Warum schafft es Lotus nicht?

Bruno von Rotz
16.09.2016

Lotus Elan von 1973 (© Mike Maez - Courtesy Gooding 6 Co)

1952 gründete Colin Chapman Lotus Engineering, mit dem Mark VI baute er sein erstes Serienautomobil, eine Art Vorläufer des Lotus Seven, der ja von verschiedenen Herstellern, darunter Caterham und Donkervoort, bis heute weitergebaut wird.

Bereits 1956 feierte Lotus mit dem Typ 11 Klassensiege in Le Mans, die grossen Formel-1-Erfolge datieren aus den Jahren 1963, 1965, 1968, 1970, 1972, 1973 und 1978, in denen das Team Lotus jeweils den Konstrukteurtitel errang, dazu kamen eine ganze Reihe von Fahrer-Weltmeistertiteln.

Bei den Seriensportwagen überzeugten die Autos aus Hethel durch Leichtigkeit und gute Fahreigenschaften, begonnen beim Lotus Elite, gefolgt vom Lotus Elan, dem Mittelmotor-Europa, den Keilformmodellen Elite, Eclat und Esprit, bis zum Elise und Exige, sowie dem Evora die bis heute gebaut werden.

Produktionszahlen blieben übersichtlich und es gab sogar erinnerungswürdige Film- und Fernsehauftritte, etwas mit den Modellen Esprit S1 und S3 Turbo für James Bond oder dem Lotus Elan für Emma Peel (Mit Schirm Charme und Melone Fernsehserie). Lotus kennt eigentlich jedes Kind, könnte man sagen, an Legendenstoff fehlt es eigentlich nicht. An begabten Designern genausowenig, denn die meisten Lotus Sportwagen gelten als attraktive Autos.

Trotzdem tun sich die Lotus Sportwagen der Vergangenheit deutlich schwerer mit Wertsteigerungen als ihre damaligen Konkurrenten aus Italien oder auch aus Deutschland.

Lotus Elite S2 Super 95 von 1962 (© Bonhams)

Obschon der Lotus Elite der späten Fünfzigerjahre zu den schönsten Autos überhaupt gehört, steigen die Preise an Auktionen nur selten in sechsstellige Regionen, eine Ausnahme bot das besonders attraktive Series 2 Super 95 Coupé von 1962, das Bonhams vor wenigen Tagen anlässlich des Goodwood Revivals für immerhin EUR 122’306 oder CHF 134’158 verkaufen konnte.

Noch schwerer tun sich die Lotus Elan Varianten, ob Cabriolet oder Coupé (Bild oben), die über die letzten zehn Jahre zwar auch etwas teurer geworden sind, trotzdem aber im Vergleich zu einem Maserati 3500 GT, einem Dino 246 GT, einem Jaguar E-Type oder einem Fiat Dino Spider immer noch recht preisgünstig sind und kaum mehr als das Dreifache des damaligen Neupreises erreichen.

Lotus Esprit S1 von 1978 (© Tom Wood - Courtesy RM/Sotheby's)

Noch schlimmer wird es, wenn man Europa oder den Esprit anschaut. Dort liegen die verlangten Preise meist heute noch unter dem Neupreis, während Siebzigerjahre-Konkurrenten von Porsche oder Ferrari schon lange deutlich darüber gehandelt werden.

Woran es wohl liegen mag? An der Tatsache, dass Lotus fast ausschließlich Kunststoff für die Karosserien einsetzte? Der Ferrari 308 GTB mit Plastikkarosserie würde das relativen. Oder waren die Motoren von Lotus einfach nicht mondän genug, nur gerade den Esprit gab es mit acht Zylindern in den Neunzigerjahren, ansonsten waren vier Zylinder meist Standard. Wer weiss.

Lotus Elise von 1999 (© Bonhams)

Einen Lichtblick gibt es allerdings, und dies ist vielleicht überraschend. Die Lotus Sportwagen der Neuzeit sind in gebrauchtem Zustand deutlich mehr wert als die Konkurrenz, haben auch die Talsohle bereits früher erreicht. Unter EUR 16’000 oder CHF 20’000 kann man nur selten gut erhaltene Versionen des Elise kaufen, während der Konkurrent aus Zuffenhausen, der Porsche Boxster, trotz höherem Neupreis deutlich tiefer notiert wird, als der leichtgewichtige Sportwagen von Lotus.

Mal sehen, wie es weitergeht. Vielleicht setzen ja auch die früheren Lotus-Modelle einmal zum Höhenflug an …

von fr******
21.09.2016 (10:45)
Antworten
Es ist sehr schade, dass Lotus nicht vom Fleck kommt. Einer der Hauptgründe dürfte wohl sein, dass hochgezüchtete Vierzylinder für einen Sportwagen trotz Leichtbauweise nicht das richtige Rezept sind. Dazu kommt eine nicht übersehbare Nachlässigkeit bei der Verarbeitung, die Kunden in dieser Preisklasse abschrecken.
Antwort von mi******
22.09.2016 (14:52)
Die Gründe sind für mich nicht schlüssig. Beide genannten Punkte treffen auch auf Alpine zu, trotzdem verläuft die Wertentwicklung der A110 in den letzten Jahren mit einer ganz anderen Dynamik.
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