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Pantheon Basel: Sonderausstellung Pantheon Basel - Unter Strom

Zurück zu den Anfängen - der Porsche 356-001 in Bremgarten

Bruno von Rotz - 12.07.2018

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Neel Jani am Steuer des ersten Porsche (356-001) auf der ehemaligen Strecke des Bremgarten-Grand Prix (© Porsche AG / Porsche Schweiz)

Über die Ursprünge von Porsche und den ersten gebauten Sportwagen, der unter diesem Namen verkauft wurde, wird in diesen Tagen ja viel geschrieben.

“Am 8. Juni 1948 erhielt der Prototyp Nr. 1 mit einer Einzelgenehmigung die allgemeine Betriebserlaubnis für Österreich, die interne Typenbezeichnung lautete ‘Sport 356/1’. Am 15. Juni erhielt das Fahrzeug das berühmte Kennzeichen ‘K 45-286”' Und schon am 4. Juli wurde der ‘Sport 356/1’ während des Grossen Preises von Bern in der Schweiz präsentiert, bereits im Vorfeld konnte er von diversen Journalisten getestet werden. Am 7. Juli dann erschien der erste Fahrbericht über einen Porsche in der Automobil Revue unter dem Titel ‘Der jüngste Spross eines grossen Namens - Porsche 356, ein neuer Heckmotor-Sportwagen’”, verkündete die Schweizer Pressestelle von Porsche stolz und liess den Le-Mans-Sieger Neel Jani in den Wagen hüpfen und damit in Bremgarten auf einem Teilabschnitt der Grand-Prix-Strecke in Bremgarten bei Bern fahren wie damals, als der Wagen erstmals präsentiert wurde. Neel Jani dazu: “Zurück zum Ursprung - ich freue mich, die Nummer 1 auf diesem ehemaligen Streckenabschnitt nahe der Eymatt fahren zu dürfen. Besonders, da genau hier der erste Pressetest überhaupt mit einem Porsche stattfand, der dann kurz darauf in der Automobil Revue erschien.”

Porsche 356-001 im Jahr 1948 (© Porsche AG)

Auf zwischengas.com ist natürlich der ganze Artikel, wie er damals in der Automobil Revue erschien, komplett digitalisiert im Originallayout im Zeitschriften-Archiv verfügbar, doch soll er hier für interessierte Leser als Text mit dem Titel “Der jüngste Spross eines grossen Namens - Porsche 356, ein neuer Heckmotor-Sportwagen” in voller Länge wiedergegeben werden:

“Manchmal ist einem der Zufall günstig gesinnt. Die ausführliche Beschreibung des Volkswagens in dieser Nummer hatte uns insofern einige Bauchschmerzen verursacht, als wir voraussahen, dass sich das Kontingent sportlicher Fahrer bestimmt sofort nach den Möglichkeiten erkundigen würde, ans dem so fahrsicheren Volkswagen ein schnelles Fahrzeug zu entwickeln. Solche Anfragen gehen uns periodisch zu, seitdem man wieder von diesem Wagen spricht, und wir haben nur ungern unsere Fragesteller mit Ausflüchten hingezogen. Heute dürfen wir sagen, weshalb wir eher davon abgeraten haben, selbst am Volkswagen herumzudoktern.

Es wird nämlich nicht notwendig sein, dass sich die sportbegeisterten Amateure hinter das Frisieren des Volkswagens machen. Derjenige, der dies am besten kann, wird dafür sorgen, dass ein solches Fahrzeug in Bälde lieferbar ist, nämlich Professor Porsche selbst. Vor kurzem hat die Porsche-Konstruktionen-GmbH., die in Gmünd (Kärnten), der britischen Zone Österreichs, ihre Zelte aufgeschlagen hat und wo neben Prof. Porsche und seinem Sohn viele seiner Helfer, unter anderem der unseren Lesern wohlbekannte Professor Robert Eberan von Eberhorst, arbeiten, die Versuchsfahrten mit dem Prototyp eines neu geschaffenen Sportwagens der Typenbezeichnung 356 mit so gutem Erfolg abgeschlossen, dass man nunmehr an den Serienbau dieses Fahrzeugs denken durfte.

Bei diesem Wagen, der aus dem Volkswagen abgeleitet worden ist, sind auch die reichen Erfahrungen von Porsche und seinem Stab verwendet worden, die diese Equipe beim Bau der Auto Union-Rennwagen sammeln konnte. Mit geringfügigen Änderungen entsprechen Motor, Kraftübertragung sowie die Aufhängungen aller vier Räder der im Volkswagen angewendeten Lösung. Grundsätzlich neu ist der ausserordentlich torsionssteife Rahmen mit seitlichen Kastenträgern und durchgehenden Bogen entwickelt worden und dazu passend auch eine aerodynamisch günstige Karosserie in Form eines zweisitzigen Coupés. Für Porsche stellt diese Konstruktion keine vollständige Neuerung dar, da er schon vor dem Krieg aus dem Volkswagen eine ähnliche Variante entwickelt hatte.

