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Alte Autos im Verkehr

Bruno von Rotz
30.06.2022

Delahaye 135 M von 1952 (© ams)

In den frühen Sechzigerjahren veröffentlichte “auto motor und sport” Fahrberichte unter dem Titel “Alte Autos im Verkehr”. In Heft 4/1961 war ein Delahaye 135 M an der Reihe, aus heutiger Sicht ein echter Klassiker, damals mit einem Alter von gerade neun Jahren ein Gebrauchtagen.

Interieur des Delahaye 135 M von 1952 (© ams)

Einige Stunden durfte der Redakteur den rüstigen Altwagen, einen von nur 16 noch existierenden Exemplaren dieses Typs (?), versuchsweise bewegen. Dass dabei auch einiges auffiel, war klar:
“Axial verschiebbare Scheibenwischer, die dadurch in Ruhestellung ganz nach unten geklappt werden können, um das Blickfeld nicht zu behindern; zentraler Netzschalter, der tatsächlich alle Stromver­braucher stromlos macht; Handzündverstel­lung; ein gut gefedertes Lenkrad; Verbundglas-Frontscheibe; Handabblendung; Lade­strom-Messer; blendfrei einzustellender Innen­rückspiegel, Lichthupe und manches andere Gescheite mehr …”.

Delahaye 135 M von 1952 im Vergleich zum Porsche 356 (© ams)

Ja, Käfer, Taunus und Co konnten da nicht mithalten, selbst ein Porsche 356 vermutlich nicht. Auch für eine Non-Stop-Reise von Barcelona nach Hamburg in 31 Stunden, u.a. dank 102-Liter-Tank, war der Delahaye wohl auch im Jahr 1961 angenehmer als mancher moderne Alltagswagen der Sechzigerjahre …

Den ganzen Bericht kann man in der ams-Nummer 4/1961 nachlesen.

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Günstiger mit Gummi

Bruno von Rotz
29.06.2022

Gummilippe und Gummiboot - Alfa Romeo Spider 2.0 Aerodinamica und MGB GT (© Daniel Reinhard)

Amerikanische Sicherheitsvorschriften, aber auch veränderte Käufergeschmäcke haben schon manches Auto verändert und dies nicht immer zum Besseren. Beim Alfa Romeo Spider und beim MGB sorgten gummibesetzte Stossfänger jedenfalls für Kritik, damals wie heute.

Beim heutigen Klassikerkäufer sind die späteren Versionen namens “Gummilippe” (Alfa Spider) und “Gummiboot” (MGB) deutlich weniger beliebt als ihre Vorgänger. Dies zeigt sich ganz klar bei den Verkaufsannoncen und in den durch Classic Data gepflegten Bewertungen.

Im Zustand 2 kostet ein Fastback-Spider 2000 der Jahre 1975 bis 1983 1,6 mal soviel wie ein Alfa Romeo Spider 2.0 von 1984. Beim MGB GT schlägt der Preis der früheren Version denjenigen des Nachfolgers um Faktor 1,3. Das Witzige daran: Wenn man drin sitzt und fährt, spürt man kaum etwas von den Veränderungen, ein früher Alfa Spider 2.0 “Aerodinamica” von 1984 fährt sich praktisch genau gleich wie sein Vorgänger. Beim MGB GT ist es nicht viel anders.

Gut, man kann auch rückbauen, aber im Falle des Alfas ist dies ziemlich aufwändig und auch beim MGB sind die Umbaukosten nicht vernachlässigbar. Und original ist dies dann auch nicht, obschon es schon damals in der Zeit gemacht wurde.

Gummilippe und Gummiboot - Alfa Romeo Spider 2.0 Aerodinamica und MGB GT (© Daniel Reinhard)

Die interessante Frage dabei ist, ob zukünftige Kaufinteressenten ähnlich über die Optik der beiden Autos denken werden. Vielleicht werden dereinst die Millennials den Alfa Spider mit Heckspoiler attraktiver finden als die Leute heute? Vielleicht aber auch nicht. Spätere Versionen haben ja auch noch andere Vorzüge, sind meist besser rostgeschützt und wurden immer wieder verfeinert. Für Einsteiger könnte sich gerade der Kauf der heute etwas weniger nachgefragten Versionen lohnen, denn viel Spass machen auch diese.

