Umgebaute Klassiker sind nicht mehr wert

Bruno von Rotz
06.01.2021

Mercedes-Benz 560 TEL Caro von 1990 (© RM/Sotheby's)

Besitzer mit besonderen Ansprüchen liessen sich immer wieder gerne Autos für ihre Bedürfnisse umbauen. So entstanden Einzelstücke oder zumindest ausserordentliche Kreationen, die nur selten wieder auf den Markt kommen. Dass RM/Sotheby’s gleich vier dieser Spezialkonstruktionen anbieten kann an der Versteigerung von Arizona am 22. Januar 2021 ist daher ein noch aussergewöhnlicher Moment. Allerdings hat sich die Investition für die ursprünglichen Besitzer wohl nur in Ausnahmefällen gelohnt, aber schauen wir uns die vier Autos einmal an.

Da wäre der oben abgebildete Mercedes-Benz 560 TEL Kombi aus dem Jahr 1990, umgebaut durch die Caro International GmbH aus Hamburg. Sie funktionierte die W126-Limousine mit dem grossen V8-Motor in einen Kombi um, was damals zusammen mit der Basis rund DM 337’000 gekostet haben dürfte. Jetzt wird der Kombi zum Schätzwert von $ 30’000 bis 40’000 angeboten und noch nicht einmal dieser Preis ist garantiert, denn es muss kein Mindestgebot erreicht werden.

Ferrari Testarossa Spider 1989 Straman (© Andrew Miterko - Courtesy RM/Sotheby's)

Auch der Umbau eines Ferrari Testarossa zum Spider war aufwändig. Das Exemplar von 1987 wurde durch R. Straman Coachworks, sesshaft in Costa Mesa, Kalifornien umgebaut und war wohl um USD 140’000 teuer. Ein sehr guter serienmässiger Ferrari Testarossa bringt heute sicherlich über USD 100’000 und viel teurer soll der zum Schätzwert von USD 125’000 bis 175’000 angebotene schwarze Spider auch nicht werden, zumal auch hier kein Mindestgebot gefordert ist.

Range Rover SVC Convertible von 1971 (© RM/Sotheby's)

Knapp unter £ 5000 Pfund kostete der Umbau eines frühen Ranger Rover von 1971 zum Cabriolet, ausgeführt durch die Firma Special Vehicle Conversions Ltd von Uckfield (England). An der Versteigerung am 22. Januar 2021 soll der restaurierte rechtsgelenkte Range Rover zwischen USD 40’000 und 50’000 bringen, ein serienmässiger Range im selben Zustand würde wohl kaum günstiger gehandelt. Auch hier wird “without reserve” angeboten.

Mercedes-Benz 560 SEC Convertible Straman (© RM/Sotheby's)

Womit wir beim letzten der vier Konversionen angelangt sind, einem Mercedes-Benz 560 SEC  Convertible von 1986. Auch hier sorgte die R. Straman Coachworks für den Umbau zum viersitzigen Cabriolet, das bis 2018 im ersten Besitz blieb. Etwa USD 115’000 soll das Auto einst gekostet haben, jetzt, 30’000 Meilen später, steht der Estimate bei USD 40’000 bis 50’000. Vielleicht fällt der Hammer auch früher, denn ein Mindestgebot ist schliesslich auch hier nicht vorausgesetzt.

Vier individuelle Autos, vier Geschichten. In gut zwei Wochen werden wir endgültig wissen, wie schlecht sich die Investition in solche Umbauten langfristig lohnen.

von ha******
06.01.2021 (09:31)
Antworten
Hallo liebes Team, erst einmal vielen Dank für den sehr lesenswerten Bericht. Es hat sich leider ein kleiner Fehler eingeschlichen. Die Basis für das S-Klasse T Modell war nicht ein W124 sondern ein W126.
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
06.01.2021 (11:27)
Absolut, der W124 war ja die E-Klasse. Wir haben diesen blöden Fehler sofort korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis!
von za******
06.01.2021 (17:55)
Antworten
Victoria Principal (alias "Pamela Ewing", aus der TV-Serie "Dallas") fuhr auch einen testarossa Straman Spider Conversion (#71645).
Von den 12 bekannten Umbauten (Umbaukosten, damals ca. USD 40000), war der berühmteste sicher jener, den Michael Jackson (nicht etwa besaß, sondern nur kurz) im Rahmen einer großen Pepsi-Kampagne ("The Chopper", 1987) bewegte. Das Fahrzeug (#65417) wurde 2013 für USD 80100 über ebay (nur 4 Kaufangebote) verkauft, 2014 bei Barrett-Jackson für USD 73700 versteigert und tauchte später bei Ferari of Fort Lauderdale für USD 799900 (!!!) wieder zum Verkauf auf - den Preis also mal ganz geschmneidig verzehnfacht! Ob dieser utopische Preis letztlich auch beim Besitzwechsel bezahlt wurde, ist nicht bekannt. ;)
Bin gespannt, ob der oben gezeigte (#70983) USD 175000 knacken wird.
von si******
12.01.2021 (09:45)
Antworten
Ob es sich gelohnt hat kann ja nicht nur in CHF, $, £ usw. gemessen werden. Vielmehr denke ich, dass die damaligen Auftraggeber oder Käufer ganz einfach ein Auto wollten wie es ihnen gefiel und das nicht an jeder Ecke zu sehen war. Durch die meist sehr lange Besitzdauer relativiert sich die Investition auch wieder und darüber hinaus waren dies wohl ohnehin nicht die ärmsten Leute, die sich sowas leisteten. Ich bin jedenfalls immer wieder erfreut, wenn solche mehr oder weniger gelungenen Umbauten gezeigt werden.
Übrigens sind es genau solche Artikel, wie auch die sonst sehr interessanten und fundierten Berichte, die ich an Zwischengas so schätze. Also bitte mehr davon.
von do******
12.01.2021 (09:46)
Antworten
Warum schreibt man die Umbauten schlecht, noch bevor überhaupt der erste Aufruf in der Auktion erfolgt ist? Der ganze Artikel beruht auf Hypothesen und ist leider sehr spekulativ in seinen Aussagen.
Ich dachte, ich bekäme bei Aufruf des Artikels eine fundierte Übersicht eindrucksvoller Beispiele aus der Vergangenheit geliefert. Und dann muss ich diese leider misslungene Fingerübung lesen. Seriöse Recherche sieht anders aus.

Notabene: Ich bin kein Freund solcher Umbauten und sehe den potentiellen Interessentenkreis ebenfalls als überschaubar an. Aber man sollte erst lästern, nachdem die Autos weit unter dem Estimate ihre Eigentümer gewechselt haben...
von st******
12.01.2021 (11:05)
Antworten
Das waren doch mal Hingucker, die Dank "Querdenker" real entstanden sind - nicht nur auf dem Papier. Wo ist z.B. der pinkfarbene RR aus Düsseldorf, der zu einem PickUp umgebaut wurde?
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