Gemächlicher Radwechsel bei der Tourenwagen-Rakete

Bruno von Rotz
08.11.2016

Ford Capri 3000 Gruppe 2 1972

Es ist kaum zu glauben, da investierten Werke hohe Beträge, um bei den Tourenwagenrennen zuvorderst zu stehen, homologierten sogar spezielle Versionen und bauten sie in der nötigen Anzahl für die Strasse, nur um eine aussichtsreiche Basis für Sporterfolge zu haben.

Und dann das. Der Mechaniker wechselt das Rad, das mit mehreren Schrauben an der Nabe befestigt ist, mit einem normalen Kreuzschlüssel, wie Otto Normalverbraucher beim Winterreifen-Montieren.

Dabei schrieb der Artikel von den Formel-1-Autos mit fünf Sitzen und Gruppe-2-Tourenwagen-Raketen, weil die Technik so weit verfeinert worden sei und die Autos massiv leistungsgesteigert würden. Ja, das war 1972 und damals wurde die Tourenwagenmeisterschaft mit sogenannten Produktionswagen der Gruppe 2 abgehalten.

Heutige Beobachter der Rennszene können darüber nur lächeln, denn heutzutage hat ein Renntourenwagen noch deutlich weniger mit einem Strassenauto zu tun als damals.

Den Lesern soll die damalige Beschreibung des abgebildeten Ford Capri RS 2600, insbesondere auch die Preise, nicht vorenthalten werden:

“V6-Motor mit zentraler Nockenwelle; Normalausführung 2673 cm (90X69 mm); Verdichtung 10:1, Leistung 150 DIN-PS bei 5800 U/min; Rennausführung nach Gruppe 2,  in der von Jochen Neerspach geleiteten Sportabteilung von Ford Köln frisiert; Zylinderabmessungen 2940 cm (95X69 mm); Verdichtung 11:1, indirekte Benzineinspritzung von Kugelfischer; Leistung 290 PS bei 7400 U/min (stärkste Version bis zu 310 PS); max. Drehmoment 32 mkg bei 5400 U/min, Leistungsgewicht 3,22 kg/PS; Trockensumpfschmierung; Kraftübertragung: ZF-Fünfganggetriebe, ZF-Differential- bremse; gegossene Leichtmetallfelgen der Dimensionen 10 x 15 und 11 1/2 x 15 Zoll; Gewicht 930 kg; Spitze 250 km/h; Verbrauch: ca. 60 Liter Benzin pro Stunde (im rennmässigen Einsatz); Preis: die diesjährige Ausführung steht ausschliesslich dem Werksteam zur Verfügung, die letztjährigen Werkwagen sind als Occasionen für 50’000 bis 60’000 DM (rund 60’000 bis 72’000 sFr.) verkauft worden. (Preis der Serienausführung 20’660 sFr.) “

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