Am teuersten ist übrigens beim Alfa natürlich die Ur-Version “1600 Duetto Spider” mit dem Rundheck, bekannt aus dem Film “The Graduate” (“Die Reifeprüfung”. Ein solcher Wagen kostet gemäss Classic Data im Zustand 2 satte 2,4 mal soviel wie die “Gummilippe”.

P.S. Dem Alfa Romeo Spider 2.0 Aerodinamica haben wir kürzlich einen Bericht gewidmet, den MGB GT mit Gummistossfängern werden wir schon bald beschreiben.

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Klassikerperlen der Zukunft – Maserati MC20

Bruno von Rotz
28.06.2022

Maserati MC20 (© Maserati/Werk)

Erinnern Sie sich an den Maserati MC12? Dies war der letzte Supersportwagen von Maserati, der zwischen 2004 und 2005 als Ableger des Ferrari Enzo in wahrlich homöopathischen Dosen gebaut worden war, um in FIA-GT1-Meisterschaften mitzufahren. Es gab einige Strassenversionen (Corsa), aber allzu oft dürfte man diese nicht auf öffentlichen Strassen gesehen haben.

Ein paar Jahre später machte sich Maserati erneut an die Entwicklung eines Supersportwagens, der schliesslich im September 2020 als MC20 vorgestellt wurde.

Maserati MC20 von oben (© Maserati/Werk)

Der MC20 bricht mit dem Rest des Maserati-Angebots, das eher dem Granturismo- und Luxus-Fahrer dienlich sein soll. Der MC20 ist ein relativ puristischer Mittelmotorsportwagen ohne Hybridtechnik und allzu grosse Konzessionen an den Alltagseinsatz. Dafür verfügt er über eine Kohlenstoff-Monocoque-Konstruktion und über Aufhängungen, die auch Rennwagen gut zu Gesicht stehen.

Heckansicht des Maserati MC20 (© Maserati/Werk)

Mit einer Länge von 4,67 und einer Breite von 1,97 Metern ist er nicht überaus kompakt, immerhin aber konnte das Gewicht bei rund 1500 kg gehalten werden.

Cockpit des Maserati MC20 (© Maserati/Werk)

Der Motor lehnt sich an Konstruktionen von Alfa Romeo und Ferrari an und verfügt über sechs Zylinder, die im 90-Grad-Winkel angeordnet sind. Mit zwei Turboladern leistet der 2991 cm3 grosse V6 satte 630 PS bei 7500 Umdrehungen und das 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe muss mit maximal 730 Nm Drehmoment, welches zwischen 3000 und 5500 Umdrehungen anfällt, fertig werden.

Allradantrieb? Fehlanzeige. Hintersitze? Nein. Cabriolet-Version? Jawohl, wird sich Cielo nennen und kommt ein bisschen schwerer und ineffizienter daher. Elektrovariante? Offenbar im Projektstadium. Erschwinglich? Na ja, EUR 210’000 und ein paar Zerquetschte je nach MWSt.-Situation und Extras sind kein Pappenstiel. Im Vergleich zu Ferrari-Alternativen allerdings kommt der Maserati MC20 wie ein Sonderangebot daher und selbst bei Porsche sind ähnliche Fahrleistungen (0-100 km/h in ca. 2,9 Sekunden, Spitzengeschwindigkeit über 325 km/h) kaum günstiger zu haben. Ein Lotus Emira, dem der Maserati je nach Blickwinkel durchaus ähnlich sieht, kostet allerdings weniger als die Hälfte, geht aber auch nicht so dynamisch ans Werk.

