtziger- in die Neunzigerjahre hinein gebaut und zwar in einer Zeit, als der Spardrang noch nicht überall überhand genommen hatte. Der für seine rigide Kostenkontrolle bekannte Lopez zum Beispiel trat 1993 bei Volkswagen ein. Auch andere Autohersteller begannen erst irgendwann in den Neunzigerjahren überall abzuspecken. Ist die Periode der frühen Neunzigerjahre also besonders interessant für Oldtimerkäufer?

Es würde uns interessieren, wie die Zwischengas-Leser über diese Thematik denken. Wir freuen uns auf viele Kommentare!

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