Als der Weihnachtsmann beinahe strandete …

Bruno von Rotz
24.12.2020

Weihnachtsmann mit Elektroauto (© Lena von Rotz)

Es war der 24. Dezember. Wie jedes Jahr wurden den Weihnachtsmänner im Hauptquartier in Rovaniemi ihre Autos, die Geschenke zur Auslieferung und die Zielgebiete zugeteilt. Und frohgemut machte sich unser Weihnachtsmann auf den Weg. Man hatte ihm noch mitgeteilt, dass sein Wagen verbessert und optimiert worden wäre, schliesslich gehe man mit der Zeit, von wegen CO2-Neutralität und so.

Tatsächlich fühlte sich sein Auto anders an. Der Antritt war stupend, der Motor gar nicht zu hören. Aber unser Weihnachtsmann machte sich keine Gedanken und fuhr durch die finnischen Wälder dem Süden entgegen. Bis er plötzlich stehen blieb. “Was ist denn nun?”, fragte er sich. Als technisch versierter Mensch öffnete er sofort die Motorhaube … und erschrak. Da war ja gar kein richtiger Verbrennungsmotor zu sehen, nur ein grauer Block und viele Kabel, dazu Starkstrom-Warnungen. Langsam dämmerte es dem Weihnachtsmann. Er fuhr elektrisch oder er hatte es mindestens bis dahin getan. Aber wo, um Himmels willen, konnte er inmitten der verschneiten finnischen Wälder eine Wallbox finden, die ihm den nötigen elektrischen Strom zur Verfügung stellen konnte. Weit und breit war kein Mensch zu sehen, geschweige denn eine Stromtankstelle.

Der Weihnachtsmann begann zu verzweifeln und still über die moderne Technik zu fluchen: “Früher, ja früher, da war ….”

Doch weiter kamen nicht. Denn plötzlich bohrten sich grelle Lichtkegel durch das Dunkel und knurrend näherten sich mehrere Fahrzeuge. Sie hielten an, als sie den gestrandeten Weihnachtsmann mit seiner wichtigen Fracht sahen.

“Können wir helfen?”

Jetzt erkannte auch der Weihnachtsmann die nicht mehr ganz jungen Männer, die da in ihren schneetauglichen Autos herangebraust waren.

Der eine hiess Hannu Mikkola, der zweite Rauno Aaltonen und der dritte wurde Marcus Grönholm genannt. Es waren allesamt Rallye-Fahrer und sie kamen wie gerufen!

“Ja, klar”, sagte der Weihnachtsmann, “ich muss auf schnellstem Weg in den Süden, um die Geschenke auszuliefern”.

Hannu, Rauno und Marcus zögerten nicht lange. Sie packten die bunten Päckchen in ihre Rallye-Autos. Mikkola bot dem Weihnachtsmann den Beifahrer-Sitz in seinem Audi quattro an. “Ich brauche einen Navigator, damit die Geschenke auch ans richtige Ort kommen”, murmelte er. Aaltonen stieg in seinen Mini, Grönholm in den Peugeot 206. Und los stoben sie.

CO2-neutral war dies zwar nun nicht mehr, aber wenigstens erreichten die sehnlichst erwarteten Weihnachtsgeschenke ihr Ziel und zwar schneller als je zuvor …

Archivierte Einträge:

von dagamba
01.01.2021 (14:43)
Antworten
Kommentar von mir, der ich bei einem der größten Entwickler in Europa für die Elektrifizierung zuständig bin: Hier wird nur ein Aspekt der Elektrifizierung bedient: Die sogenannte "Range Anxiety". Mit den derzeitigen Batterien sind tatsächlich keine besonders guten Reichweiten möglich und das Wiederaufladen dauert sehr lang. Die Batterie ist zur Zeit noch die Achillesferse der Elektroautos. Ja, es ist eine neue Technologie unterwegs, aber bis die in Autos serienreif ist, wird es ca. 7-8 Jahre dauern. Und dann noch ein bisschen, bis die leitsbar ist. Dennoch brauchen wir die "Early Adoptors", sonst werden wie die im Endeffekt notwendige Wende nicht schaffen. Es muss jetzt der Elektroauto-Verkauf langsam anfangen, um am Ende, wenn wir alle freiwillig (!! Das Elektroauto ist einfach die bessere Lösung, wenn das mit der Batterie klappt) ein Elektroauto als Neuwagen kaufen werden, die Technologie eben NICHT mit solchen Nachteilen auf dem Markt zu haben. Man vergleiche immer den Verkauf des verbrennungsmotorgetriegenen Autos ab ca. 1912. Das waren auch erst vereinzelte, viel bestaunte Selbstbeweger, gekauft von bemittelten Enthusiasten, die an die Zukunft dieser Technologie geglaubt haben. Und heute?

Das witzige: In Skandinavien, nämlich in Norwegen, ist es bereits jetzt Gesetz, dass ab 2030 keine Verbrennungsmotor-getriebenen Fahrzeuge mehr zugelassen werden können. Da die Norweger ohnehin, seitdem das Auto exisitiert, eine ca. 200% Steuer auf Autos haben, die aber für Elektroautos z.Zt. aussetzen, hat Norwegen (das einzige nennenswert ölfördernde Land Europas! Die wollen wohl jeden Milliliter verkaufen, statt ihn selbst zu verbrauchen...) bereits jetzt fast 100% elektrische Neuzulassungen. Beispiel: Mercedes E-Klasse kostet mit Steuer 3x so viel wie hier, mithin also mindestens 150.000, Tesla ist mit seinen etwas über 100.000 für nen Model S, fast ganz ohne Steuer, also dort ein BILLIGES Auto.

In so einem irre großen Land, mit knapp 2500 km Länge viel größer als Finnland, nur Elektroautos mit winziger Reichweite? Wie soll das gehen? Die Norweger bewegen sich durch dieses riesige Land per
...
Flugzeug. Hop-on-hop-off-Flüge, die streckenweise spottebillig sind (selbst für Mitteleuropäer), verbinden jede Milchkanne in Norwegen miteinander. CO2-Fußabdruck? Riesig. Also: Auch dort noch ungelöstes Problem. Die Julnissen (Weihnachtswichtel) in Norwegen sind also fliegend unterwegs.

Ja, die Startprobleme mit der Elektrifizierung müssen erst noch gelöst werden. Es wird aber eine Lösung geben. Das Ergebnis wird sein, dass das Automobil ein Gebrauchsgegenstand sein wird, wie ein Mixer oder eine Taschenlampe. Zumal mit autonomem Fahren. Vielleicht ist das auch die Rolle, die dem Alltagsautomobil gebührt. Denn die Autos unserer Gemeinschaft hier sind - auch wenn sie einmal Alltagsauto waren - inzwischen keine normalen Allltagsautos mehr, sondern etwas besonderes.

Was zu hoffen bleibt und wofür wir (inklusive ich in meiner Position) kämpfen müssen, ist, dass in dieser neuen Verbotskultur, die unsinnig die Mobilität angreift (z.B. Stuttgart hat ohne Straßenverkehr an Autoverbotstagen ca. 10% weniger Feinstaub als mit Verkehr. Verhältnismäßigkeit? Wo?), dass unsere Autos nicht verboten werden und zu Museums-Stehzeugen verdammt. Das droht uns tatsächlich. Hier in Österreich ist ein lokaler Landrat tatsächlich gerade dabei, einen beliebten historischen Dampfzug, der ca. 8-10 Sommerwochenenden fährt, aus Umweltschutzgründen zu verbieten... So etwas darf uns nie passieren! Wir müssen also in unseren Verbänden rechtzeitig verankern, dass wir uns gegen all sowas auflehnen werden!
von Fl******
24.12.2020 (15:39)
Antworten
Und die Moral von der Geschicht', Stromern bringt's in Finnland nicht.
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