Reicht dies, um den Maserati MC20 zur Klassikerperle der Zukunft zu machen? Wenn man Chris Harris zuhört in der neuesten Folge von Top Gear, dann haben die Maserati-Ingenieure offenbar manches richtig gemacht. Auf trockener Strecke erreichte der Mittelmotorsportwagen jedenfalls Hypercar-Zeiten, bei Nässe allerdings war der nur über die Hinterräder angetriebene Wagen eher durchschnittlich. Trotzdem bezeichnete ihn Harris als einer der wirklich aussergewöhnlichen Sportwagen und bezüglich Handlichkeit den meisten anderen überlegen. Schnell sei er sowieso und dazu noch nicht einmal zu teuer. Er mache sich eher darüber Sorgen, wie lange ihn Maserati wohl bauen würde angesichts stetig aufkeimender finanzieller Probleme …

Frontansicht des Maserati MC20 (© Maserati/Werk)

Für den echten “Petrolhead” jedenfalls scheint der Maserati MC20 eine echte Alternative zu sein und vielleicht ist gerade dieser Sportwagen einer der letzten echten Sportwagen mit Verbrennungsmotor, an denen man in 10, 20 oder 30 Jahren einfach nicht vorbeikommen wird? Eine “Klassikerperlen”-Auszeichnung gestehen wir dem MC20 daher schon einmal zu und nun warten wir darauf, dass wir auch selber einen fahren dürften …

P.S. Weitere Klassikerperlen gibt's auf dem seit langem geführten Themenkanal zu entdecken.

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Oh Lord, won't you buy me...

Paul Krüger
27.06.2022

1959 Cadillac 62 Convertible

Na, was wohl? Richtig: Einen Cadillac! Auch wenn Janis Joplins sozialkritische A-Capella-Nummer heute (weil völlig missverstanden) zu den populärsten Auto-Hymnen des 20. Jahrhunderts zählt, so war die Luxusmarke von General Motors zumindest in den Fünfzigern und Sechzigern bei den Liedtextern doch weit beliebter.

Im Lied "Bring my Cadillac back" von 1957 erzählt Baker Knight, wie seine Freundin mit seinem Cadillac abhaut – und dass er, wenn er wählen müsste, lieber den Caddy zurücknähme. Maurice King wünschte sich schon 1951 einen lavendelfarbenen Cadillac vor der Tür. Joyce Green wollte einen schwarzen, Pearl Bailey einen goldenen, Donna Lou einen weissen und Hal Willis einen rosafarbenen. Auch Vince Taylor wünschte sich 1959 einen Cadillac. Die Farbe war egal, Hauptsache der Schlitten war brandneu.

Noch verlockender war das Detroiter Edelmetall freilich, wenn eine junge Frau am Steuer sass. Bill Sherell und Doug Bowles träumten vom Cadillac Baby und vom Cadillac Cutie. Red Simpson hatte gar noch genauere Vorstellungen: seine Jeannie fuhr einen hellbraunen Cadillac. Da hat sie übrigens mit Nadine aus dem gleichnamigen Lied von Chuck Berry etwas gemeinsam, die darin zielstrebig auf einen kaffeefarbenen Caddy zuspaziert.

Der Rock-'n'-Roll-Lyriker aus St. Louis hatte allgemein ein sehr inniges Verhältnis zur GM-Spitzenmarke. Kaum ein Lied von Chuck Berry, in dem sie nicht erwähnt wird. Nie wurde die Liebe jedoch so deutlich wie 1956 in "No Money Down", in dem Berry drei Minuten lang nur beschreibt, wie er sich seinen idealen Cadillac vorstellt – mit allen Schikanen bis hin zum Doppelbett im Heck. Noch extravaganter ging es nur bei der "Unsettled Society" zu, die über gleich 17 mit Diamanten besetzte Caddys sang.

Bo Diddley hatte dagegen ziemlich schnell die Nase voll von seinem "C.A.D.I.L.L.A.C.", nachdem er ihn morgens mehrmals mit zerstochenen Reifen vorgefunden hatte und der Kahn obendrein nicht anspringen wollte. Dafür benannte er aber eine seiner Gitarren nach dem Luxusschlitten.

Zählt man alle Mehrfachaufnahmen zusammen, hat Cadillac gute Chancen, die meistbesungene Automarke der Welt zu sein. Genaue Studien liegen uns allerdings nicht vor. Wahrscheinlich ging es gar nicht allen Sängern wirklich um die Marke und "Cadillac" war nur ein Synonym für einen teuren Luxuswagen. Genau wie jeder rote Sportwagen grundsätzlich ein "Ferrari" ist. Die Hülle des Albums "Cadillac" von den Renegades zeigt jedenfalls einen Buick Riviera...

