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Die Formel-1-Vitrine im Massstab Eins zu Eins

Daniel Reinhard - 28.01.2020

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Besuch bei Hall&Hall (© Daniel Reinhard)

Die Winterzeit ist die Vorbereitungsphase für die kommende Saison. Befinden sich die aktuellen Autos nur Wochen vor der Präsentation in ihrer Produktionsendphase, so werden die Historischen auf die kommende Saison vorbereitet, oder gar neu aufgebaut. Die englische Firma Hall&Hall restauriert und betreut Rennwagen aller Art seit vielen Jahren. Bourne eine kleine Ortschaft rund 200km nördlich von London ist die Geburtsstädte zweier Firmen mit je drei Buchstaben: ERA (English Racing Automobiles Ltd.) und BRM (British Racing Motors).

Besuch bei Hall&Hall (© Daniel Reinhard)

Die Firma Hall&Hall ist genau so alt wie BRM tot ist. 1977, zwei Jahre nachdem Gönner Sir Alfred Owen starb, ging es mit dem Rennstall, der von Raymond Mays und Peter Berthon 1947 ins Leben gerufen wurde, zu Ende.

Viele der damaligen Rennwagen aller Klassen sind noch erhalten und werden von einigen ehemaligen BRM-Mitarbeitern unter der Leitung von Rick Hall weiter am Leben erhalten. Drei von ihnen bereits über 80 Jahre alt sind noch heute mit dabei und melden sich wöchentlich zwei Tage zur Arbeit.

Rob Hall (© Daniel Reinhard)

Heute führt Ricks Sohn Rob Hall mit insgesamt 23 Angestellten ein Geschäft, welches davon profitiert, dass sich aktuelle Rennautos mit ihrer hochkomplizierten Elektronik immer weniger für den historischen Rennsport eignen. Heutige Rennwagen werden wohl von den Rennstrecken direkt ins Museum wandern, da wohl in 20 oder mehr Jahren über 10 Ingenieure nötig wären, um die komplexe Hybridtechnik wieder zum Laufen zu bringen. Zudem ist nicht gegeben, ob die alten Betriebssysteme in ferner Zukunft auf den aktuellen Computern noch gelesen werden können. Die technisch simplen, alten, mechanischen Rennwagen mit Motor, Getriebe und Fahrwerk nur zum Teil unter einer wunderschönen Form verborgen, werden zum Fahren immer begehrt bleiben und dank ihrer relativ einfachen Beweglichkeit auch an Wert gewinnen.

Hall&Hall ist eine perfekte Anlaufstelle um diese Rennwagen zu horten, neu aufzubauen, zu restaurieren oder auch nur für den nächsten Einsatz vorzubereiten.

Besuch bei Hall&Hall (© Daniel Reinhard)

Die Werkstatt wirkt in keiner Weise aufgeräumt, doch ist das optische Chaos sehr wohl durchorganisiert. In einer Ecke wird Ernesto Brambilla`s wunderschöner F2-Ferrari neu aufgebaut, dabei wartet schon der neu präparierte 6-Zylinder-Motor zum Einbau in das 166er Chassis. Auch zwei McLaren M23 werden auf ihren nächsten Einsatz vorbereitet. Mittendrin sieht man die vor kurzem neu auf den Maserati-Rohrrahmen aufgesetzte Aluminiumkarosserie. Davor der wunderschöne Lotus Elan 26R. Egal ob ein 12 Zylinder Flachmotor von Ferrari oder ein V8 von Coventy Climax aus der 1,5l Aera, die Hall`s bringen alles wieder in Schuss.

Dazu wird ein Stock höher ein vierter von nur drei in den Fünfzigerjahren hergestellten V16-Zylinder BRM Motoren maßstabsgetreu nach Originalzeichnungen neu aufgebaut. Der Besitzer des P15 will sich lieber mit dem Plagiat statt dem wertvollen Original auf der Rennstrecke austoben. Zudem zeigen sich die mit heutiger Technik neu gebauten Teile zuverlässiger als ihre Vorbilder. Rob Hall: "Wir besitzen allein von BRM weit über 33’000 Zeichnungen in unserem Archiv und können damit jedes beliebige Teil originalgetreu nachbauen."

Besuch bei Hall&Hall (© Daniel Reinhard)

In diversen Regalen stapeln sich auch Motorblöcke, Kurbelwellen, Zylinderköpfe, Getriebegehäuse, Bremsen, Nasen Flügel oder andere Verkleidungsteile aller möglichen Fabrikate.

Besuch bei Hall&Hall (© Daniel Reinhard)

Mittlerweile zählen nicht nur die BRMs zu seiner Kundschaft, auch Besitzer von Ferraris, Maseratis, Lotus Shadows oder auch Vanwalls kommen dazu.

Das rundum-sorglos-Paket von Hall&Hall sieht so aus: "Wir fahren ihnen ihre Rennautos mit unseren zwei Transportern zu den Rennen, buchen Flüge, Hotels und Yachten, bereiten die Autos vor und päppeln sie nach dem Einsatz wieder auf. Die Besitzer müssen sie nur fahren." So herrscht natürlich vor grossen Messen oder Klassik-Events in Goodwood oder Monaco am Graham Hill Way in Bourne Hochbetrieb.

Besuch bei Hall&Hall (© Daniel Reinhard)

Die Kunden kommen aus der ganzen Welt, aber viele ihrer Autos haben ihr zu Hause in Bourne. Die Halle mit über 100 Rennwagen wirkt wie ein überdimensionales Modellautogeschäft. Klar sind hier fast alle BRM-Modelle in echt vertreten. Dazu gesellen sich eine grosse Anzahl F1 von Shadow, Tyrrell, Hesketh, ISO Marlboro, Lotus, March und Arrows, neben diversen F2 und F3. Auch die beiden seit den Startaufstellungen zu den Grand-Prix von Argentinien, Monaco oder Belgien 1955 nicht mehr so eng beieinander gesehenen Autos, der Lancia-Ferrari D50 und der 250F Maserati strahlen in dieser Halle um die Wette.

Zum Ende unseres Besuches zeigt uns Rob Hall die alten noch immer existierenden Firmengebäude von BRM und auch die Villa des Rennstallgründers Raymond May, der diese zeitlebens bewohnt hatte. Wir parken in der engen Strasse davor. "Genau hier ist Raymond May höchstpersönlich mit dem 16-Zylinder BRM Typ 15 im Verkehr gefahren, um ausserhalb des Städtchens auf einer Landstrasse zu schauen wie der Motor geht."

Später wieder zurück in der Werkstatt zeigt er uns das Foto dazu und sagt zum Abschied: "Ja, ist doch kaum zu glauben, dass dieser kleine Ort hier 1962 mit dem BRM P57 und Graham Hill am Steuer eine Weltmeisterschaft gewonnen hat." Es ist wieder eine der vielen typischen englischen Motorsportgeschichten.

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Neueste Kommentare

 
 
mo******:
04.02.2020 (12:59)
Sehr interessant. Bitte mehr davon und intensiver...
219w105:
30.01.2020 (11:30)
Vielen Dank, also wie erwartet!
Schönes Wochenende!
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