Wo ist eigentlich der Supersportwagen von Bentley geblieben?

Bruno von Rotz
19.10.2018

Bentley BY 8.16 von 1999 (© AMS)

1998 übernahm Volkswagen den britischen Traditionshersteller Bentley und bereits ein Jahr danach stand auf dem Genfer Automobilsalon ein neuer Supersportwagen, dem man den Einfluss der Volkswagengruppe vor allem unter dem Blech deutlich ansah

Die Bodengruppe stammte aus dem Lamborghini Diablo, das Fünfganggetriebe mit Kulissenschaltung genauso. Der Acht-Liter-Motor aber war eine Neuentwicklung des Volkswagenkonzerns. Für die Beschreibung greifen wir auf den damals am 10. März 1999 in der Zeitschrift “Auto Motor und Sport” publizierten Text zurück:
“W 16 nennt ihn VW, was an der technischen Wirklichkeit jedoch vorbeigeht. Denn der 16-Zylinder besitzt nicht, wie es das W-Prinzip vor schreibt, drei Zylinderbänke, sondern nur deren zwei, in denen allerdings die jeweils acht Zylinder in einem engen Gabelwinkel von 15 Grad zu einander stehen. Einfach ausgedrückt: VW hat die Basis, den bekannten VR6-Motor, um zwei Zylindereinheiten verlängert und zwei der so entstandenen Achtzylinder, die einen Mix aus Reihenmotor und V-Maschine dar stellen, zum 16-Zylinder verbunden.”

Viel Aufwand für 630 PS, würde man heute sagen, aber damals war der Bentley BY 8.16 durchaus ein Massstab in der Sportwagenwelt.

Die Kraft wurde dann, wie beim Diablo VT, auf alle vier Räder verteilt und sollte so für eine sichere Fahrt auch bei Höchstgeschwindigkeit 350 km/h (elektronisch abgeregelt) sorgen.

Heckanischt des Bentley BY 8.16 von 1999 (© AMS)

Das Design des 4,432 Meter langen und exakt zwei Meter breiten Supersportwagens entstand übrigens in Wolfsburg.

Nächstes Jahr als würde dieser Supersportwagen 20 Jahre alt werden, eigentlich würden wir ganz gerne einen Bericht über den Wagen, den man kaum mehr gesichtet hat seither, machen, auch wenn schon vor der Präsentation damals klar war, dass eine Serienproduktion kaum in Erwägung gezogen werde. So war es dann auch, dafür nahm Bentley bereits 2001 wieder in Le Mans Teil. Der Rennwagen hiess EXP Speed 8 und die technische Basis lieferte dabei der Audi R8-Sportprototyp, so dass einmal mehr alles in der Familie blieb.

Die ganze Geschichte zum Bentley BY 8.16 kann im Zwischengas-Zeitschriftenarchiv in der entsprechenden AMS-Nummer nachgelesen werden.

AMS Heft 6/1999 Titelblatt

Archivierte Einträge:

von Stefan Fritschi
19.10.2018 (09:33)
Antworten
Nachtrag: Der Bentley Showcar hiess Hunaudieres, ein Entwurf des heutigen Audi-Designers Andreas Mindt.
von Stefan Fritschi
19.10.2018 (09:25)
Antworten
Das Auto exisitiert noch, es ist aber als reines Showcar nur begrenzt fahrbar. Der Bentley kam zu einem unglücklichen Zeitpunkt, weil VW gerade Bugatti gekauft hatte. Darum wurde die Studie von meinem einstigen Praktikanten Jozef Kaban (heute BMW-Chefdesigner) direkt zum Bugatti Veyron (mit 18 Zylinder) umgestrickt, der praktisch genau so in Serie ging, aber mit 16 Zylinder.
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