Sommerzeit ist Urlaubszeit

Daniel Reinhard
26.06.2022

Sommerzeit ist Urlaubszeit - gesehen am Kerenzerbergrennen (© Daniel Reinhard)

Da bereits viele Flüge gestrichen wurden, wird wohl wieder vermehrt mit dem Auto in den Urlaub gefahren. Wieso nicht mal Urlaub in der Nähe einer Rennstrecke? Zwischen gutem Essen und etwas Abkühlung im Meer wieder einmal ein paar Runden drehen. Warum nicht anstelle eines Wohnwagens lieber einen Rennwagen an Haken den Haken nehmen? Mit dem Fahrrad vom Hotel zur Rennstrecke zu fahren, unterstreicht noch die sportliche Einstellung.

Wäre das nicht vielleicht eine kleine Marktlücke für die Reisebranche?

Als man bei Rallyes noch mit “schlank und rank” Erfolg hatte

Stuart Adams / Bruno von Rotz
25.06.2022

Alpine-Renault A110 1600 S am Goodwood FoS 2022 (© Stewart Adams)

Die Alpine-Renault A110 ist ein perfektes Beispiel dafür, was man mit zierlichen Dimensionen und niedrigem Gewicht auf schwierigem Gelände erreichen kann. Schliesslich gewann die “Berlinette”, wie sie auch genannt wurde, mehrmals die Rallye Monte Carlo und errang auch sonst Siege um die halbe Welt.

Die A110 war rund 3,85 Meter lang und 1,47 Meter breit (später erhielt sie Koftlügelverbreiterungen). Die Höhe betrug 1,13 Meter. Das Gewicht lag anfänglich bei rund 550 kg und wuchs bei den schnellsten Versionen auf knapp über 700 kg.

Wie klein die Alpine war, kann man auf dem herrlichen Bild, das Stewart Adams gestern am Goodwood Festival of Speed geschossen hat, gut erkennen. Der Pilot scheint das Auto fast auszufüllen!

Natürlich haben wir schon diverse Artikel zur Berlinette veröffentlicht. Das diesjährige Goodwood Festival of Speed dauert noch bis zum Sonntag, den 26. Juni 2022. Live Streams erlauben eine Teilnahme auch bequem vom Sofa aus …

Wir brauchen populäre Netflix-Serien mit coolen Klassikern

Bruno von Rotz
24.06.2022

The Lincoln Lawyer (© Netflix)

Aktuell schafft es der Musikhit “Running Up That Hill” von Kate Bush an die Spitze der weltweiten Musikcharts. Dabei ist dieser Hit eigentlich ein Oldtimer, sprich 37 Jahre alt. Und warum hat er nun plötzlich soviel Erfolg? Weil er in der äusserst beliebten Netflix-Serie “Stranger Things” hinauf- und heruntergespielt wird. Und natürlich schon Mitte der Achtzigerjahre ein guter Ohrwurm war.

Auch die Formel 1 hat dank einer Netflix-Serie einen unerwarteten Popularitätsboost erfahren, nie waren die Zuschauerzahlen an den Bildschirmen höher.

Das alles muss uns doch zu denken geben. Könnte derselbe Effekt denn nicht auch der Oldtimer- und Youngtimer-Szene Auftrieb verschaffen? Was würde passieren, wenn der attraktive Held einer neuen und millionenfach gestreamten Netflix-Serie ständig im Peugeot 404 herumfahren würde und diese Fortbewegung als supercool und “trendy” hochstilisiert würde? Und wenn der Held seinen Komparsen ständig erklären würde, warum es so toll sei ein altes Auto zu fahren? Würde dann der Oldtimer/Youngtimer bei der Generation der Millennials oder der kommende Generation Alpha populärer? Würde der Wert des Peugeot 404 steil ansteigen? Ob dies mit dem Lincoln Continental aus der Serie "Lincoln Lawyer" (Bild oben) wohl bereits funktioniert?

Tatsächlich können wir diesen Effekt als Konsumenten sogar beeinflussen, denn der Algorithmus, der den Netflix-Zuschauern neue Serien und Filme vorschlägt, basiert ja auch Nutzungsanalysen und wird damit indirekt steuerbar. Vielleicht müssen wir uns als Oldtimer-/Youngtimer-Liebhaber einfach besser organisieren … und hoffen, dass demnächst eine einigeremassen populäre Netflix-Serie erscheint, die z.B. einen Fiat 128 3P (Berlinetta) ins Zentrum rückt, oder so ähnlich ...

