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Wenn einer eine Reise tut (abenteuerliche Überführung eines Jaguar E-Types)

Georg Dönni - 20.10.2018

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Jaguar E-Type 4.2 Litre und Mietwagen Fiat 500 (© Georg Dönni)

Überraschenderweise waren wir erfolgreicher Bieter bei einem Jaguar E-Type S1 4.2 lt Coupé. So kam die angenehme Aufgabe auf uns zu, den Wagen in die Schweiz zu überführen. Simone und ich – erfahren in solchen Überführungen – freuten sich auf ein Fährtchen von England in die Schweiz.

Vorausschauend packten wir nur die nötigsten Ersatzteile und Werkzeuge ins Fluggepäck, klassierten wir doch den Wagen als höchst original, völlig unverbastelt und ungeschweisst, nur einfach neu lackiert und mit neuem Interieur ausgestattet.

Also bereitete Simone Benzinfilter, ein Zündkabel, sechs Kerzenstecker, eine Benzinpumpe, eine Zündspule, einen Keilriemen und einen revidierten Zündverteiler vor, mir wurde das nötigste Werkzeug eingeladen und gegen meinen Wunsch ein Testlämpchen anstatt ein Multimeter.

Am 31. August flogen wir nach Luton, um dort unser kleines Mietauto entgegen zu nehmen – ein Fiat 500 war das günstigste Angebot. Wir brauchten den Wagen ja nur, um eine Stunde nach Norden zu fahren und dann wieder zurück.Wir witzelten mit dem Leihwagenmenschen, dass wir den 500er vor seinem Schichtende zurück bringen und ihm unseren neuen E-Type vorführen würden.

Eine Stunde später, fuhr nach den Formalitäten unser neuer E-Type vor dem Lagerhaus vor. Er schnurrte wie es sich gehörte. Er war ein wirklich toller Wagen, auch bei Tageslicht betrachtet. Ein guter Kauf, wir waren uns sicher. Der Tank war fast leer und so füllte ich voller Begeisterung an der nächsten Tankstelle erstmals etwas Diesel auf, es waren aber nur etwa fünf Liter, bis ich es merkte. Dann verdünnte ich den Diesel mit Hochoktanigem.

Schon nach 5 Kilometern kamen wir zur Auffahrt der englischen Hauptverkehrsachse, der Autobahn M1. Auf der Beschleunigungsspur, mit dem kleinen Fiat im Schlepptau ab es einige Fehlzündungen, gröbere Rauchwolken im Rückspiegel und schon stand unsere Neuanschaffung auf dem Pannenstreifen der Beschleunigungsspur.

Panne mit dem Jaguar E-Type 4.2 Litre (© Georg Dönni)

Frohen Mutes ersetzten wir den als Fehlerquelle diagnostizierten schmutzigen Benzinfilter und schnupperten am Treibstoff, der aber nur entfernt nach Diesel roch – hin und wieder braucht jeder Ottomotor etwas Oberschmieröl, das tut gut.

Alle Utensilien wieder zusammengepackt und der Startknopf gedrückt. Totenstille (vom Jaguar). Kein Wank, nicht mal die Zündkontrollampe gab ein Lebenszeichen von sich. Aber hallo? Mittelkonsole ausgebaut, Sicherungskasten runtergeklappt und mit dem Testlämpchen Leben gesucht: schwach glimmte es. Wahrscheinlich hat mir meine gute Seele ein schlechtes altes Lämpchen eingepackt, dachte ich mir. Simone suchte in dieser Zeit online (Smartphone sei dank!) nach einem guten Schaltschema, da ich nur die XK Schemata auswendig weiss. Gemäss meinen eingeschränkten Messungen machte das Zündschloss einen schwachen Eindruck. Also überbrückte ich dieses. Die brachte aber keinen Erfolg. Systematisch versuchte ich, mit dem Lämpchen den Stromfluss durchzuchecken. Es war bizarr. Ich belastete die Batterie, die war topfit, die Funken sprangen wie bei einer MIG-Schweissanlage. Nachdem alle originalen Kabel als fehlerfrei klassifiziert worden sind entdeckten wir, dass die Verschraubung des Hauptstrompols an der Carrosserie lose war. Beide Seiten waren nur mit Fingern festgezogen. Jubel! Fehler gefunden. Aber nein, auch dies war nicht die Lösung des Rätsels. Nach fast einer Stunde Mutmassen musste ich feststellen, dass der Fall merkwürdig war.

