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"Le Mans" in Luzern

Daniel Reinhard
30.04.2022

Aufführung des Films "Le Mans" von Steve McQueen am 7. April 2022 im Verkehrshaus Luzern (© Daniel Reinhard)

Start war für einmal nicht 16 Uhr, sondern Punkt 18 Uhr, auch nicht in Frankreich, sondern im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. Das Ziel erreichte man nicht erst nach 24, sondern schon nach nur fünf Stunden, als im i-Max Kino am 7. April 2022 der Film "Le Mans" von und mit Steve McQueen sein Ende fand. Ein Film, der 1971 viele Millionen Dollar verschlungen hatte, aber dann in den Kinos überhaupt keinen Gefallen fand. Ein totaler Flop, wie man so schön sagt.

Aber heute, 51 Jahre später muss man einmal mehr sagen, dass des ein absolutes Kunstwerk ist, vor allem wenn man an Bildern grösseren Gefallen findet als an Dialog oder Handlung, denn gesprochen wird kaum und die Liebesgeschichte ist eine Randerscheinung. Gezeigt wird einzig und allein eine fingierte Dokumentation über ein berühmtes Auto-Rennen.

Auf der riesigen Leinwand des i-Max Kinos aber kommen die satten Car-to-Car Aufnahmen wie Sahnehäubchen daher. Man könnte dem Zweikampf der beiden unglaublich schönen Autos, dem Porsche 917 und dem Ferrari 512, locker 24 Stunden nonstop in ihre Lichter blicken.

Peter Mattli und Walter Brun anlässlich der Le-Mans-Vorführung im Verkehrshaus Luzern am 7. April 2022 (© Daniel Reinhard)

Genug geschwärmt, denn schliesslich war auch Prominenz vor Ort. So zeigten sich Walter Brun (Bild oben, Mitte) und Peter Mattli (links), die 1971 mit einem Porsche 907 am Klassiker teilgenommen hatten.

Porsche 907 von Brun/Mattli in Le Mans im Jahr 1971 (© Mark Le Beller)

Walti: "Als mich Dr. Helmut Marko mit dem 917K zum ersten Mal überholt hatte, fuhr ich zur Box, weil ich glaubte, dass mein Motor kaputt sei."
Peter Mattli: "Unser Auto lief gut 300 km/h, der Martini 917K von Marko aber lockere 400!"

Walter Brun und Peter Mattli anlässlich der Le-Mans-Vorführung im Verkehrshaus Luzern am 7. April 2022 (© Daniel Reinhard)

Die Zeit war anders vor 50 Jahren, das zeigt auch der Film wunderbar auf. Brun: "Damals war es ganz normal, dass ich in meinen Renn-Pausen auch mal nicht nur Wurst mit Kartoffelsalat eingenommen habe, sondern dazu auch noch ein richtiges Bier getrunken habe."

Neel Jani und der Porsche 917 von 1971, der in Le Mans gewann (© Daniel Reinhard)

Neel Jani (auf dem Bild zusammen mit dem Le-Mans-Sieger 1971, dem Porsche 917K), seit 2009 in Le Mans am Start, meinte:
"Jacky Ickx sagte mal zu mir: «Le Mans kannst du nicht gewinnen, Le Mans lässt dich gewinnen, wenn es dann auch will!»
2016 gewann ich nach grossem Rückstand, als wir eigentlich gar nicht mehr hätten gewinnen dürfen oder können, aber 2017 schied ich dafür mit Motorschaden (erster Porsche-Motorschaden seit 5 Jahren!) kurz vor Schluss aus, als ich mit meinem Vorsprung eigentlich schon gewonnen hatte. So ist Le Mans!"

Auch Daniel, der Sohn von Herbert Müller, in der Schweiz besser bekannt als “Stumpen-Herbi", war mit von der Partie, immerhin fuhr  sein Vater 1971 zusammen mit Richard Attwood im John Wyer Porsche 917 auf den sensationellen 2. Platz.

Beeindruckend aber war nach der Aufführung, wie viele der zahlreich anwesenden Race-Fans gestehen mussten, den Film "Le Mans" zum ersten Mal gesehen zu haben! Hätten sie schon 1971 die Kinos gestürmt, wer weiss, es hätte vielleicht zu einem Oskar gereicht.

Porsche 917 und 919 Hybrid im Verkehrshaus Luzern (© Daniel Reinhard)

Zwei Le Mans-Autos von Porsche sind aktuell im Verkehrshaus Luzern zu bewundern und sie werden vom 27. bis 29. Mai 2022 an der Oldtimermesse Swiss Classic World in Luzern gezeigt werden.