Die Zukunft vorherzeichnen (Autokennerquiz)

Paul Krüger
23.06.2022

BMW E24 und Mercedes-Benz W123

Vor der Markteinführung eines Autos wird lange spekuliert, wie das neue Modell wohl aussehen wird. Im Zeitalter vor digitaler Bildbearbeitung waren bei Fachzeitschriften dafür eigens Illustratoren angestellt, die die Vermutungen der Redaktion zu Papier brachten. Mal nahmen sie überraschend genau die spätere Form vorweg, mal lagen sie erschütternd weit daneben. Den Sechser-BMW oder das W123-Coupé erkennt man noch ganz gut. Aber wären Sie nur anhand des Bildes darauf gekommen, dass der leicht japanisch anmutende, gelbe Flitzer unten den erwarteten Manta-Nachfolger Opel Calibra darstellen soll?

Opel Supra oder Toyota Calibra?

Wir haben ein wenig in unserem Archiv gestöbert und zehn Illustrationen aus drei Jahrzehnten ausgesucht, die sich irgendwo in der Mitte zwischen "Gut getroffen" und "Voll verhauen" bewegen.

Wenn Sie sich dafür gerüstet fühlen, können Sie nun versuchen, die späteren Serienmodelle anhand der Zeichnungen zu erraten. Keine Sorge, die grössten Irrtümer haben wir (bis auf einen) ausgelassen. Markenlogos und allzu verräterische Designdetails haben wir aber natürlich entfernt. Zu einfach soll es ja auch nicht sein. Wollen Sie es versuchen? Hier geht's zum neuesten Autokennerquiz .

Autokennerquiz 137

Wo bleibt eigentlich der günstige Elektro-Sportwagen?

Henri Weidmann
22.06.2022

Electricar GTP

Beginnen wir mit einer kurzen Denkminute: Fällt Ihnen ein batteriebetriebener und fahrspass-orientierter Zweisitzer ein, dessen man zum Gegenwert von weniger als 40’000 Euro respektive Schweizer Franken habhaft werden kann? Und der auch für die Transportaufgaben des Alltags taugt?

Uns auch nicht. Doch wieso klafft diese Lücke in den stetig expandierenden Elektromodell-Paletten der Automobilhersteller? Ein naheliegender Grund könnte sein, dass letztere in den kommenden Jahren des Wandels zuerst die “Grundversorgung” ihrer Kundinnen und Kunden sicherstellen wollen und deswegen die (Weiter-)Entwicklung von praktischeren Alltagswagen à la VW ID.3, BMW i3 oder Škoda Enyaq iV priorisieren. Auch elektrische Vans, SUVs und Nutzfahrzeuge ersetzen nach und nach ihre Verbrenner-Verwandten.

Stromernde Sportwagen sind hingegen momentan überwiegend keine “klassischen” Sportwagen, sondern von deutschen Erzeugnissen einmal abgesehen exotische Hypercars mit weit über 1000 PS und dementsprechend exorbitant hohen Preisen. Dass aber nicht nur Schwerreiche gerne Fahrspass erleben, liegt auf der Hand. Trotzdem wird autoliebenden Durchschnittsverdienerinnen und -verdienern bis jetzt kein adäquater Elektro-Sportwagen angeboten.

Modelle wie der Renault Zoe, der Hyundai Kona electric und allen voran der Tesla Model 3 haben aber eindrucksvoll bewiesen, wie gerne Herr und Frau Mittelstand zu akkubetriebenen Autos greifen. Deren Technik sollte sich meiner höchstens semi-qualifizierten Meinung nach auch in einen kompakten Zweisitzer einbauen lassen, wobei dieser zugunsten eines sportwagen-mässigeres Leistungsgewichts auf gewisse Annehmlichkeiten verzichten müsste.

