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BMW 325i Cabriolet (E36) – Nach oben offen

Erstellt im Jahr 2022
, Leselänge 6min
Text:
Sven Jürisch
Fotos:
BMW AG 
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Sven Jürisch 
12
BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – Ein Wagen (vor allem) für schöne Tage
BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – In der Linienführung macht sich das Verdeck auch im geschlossenen Zustand minimal bemerkbar.
BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – Charakteristische fahrerorientierte Anordnung der Bedienelemente
BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – Das Cockpit. Dass es sich beim Fotomodell um ein Exemplar mit Automatik handelt, erkennt man sofort.
BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – Der moderne Vierventil-Sechszylinder passt perfekt zum Cabriolet.
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Gäbe es so etwas wie den Begründer des Segments der Besserverdiener-Cabriolets, wäre das BMW-Cabriolet der Dreier-Reihe ein heisser Kandidat auf diesen Nimbus. Mit dem offenen E30 schufen die Bayern 1985 eine ganz eigene Liga. Dazu trug nicht nur die werbewirksame Positionierung mit allerlei Stars und Sternchen (u.a. Uschi Glas und C.C. Catch) bei, sondern auch, dass dieses Modell an allen schönen Orten der Bundesrepublik quasi in Dauerschlaufe lief. Egal ob München oder Sylt – wo der offene Dreier auftauchte, war man schön, jung und erfolgreich. Ein Image wie ein Traum.

Gleichzeitig war das Modell so positioniert, das es eben auch in der Mittelschicht funktionierte und seinen Besitzern in der Reihenhaussiedlung ein wenig vom Glanz der großen weiten Welt verlieh. Wer den BMW 325i mit Stoffdach im Carport hatte, wurde gesehen und wollte das auch.

Luxus ist aller Laster Anfang

Waren frühe E30-Cabriolets noch übersichtlich ausgestattet, nahm die Anzahl der verfügbaren Sonderausstattungen bis zum Auslaufen der Modellreihe zu. Die Kundschaft wollte mehr Luxus und verlangte nach Ledersitzen, einem automatischen Verdeck und nach ausgefalleneren Lackfarben. BMW gab Gas und bot beinahe alle Features an, wohl wissend, dass der Nachfolger geräumiger, komfortabler und auch stärker sein mußte. Sogar eine offene Version des M3 mit Vierzylinder-Motor kam auf die Straße; heute ein teures Juwel.

Bild BMW E36 Cabriolet (1993) – Vier gewinnt. Der E36 war der vierte offene BMW-Mittelklässler respektive der zweite 3er, den es ab Werk als Cabriolet gab.
BMW E36 Cabriolet (1993) – Vier gewinnt. Der E36 war der vierte offene BMW-Mittelklässler respektive der zweite 3er, den es ab Werk als Cabriolet gab.

Erfolg ist lernbar

Im April 1993 lief die erste Dreier-Cabriolet-Generation aus. BMW hatte das Feld für den nächsten Sommer bereits ordentlich bestellt. Die in diesem Segment inzwischen auf Luxus abonnierte Kundschaft wollte bedient werden und das bitte nicht von der Konkurrenz. Die hatte zuvor mit dem Mercedes-Benz SL (R129) eine Blaupause für ein Premium-Cabrio vorgelegt. Der BMW verkehrte natürlich in einer anderen Klasse, doch 1993 war er auch das einzige Cabrio der Münchner mit vier Sitzplätzen.

Um das E36-Cabriolet zumindest in Sachen Karosseriesteifigkeit auf eine Stufe mit dem Wettbewerber zu bringen, war die offene Version schon bei der Grundsteinlegung der Baureihe konstruiert worden. Unsichtbare Karosserieversteifungen, sorgfältige Detailarbeit und ein ausgeklügeltes System von Schwingungstilgern sorgten für Ruhe in der Karosserie. Dazu bot der Innenraum deutlich mehr Platz, und die Verarbeitung hinter liess einen besseren Eindruck als beim Vorgänger.

Bild BMW E36 Cabriolet (1993) – Steif und sicher, so präsentierte sich der offene BMW.
BMW E36 Cabriolet (1993) – Steif und sicher, so präsentierte sich der offene BMW.

