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Bild (1/1): Tom Tjaarda beobachtet Pietro Brovarone, den Leiter des Ghia Modellbauabteilung bei der Arbeit an einem Konzeptfahrzeug - im Hintergrund das 1-zu-1-Modell des 1974 Ghia Coins (© Archiv Tom Tjaarda (SD), 1973)
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    Tom Tjaarda - ein Amerikaner in Turin mit einem Händchen für schöne Formen

    18. Januar 2018
    Text:
    Stefan Dierkes
    Fotos:
    Archiv Tom Tjaarda (SD) 
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    Am 1. Juni 2017 starb der bedeutende, aber wenig bekannte Automobildesigner Tom Tjaarda in Turin. Tom Tjaarda war in den sechs Jahrzehnten seines Schaffens für alle grossen italienischen Designhäuser tätig: Nach Lehrjahren bei Ghia und Pininfarina sowie einer kurzen Mitarbeit bei Giorgio Giugiaros Ital Styling, wurde er schliesslich Designchef von Ghia und Fiat und arbeitete die letzten dreissig Jahre selbstständig in seinem eigenen Designstudio in Turin.

    Fiat 124 Sport Spider (1967) - der 124 Spider lief dem 1500 Cabriolet schnell den Rang ab
    © Zwischengas Archiv

    Seine Beiträge zum italienischen Automobildesign waren mit über 80 Automobilprojekten erheblich. Seine bekanntesten Serienfahrzeuge sind der Fiat 124 Spider (Pininfarina 1965), der De Tomaso Pantera (Ghia 1970), der De Tomaso Longchamp (Ghia 1972) und der von 1976 bis 1983 gebaute Ford Fiesta (Ghia 1972), von dem 1,75 Millionen Stück produziert wurden.

    Sohn eines Autodesigners

    Tom Tjaarda (ausgesprochen: Tscharda) wurde am 23. Juli 1934 als Stevens Thompson Tjaarda als zweites Kind von Irene Thompson Tjaarda und Jan Tjaarda Van Starkenberg (1897–1962) in Detroit geboren. Der Vater hatte seinen Namen in John Tjaarda geändert, als er 1923 aus den Niederlanden in die USA kam. Dort arbeitete der studierte Ingenieur als Automobildesigner unter anderem bei Duesenberg sowie ab 1930 in der „Art and Colour Section“ von Harry Earl bei General Motors in Detroit, dem ersten Styling-Studio der amerikanischen Autoindustrie.

    Der Vater von Tom Tjaarda - John Tjaarda mit dem fahrbereiten Briggs-Prototypen seines Sterkenburg mit Aluminium-V8-Motor im Heck
    © Copyright / Fotograf: Archiv Tom Tjaarda (SD)

    1932 erhielt John Tjaarda schliesslich seine grosse Chance und übernahm die Leitung des Styling-Studios bei der Briggs Body Company in Highland Park (Michigan). Dort konnte er sein schon in den Niederlanden begonnenes Konzept für ein eigenes Auto weiterentwickeln und schliesslich den radikal stromlinienförmigen, in Abwandlung seines Familiennamens benannten Sterkenburg auf der New York Auto Show im Dezember 1933 präsentieren.

    Schliesslich wurde von Ford während der New York Auto Show im November 1935 der aus dem Sterkenburg Dreamcar weiterentwickelte Lincoln Zephyr mit einem Ford-V8-Frontmotor im Hotel Park Lane vorgestellt, der mit 133’159 bis 1942 gebauten Exemplaren ein grosser Erfolg wurde.

    1936 baute John Tjaarda den Prototyp eines ebenfalls aerodynamisch geformten Kleinwagens auf einem Plattform-Rahmen mit luftgekühltem Aluminium-Vierzylindermotor im Heck. Dieser wurde von Ferdinand Porsche bei einem Besuch bei Briggs gründlich studiert.

    Laut John Tjaardas Biograph Karl Ludvigsen (in: Automobile Quarterly 43-1, März 1999) kaufte Porsche sogar die kompletten Konstruktionszeichnungen. Porsches später fertiggestellter Volkswagen wies dann einige dem Prototypen von John Tjaarda ähnliche Konstruktionsdetails auf.