Bei einem Gewicht von ca. 1200 Kilogramm wären ansprechende Fahrleistungen realisierbar, wobei die nackten Autoquartett-Kennzahlen nicht im Vordergrund stehen sollten. Die 289 Kilowatt des Basis-Model-3 wären da wohl schon zu viel des Guten, auch ein Coupé oder Roadster mit weniger Leistung und Hinterradantrieb könnte seine Insassen sicherlich zum Grinsen verleiten. Ein dank flach im Chassis montiertem Akku niedriger Schwerpunkt wäre der Querdynamik ebenfalls zuträglich.

Ein deutliches Indiz für die Popularität von budgetfreundlichen Spassmachern ist die Tatsache, dass die Jahresproduktion 2022 des Toyota GR86 innert weniger Tagen vergriffen war. Dessen Preise begannen bei knapp 34’000 Euro, wofür die glücklichen Kurzentschlossenen ein leichtes, agiles und vor allem erfrischend pures Coupé erhalten. Wie sein Schwestermodell Subaru BRZ wird der GR86 von einem Vierzylinder-Boxer ohne Turboaufladung angetrieben und trotz “nur” gut 230 PS lassen sich mit ihm abenteuerliche Driftwinkel erzielen.

Ebenso anachronistisch wie der Verzicht auf Zwangsbeatmung ist das serienmässige manuelle Sechsganggetriebe. Dass bei derart verheissungsvollen Zutaten vielen Leuten das Wasser im Mund zusammenlief, verwundert kaum, allerdings schmälern diese traditionell Fahrspass-fördernden Faktoren leider auch die Hoffnung auf einen elektrischen Volks-Sportwagen.

Der Reiz des neuen Toyota GR86, aber ganz besonders jener vieler Oldtimer, liegt ja bekanntlich an der erlebbaren Mechanik eines herkömmlichen Automobils und der Interaktion mit diesem. Die Fahrt im Fiat Nuova 500 hat dem Autor dieser Zeilen offenbart, dass der Miteinbezug aller Sinne der Hauptgrund für unsere Faszination für historische Fahrzeuge ist. Während man im Klassiker jederzeit über den Untergrund Bescheid weiss und spürt, ob der letzte Gangwechsel sauber vonstatten ging oder nicht, fühlt sich die Fahrt im modernen Automaten (im doppelten Sinne) geradezu steril an.

Über diese schlussendlich relativ subjektive Erfahrung wurde hier und an anderer Stelle schon oft geschrieben. In diesem Blogbeitrag dient sie bedauerlicherweise als Argument, weshalb elektrische Sportwagen mit moderaten Leistungswerten und Anschaffungspreisen vermutlich eine deutlich kleinere Rolle spielen werden als ihre benzinschluckenden Vorfahren. Der Elektroantrieb kommt selbstredend ohne Getriebe aus und somit fällt ein für Sportwagen sehr charakteristisches Element von vornherein weg. Kaum jemand würde einen Fiat 850 Coupé, Caterham Seven oder Mazda MX-5 fahren wollen, ohne dabei die Gänge selbst zu sortieren.

Natürlich ist es technologisch ohne weiteres möglich, im Elektroauto einen Verbrennungsmotor mitsamt kurz übersetztem Getriebe zu simulieren und die Fahrerin oder den Fahrer mittels knackigem Schalthebel scheinbar wieder mehr am Geschehen zu beteiligen. Zusätzliche Gerätschaften an Bord lassen aber das Gewicht steigen und somit auch die Reichweite sinken, wobei selbst die beste Simulation unmöglich exakt denselben Eindruck wie eine Fahrt in unverfälschten “Originalen” wie dem Triumph Spitfire hinterlassen würde.

Die Lautäusserungen eines Verbrenners nachzubilden stellt ebenfalls keinen Autobauer vor gravierende Probleme. Automobil-Traditionalisten schütteln aber zuweilen schon ab dem modifizierten Motorsound moderner Premium-Gefährte den Kopf und einem rein elektrisch angetriebenen Wagen müsste noch einmal deutlich mehr Begleitmusik ankomponiert werden. Da stellt sich die Frage, ob die potenzielle Kundschaft synthetische Imitationen klassischer Symphonien dem zwar unattraktiven, aber immerhin ehrlichen E-Summen vorziehen würde.

