Der Thronfolger VW Golf

Bruno von Rotz
07.07.2018

VW Golf LS von 1974 (© Auto Motor und Sport)

Als sich der VW Golf im Jahr 1974 anschickte, die Welt zu erobern, musste er sich nicht primär an den Konkurrenten anderer Hersteller messen, also Alfasud, Austin Allegro, Fiat 127/128, Ford Escort, Opel Kadett, Renault 5/6 oder Simca 1100, sondern vor allem am unverwüstlichen VW Käfer.

Diesen übertraf er allerdings entlang fast aller Messkritieren, wie ein früher Test der Zeitschrift Auto Motor und Sport im August 1974 enthüllte.

Heute, 44 Jahre später, erstaunt allerdings einiges, was damals noch völlig normal war. So kostete der günstigste Golf DM 7995, das wären heute knapp über EUR 4000. Allerdings fehlten in der Ausstattung dann die Scheibenbremsen, der Bremskraftverstärker, Stahlgürtelreifen (montiert waren dann Diagonalreifen), Verbundglas-Frontscheibe, eine heizbare Heckscheibe oder die Kopfstützen für die Vordersitze. Selbst wenn man zum DM 9370 teuren LS (mit 70 PS und Luxusausstattung) griff, waren Kopfstützen und Heckscheibenheizung beispielsweise noch aufpreispflichtig.

Kurvenverhalten des VW Golf LS von 1974 (© Auto Motor und Sport)

Immerhin erhielt man mit der S-Variante aber ein Temperament, wie es wenige Jahre zuvor gerade einmal ein Porsche 1600 Super bieten konnte. Der Standard-Sprint von 0 auf 100 km/h liess sich in gerade einmal 12,8 Sekunden durcheilen, der Käfer 1303 LS benötigte 19,5 Sekunden. Und bei der Höchstgeschwindigkeit fuhr der Golf S/LS mit exakt 160 km/h nicht nur dem Käfer (142,3 km/h) sondern auch nominell stärkeren Konkurrenten wie dem Simca 1100 Special (156,5 km/h) davon und benötigte dabei noch nicht einmal mehr Treibstoff. 10,2 Liter Normalbenzin genehmigte sich der zunächst stärkste Golf pro 100 km, beim Käfer liefen 12,2 Liter durch den Vergaser.

Interessant ist, dass Tester Westrup die zu direkt arbeitende Lenkung bemängelte, während man die mangelnde Kniefreiheit hinten sicherlich nachvollziehen kann.

Insgesamt lag Klaus Westrup aber mit seiner Schlussfolgerung sicherlich richtig, deshalb sei sie hier noch zitiert:
“Das Volkswagenwerk setzt große Hoffnungen in den neuen Golf, und diese Hoffnungen sind – das zeigte sich nach ausgiebigem Umgang mit dem neuen VW – durch aus berechtigt. Denn für das Publikum stellt das jüngste Wolfsburger Produkt eine wichtige Angebots-Bereicherung dar: Wer in der Preisklasse zwischen 8000 und 9000 Mark zukünftig einkaufen will, wird auch zu über legen haben, ob das nächste Auto nicht ein Golf werden sollte. Von der Sache her spricht einiges für eine solche Entscheidung: Einen so fahraktiven und nützlichen Volkswagen gab es bisher noch nie.“

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