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Pantheon Graber Sonderausstellung 2019/2020

Ein modernes Märchen - das hohe Lied von Fairness und Freundschaft

Rainer Braun - 26.04.2018

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Jörg Hatschels Mercedes-Benz C-Klasse von 1996 vor dem Alfa von Rupp (© Daniel Reinhard)

Man sollte es nicht für möglich halten, dass es sowas im heutigen Rennsport noch gibt. Vermutlich braucht es dazu die Tourenwagen Classics-Rennserie (TWC), in der sich die unglaubliche Geschichte zugetragen hat.

Hockenheim Classic 2018 am dritten April-Wochenende, erster Lauf zur Tourenwagen-Classics, hautsächlich bestehend aus alten DTM/ITC-Autos der Achtziger- und Neunzigerjahre. Hauptdarsteller: Vorjahres-Champion Thorsten Stadler (47), im 94er C-Klasse-Mercedes (Ex-Auto von Ellen Lohr) und der um lächerliche zwei Punkte unterlegene Vize-Meister Jörg Hatscher (57) in einem 96er C-Klasse Mercedes (Ex-Auto von Magnussen/Montoya/Zonta). Zusammen mit Stefan Rupp im 96er ITC-Alfa 156 V6 (Ex-Auto von Fisicella/Danner) gelten die beiden Mercedes-Chauffeure auch 2018 als Titel-Favoriten.

Im Freien Training am Freitag platzt Stadler der Motor, Reparatur in der Kürze der Zeit bis zum Qualifying nicht möglich, ein Ersatzmotor ist nicht verfügbar.

Stadler hat sich bereits damit abgefunden, dass der erste Lauf der Saison (von insgesamt sieben) für ihn mit einem Null-Resultat endet und die Chance einer erneuten Titelverteidigung erheblich sinkt.

Thorsten Stadler (links) und Jörg Hatschel (rechts) (© Archiv Rainer Braun)

Da kommt auf den maßlos enttäuschten Mann dessen härtester Gegner und Markenkollege Jörg Hatscher (im Bild rechts) zu und lädt ihn ein, das Rennen gemeinsam zu bestreiten – in Hatschers intaktem Mercedes. „Dann hast du die gleiche Chance wie ich und wir bleiben punktemäßig auf einem Level“, so Hatscher zu Stadler, „gegeneinander kämpfen können wir danach immer noch genügend.“

Was für eine noble Geste, gestern Gegner, heute gemeinsam auf Punktejagd, danach wieder Gegner, jeder im eigenen Cockpit.

Die beiden fahren also je 10 Minuten der beiden 20-Minuten-Zeittraining, womit sich auch Stadler im Hatscher-Mercedes mit der Startnummer 3 für das Rennen am Folgetag qualifiziert hat.

Der Rennlauf geht über 40 Minuten, unterbrochen durch eine Zwangspause von zwei Minuten, in der man an der Box entweder im Auto sitzen bleiben kann oder den gemeldeten zweiten Fahrer für die zweite Rennhälfte einsteigen lässt. Genauso machen es die beiden, Hatscher übergibt nach hartem Führungskampf mit dem Rupp-Alfa an erster Position an Stadler, der sich auch im fremden Auto sofort zurechtfindet und den Zweikampf mit dem Rupp-Alfa an der Spitze unverdrossen fortsetzt.

Als die Zielflagge fällt, ist der Stadler/Hatscher-Mercedes vorn, Alfa-Kämpfer Rupp ist nach bewundernswertem Fight knapp geschlagen. Was für ein Happy-End für Stadler, der dank der großzügigen Geste seines Titel-Konkurrenten nun mit der gleichen Punktzahl als Basis die weiteren Saison-Rennen in Angriff nehmen kann. Dass Thorsten Stadler obendrein am Renntag in Hockenheim neben dem Sieg auch noch seinen 47. Geburtstag feiern kann, rundet diese wie ein modernes Märchen anmutende Geschichte nur noch ab.

Warum ich Ihnen das alles aufgeschrieben habe? Weil Kameradschaft, Hilfsbereitschaft und Fairness im modernen Rennsport immer mehr verloren gehen. Jeder versucht sich stattdessen selbst der Nächste zu sein, vom Anschwärzen des Konkurrenten über Protestieren, Reklamieren, Täuschen und Tarnen wird so ziemlich alles praktiziert, was dazu beiträgt, die Atmosphäre heutzutage zu vergiften. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als sich konkurrierende Wettbewerber zu zweit, zu dritt oder gar zu viert ein Hotelzimmer geteilt, zusammen gezecht und gezockt und sich mit Ersatzmotoren oder auch mal einem kompletten Ersatzauto gegenseitig ausgeholfen haben. Ich weiß, diese Zeiten kommen nie wieder, aber ich vermisse sie trotzdem. Vielleicht bin ich ein Träumer, aber mir persönlich, vielen anderen vor Ort und dem gesamten Automobilsport hat die Hatscher/Stadler-Geschichte gewiss gut getan.

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