“Nocken Paul” - das 1400-PS-Herz von BMW blieb vorgestern für immer stehen

Daniel Reinhard
17.11.2016

Paul Rosche im Jahr 2014 (© Daniel Reinhard)

Paul Rosche ist am 15. November mit 82 Jahren in seiner Heimatstadt München verstorben. "Nocken-Paule" wie er auch liebevoll immer wieder genannt wurde stand hinter vielen Rennmotoren aus dem Hause BMW. Er war der Vater des 4-Zylinder Turbos mit rund 1200 PS, womit Nelson Piquet 1983 als erster Turbo-Weltmeister in die Geschichte einging. Nach dem Besuch des Polytechnikums trat Rosche am 1.11.1957 in die Dienste von BMW. Unter Alexander von Falkenhausen war er einer der sechs Fachkräfte die damals für die Entwicklung von Motorblock, Nockenwellen, Kolben und alle anderen Zusatzaggregaten eines Motors zuständig waren. 

Paul Rosche mit Dieter Quester im Jahr 1967 (© BMW AG)

Nach diversen Serienmotoren kamen die Rennmotoren. Nocken-Paule wurde zum Chef der heissen Motoren aus München. Nach diversen Versuchen mit eigenen Formel 2 Rennwagen, verband man sich schliesslich Mitte der 70`er Jahre mit der englischen Rennwagenschmiede von March und wurde zum "Mass der Dinge".

Peter Voll, Bernie Ecclestone, Paul Rosche und Raimund Kupferschmid bei ihrem letzten gemeinsamen Treffen anlässlich des GP Hockenheim 2014 (© Daniel Reinhard)

Die Formel 1 war das Ziel. Zusammen mit Jochen Neerpasch und später Dieter Stappert gelang es den Vorstand zu überzeugen. Gemeinsam mit Bernie Ecclestone setzte man den 4 Zylinder Turbo, der auf einem Serien-Reihenvierzylinderblock aufgebaut war, in den Brabham. Der Start war aber mehr wie schwierig, so dass Team-Chef Bernie Ecclestone bereits in Betracht zog, zurück auf den bewährten Ford-Cosworth V8 zu wechseln.

Paul Rosche und Nelson Piquest im Jahr 1984 (© BMW AG)

Doch es kam ganz anders. Nelson Piquet gewann den GP Canada 1982 und war bereits ein Jahr später Weltmeister. Die für kurze Zeit über 1400 PS starken Turbo-Motoren waren extrem schwierig zu fahren. Ende 1986 zog sich BMW aus der F1 zurück.

Rosche aber fand im Haus neue Aufgaben im Hause BMW, so war er dann für den erfolgreichsten Tourenwagen-Motor zuständig. Der M3 E30 gewann mit seinem Motor über Jahre alles, was man gewinnen konnte und der kernige, kraftvolle Sound bleibt den Fans noch heute wie eine Symphonie in den Ohren.

Auch der Antrieb des ersten McLaren Sportwagens, der 6,1l V12 stammt aus der Feder Rosches. Damit war man aber nicht nur auf der Strasse unterwegs, nein dieser Motor, respektive Abwandlungen davon, gewann auch zweimal die 24 Stunden von Le Mans, einmal 1995 im McLaren-Sportwagen und 1999 im, von Williams gebauten, BMW Sportprototypen V12 LMR.

Paul Rosche mit Frank Williams im Jahr 2014 (© Daniel Reinhard)

Damit war auch die Verbindung für den zweiten F1 Einstieg mit Williams vorgegeben. Mit 65 Jahren ging Rosche 1999 in den verdienten Ruhestand.

Rosche war eine unglaublich sympathische und humorvolle Person. Gemeinsam mit der Ulknudel Nelson Piquet war ein Duo gegeben bei denen der Spass keine Grenzen hatte.

Paul Rosche im Jahr 1994 (© BMW AG)

Auch BMW gedenkt ihrem treuen Mitarbeiter in einem umfangreichen Press Release: BMW Group trauert um Paul Rosche.

Einer der prägenden Ingenieure in der Geschichte der BMW Group ist tot. Paul Rosche, der von 1957 bis 1999 in verschiedenen Funktionen für BMW tätig war, verstarb am Dienstag im Alter von 82 Jahren in seiner Heimatstadt München.

