"Mister Mercedes" ist tot (Nachruf)

Daniel Reinhard
19.01.2021

Jürgen Hubbert mit Mercedes-Benz SLK (© Daimler AG)

Mercedes zog sich nach dem schweren Unfall in Le Mans 1955 vom Rennsport zurück. Erst 1988, also nach 33 Jahren Absenz, bekannte man sich wieder zum Rennsport. Eine grosse Triebfeder dazu war Jürgen Hubbert (24. Juli 1939 bis 12. Januar 2021).

Mit dem Baby-Benz in der DTM und mit Sauber in der Gruppe C begann ein ganz grosses und äusserst erfolgreiches Kapitel Motorsportgeschichte. Jürgen Hubbert war dabei gemeinsam mit Werner Niefer und Norbert Haug einer der Drahtzieher, den Konzern in den Motorsport zurückzubringen. "Meine Hoffnung war, unser Image mit einem Motorsport-Engagement aufzupolieren. Ich erinnerte mich an die Fünfzigerjahre, als ich noch in der Schule war und mein Interesse für den Sport entdeckte. Aber ich schaute auch auf die Dreissigerjahre zurück. Es hat immer Zeiten gegeben, in denen es dem Konzern nicht gut gegangen ist und in denen der Motorsport der Marke einen Zusatzschub verliehen hat. Es hat damals funktioniert. Das hatte ich immer im Hinterkopf."

Es funktioniert auch heute noch, nur wird das immer wieder vergessen.

Jürgen Hubbert wurde 1939 geboren und kam nach seinem Ingenieursstudium 1965 zu Daimler-Benz. Er stieg sehr schnell die Leiter empor und übernahm Führungsrollen in Sindelfingen. 1987 wurde er in den Vorstand gewählt und bekannte sich schnell zum Motorsport.

Jürgen Hubbert im Jahr 1989 (© Daimler AG)

Sein grosser Wunsch mit Sauber als Werksteam und Michael Schumacher als Fahrer sollte sich erst viele Jahre später zum Teil erfüllen.

Nachdem die Stuttgarter das Hinwiler Team in den beiden Jahren 1993 und 1994 mit Motoren ausgerüstet hatten, ersetzte man 1995 bei McLaren die Peugeot-Triebwerke. Nach unzähligen Motorschäden, siegte man in Australien 1997 mit David Coulthard ein erstes Mal und 1998 wurde man bereits Weltmeister. Aus heutiger Sicht sind sie mit ihren jahrelangen und reihenweisen Erfolgen in der F1 nicht minder verantwortlich für eher langweilige Meisterschaften.
Serien-Weltmeister Lewis Hamilton ist "zutiefst traurig" über die Nachricht vom Tode Hubberts. "Im Herzen war er ein Racer. Ich habe unsere Gespräche und seinen Enthusiasmus für den Rennsport sehr genossen", lässt er verlauten. "Sein Einsatz für Mercedes und das Team war inspirierend. Möge seine Seele ruhen. Meine Gedanken und Gebete sind bei seiner Familie. Er wird nie vergessen werden."

Hubbert war nicht nur in der Geschäftsleitung des Daimler-Konzerns tätig, er mauserte sich auch in der Formel 1 zu einer mächtigen Persönlichkeit hinter den Kulissen. Er zählte zu einer der Schlüsselfiguren der GPWC - dem gescheiterten Versuch einiger Hersteller (BMW, Renault, Honda, Toyota und natürlich Mercedes) sich von Bernie Ecclestone abzuspalten, um eine eigene F1 auf die Beine zu stellen, was aber kläglich scheiterte.

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und der Mercedes-Benz AG: „Jürgen Hubbert war Mister Mercedes. Mit Integrität, Innovationsgeist und grossem Erfolg hat er Mercedes-Benz für immer geprägt. Unter seiner Verantwortung startete eine historische Produktoffensive mit wegweisenden Fahrzeugen wie der A- und der M-Klasse. Als Führungspersönlichkeit vermochte er es, integrierend zu wirken und mit Technikbegeisterung sowie höchstem Anspruch an sich selbst seine Teams zu motivieren. Die Wertschätzung der gesamten Mercedes-Familie ist ihm für immer sicher. In Dankbarkeit für viele Jahre guter Zusammenarbeit bewahren wir ihm ein ehrendes Andenken. Im Namen des gesamten Vorstands der Daimler AG gilt unsere Anteilnahme seiner Familie und seinen Angehörigen. Wir trauern um eine große Persönlichkeit und einen großartigen Menschen.“

Hubbert war zudem auch für die Einführung des Smart in den Daimler-Konzern verantwortlich und in seiner "Freizeit" fand er sogar noch genug Zeit, um Ingenieurs-Vorlesungen an der technischen Universität in Karlsruhe zu halten. Unermüdlich.

Unser Beileid gilt seiner Familie.

Archivierte Einträge:

von Ru******
27.01.2021 (16:14)
Antworten
Großartig, daß Sie Menschen, die nicht jedem gleich geläufig sind, aber in der Szene äußerst wichtig waren, in solchen Artikeln veröffentlichen. Einer der wichtigen Bausteine von zwischengas, vielen Dank.
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