    Nach der Scheidung seiner Eltern 1939, lebte Tom mit seiner älteren Schwester Betty bei seiner Mutter. Die High School besuchte er 1950 bis 1953 in Birmingham. In dieser Zeit gewann er mit der Konstruktion eines Modellautos einen Wettbewerb der General Motors Craftmen´s Guild.

    Tom Tjaarda während seines Architekturstudiums an der University of Michigan
    © Copyright / Fotograf: Archiv Tom Tjaarda (SD)

    Ab 1953 studierte Tom Tjaarda Architektur an der University of Michigan. Als Abschlussarbeit für den Industriedesign-Kurs bei Professor Aarre Lahti schlug er vor, ein Modell für einen Sportkombi zu entwerfen.

    Erste Schritte bei Ghia in Italien

    Das Modell beeindruckte Professor Lahti so sehr, dass er Luigi Segre, Leiter der Carrozzeria Ghia in Turin, kontaktierte, den er dort bei einem Sabbatical im Sommer 1956 kennengelernt hatte. So erhielt Tom Tjaarda seinen ersten Job auf der anderen Seite des Atlantiks, den er im August 1958 antrat.

    Innocenti 950 Ghia Spider (1960) - kurz, aber offen
    © Copyright / Fotograf: Archiv Tom Tjaarda (SD)

    Sein erstes Projekt bei Ghia war ein kleiner offener Sportwagen mit nur 2032 mm Radstand. Der 24-jährige Universitäts-Absolvent hatte sich bereits in Michigan mit italienischem Automobildesign beschäftigt und erledigte die ihm gestellte Aufgabe mit Bravour: Sein Innocenti 950 Spider auf Basis des Austin Sprite „Frogeye“ wurde im November 1960 auf dem Turiner Salon vorgestellt und nicht nur die britische Zeitschrift Motor fand ihn „extrem attraktiv“. Gebaut wurden von Tjaardas Erstlingswerk immerhin 6’864 Exemplare.

    Parallel zu diesem ersten eigenen Seriensportwagen und seinen Bemühungen, im Privatunterricht und von seinen Kollegen Italienisch zu lernen, stellte Tom Tjaarda mit dem futuristischen Ghia Selene I sein erstes Konzeptfahrzeug bereits für den Turiner Salon 1959 fertig.

    Ghia Selene (1959) - ungewhöhnliche Raumaufteilung
    © Zwischengas Archiv

    Überraschenderweise zeigte die Universität von Moskau Interesse und entwickelte auf Basis des Selene-Konzepts mit dem vor der Vorderachse platzierten Fahrersitz ein Taxi, das in die Serienproduktion ging. Tom Tjaardas extrem flacher Ghia IXG Dragster mit aerodynamisch verkleidetem Unterboden debütierte – zusammen mit dem Innocenti 950 Spider – auf dem Turiner Salon 1960.

    Beteiligt war er 1960 auch bei der Gestaltung des Hecks des von Sergio Sartorelli entworfenen grossen Karmann Ghia Typ 34 Coupés und an einem direkt an Renault gelieferten Dauphine Coupé.

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    Ausstellung „Italia 61“

    Im italienischen Urlaubsmonat „Ferragosto“ des Jahres 1960 entsandte Ghia Tom Tjaarda zu dem deutschen Schienenfahrzeughersteller Linke-Hofmann-Busch nach Salzgitter, um dort den Innenraum der Alweg-Einschienenbahn für die Turiner Ausstellung „Italia 61“ zu gestalten.

    Trotz der frühen Erfolge gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem impulsiven Ghia-Chef Luigi Segre schwierig. Ein Freund von Tom Tjaarda stellte schliesslich den Kontakt zu Sergio Farina, dem Direktor der Carrozzeria Pininfarina, her.

    Als ersten Job für das berühmteste Designhaus Europas gestaltete Tom Tjaarda zusammen mit dem Architekturbüro Gabetti & Isola den Ausstellungspavillon der „Italia 61“, deren Direktor Battista „Pinin“ Farina war.

    Carrozzeria Pininfarina

    Im September 1961 wurde Tom Tjaarda dann offiziell Angestellter von Pininfarina unter Designdirektor Franco Martinengo, durfte in den ersten Monaten jedoch nur Fahrzeugdetails wie Scheinwerfer, Rückleuchten und Innenräume gestalten.

