Die Freude am Detail

Bruno von Rotz
30.10.2020

Titelblätter AMS 1961/1962

Solche Titelseite, wie sie “auto motor und sport” in den frühen Sechzigerjahren zeigte, wären heute für eine Publikumszeitschrift, die nennenswerte Stückzahlen am Kiosk absetzen will, undenkbar. So denken zumindest Verlagsleute. Und vermutlich haben sie gute Gründe und viele Statistiken, die das belegen können.

Vor fast 60 Jahren aber, da hatte man aber offensichtlich noch das Gefühl, die Frontscheinwerfer eines Fiat 2300 oder das Cockpit eins Jaguar E-Types seien interessant genug, um Leser vom Heft zu überzeugen.

Ästhetisch konnten diese Titelseiten sicherlich überzeugen. Nur zeigten sie halt wenig vom tatsächlichen Inhalt des Hefts. Dazu muss man auch wissen, dass die Zeitschriften damals deutlich dünner und mit weniger verschiedenen Reisser-Themen gefüllt waren als heute.

Trotzdem würde uns nun interessieren, ob unsere Leser einer Zeitschrift, die nur ein interessantes Detail eines Autos zeigt auf dem Titelblatt am Kiosk eine Chance geben würden …

Wenn Sie eine Meinung dazu haben, dann kommentieren Sie einfach zu diesem Blog. Wir danken und freuen uns jetzt schon über die Wortmeldungen!

Archivierte Einträge:

von BMW321
15.12.2020 (14:06)
Antworten
Ich kann mich dem gesagten nur anschließen. Redakteure mit Benzin im Blut findet man wesentlich häufiger bei den Young- und Oldtimerzeitschriften. Und natürlich muss der Aufmacher einer Zeitschrift nicht das Inhaltsverzeichnis vorwegnehmen. Ein Leitartikel, ein Schwerpunktthema die Faszination der Mobilität, des Designs oder der dahinterstehen Technik lassen sich sehr wohl auch in modernen Layouts ausdrücken. Problematisch ist da eher, dass man da eine Idee, einen Fotografen und einen Grafikdesigner dazu braucht (die Geld kosten) die zudem noch einen Standpunkt einnehmen (der evtl. die Zielgruppe angreifen und verärgern könnte) und eine Diskussion anregen wollen (siehe die ams Titel aus den 60ern)

Eine Ausnahme macht die FAZ Motor und Technikredaktion, speziell der Holger Appel, der es mit seinen Kommentaren technisch/wissenschaftlich, faktenbasiert argumentiert, und es damit sogar schon mal auf die Titelseite schafft.
Die FAZ, Technik und Motor Redaktion, die (noch) in der Dienstagsausgabe einen Sonderteil haben, hebt sich meiner Meinung nach, mit einer sehr differenzierten Berichterstattung, speziell zu den Themen Elektro- vs. Kolbenmotor, Klimadiskussion und Diesel sehr erfreulich vom Mainstream ab. Hier finden Themen rund um alle Fahrzeuge und Antriebskonzepte ihren Raum ohne die Technik, wirtschaftliche- und gesellschaftliche Aspekte unter den Tisch fallen zu lassen.
ams, Auto Bild etc. hab ich früher regelmäßig gelesen. Heute finde ich dort, wie schon bei den Vorrednern beschrieben nichts mehr viel wirklich interessantes und bin daher als Leser verloren. Aber vielleicht ist das ja auch der Lauf der Zeit und ich gehöre als 66-jähriger Elektroingenieur mit maximaler Affinität zu digitalen Werkzeugen und Gadgets zum alten Eisen der bald den Weg alles irdischen geht.
von ni******
03.11.2020 (10:34)
Antworten
Ich finde die alten Hefte spannender. Um den Inhalt zu erfahren kann man dann das Verzeichnis anschauen.
Zurzeit lese ich ein amerikanischen Autoheft und ich weiss nicht wie lange noch. Alle Autohefte sind langweilig geworden. Immer die gleichen Texte. Ausserdem geht mir der Elektro-Hype auf den Geist, lese ich gar nicht. Gemessen an den Verkaufszahlen ein totales Missverhältniss.
Kommt hinzu, dass weder hier noch in Amerika die Autojournalisten Benzin im Blut haben. Ständig meinen sie sich rechtfertigen zu müssen, dass sie jetzt ein Auto mit einem starken Motor gefahren sind. Nie stellen sie die offizielle Politik in Frage und lassen auch keine Gegenstimmen zu Wort kommen, Stichwort "Klimawandel". Eigentlich sind es Heuchler. Sie fahren starke, tolle Autos die sie nicht zahlen müssen, empfehlen uns aber CO2 einzusparen.
Dieses aktuelle Heft habe ich abonniert weil sie die einzige der grossen 3 Hefte war, welches keine Angaben zum CO2-Ausstoss machte. Fand ich symphatisch. Aber mit den Pensionierungen und neuem Personal ist vieles an Faszination verloren gegangen.
Um nochmals auf die Titelseiten zu kommen: Die alten Hefte sind definitiv inspirierender und wenden sich an ein Autopublikum. Die heutigen Hefte wenden sich an einen uninteressierten Durchschnittsleser, der kein Wissen und Interesse an Getriebeabstufungen oder Ventilöffnungzeiten hat, dafür umso mehr wieviel Ladestationen es für das Phone gibt und sonstigen Conectivity-Schnickschnack.
Antwort von he******
09.11.2020 (14:13)
Ich kann Ihrem Kommentar nur zustimmen!
Seit fast 45 Jahren lese ich die ams, archiviert habe ich sie bis Anfang der 2000er. Als Meinungsbildner werde ich regelmäßig online um Leserkritik gebeten. Dabei beschränke ich mich nicht nur auf die Auswahl auf einer Notenskala, sondern versuche der Redaktion mittels Freitexte Hinweise zu geben, sich u. a. dem Zeitgeist nicht zu unterwerfen und die Stammleserschaft, also kaufkräftige, technikbegeisterte und individuelle motorisierte Freiheit genießende Petrolheads, nicht zu vergraulen. Das scheint aber ins Leere zu laufen oder gar unerwünscht zu sein. Motoklassik und Youngtimer aus dem gleichen Verlagshaus hingegen bleiben sich erfreulicherweise treu.
Eine großformatige Detailaufnahme ist spannender und macht neugierig auf das Inhaltsverzeichnis. Die Unterbringung möglichst vieler Themen auf der Titelseite soll wohl die Reichweite erhöhen, wirkt aber unübersichtlich und erzielt m. E. nicht den gewünschten Effekt des Eyecatchers.
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