Ein weiterer Punkt, der gegen eine kommende Flut von bezahlbaren Batterie-Sportlern spricht, ist das steigende Bewusstsein für die Endlichkeit der Ressourcen auf dem Planeten Erde. Auch die Herstellung eines elektrischen Autos verschlingt unzählige Tonnen an Rohstoffen und wenn ebendieses Auto dann lediglich sporadisch als Freizeit-Gefährt eingesetzt wird, ist es allermindestens teilweise gerechtfertigt, dessen Kosten-Nutzen-Verhältnis zu hinterfragen.

Möglicherweise sind atemberaubende Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeiten jenseits von Gut und Böse schlichtweg die einzigen oder zumindest besten Mittel, mit denen der elektrische Antrieb im Automobil unsere Dopamin- und Adrenalinspiegel in die Höhe zu jagen vermag. Doch wer weiss, vielleicht lancieren die Autohersteller schon bald nach der Etablierung der alltagstauglicheren E-Modelle auch Steckdosen-Sportler, die sich breitere Bevölkerungsschichten leisten können.

Mitte der Neunziger scheiterten die beiden US-amerikanischen E-Sportwagen Renaissance Tropica und Electricar GTP (Bild oben) vor allem am damaligen Stand der Technologie. Wären die interessanten Konzepte knapp drei Dekaden später verwirklicht worden, hätte sich dieser Blogbeitrag wohl um ein anderes Thema gedreht.

Falls Sie nun über die Zukunft des Sportwagens zu sinnieren begonnen haben, sind Sie natürlich herzlich eingeladen, Ihre Gedanken und Theorien unten in den Kommentaren mit den anderen Leserinnen und Lesern zu teilen. Wir sind gespannt…

Die fast unbegrenzten Möglichkeiten des Carrossiers

Bruno von Rotz
21.06.2022

MG TC Vignale von 1953 (© Bruno von Rotz)

Der Wagen auf dem oberen Foto sieht fast aus wie ein von Vignale karossierter Fiat 8V, nicht wahr? Weit gefehlt, es handelt sich dabei um einen MG TD, für den Giovanni Michelotti im Jahr 1953 eine Coupé-Karosserie zeichnete, die dann die Blechklopfer bei Vignale zum Meisterwerk formten und schliesslich auf das TD-Chassis stellten.

MG TD von 1950

Der MG TD selber glich mit seinen freistehenden Kotflügeln und Scheinwerfern eher einem Vorkriegsfahrzeug, bot aber wegen des separaten Fahrgestells eine gute Basis für neue Karosserien. Auch das Innenleben krempelte Michelotti zusammen mit Vignale ziemlich um.

Cockpit des MG TC Vignale von 1953 (© Bruno von Rotz)

Das Ergebnis überzeugt und wirkt um mindestens 10 Jahre jünger als die Ausgangsbasis.

MG TD Ghia Aigle von 1953 (© Bruno von Rotz)

Im gleichen Jahr karossierte Michelotti mit Ghia Aigle ebenfalls einen MG TD um. Wiederum entstand ein Einzelstück, das deutlich moderner wirkte als der originale TD, sich aber vom Vignale-TD deutlich absetzte.

Cockpit des MG TD Ghia Aigle von 1953 (© Bruno von Rotz)

Das Auto stand dann auch auf dem Genfer Autosalon und sorgte sicherlich für viel Bewunderung. Kleine Anmerkung: Das Radiogerät dürfte erst später dazugekommen sein.

Wäre es nicht toll, wenn man auch heute noch mit seinem BMW X1 oder Jaguar I-Pace zum Karosseriebauer gehen könnte, der einem einen moderneren und gefälligeren Aufbau für das angelieferte “Fahrgestell” gestalten würde? Natürlich ist dies heute weitgehend unmöglich, nicht zuletzt deshalb, weil es sehr aufwändig wäre, den Wagen hinterher zuzulassen.

P.S. Warum uns dies gerade jetzt eingefallen ist? Wir besuchten am Wochenende von 19. Juni 2022 die sehenswerte Michelotti-Ausstellung in Aigle, die nur noch kurze Zeit offen ist. Wir haben inzwischen dazu auch einen ausführlichen Bericht veröffentlicht.

Zwischengas publiziert in diesem Blog täglich einen Beitrag seit 2010

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