    Chevrolet Corvair Coupé Pininfarina (1963) - elegante Sonderkarosserie auf Corvair-Chassis von Pininfarina
    © Archiv Automobil Revue

    Unter seinen ersten Fahrzeugdesigns bei Pininfarina waren zwei Chevrolet Corvair Coupés (1962 und 1963), ein Lancia Flaminia Coupé (1963) sowie zwei Chevrolet Corvette Rondine Coupés (1963 und 1964) mit dem von Tom Tjaarda erfundenen charakteristischen Schwalbenschwanzheck.

    Chevrolet Corvette 'Rondine' (1963) - Design von Pininfarina/Tom Tjaarda - präsentiert auf dem Pariser Automobilsalon von 1963
    © Archiv Automobil Revue

    Unter Martinengos Anleitung hatte Tjaarda seinen Stil erfolgreich verfeinert. Der Durchbruch liess nicht lange auf sich warten und Fiat beauftragte Pininfarina mit einem offenen Sportwagen auf Basis des Rondine-Designs. Tom Tjaardas Meisterstück wurde als Fiat 124 Spider auf dem Turiner Salon im November 1966 präsentiert und bis 1985 mit nahezu unverändertem Design 198’020 Mal gebaut.

    Ferrari 365 California (1966) - Heckansicht mit dem von der 'Rondine' abstammenden Schwalbenschwanz-Abschluss - auf dem Genfer Autosalon 1966
    © Archiv Automobil Revue

    Am Ende seiner fünfjährigen Tätigkeit als Stylist bei Pininfarina zeichnete Tom Tjaarda den Ferrari 365 California Spider, bei dessen beginnender Kleinserienproduktion (14 Stück) ab 1966 er jedoch bereits beim nächsten Arbeitgeber war.

    Er liess sich im Dezember 1965 von Giacomo Bianchi zu Fergat-OSI abwerben, gestaltete dort Räder und Messestände sowie als Freelancer Möbel und andere kleinere Projekte. Eine Tätigkeit, die ihn offenbar nicht ausfüllte, zumal ihm die finanzielle Basis von Fergat-OSI unsicher erschien.

    Nach einem zweimonatigen Intermezzo bei dem von Giorgetto Giugiaro gegründeten Ital Styling Ende 1967 erhielt Tom Tjaarda einen Anruf von Alejandro de Tomaso.

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    Rückkehr als Designchef von Ghia

    Der ehemalige argentinische Rennfahrer und Unternehmer Alejandro de Tomaso (1928–2003) hatte in den Sechzigerjahren begonnen, sich einen eigenen Automobilkonzern aufzubauen. Nach der Gründung des Renn-und Sportwagenherstellers De Tomaso in Modena, kaufte er 1967 die Carrozzeria Ghia in Turin. Deren Designchef Giorgetto Giugiaro machte sich daraufhin selbstständig und de Tomaso stiess auf der Suche nach einem Nachfolger im Ghia-Werk auf einige Prototypen Tom Tjaardas.

    Serenissima GT (1968) - ging so nicht in Serie
    © Copyright / Fotograf: Archiv Tom Tjaarda (SD)

    Die beiden wurden sich einig und Tjaarda nahm im Januar 1968 seine Tätigkeit als neuer Designchef von Ghia auf. De Tomaso wollte Ghia auf den bereits schrumpfenden Markt der Sport- und GT-Wagen konzentrieren und so entstand als erste Arbeit von Tom Tjaarda der auf dem Turiner Salon im November 1969 vorgestellte Serenissima Agena für den venezianischen Grafen und Rennstallbetreiber Giovanni Volpi di Misurata. Aus dessen Plänen für eine Serienfertigung wurde jedoch nichts.

    Tim Tjaardas weitere Sportwagenstudien bei Ghia, wie der Ford Mustela, der Lancia Marica und der Lancia Fulvia 1600 HF Competizione im Jahr 1969 zogen schliesslich einen grösseren Fisch an Land.

    De Tomaso Pantera (1970) - Vorserienversion während der Entwicklung
    © Zwischengas Archiv

    Als Briefing erhielt Tom Tjaarda 1970 von de Tomaso nur die Order für einen Nachfolger des De Tomaso Mangusta. Sein 1:5-Modell wurde jedoch 1970 Lee Iacocca, dem Präsidenten von Ford Nordamerika, gezeigt, der grünes Licht für die Produktion dieses Nachfolgers, des De Tomaso Pantera, erteilte und im selben Jahr die Carrozzerias Ghia und Vignale von De Tomaso kaufte.

