Sind die Neunzigerjahre das ergiebigste Jahrzehnt für den Oldtimer?
Noch vor zehn Jahren waren Autos aus den Neunzigerjahren junge Gebrauchte, inzwischen haben sich die ersten Baujahre mit einer Neun am Anfang bereits zum Oldtimer entwickelt, während die späteren Autos allesamt Youngtimer geworden sind. Und während noch vor zehn Jahren mancher Alteisenenthusiast den Neunzigerjahre-Autos ihre Daseinsberechtigung als Oldtimer in Frage stellte, scheint die Abwehrhaltung nachzulassen. Die Leute, die damals diese Autos als Neuwagen fuhren, sind inzwischen typischerweise alle rund 50 oder mehr Jahre alt und voll von guten Erinnerungen an jene Zeit.
Schon heute scheint klar, dass die Neunzigerjahre ein sehr reichhaltiges Autojahrzehnt waren. So war gerade das Cabriolet dank Mazda MX-5 und Co zum Trend avanciert und kaum ein Hersteller konnte darauf verzichten, in dieser durchaus attraktiven Nische ein oder mehrere Angebote zu haben. Unvergessen bleiben der Alfa Spider 2.0, der Saab 900 oder Exoten wie Caterham, TVR, oder Venturi. Es gab auch richtig günstige Cabriolet von Peugeot oder Suzuki.
Auch die Kategorie der Coupés glänzte mit viel Auswahl, erwähnt seien etwas der Opel Calibra, der Volvo 480 ES, der Mazda MX-3 oder der Maserati Biturbo. Und dann gab es noch Limousinen, Kombis, Heckklappen-Kompaktwagen, Mini-Vans, ja selbst Geländefahrzeuge, wenn auch in übersichtlicher Anzahl.
Im Vergleich zu zehn, zwanzig oder dreissig Jahren vorher hatte die Auswahl deutlich zugenommen. Und es waren coole Autos darunter, die in nennenswerten Stückzahlen und guter Qualität gebaut wurden.
Die verwendete Technik war zwar im Vergleich zu den Fünfziger- oder Siebzigerjahren komplexer (und elektronischer) geworden, dürfte aber trotzdem in vielen Fällen auch 30 Jahre später noch beherrschbar sein.
Vor allem aber boten die Neunzigerjahre noch weitgehend analogen Fahrspass. Ausser ABS und eventuell ESP kam dem Piloten kaum etwas in die Quere. Handschaltung war bei vielen Fahrzeuggattungen noch die dominierende Kraftübertragung und die Geräuschkulisse konnte auch gefallen.
Wenn diese Autos nicht Abwrackprämien oder Abschiebeaktionen zum Opfer gefallen sind und einigermassen unterhalten wurden, dann können sie durchaus lange leben und in zehn oder zwanzig Jahren einen erheblichen Anteil am Oldtimer-Universum ausmachen. Diese Fahrzeuge werden uns am Wochenende in die guten alten Zeiten zurückholen, wenn wir den Stress mit dem Elektro-Alltagsauto in der Tiefgarage zurückgelassen haben.
Eine Ausfahrt im MG RV8 oder in der Chrysler Viper RT/10 wird in der Zukunft genauso viel Spass machen wie heute, aber sich noch viel mehr vom sonst üblichen Individualverkehr unterscheiden. Und auch ein VW Corrado, ein Fiat Coupé, ein Volvo 240 Classic oder ein BMW 325i Touring werden uns begeistern (tun sie ja schliesslich heute schon).
Da müssen wir noch nicht einmal von den Supersportwagen jener Zeit sprechen, denn McLaren F1, Ferrari F40, Bugatti EB110 GT oder Jaguar XJ220 werden wohl in Zukunft genauso unerschwinglich sein, wie sie es bereits heute sind. Aber ein Lotus Esprit, ein Porsche 968 oder ein Lancia Delta HF Integrale sind es vielleicht nicht. Träumen ist ja erlaubt!
Stossen wir auf die Neunzigerjahre an, Prost!


























