Renaissance der einfachen Autos?

Bruno von Rotz
28.12.2020

MG TC von 1947 (© Daniel Reinhard)

Moderne Autos werden immer klüger, nehmen einem immer mehr “Arbeiten” beim Autofahren ab. Schon haben viele Autofahrer verlernt, das Licht oder den Scheibenwischer von Hand einzuschalten. Die Handschaltung und damit auch die mit dem Fuss betätigte Kupplung gehören zu den Auslaufmodellen. Ein heutiger Personenwagen, selbst ein Cabriolet, lässt einen die Geschwindigkeit kaum mehr spüren. Und schirmt einen immer mehr von der Technik ab.

Gleichzeitig werden die Geschwindigkeiten, die man fahren darf, immer stärker reglementiert, an Überholen ist wegen des regen Verkehrs kaum mehr zu denken. Innerorts gilt bald flächendeckend Tempo 50 km/h, selbst auf Autobahnen kann nur noch selten schneller als die einstige Richtgeschwindigkeit gefahren werden.

Wer von alle dem frustriert ist und eine richtige Abwechslung sucht, dem empfehlen wir den Einstieg in ein rustikales Nachkriegsautomobil vom Typ eines MG TC oder TD. Natürlich darf es auch ein richtiger Vorkriegsklassiker sein, aber die Unterschiede zwischen Autos der Dreissiger- und Fünfzigerjahre sind nicht riesig. Hauptsache ist, man kriegt richtig zu tun. Dazu gehört schon das Startritual mit Choke und sorgfältig agierendem Gasfuss. Dann das sachgemässe Wechseln der Gänge mit Zwischenkuppeln und Zwischengas. Schliesslich das modulierte Bremsen und das Lesen von Gelände und Strasse, um es dem vermutlich schmächtig motorisierten Gefährts nicht zu schwer zu machen. Selbstverständlich gilt auch den diversen Anzeigen ein wachsames Auge. Wird das Wasser zu heiss? Stimmt der Öldruck? Droht ein Ende der Batteriespannung?

Ja, man ist ziemlich beschäftigt in einem Auto mit Jahrgang 1947 (oder so). Das Tempo spielt da überhaupt keine grosse Rolle und schon 80 km/h werden zur Herausforderung. Aber, wenn man dann am vielleicht gar nicht allzu fern liegenden Ziel ankommen, dann wird man dem kleinen Sportwagen deutlich zufriedener entsteigen als der Nachbar, der mit seinem modernen MeBAReSkEl gleich daneben parkt. Garantiert!

Vielleicht feiern wir im kommenden Jahrzehnt ja die Renaissance der einfachen Vor- und Nachkriegsautos?

Archivierte Einträge:

von kh******
01.01.2021 (19:58)
Antworten
Kann ich nur zustimmen.

Mein Geschäftsauto (80.000 Klasse / deutsche Topp-Marke) ist die perfektionierte Langeweile. Man fragt sich tatsächlich warum fährt das nicht selbständig. Und dann die ganzen Drück-u. Drehfunktionen, an sich wird mir ständig vermittelt dass ich ein Depp bin. Daher an meine Frau abgegeben.

Mir reicht unser Defender im täglichen Einnsatz. Noch 2015 im Ausverkauf erworben. Da auf dem Kutschbock bin ich noch Herr der Dinge.

Und dann am Wochenende die Kür. Den Morgan +4 aus 1963 betriebsbereit machen. Kein Start ohne die Motorhauben zu öffnen, Wasser u. Ölstand nachsehen. An der Tankstelle noch den Reifendruck kontrollieren, die Werte hat man im Kopf. Die kleinen Landstraßen können unter die Räder genommen werden. Der TR-Motor, rau aber herzlich zieht wie Bolle, die Moss-Box singt ihr eigenes Lied und will mit Bedacht bedient sein. Das Fahrwerk macht nicht die geringsten Bemühungen irgend etwas von vom Straßenzustand zu verschönern. Dazu den Wind im Gesicht, die Landschaft riechen und die Temperatur spüren. Das Ziel mit bedacht gewählt. Zur Einkehr im Berggasthof mit eigenem Brot und selbst gerauchtem Schinken. Was will ich mehr um glücklich zu sein.
von to******
01.01.2021 (03:08)
Antworten
Trotzdem war es viel einfacher.
Bei jeder Betätigung eines Hebels, Schalters oder Knopfes wusste man genau was man damit bewirkte. Auch bei der mechanischen Fensterkurbel öffnete man das Fenster genau so weit wie man beabsichtigte.
Wenn man einen Autoschlüssel verlor oder auf dem Tisch liegen liess, konnte der Finder nicht auf ein Knöpfchen drücken und mit dem blinkenden Auto wegfahren.
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