Es begann Abend zu werden. Ich hüpfte in den Fiat und Simone passte auf den komatösen E-Type auf. Das Zauberwort in England heisst Halfords. Das Einkaufparadies aller britischen Autobastler. Die nächste Filiale war schnell gefunden auf dem Internet und so konnte ich dort meine Bedürfnisse erfüllen: Ein Multimeter, um genau zu messen, ein Abschleppseil, sollte ich den Wagen nicht zum Laufen bringen und 5 Meter Kabel um Kabelbrücken legen zu können. Zurück bei Simone und dem E war ich erstaunt, dass nunmehr nach immerhin zwei Stunden noch kein einziges Automobil gestoppt hat. Drei Spuren Verkehr strömten an uns vorbei. Polizisten, AA und RAC Patroullien, andere Jaguar, andere klassische Automobile und sicher auch Mitglieder des JDC und des JEC. Niemand hielt an. Nicht dass wir das gewollt hätten, denn dies hätte uns vom konzentrierten Arbeiten abgehalten. Wir begannen mit dem Voltmeter zu messen. Das Auto stand kaum unter Spannung und die Batterie war top. Im Armaturenbrett war manchmal, wenn er längere Zeit in Ruhe gelassen wurde, ein kurzes schwaches Knistern zu hören. Gopfridstutz! Warum war dieses Auto im Koma?

Es begann einzudunkeln. Wir hatten keine andere Wahl als den Wagen auf die nächste Raststätte in Sicherheit zu schleppen. Simone zog den armen E auf dem Pannenstreifen durch eine Riesenpfütze. Sofort wurde mir die ganze Sicht genommen.

Bei der Raststätte ging die Sucherei weiter. Langsam kamen wir dem Problem auf die Spur. Die Indizien wären ja vorhanden gewesen. In den letzten vier Jahren hatte der Wagen nur zirka 100 Meilen zurückgelegt. Warum hatte der Wagen einen Anlasser mit Untersetzung, elektronische Zündung, Silikonzündkabel und falsche Zündkerzen? Schlussendlich fanden wir die Antwort: Die originale noch nie berührte Verschraubung des Massekabels auf die Carrosserie war fast kalt.
Mit Strombrücken schafften wir es den Wagen zum Laufen zu bringen. Todesmutig stürzten wir uns um 23.00 auf die Autobahn mit dem kleinen Italiener im Schlepptau.

Es wäre alles so gut gelaufen. Leider war die Ausfahrt, die uns direkt zum Hotel geführt hätte gesperrt, also mussten wir durch Luton fahren. Und mitten im immer noch hektischen  (es war immerhin fast Mitternacht!) Luton versagt unser Klassiker erneut komplett. Also hängten wir unseren Grünen an den Roten und ich zog Simone durch ein höchst zweifelhaftes Quartier in Luton. Mit schwarzen Fingern checkten wir im Luton Hoo Hotel ein. Ein traumhaftes Hotel, wo ich mir noch vor 7 Stunden vorgestellt hatte, dass ich mit Simone mit Sicht auf den Schlosspark auf unseren Neuzugang anstossen würde.

Erschöpft fielen wir ins Bett, nicht ohne auf dem Internet den nächsten Halfords gefunden zu haben. 0900 war Ladenöffnungszeit angegeben, also hatten wir immerhin etwas Zeit auszuschlafen. Bei Halfords kauften wir eine Reservebatterie, das schwerste Überbrückungskabel, ein Batterieladegerät, einen guten Zollnüssesatz, WD 40 Spray und verschiedene Kabelstecker.

Zurück auf dem Hotelparkplatz angekommen begann ich mit der Instandstellung des Hauptmassepunktes. Die Schraube war fest angezogen, wirklich fest. Trotzdem konnte kaum Strom fliessen. Ich reinigte die Gewinde mit dem gekauften Drahtbürsteli, ich schliff die Flächen der Unterlagsscheibe und der Schraube und den Kontaktpunkt bei der Karosserie. Und siehe da, plötzlich wachte unser E-Type aus dem Koma auf. Schnell den Leihwagen zurückgebracht und uns auf die Socken gemacht. Traumhaft wie sich ein 4.2-Litre anfühlt, wenn er läuft. Wobei zu sagen ist, dass ein gewisser Teil der Leistung unseres Coupés in der schleifenden Kupplung verloren ging. Typisch für alte originale Schraubenfederdruckplatten. Zusätzlich zu den mitgebrachten Ersatzteilen hatte sich der Kofferraum mit unseren Halfords Einkäufen gefüllt.