    Tom Tjaarda erinnerte sich in einem Interview mit dem Autor Wallace Wyss (1973) an das verblüffte Gesicht des Amerikaners Iacocca, der nach Europa gereist war, um exotisches Styling in Form von zwei italienischen Carrozzerias zu kaufen und bei einem Designer landete, der in Detroit geboren und aufgewachsen war.

    Der Pantera wurde auf der New York Auto Show im April 1970 vorgestellt. Er wurde mit seinem Ford V8-Motor in Nordamerika ein grosser Erfolg – auch Autonarr Elvis Presley besass ein gelbes Exemplar – und von 1970 bis 1993 bei Vignale, Maggiora und zuletzt Embo 7260 Mal gebaut.

    Ford Fiesta Prototyp "Wolf" (1973) - auf dieser Basis entstand der spätere Serien-Fiesta
    © Copyright / Fotograf: Archiv Tom Tjaarda (SD)

    Tom Tjaarda blieb knapp 10 Jahre bis Oktober 1977 bei Ghia. Sein wohl erfolgreichstes Design in dieser Zeit war der Ford Fiesta, der von Ford unter dem Projektnamen „Bobcat“ entwickelt wurde. Tom Tjaardas Designvorschlag „Wolf“ wurde 1973 unter den konkurrierenden 1:1-Modellen anderer Ford-Designstudios als Basis für die Weiterentwicklung ausgewählt. Henry Ford II gab persönlich grünes Licht für die Produktion, deren erste Serie von 1976 bis 1983 in Deutschland, Spanien und England 1,75 Millionen gebaute Exemplare zählte und deren weltweiter Erfolg nach 17,1 Millionen produzierten Ford Fiesta (bis 2016) mit der aktuell siebten Serie weiter anhält.

    Tom Tjaarda bei der Arbeit am Zeichentisch
    © Copyright / Fotograf: Archiv Tom Tjaarda (SD)

    Letzte Stationen als Angestellter bei Fiat und Rayton Fissore

    Ford fusionierte 1973 sein Turiner Designcenter mit der Carrozzeria Ghia unter der Leitung von Filippo Sapino. Tom Tjaarda suchte nach Alternativen, lehnte jedoch Angebote als Designchef von De Tomaso in Modena und BMW in München ab. Er war zwischenzeitlich in Norditalien heimisch geworden und hatte 1974 seine Frau Paola Bronzino geheiratet, mit der er in unmittelbarer Nachbarschaft von Pietro Frua auf den grünen Hügeln des Turiner Stadteils Borgo Po mit Blick über den Po und die Stadt auf die Alpen lebte.

    So blieb er noch weitere Jahre bei Ghia und wurde schliesslich – zum dreifachen Gehalt – im Juli 1978 Direktor des Advanced Design Studios von Fiat in Turin. Dort blieb er bis Dezember 1981 und arbeitete an Designstudien für den ab 1985 produzierten Lancia Y10 sowie an Konzepten für Fiats Auslandsmärkte in Argentinien, Brasilien und Polen. Die entscheidenden Entwürfe wurden jedoch ausserhalb von Fiat in den Designstudios von Giugiaro (inzwischen in Italdesign umbenannt) und I.DE.A entwickelt.

    Rayton Fissore Magnum 4x4 (1985) - Geländewagen mit Stil
    © Copyright / Fotograf: Archiv Tom Tjaarda (SD)

    Nach dieser für ihn deprimierenden Zeit bei Fiat wechselte Tom Tjaarda im Januar 1982 zum Karosseriehersteller Rayton Fissore im 40 km von Turin entfernten Cherasco. Dort konnte er endlich wieder selbst kreativ sein, erstellte 1:1-Protoypen für einen Chrysler LeBaron (1981) und Chrysler Imperial (1982) und entwickelte mit dem im Juli 1984 vorgestellten Magnum 4x4 einen luxuriösen Geländewagen, der von 1985 bis 1990 von Rayton Fissore und bis 2003 beim amerikanischen Importeur Laforza produziert wurde. Doch der Erfolg des Magnum und die damit verbundene Aufgabe, dessen Produktion zu organisieren, führten dazu, dass Tom Tjaarda Rayton Fissore verliess.