Das Debüt auf dem Genfer Automobilsalon 1993 geriet zum Erfolg, wofür vor allem das Design verantwortlich war. Es stammte maßgeblich von Altmeister Claus Luthe und wirkte so unaufgeregt und elegant, dass die BMW-Kundschaft sich von Beginn an gut verstanden fühlte. Auch Größe und Ausstattung des neuen Schönlings überzeugten. Der offene E36, das war sofort klar, spielte eine Liga höher als der Freiluft-E30.

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Wert und voll

Soviel Gutes gab es nicht umsonst, weshalb der offene E36 deutlich teurer geriet als sein Vorgänger. Die Kunden störte es nicht, denn die meisten kreuzten an, was die Optionsliste hergab. Das damals noch extravagante Elektrodach und die Ledersitzgarnitur wurden gerne geordert. Ersteres wurde mittels eines komfortablen zentralen Griffs entriegelt und verschwand im Falle der Option „voll elektrisch“ binnen weniger Sekunden unter einer festen Klappe.

Bild BMW E36 Cabriolet (1993) – Das vollelektrische Verdeck bietet ein Plus an Komfort.
BMW E36 Cabriolet (1993) – Das vollelektrische Verdeck bietet ein Plus an Komfort.

Dazu war es dreilagig und machte so die Nutzung des BMW über das gesamte Jahr problemlos möglich. Andere Optionen wie eine Klimaautomatik, die Sitzheizung oder eine elektrische Sitzverstellung trugen zum Oberklasse-Flair und zur Distanz des offenen Münchners zum gemeinen Volksauto bei, was sich am Ende beim Rechnungsbetrag bemerkbar machte. Doch oft spielte dieser nur eine untergeordnete Rolle, denn der BMW war im Erstbesitz nicht selten ein geleaster Firmenwagen. Auch diesbezüglich hatte sich die Welt verändert.

Fahrerlebnis der anderen Art

Wie der geschlossene E36 wurde natürlich auch dessen Freiluft-Version mit moderner BMW-Technik ausgestattet. Der betagte Zweiventil-Sechszylinder wich im BMW 325i der modernen Vierventil-Konstruktion mit variabler Nockenwellenverstellung. Die brachte es nun auf stattliche 192 PS und war auf Wunsch kombinierbar mit einer elektronisch gesteuerten Automatik. Mit ihrer Hilfe entwickelte sich das offene Dreier-Cabrio zum perfekten Cruiser, denn reichlich Wandlerschlupf und der sonore Sound des Reihensechszylinders versüssen das Gleiten durch laue Sommernächte.

Bild BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – Der moderne Vierventil-Sechszylinder passt perfekt zum Cabriolet.
BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – Der moderne Vierventil-Sechszylinder passt perfekt zum Cabriolet.

Das optimierte Fahrwerk sorgte dafür, dass auch bei Kurvengeschlängel keine Hektik ausbrach. BMW hatte die alte Achskonstruktion aus dem E30 in Rente geschickt und setze auch beim Cabriolet auf die modernere Zentrallenker-Hinterachse der Limousine. Damit und mit der gesteigerten Karosseriesteifigkeit war das Auto auch in kritischen Situationen perfekt beherrschbar. Zahlreiche Sicherheitseinrichtungen wie eine doppelte Airbag-Anlage oder die in Gefahr-Situationen herausschnellenden Überrollbügel im Fond ließen auch die Zweifel besonders vorsichtiger Kunden verfliegen.

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Für jeden etwas

Verschiedene Sondereditionen, unzählige Farbvarianten und ab 1994 auch ein deutlich erweitertes Motorenprogramm machten den offenen Dreier zu einem Erfolgswagen. BMW bot mit dem Modell für jeden etwas. Selbst als sportlicher M3 war das Auto zu bestellen, jetzt aber mit Sechszylinder. Der Vierventil-Motor produzierte ab 1995 wohlklingende 321 PS und machte den Münchner zum echten Traumwagen. Aber so viel Leistung war gar nicht nötig. Zum offenen Genuß genügte nämlich bereits der kleinste Sechszylinder, der 150 Pferde mobilisierte. Gerne dazu gekauft wurden eine beheizte Ledersitz-Garnitur und das Hardtop für den Winterbetrieb. Bei dessen Aufbau können dann ja die beiden Fondpassagiere helfen, die den Sommer über in den Genuss der besonders frischen Brise kamen.