Gut gefüllter Kofferraum beim Jaguar E-Type 4.2 Litre (© Georg Dönni)

Vor der Themsenquerung bei Dartford begann er wieder zu spucken. Die Zündung war vielleicht nicht ganz so präzise eingestellt, nachdem wir unseren originalen Zündverteiler eingebaut hatten. Irgendwo auf der M20 Richtung Folkestone verendete der Jaguar erneut. Also war ein erneuter Stopp auf dem Pannenstreifen nötig. Nach dem Ersatz der Zündspule lief unser Patient dann aber er wieder.

Bei Arras wollte ich die Kerzenabstände und den Unterbrecherabstand neu einstellen und dafür eine Fühlerlehre kaufen. Leider fanden wir logischerweise keinen Halfords in Arras und das Pneuhaus wusste nicht einmal, was “bougies, bougies d’allumage” sind.

Ein Unglück kommt selten allein und so versagte im Stadtverkehr die Kupplungshydraulik. Dies liess uns aber kalt, denn wir hatten ja Bremsflüssigkeit dabei. „Simone pumpä!“. „Meeh!“. Pumpen brachte nichts. Der Entlüfter war komplett offen am Nehmerzylinder, aber ausser einem kläglichen Tröpfchen rostiger Flüssigkeit kam nichts raus. Als kleines Intermezzo näherte sich ein alter Franzose und fragte uns, ob er uns helfen könne. Eine Fühlerlehre bräuchte ich, erklärte ich dem freundlichen Mann. Überglücklich bestätigte er uns triumphierend seiner Frau gegenüber, dass er von seinem Vater noch das alte Werkzeug habe und eine Viertelstunde später konnten wir präzise Abstände einstellen und stellten fest, dass der Motor mit falschen Kerzen bestückt war.

Wartungsarbeiten am Jaguar E-Type 4.2 Litre (© Simone Dönni)

Nun hatten wir einen gut laufenden Motor und keine Kupplung. Das konnte ja lustig werden. Der geneigte Leser mit etwas weniger Erfahrung mit charakterstarken Autos muss sich nun die Situation folgendermassen vorstellen: Man legt den ersten Gang ein und drückt den Anlassknopf, der Wagen beginnt sich ruckelnd fortzubewegen bis er anspringt. Wer einen guten Gasfuss hat, der kann den Fuss ruhig halten, sonst wippt der Fuss und der Wagen springt ruckartig auf der Strasse. Nachdem sich alles stabilisiert hat und die Drehzahl erreicht ist, geht man leicht vom Gas und zieht währenddem sanft am Schalthebel bis der Gang herausgezogen ist, dann legt man blitzschnell den nächsthöheren Gang ein. Eh voilà. So die Theorie. Sobald im Ablauf etwas schief läuft, muss man nochmals von vorne beginnen. Dies wäre ja alles kein Problem gewesen, wenn wir da nicht die vielen französischen Zahlstellen vor uns gelegen hätten.

Unterwegs im Jaguar E-Type 4.2 Litre (© Simone Dönni)

Irgendwie schafften wir es, mit unserem weidwunden Wagen an die Schweizer Grenze zu gelangen. Zu unserer grossen Beunruhigung standen um 0100 vier französische Zöllner an der Grenze zur Schweiz. Die mögen U-Nummern nicht gerne, vor allem für Importe sind gute Papiere stets ganz wichtig. Wir konnten aber während der Schweizer Abwicklung feststellen, dass die Franzosen einem Flixbus auflauerten, den sie penibel kontrollierten, wobei sich die Passagiere samt Gepäck in Reih’ und Glied zu stellen hatten.

Unser letztes Loshoppeln auf dem leider unvorteilhaft ansteigenden Zollgelände motivierte sogar die Schweizer Zöllner, uns mit Anschieben zu helfen.

Geschafft! Um 02:00 fielen wir erschöpft in Roggliswil ins Bett. Kurz danach fand unsere Designikone schon einen neuen Besitzer, der sich jetzt schon auf einen gründlich gewarteten und mit neuer Kupplung ausgerüsteten E-Type für 2019 freut. Happy End!

Neueste Kommentare

 
 
m3******:
06.03.2019 (19:01)
Super Geschichte!!!Ich glaube ich wäre Amok gelaufen!!
dagamba:
25.10.2018 (14:53)
Wundervolle Geschichte!
Tja, die lieben Engländer... Die haben in meiner Erfahrung ein wenig Sozialangst, deswegen kann man sich als pannenbetroffener keine Hilfe erwarten! Selbstverständlich sind die umgänglichen Franzosen diejenigen, die einspringen. Ist genau auch meine Erfahrung.
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