„Diese Nachricht stimmt uns alle sehr traurig“, sagt BMW Motorsport Direktor Jens Marquardt. „Paul Rosche hat das Unternehmen und die Marke BMW mit seiner Leidenschaft, seinem Weitblick und seiner enormen technischen Expertise über Jahrzehnte hinweg nicht nur bei den Einsätzen auf der Rennstrecke repräsentiert und geprägt. Die Ergebnisse seiner Arbeit – ganz gleich, bei welchem Fahrzeug oder in welcher Serie – sind vielfach Meilensteine der Ingenieurskunst. In Paul Rosche verlieren BMW Motorsport und BMW M eine herausragende Persönlichkeit. Er hat die Grenzen des technisch Machbaren immer wieder neu definiert. Diesen Geist werden wir bei BMW Motorsport bewahren. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und den Angehörigen und Freunden.“

42 erfolgreiche Jahre in Diensten von BMW

Nockenwellen-Berechnungen für Sportmotoren waren immer Rosches Lieblingsgebiet, daher auch sein Spitzname „Nocken-Paule“. Er kam 1957 direkt nach Abschluss seines Studiums zu BMW und begleitete das Unternehmen im Verlauf seiner 42 Jahre als Mitarbeiter unter anderem zwei Mal in die Formel 1.

Ehe Rosche 1975 als Leiter der Entwicklung des BMW M1 Straßen- und Rennmotors in die BMW Motorsport GmbH eintrat, war er in der BMW Forschungs- und Entwicklungsabteilung unter Alexander von Falkenhausen aktiv. 1969 hatte er bereits jenen Zwei-Liter-Turbomotor konstruiert, mit dem BMW die Tourenwagen-EM gewann.

1980 legte Rosche als Technischer Geschäftsführer der BMW Motorsport GmbH zusammen mit Dieter Stappert den Grundstein für das erste Formel-1-Engagement von BMW und begründete als Motoren-Projektleiter maßgeblich die Erfolge der BMW Motoren in der Turbo-Ära.

Aus einem Vierzylinder-Serienmotor mit nur 1,5 Litern Hubraum schufen Rosche und seine Mannschaft einen potenziellen WM-Sieger. 16 Ventile, ein Turbolader und die erstmals in der Formel 1 eingesetzte digitale Motorelektronik verhalfen dem Triebwerk zu einer anfänglichen Leistung von rund 800 PS. Zu Beginn der Saison 1982 war der Brabham BMW erstmals am Start, nur 630 Tage später errang Nelson Piquet die Weltmeisterschaft. Insgesamt gingen bis 1987 neun Grand-Prix-Siege auf das Konto des Turbo-Triebwerks, dessen Potenzial nahezu grenzenlos zu sein schien. Rosche beantworte die Frage nach dem maximalen Leistungsvermögen des Formel-1-Motors einst auf seine eigene, unwiderstehliche Art: „Es müssen um die 1.400 PS gewesen sein, genau weiß man das nicht, die Messskala der Motorbremse hörte bei 1.280 PS auf.“

Rosches Handschrift auch im BMW M3 und im BMW V12 LMR

Der Triumph in der Formel 1 war der spektakulärste, aber bei weitem nicht der einzige Erfolg, der auf den Einfällen des 1934 geborenen Vollblut-Technikers beruhte. Unter Rosches Federführung entstanden auch der 2,0 Liter große Vierzylinder-Vierventil-Motor, mit dem in der Formel-2-Europameisterschaft mehr als 150 Rennsiege und sechs Titel eingefahren wurden, sowie das 6,0 Liter-V12-Triebwerk der Le-Mans-Sieger von 1995 und 1999. In Rosches Amtszeit fiel auch die Entwicklung des Motors für die erste Generation des BMW M3, der zur Basis für den erfolgreichsten Tourenwagen der Welt und eine neue Form von Fahrfreude auf der Straße wurde.

Nach dem Ausstieg von BMW aus der Formel 1 Ende 1987 blieb Rosche bis 1996 Technischer Geschäftsführer der BMW M GmbH und stellte als Technischer Direktor und Geschäftsführer der BMW Motorsport Limited die Weichen für die Rückkehr von BMW als Motorenhersteller in die Formel 1. 1999 begab sich Rosche in den Ruhestand.

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