Bild BMW M3 E36 Cabriolet (1998) – Der offene M3 ist eine echte Rarität und dementsprechend teuer.
BMW M3 E36 Cabriolet (1998) – Der offene M3 ist eine echte Rarität und dementsprechend teuer.

Gut Ding braucht sechs

Bis zum Jahr 2000 gab es den offenen E36 noch im Showroom des BMW-Autohauses zu kaufen, dann kam der Nachfolger. Die unzähligen Gebrauchten wurden über die Jahre verbraucht. Horrende Laufleistungen, Pflegemängel und sonderbare Umbauten an Fahrwerk und Karosserie dezimierten den Bestand in den letzten zwanzig Jahren. Vor allem originale Sechszylinder mit guter Ausstattung und geringer Laufleistung sind so inzwischen zu teuren Klassikern gereift. Schnäppchen gibt es da keine mehr, allenfalls 320i mit der weniger beliebten Motorisierung. Der M3 ist von dieser Entwicklung natürlich auch betroffen, zumal diese Version nicht oft ausgeliefert wurde. Lediglich die Version mit dem eher schwächlichen Vierzylinder mit 115 PS findet sich als typisches Einkaufsauto mit wenigen Kilometern zum Sparpreis. Nur verzichtet man sich damit auch auf das Flair eines echten BMW.

Bild BMW 328i E36 Cabriolet (1995) – die besser motorisierten Modelle wie der 328i und insbesondere deren spätere Exemplare sind heute kaum zu bekommen.
BMW 328i E36 Cabriolet (1995) – die besser motorisierten Modelle wie der 328i und insbesondere deren spätere Exemplare sind heute kaum zu bekommen.

Fazit: Das E36-Cabriolet transportiert das Lebensgefühl der Neunziger perfekt. Edel, aber nicht protzig verwöhnt es als Sechszylinder seine Besitzer bis heute mit Komfort und Leidenschaft. Für Genußmenschen eignet sich die Automatikversion; der Rest greift zum Handschalter. Die solide Basis des Dreier-BMW sorgt für ein problemloses Zusammenleben, allerdings ist der Unterhalt nicht ganz preiswert. Speziell Reparaturen gehen ins Geld.

Pro: Tolle Ausstattungen und Farben machen aus dem Youngtimer bis heute einen perfekten Daily Driver. Der Verbrauch ist immer noch in Ordnung, und dank des guten Platzangebots taugt der offene Dreier auch für den Urlaub.

Contra: Die Verarbeitung verzeiht Pflegemängel nicht. Sowohl Dach und Karosserie, aber auch der Innenraum leiden unter schonungsloser Alltagsbehandlung und Sonneneinstrahlung. Dazu kommen Motoren, bei denen ab 150'000 Kilometern kräftig investiert werden will. Das kann den BMW teuer machen.

Zwischengas-Empfehlung: Wenn Automatik, dann nur im 328i, andernfalls ist der BMW einfach zu lahm. Die frühen 325 brillieren mit ihrem ungeschminkten Charme, während voll ausgestattete 328i schöne Zeitzeugen des Luxuswahns ihrer Zeit sind.

Bild BMW 320i E36 Cabriolet (1996) – Das Cabrio für gewisse Stunden. Der 3er ist ein Gigolo.
BMW 320i E36 Cabriolet (1996) – Das Cabrio für gewisse Stunden. Der 3er ist ein Gigolo.