Der neue Wagen wird vorerst nur als geschlossenes Stromliniencoupé hergestellt. Er besitzt neben zwei sehr reichlich dimensionierten Plätzen einen grossgehaltenen Kofferraum unter Dach, der auch als Sitzplatz für eine dritte erwachsene Person oder zwei Kinder ausgebaut werden kann. Die Karosserie ist noch nicht so weit entwickelt, um hier schon im Bild festgehalten zu werden; immerhin können wir jetzt schon verraten, dass sie in ihrer niedrigen, gestreckten Form den Beifall des Liebhabers eines sportlichen Stromlinienfahrzeugs finden wird. Sie ist in Handarbeit aus Aluminiumblech hergestellt und bildet mit dem geschweiften Stahlblechkastenrahmen eine ausserordentlich biege- und verwindungssteife Einheit.

Der Motortriebblock entspricht in Konstruktion und Anordnung weitgehend dem Original-Volkswagenmotor. Er besitzt zwei Solex-Fallstromver-gaser mit einer etwas grösser dimensionierten Ansaugleitung. Das Hubvolumen ist durch Reduktion des Kurbelzapfendurchmessers und damit des Hubes so reduziert, dass der Wagen, was für sportliche Betätigung wichtig sein wird, gerade noch in die Klasse bis zu 1,1 Liter hineinpasst. Das Triebwerk wurde nicht übermässig hoch gezüchtet, indessen konnte die Bremsleistung von 26,5 PS bei 3000 T/min auf etwa 40 PS bei 4000 T/min gesteigert werden, was einer Literleistung von rund 36,5 PS/Liter entspricht.

Vom Aussehen des Wagens und von seinen reichlichen Innenabmessungen würde man kaum auf die äusserst bescheidenen Dimensionen schliessen. Tatsächlich sind sie wie folgt festgelegt: Radstand 210 cm, Spurweite vorn 125 cm, hinten 129 cm, Länge 387 cm, Breite 167 cm, Gesamthöhe des beladenen Stromliniencoupés 126,5 cm. Der ausserordentlich tiefe Schwerpunkt gibt dem Wagen zusammen mit der Pendelhinterachse des Volkswagens  und der  Porsche-Vorderachse mit  Längsschwinghebeln und Torsionsstäben sowie hydraulischen Schwingungsdämpfern gute Fahreigenschaften. Zum Ausgleich des Heckmotors und seines Einflusses auf die Lage des Schwerpunkts sind das Reserverad, der 50 Liter fassende Benzintank, sowie die Batterie unter der vorderen, aufklappbaren Haube untergebracht. Die Bodenfreiheit ist mit 20 cm grösser als das entsprechende Mass viel höherer Wagen. Der mit Reifen 5.00/16 ausgerüstete Wagen wird leer rund 550 kg wiegen, was einem Leistungsgewicht von etwa 13,8 kg pro PS entspricht. Bei einer Zulast von zwei Personen, 30 kg Gepäck sowie vollem Benzinbehälter lauten die entsprechenden Ziffern 770 kg, bzw. 19,2 kg pro PS. In diesem Zustand beträgt die Gewichtsverteilung 44 % auf die Vorder- und 56 % auf die Hinterachse. Nach den Angaben des Werkes soll die Maschine leicht auf eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h kommen und die steilsten Alpenstrassen bis zu 30 % Steigung noch im 2. Gang befahren können.

Kurztest mit dem Prototyp

Als Versuchswagen hat Porsche einen zweisitzigen offenen Sportwagen gebaut, den uns der Auftraggeber dieses Typs, der Zürcher R, von Senger, freundlicherweise letzte Woche für eine kurze Probefahrt zur Verfügung stellte. Mitten in der Atmosphäre des sich mit Riesenschritten  nähernden Grand Prix jagten wir die Maschine um die Rundstrecke von Bremgarten und fassten in kürzester Zeit volles Vertrauen zu ihr. So stellt man sich tatsächlich die Fahreigenschaften eines modernen Wagens vor, der die Vorzüge moderner Aufhängesysteme und ihres guten Fahrkomfort mit der zähen Bodenhaftung eines ebenso modernen, niedrigen und handlichen Sportwagens vereint. Obwohl noch nicht bis ins letzte den kommenden Serienwagen entsprechend, liess der offene Zweisitzer, dessen ungewöhnliche Form erklärlicherweise überall Aufsehen erregte, doch erkennen, dass er dank seines günstigen Leistungsgewichtes nicht nur als Wagen für den täglichen Gebrauch des Sportfahrers, sondern auch für die Teilnahme an sportlichen Veranstaltungen ein ideales Gefährt bildet. In den Gängen dürfte er ohne weiteres 40,  70 und  100 km/h  erreichen und  im 4. Gang mit 110 bis 120 km/h längere Fahrten, geeignete Strassen vorausgesetzt, zurücklegen können. Er ist in engen Kurven handlich und stabil, hält aber auch in langgezogenen, raschen Strassenkrümmungen den gewünschten Kurs genau inne. Strassenunebenheiten imponieren ihm nur wenig.

Für den ersten Vorgeschmack mögen diese wenigen Zeilen genügen. Es ist gute Aussicht vorhanden, dass über den Porsche-Sportwagen bald Näheres gesagt werden kann, dass in wenigen Monaten die ersten Fahrzeuge geliefert werden sollen und ihr Preis erschwinglich sein wird.”

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