Porsche 919 Hybrid und 917K im Verkehrshaus Luzern (© Daniel Reinhard)

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Opel steht Kopf

Paul Krüger
29.04.2022

Gekreuzte Flaggen auf einem Opel Rekord P2

Der erste Blick hinterlässt nur das vage Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Erst beim zweiten Hinsehen fällt auf, dass die beiden gekreuzten Flaggen auf der Heckflosse dieses Opel Rekord P2 Caravan auf dem Kopf stehen. Das Eigenartige daran: der Kombi soll unrestauriert sein und noch Erstlack tragen. Die Politurreste an den Rändern des Zierteils verraten, dass die beiden Flaggen ihre ungewohnte Position nicht erst vor kurzem eingenommen haben. Gut möglich also, dass sie bereits im Werk in Rüsselsheim so angebracht wurden als gegen Ende der Nachtschicht kurz die Konzentration nachgelassen hat. Auf der rechten Seite sind die Flaggen nämlich richtig herum montinert.

Das Verdrehen von Emblemen scheint den Hessen häufiger zu passieren. Beim Opel Omega GL Diamant eines Freundes wurde aus dem Edelstein kurzerhand ein Eisberg – natürlich ebenfalls nur links.

Opel Omega GL Diamant

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Im Wagen vor mir (Autokennerquiz)

Paul Krüger
28.04.2022

Ein VW Polo 9N aus der Perspektive des Hinterherfahrenden

Den besten Blick haben wir beim Autofahren für gewöhnlich auf den Wagen vor uns. Teilweise fahren wir minutenlang hinter demselben Auto her und können es in allen Details studieren. Trotzdem prägen sich die Hinterteile von Autos längst nicht so sehr ein wie die Frontansichten. Oder etwa doch?

Bei unserem neuesten Autokennerquiz ist nicht nur der Inhalt, sondern tatsächlich die ganze Idee historisch. Bereits in der Oktober-Ausgabe von 1953 druckte die Zeitschrift "Hobby" ein Bilderrätsel ab, das zehn verschiedene Personenwagen aus der Perspektive des Hinterherfahrenden zeigt. Marke und Modell mussten von den Lesern erraten werden. Wir fanden die Idee so witzig, dass wir uns die Mühe gemacht haben, die 69 Jahre alten Originalbilder einzuscannen und Ihnen das Quiz in digitaler Form zur Verfügung zu stellen – natürlich nur zum Vergnügen. Zu gewinnen gibt es heute genauso wenig wie 1953.

Wollen Sie es versuchen? Hier geht’s direkt zum Autokennerquiz.

Autokennerquiz 135 - Wer hat mich da gerade überholt?

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Farben abseits der Norm

Bruno von Rotz
27.04.2022

Porsche 911 Turbo von 1976 - angeboten von RM/Sotheby's in Monaco 2022 (© RM/Sotheby's)

Heute sind Autos bekanntlich meist grau, respektive weiss oder schwarz lackiert. Richtige Farben sind die Ausnahme. Das war früher anders, aber schon vor 40 und mehr Jahren gab es Lackierungen, die offenbar den Massengeschmack nicht trafen.
Nur so ist es zu erklären, dass gemäss RM gerade einmal vier Porsche 911 Turbo des Baujahres 1976 in der Farbe Apfelgrün (“apple green”) die Fabrik verliessen (Bild oben).

Dino 246 GTS von 1975 - angeboten von RM/Sotheby's in Monaco 2022 (© Benjamin Hodara - CourtesyRM/Sotheby's)

Und auch die Lackierung “Rosso Cordoba” blieb beim Dino 246 GT/GTS etwas für den besonderen Connaisseur, nicht mehr als etwa 50 Dino-Fahrzeuge sollen in dieser Farbe verkauft worden sein.

Heute sind es oft gerade die exotischen Farben, die an Versteigerungen Höchstpreise produzieren. Und so erklärt sich dann auch der Schätzwert von EUR 225’000 bis 275’000 an der RM-/Sotheby’s-Versteigerung von Monaco am 14. Mai 2022 für den Porsche 911 Turbo von 1976, während die EUR 350’000 bis 400’000, welche für den Dino 246 GTS von 1975 als Wert angesetzt worden sind, eher auf dem Marktniveau für diesen Wagen liegen.