    Dimensione Design

    Kurz nach seinem 50. Geburtstag mietete Tom Tjaarda im August 1984 ein paar Büroräume im Stadtzentrum von Turin und machte sich mit seinem eigenen Designstudio Dimensione Design und einem Netzwerk von Modelleuren und Prototypenbauern selbstständig. Zu seinen ersten Kunden gehörten Rayton Fissore, Laforza, Chrysler und die American Sunroof Company.

    Der Supersportwagen-Boom der späten 1980er-Jahre und sein Sport- und GT-Wagen-Portfolio machten sein Designstudio für viele Möchtegern-Ferrari-Konkurrenten populär. So entstanden Entwürfe für Mercedes (1993) und Lotus (2001) sowie 1:1-Modelle und Prototypen für den amerikanischen Lackhersteller PPG (1988), Aston Martin (1991), Bitter (1991), Isotta Fraschini (1998), Qvale (2000), Spyker (2002), Turin International (2006, 2008–2009) und Equus (2008).

    Parallel war Tom Tjaarda im Bereich des Industriedesigns sehr erfolgreich tätig, z.B. mit der Gestaltung von Bodenreinigungsmaschinen der Hersteller Pulimat (1987–1994) und Gansow (1996–1997), mit denen er eine ganze Branche veränderte.

    Sein guter Ruf drang bis in den Fernen Osten und er erhielt Aufträge von Suzuki (1993), Honda (1996–1998) und beriet im letzten Jahrzehnt seines Schaffens auch chinesische Automobilhersteller.

    1997 war sein Geschmack als Juror beim renommierten Concours d’Elegance in Pebble Beach gefragt und in der Folge erhielt er jährliche Einladungen zu vielen gleichartigen Events in aller Welt. Auch die Szene der De-Tomaso-Pantera- und Fiat-124-Enthusiasten feierte ihn.

    Tom Tjaarda im Jahr 1992
    © Copyright / Fotograf: Archiv Tom Tjaarda (SD)

    Der Autor dieser Zeilen lernte Tom Tjaarda im Mai 2003 kennen, als er ihm spontan seine Übersetzungshilfe bei den Verhandlungen bezüglich der Auswertung des Nachlasses seines Designerkollegen und Nachbarn Pietro Frua anbot. Erst nach und nach stellte sich heraus, welch grosses Designwerk Tom Tjaarda selbst geschaffen hatte und in den Folgejahren unterstützte er die wachsende Dokumentation seines Œu­v­res durch zahlreiche Gespräche, die Beantwortung vieler Fragen sowie der Bereitstellung seiner Unterlagen.

    Die 2004 zu seinem 70. Geburtstag gestartete Website und dieser Artikel können nur ein Anfang sein und die vollständige Dokumentation seines Gesamtwerks wird noch viele Jahre in Anspruch nehmen. In einem der gemeinsamen Gespräche entstand die Idee, dass Tom Tjaarda seine Geschichte am besten selbst aufschrieb. Ab Juni 2013 startete Tom Tjaarda eine Kolumne in der britischen Oldtimer-Zeitschrift „Classic Cars“ über seine Erlebnisse während der sechs Jahrzehnte seines Schaffens.

    Tom Tjaarda starb am 1. Juni 2017 im Alter von 82 Jahren in Turin an den Folgen seiner Krebserkrankung. Seine Freundschaft und Freundlichkeit währten bis zuletzt oder wie es der britische Autor Richard Heseltine in seinem Nachruf formulierte: „Er war der rare Fall eines Designers, über den niemand in der Automobilindustrie ein schlechtes Wort spricht“.

    Das vorläufige Verzeichnis des Werks von Tom Tjaarda und alle Quellenangaben finden sich auf einer eigens geschaffenen Website .