Technische Daten BMW 325i Cabriolet

  • Hersteller: BMW (Deutschland)
  • Modell/Ausführung: 325i Cabriolet (E36)
  • Karosserie: zweitüriges Cabrio, 4 Plätze, Stahl
  • Motor (Benzin): Reihensechszylinder, Digitale Motor-Elektronik, längs 
  • Hubraum (ccm): 2.494
  • Leistung (PS): 192 PS bei 5.900/min
  • Drehmoment (Nm): 245 bei 4.200/min
  • Getriebe: 5-Gänge, manuell
  • Antrieb: Hinterrad
  • Fahrwerk vorn: Einzelradaufhängung, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisator
  • Fahrwerk hinten: Zentrallenker-Hinterachse, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisator
  • Reifen/Felgen: 205/60 R15 auf 7Jx15 
  • Bremsen v/h: Scheibe/Scheibe
  • 0–100 km/h (Sek.): 8,6
  • Vmax (km/h): 229
  • L x B x H (mm): 4.433 x 1.710 x 1.348
  • Gewicht leer (kg): 1.450
  • Verbrauch (l/100 km): 9,1
  • Bauzeit (E36 Cabrio): 1993–1999        
  • Stückzahl (E36 Cabrio): 196.544 (davon 38.805 325i Cabriolet)
  • Neupreis (DM): 65.000 DM (325i Cabriolet, 1994)
Bild BMW E36 Cabriolet (1996) – Ab jenem Jahr prangte eine rundere, leicht "V"-förmige Niere an der Nase der E36-Modelle.
BMW E36 Cabriolet (1996) – Ab jenem Jahr prangte eine rundere, leicht "V"-förmige Niere an der Nase der E36-Modelle.

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Bild BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – In der Linienführung macht sich das Verdeck auch im geschlossenen Zustand minimal bemerkbar.
Bild BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – Charakteristische fahrerorientierte Anordnung der Bedienelemente
Bild BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – Das Cockpit. Dass es sich beim Fotomodell um ein Exemplar mit Automatik handelt, erkennt man sofort.
Bild BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – Der moderne Vierventil-Sechszylinder passt perfekt zum Cabriolet.
Bild BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – Die Behausung des Vierventil-V6
Bild BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – Der Falz im dreilagigen Stoffdach
Bild BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – Hübsches Schuhwerk trägt er, dieser E36.
Bild BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – Der rechte Doppelscheinwerfer
Bild BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – Im Gegensatz zum E30 befinden sich die Scheinwerfer beim Nachfolger hinter einer Glasabdeckung.
Bild BMW 325i E36 Cabriolet (1993) – Der linke Heckscheinwerfer
Bild BMW E36 Cabriolet (1993) – Vier gewinnt. Der E36 war der vierte offene BMW-Mittelklässler respektive der zweite 3er, den es ab Werk als Cabriolet gab.
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von Ru******
05.04.2022 (10:46)
Antworten
Wir besaßen ein ´97er 328i Cabriolet in Avusblaumetallic, ein schönes Auto fürwahr. Aber man muß Details zum E36 wissen heutzutage: Eine Klimaanlage war anfangs selten vorhanden, ab ca. ´95 dann häufiger, aber oft als manuelle Klima und nicht, wie im Text erwähnt, eine Klimaautomatik. Diese hatten meist nur die ganz späten Jahre. Und auch nicht zufrieden stellt der 320i, entgegen der Textbehauptung. Er ist dermaßen durchzugsschwach bis ca. 3000 U/min., daß man auf diesen Motor auch als Cruiser einfach keine Lust hat. Leider hatte es BMW nämlich versäumt, den eigentlich fürs Cabriolet prädestinierten Motor zu liefern, den wunderbaren 323i, der ein 2,5 L mit 170 PS ist. Es gab ihn nur im Coupé und das hatte ich nie verstanden. Auch wichtig ist die Tatsache, daß die Sportsitze erheblich besser sind als die flachen und auf Langstrecken unbequemen Normalsitze. Eine Sitzflächenneigungsverstellung z.B. hatten nur die Sportsitze und sowieso eben die viel ergonomischere Form dazu. Warum im Text zum ganz erheblich teureren, zweisitzigen und eine ganz andere Klasse darstellenden MB 129 SL und nicht zum 124er Cabriolet Bezug genommen wird, das dem E36 ja viel näher steht, das verstehe ich nicht. Man merkt eben schöne langsam, daß auch die 90er inzwischen lange zurückliegen und beginnen, interessant zu werden. Ein Bericht über das E36 Cabriolet ist somit alles andere als "zu früh".
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