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Ein Porsche-Rekord, der 35 Jahre hielt

Bruno von Rotz
01.07.2018

Porsche 956 LH (© Porsche AG)

6:11,13 Minuten brauchte Stefan Bellof am 28. Mai 1983, um im Porsche 956 die wegen Bauarbeiten auf 20,835 km verkürzte Nordschleife des Nürburgrings zu umrunden. 202,053 km/h schnell fuhr er im Sportprototypen im Durchschnitt und legte über fünf Sekunden Abstand im Abschlusstraining zum Zweitschnellsten Jochen Mass. Was für ein Parforce-Ritt! Das Bild oben stammt übrigends von einer anderen Gelegenheit.

Wie gefährlich dies war, zeigte sich beim Rennen. Da bekam Bellof nämlich in Führung liegend bei einem Sprunghügel Auftrieb, stieg senkrecht in die Luft und krachte dann in die Leitplanken. Wie durch ein Wunder blieb er unverletzt. Der Sieg im 1000-km-Rennen aber war verloren, der ging an Mass/Ickx, ebenfalls auf einem Porsche 956.

Der Streckenrekord aber blieb ungebrochen für die nächsten 35 Jahre. Seither umkreiste niemand mehr schneller die Nordschleife als Bellof im Jahr 1983. Bis letzte Woche.

Porsche 919 Hybrid Evo (© Porsche AG)

Da trat Timo Bernhard im optimierten Porsche 919 Hybrid Evo nochmals an und schaffte es, die Naturrennstrecke in sagenhaften 5.19,15 Minuten zu umrunden, was einem Schnitt von 234,69 km/h entspricht. Fast unglaublich!

Ein paar Vorteile hatte Timo Bernhard natürlich schon. Die Strecke war für ihn gesperrt, sein Wagen ohne Rücksicht auf Reglemente für die eine schnelle Runde optimiert, während Bellof seine Bestzeit im normalen Trainingsverkehr und mit einem Auto, das 1000 km (oder auch die 24 Stunden von Le Mans) aushalten musste gefahren hatte.

Beide Leistungen sind fast unglaublich. Wer je schon einmal etwas schneller auf dem Nürburgring gefahren ist, der weiss, wie eng die Strecke ist, wie kurvig und hügelig, sowie wie uneben die Fahrbahn an gewissen Stellen verläuft. Im Schnitt über 200 km/h zu führen über die gut 20 km, das ist wirklich kein Kinderspiel. Aber Bellofs Leistung ist sicherlich noch etwas höher zu werten, was sein Risiko doch deutlich höher und die Technik wesentlich primitiver, sprich mit weniger Abtrieb und weniger Leistung. Porsche tut deshalb gut daran, die 919-Rekordfahrt, die ja nur inoffiziellen Charakter haben kann, auch als Tribut an Bellofs langjährigen Rekord zu feiern.

Dass der Rekord nie gebrochen wurde, hängt übrigens natürlich auch damit zusammen, dass die Sportprototypen nach 1983 nicht mehr auf der Nordschleife fuhren, genausowenig wie die Formel-1-Autos nach dem Unfall Laudas im Jahr 1976.

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