    Autos aus dem Schaffen von Tom Tjaarda

    Marke Typ Jahr Kommentar
    Ghia Selene I 1959 Konzeptfahrzeug/Showcar
    Ghia Innocenti 950 Spider 1960  
    Ghia IXG Dragster 1960 Konzeptfahrzeug/Showcar
    Karmann 1500 Typ 34 Coupé 1960 Serienfahrzeug, nur teilweise von Tjaarda
    Renault Dauphine Coupé 1960 Nur Teile
    Ferbedo Automobilina pedal car 1961  
    Ghia Cart 1961  
    Ghia Innocenti 1100 Coupé 1961  
    Chevrolet Corvair Coupé Pininfarina 1962/1963  
    Lancia Flaminia Coupé Pininfarina 1963  
    Fiat 2300 Cabriolet Speciale Pininfarina 1963  
    Fiat 2300 Lausanne Coupé Pininfarina 1963  
    Sigma Berlina Pininfarina 1963 Nur Teile
    Chevrolet Corvette Rondine Coupé Pininfarina 1963/1964  
    Ferrari 330 GT 2+2 series 1 1964  
    Mercedes-Benz 230 SL Coupé Pininfarina 1964  
    Fiat 124 Spider 1965 Serienfahrzeug
    Ferrari 365 California Spider 1966 Kleinserienfahrzeug
    Chevrolet Checker Berlina 1968 Nur Teile (mit Giorgetto Giurgiaro)
    Ghia Serenissima Coupé 1968  
    Ghia Serenissima Agena 1969 Kein Serienfahrzeug
    Lancia Fulvia 1600 HF Competizione Ghia 1969  
    De Tomaso Mustela (I) Ghia 1969  
    Lancia (Flamina) Marica Ghia 1969  
    Lancia (Fulvia) 1600 HF Competizione Ghia 1969  
    Lancia Marica Ghia 1969  
    Isuzu Bellet MX1600 GT 1969/1970  
    De Tomaso Pantera 1970 Serienfahrzeug
    De Tomaso Deauville 1970  
    Lancia Flavia Giacobbi Sinthesis 2000 1970  
    Williams De Tomaso-Ford Cosworth 505/38 1970  
    AutoZodiaco Damaca 1971  
    De Tomaso Zonda (Ghia) 1971  
    Isuzu Bellet SportsWagon 1971  
    De Tomaso Longchamp 1972 Serienfahrzeug
    Ford Fiesta (Projekt Wolf) 1972  
    De Tomaso Pantera L 1972  
    De Tomaso Pantera 290 1972  
    De Tomaso Pantera GT4 1972  
    Ford Mustang II Vorschläge (Varianten) 1972/1974  
    Ford Mustela (Ghia) 1973  
    De Tomaso / Ford Pantera 7X 1973  
    Ford Coins 1974  
    Ford Maverick 1974  
    Ford Fiesta 1976 Serienfahrzeug
    Lancia Y10 1978  
    Fiat Brazil 1979  
    De Tomaso Longchamp Cabriolet 1980  
    Seat Ronda 1981  
    Seat Guappa Coupé 1981  
    Chrysler LeBaron 1982  
    Chrysler Imperial 1982  
    Rayton-Fissore Taxi Torino 1983  
    Chrysler Jeep (Interieur) 1985 Nur Teile
    Rayton-Fissore Magnum 4x4 1985  
    Rayton-Fissore Torino Taxi 1985  
    Rayton-Fissore Saab Viking 1985  
    Aston Martin Lagonda Coupé 1987  
    PPG 4x4 1988  
    Laforza Magnum 4x4 1989  
    Bitter Tasco 1991  
    Saab 900 four door 1992  
    Suzuki Coupé (für Bugatti) 1992  
    Fiat Iveco Truck Interieur 1993 Nur Teile
    Lamborghini Diablo (Interieur) 1995 Nur Teile
    Isotta-Fraschini T8 Coupé 1998  
    Isotta-Fraschini T12 Coupé 1998  
    Qvale Mangusta (II) 2000  
    Laforza PSV (II) (production engineering only) 2001  
    Spyker GT Sport 2002  
    Fiat Barchetta (Facelift) 2003  
    Shelby Series 2 2006  
    Ford Mustang Shelby GT500 HST 700T 2008  
    Ford Mustang Hotrod Shelby GT500 Saleen Roush 2008  
    Ford Shelby GT500 Equus TOM 2008  
    Fiat 124 Spider “Rondine” 2013  


    Dieser Artikel erschien im aktuellen Zwischengas Jahresmagazin 2018 auf Seite 118.

    Alle 55 Bilder zu diesem Artikel

    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    La******:
    28.01.2018 (11:31)
    Ein herzliches Dankeschön, dass Sie als einer der (bislang) wenigen Medien das Schaffenswerk von Tom Tjaarda mit Ihrem Artikel so ausführlich behandeln und würdigen. Auch das NICHT-Verwechseln zwischen der Carrozzeria Fissore und Raylton Fissore ist für ein deutschsprachiges Medium eine Seltenheit.

    Besten Dank, Grüße
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