Ferdinand Piëch - der Mann, der hinter dem Porsche 917 stand (Nachruf)

Daniel Reinhard
28.08.2019

Ferdinand Piëch und Huschke von Hanstein (© Porsche AG)

Am Montag den 26. August 2019 verstarb Ferdinand Piëch im Alter von 82 Jahren in einem Restaurant in Rosenheim. Er war der Enkel von Ferdinand Porsche und arbeitete für Porsche, Audi und zum Schluss für Volkswagen. Er war der Mann, der das verschlafene Wolfsburger Unternehmen zu einem Weltkonzern mit rund 600’000 Mitarbeitern und 12 Marken, darunter VW, Audi, Porsche, Skoda und Seat, machte.

Piëch galt als genialer Techniker, aber er wurde auch sein Leben lang von vielen gefürchtet und sogar gehasst. Er galt als fantastischer Ingenieur und war wohl der letzte Spitzenmanager eines Automobilkonzerns, der selbst Autos und Motoren gebaut hat.

Seine Mutter war die Tochter des Porsche-Gründers Ferdinand Porsche und sein Vater leitete im Krieg das von Hitler gegründete VW-Werk in Wolfsburg.

Ferdinand Piëch (rechts) zusammen mit Ferdinand und Ferry Porsche (© Porsche AG)

Dem am 17. April 1937 in Wien geborene Österreicher gelang eine sagenhafte Karriere, die ihn nach kurzer Zeit an der Spitze von Audi in den Volkswagen Konzern führte, welchen er von 1993 bis 2002 leitete. Bei Audi zeichnete er sich wesentlich für den Quattro und die damit gewinnbringende Rallyeteilnahme verantwortlich.

Piëch meinte damals in einem Interview mit Auto Motor und Sport:
"Die Idee hatte ich schon vor meiner Zeit bei Audi. Sie ist also viel älter, als viele glauben. Damals war ich noch bei Porsche. Entwicklungschef Helmuth Bott und ich hatten zwei Jensen aus England gekauft. Einen mit Allrad-, einen mit Zweiradantrieb. Derjenige mit Zweiradantrieb war allerdings auf dem Skidpad viel schneller als der Allradler, weil dessen Fahrwerk deutlich schlechter abgestimmt war. Wir haben uns nicht die Mühe gemacht, den Jensen-Allrad zu verbessern. Wir dachten, die Engländer werden schon das Beste rausgeholt haben. Danach geriet das Thema wieder in Vergessenheit. ...
Sicher ist die Idee auch durch den Cisitalia mit seinem zuschaltbaren Allrad-Antrieb entstanden. Dazu kam die Porsche 917-Entwicklung bis hin zu den Turbos, da hatten wir zuviel Leistung für zwei Räder. Wir haben bis zu 1200 PS eingesetzt. Ein Differenzial hätte die Leistung nicht ausgehalten, deshalb wurde mit starrem Durchtrieb gefahren. Da wäre es logisch gewesen, die halbe Kraft auf zwei weitere Räder zu verteilen, speziell bei Nässe. …
Es war eine Schwarzarbeit. Deshalb brauchten wir später von VW-Entwicklungschef Ernst Fiala die Zustimmung. Wir haben ihm den Allrad-Audi 80 nach Wien gestellt. Seine Frau ist damit in einem Parkhaus gewesen. In der Auffahrt hat sich der Allrad verspannt, und der Audi 80 ist um die Kurve gehüpft. Da wollte Fiala das Auto nicht mehr. Allerdings hatte der Audi 80 zuvor auf den winterlichen Straßen bereits seine Talente gezeigt. Fiala meinte: Wenn ihr ihm das Hüpfen abgewöhnt, ist es ein tolles Auto."

Später, bei VW kam es für Piëch nicht nur zu Erfolgen, auch viele Skandale begleiteten seine Karriere. So gab es zum Beispiel die Affäre um den von GM abgeworbenen Manager José Ignacio Lopez, der angeblich viele Betriebsgeheimnisse mit zu VW nahm.

Ferdinand Piëch mit Ferry Porsche am 901-Motor (© Porsche AG)

In den Fünfzigerjahren hatte Piëch ein Internat in Zuoz im Engadin besucht und später an der ETH in Zürich Maschinenbau studiert. Sein Onkel Ferry Porsche holte ihn dann in den Sechzigerjahren nach Zuffenhausen, wo er 1973 Geschäftsführer wurde. 1975 wird Piëch dann in den Audi-Vorstand gewählt und 1983 wurde er schliesslich stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Die komplette Führung von Audi übernahm er 1988 und von da an zeigten sich die Ingolstädter in einem neuen Kleid.

Ferdinand Piëch 1984 auf dem Genfer Autosalon (© Porsche AG)

Der Autonarr und Technikfreak kaufte 1998 Rolls Royce samt Bentley, holte im gleichen Jahr Lamborghini und Bugatti in den Konzern und unter ihm stieg VW im Jahr 2000 bei Scania ein.

Allen bekannt wurde er spätestens bei der Übernahmeschlacht von Volkswagen und Porsche. Porsche wollte als kleine Sportwagenschmiede unter Manager Wendelin Wiedeking den viel grösseren VW-Konzern übernehmen. Doch dank Piëch endete der Deal am Ende genau umgekehrt. 2012 integrierte VW die Porsche AG in ihren Konzern.

Piëch verliess Volkswagen nach einem Machtkampf mit seinem früheren Zögling Martin Winterkorn im Zorn. Selbst in der Familie verlor er die Rückendeckung, so dass er schliesslich 2017 sein Aktienpaket mit einem Börsenwert von über einer Milliarde Euro an die Familie verkaufte.

Der Rennsport gehörte auch immer zu einer seiner beliebtesten Spielwiese der Technik. Eines der besten Beispiele für seine einzigartige Denkweise war sicher der Porsche 909 Bergspyder. Piëch verlangte, dass das Auto so leicht wie möglich sein sollte, daher wurde es mit federleichten Beryllium-Scheibenbremsen ausgestattet, die krebserregenden Staub produzierten. Angeblich strich Piëch mit einem Magneten über das gesamte Auto, um sicherzustellen, dass keine einzige Schraube, Mutter, oder auch nur eine einzige Unterlagsscheibe aus Stahl verwendet wurde.

Ferdinand Piëch und Gerhard Mitter mit dem Porsche 917 in Genf 1969 (© Porsche AG)

Sein größter Wurf während der Zeit bei Porsche war zweifellos der 917, der dem Stuttgarter Unternehmen endlich den lang ersehnten Le Mans Sieg brachte.

Dass der Top-Manager und dreizehnfache Vater auch sparen konnte, zeigte er im 1-Liter-Auto, mit dem er höchstpersönlich 2002 zur Hauptversammlung von Wolfsburg nach Hamburg fuhr.

Archivierte Einträge:

von nivafan
03.09.2019 (09:50)
Antworten
Wenn wir schon bei den Nachrufen sind - am Samstag, 24. August ist Gody Naef im Alter von 100 Jahren gestorben... eine Ikone des CH-Rennsports - ich hatte als Jüngling das Vergnügen, Gody 1967 ans Kerenzer Bergrennen zu begleiten, wo er seinen Abarth 1000 im doch bereits fortgeschrittenen Alter sehr ambitioniert bewegte; wer hätte gedacht, dass er mit mehr als doppelt so vielen Jahren immer noch ebenso enthusiastisch den Berg hoch fuhr, zB. an der Arosa Classics2015. Ein Grosser ist still von uns gegangen.
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