Porsche 928 von 1977 - angeboten von RM/Sotheby's in Monaco 2022 (© Alexander Babic - Courtesy RM/Sotheby's)

Wem diese Preise zu hoch sind, der sollte sich vielleicht den lindgrünen Porsche 928 von 1977 mit dunkelgrünem Pascha-Interieur anschauen …

Die grossen Messen sind passé

Daniel Reinhard
26.04.2022

Smilies trotz Maske - Retro Classics Stuttgart 2022 (© Daniel Reinhard)

Der Winter neigt sich mehr und mehr dem Ende entgegen und der Frühling ist nicht mehr zu stoppen. Auch die Zeit der grossen Messen liegt bereits hinter uns. Auf Paris, Essen und Stuttgart folgt eigentlich nur noch Luzern. Dann kehrt Ruhe ein, bis dann im Oktober die Tore in Padua wieder geöffnet werden. Nach der ewiglangen Corona-Pandemie-Zeit war es wieder schön ein fast schon normales Winterende zu geniessen.

Leider haben sämtliche Messen an Grösse und vor allem viel an Herstellerinteresse eingebüsst. Das Coronavirus alleine ist aber ganz sicher nicht der Hauptschuldige. Der politische Druck zur Elektrifizierung und Gegenbewegungen zum Verbrennungsmotor sind viel stärker als erwartet und dies drängt die ganze Historie doch deutlich aufs Abstellgeleise.

Die "Rétromobile" in Paris fand erstmals in neuen Halle statt, doch leider verlor dadurch die Messe viel an ihrem alten Flair. Die alten Hallen passten einfach besser zum historischen Kulturgut. Wenigstens feierte noch Renault ausgiebig ihren R5.

In Essen war das Herstellermanko am stärksten zu spüren, dafür liess in Stuttgart Porsche die Gruppe-C hochleben und stellte gleich fünf ihrer vor 40 Jahren erfolgreichsten Autos auf den Stand.

Ein paar wenige Fotos aus Stuttgart, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten, sind noch übriggeblieben. Es sind Bilder von Emotionen, wie sie Oldtimer-Messen doch immer wieder liefern, die zum Schmunzeln oder auch zum Nachdenken anregen. Zum Beispiel der Kopf voller “Smilies” trotz Maske (oben), …

Kein Überholen auf dem Anhänger (© Daniel Reinhard)

… das überholverbot auch auf der Ladebrücke des Pickups, …

Mahlzeit mit Abstand an der Retro Classics Stuttgart 2022 (© Daniel Reinhard)

… die Mahlzeit mit Abstand …

Nickerchen in der Pagode an der Retro Classics Stuttgart 2022 (© Daniel Reinhard)

… und die Mittagsruhe in der Pagode.

Wenn’s möglich ist, Ersatzteile vom Original-Zulieferer (Frage der Woche)

Bruno von Rotz
25.04.2022

Poll 206 - Ersatzteile

Wenn der Klassiker eine Reparatur benötigt, beginnt für einige Besitzer seltener Oldtimer eine lange Suche nach dem passenden Ersatzteil. Wenn das Angebot klein ist, muss man sich mit dem abfinden, was man kriegen kann. Für viele populäre Klassiker gibt es jedoch neben reichlich vorhandenen Originalteilen auch zahlreiche Nachfertigungen – mal von unabhängigen Firmen, mal direkt vom Hersteller. Qualität, Preis und Lieferzeit schwanken je nach Teile-Art und -Quelle.

Wir wollten von den Zwischengas-Lesern wissen, welche Ersatzteile sie in ihrem Klassiker verbauen und stellten entsprechend eine Frage der Woche : Welche Ersatzteile bauen Sie bevorzugt in Ihren Oldtimer ein?

Rund 40 Prozent der 325 Antwortenden präferieren hochwertige Neuteile vom Zulieferer, der idealerweise schon damals die Teile geliefert hat. Hier erscheint das Preis-Leistungs-Verhältnis am besten zu sein.

26,2 Prozent greifen am liebsten auf Neuteile aus Lagerbeständen, sogenannte “new old stock” (NOS) Teile zurück. Nichts geht über Erstausrüsterqualität.

Acht Prozent verwenden am liebsten gebrauchte Originalteile, schliesslich soll der Oldtimer so original wie möglich bleiben.

7,4 Prozent setzen ausschliesslich auf Neuteile vom Fahrzeughersteller, ein Porsche soll ein Porsche bleiben, ein Mercedes ein Mercedes.

Nur 0,9 Prozent geben sich mit Billig-Neuteilen aus dem Internet zufrieden.

Mit 17,5 Prozent war allerdings der Anteil derer, die mit keiner Antwort einverstanden waren, relativ gross. Gut möglich, dass sie auf einen Mix setzen oder bei unterschiedlichen Fahrzeugen verschiedene Strategien anwenden.

Hier die Ergebnisse noch in grafischer Form:

Poll 206 - Ersatzteile (Ergebnis)

Natürlich haben wir bereits die nächste Frage der Woche definiert. Dieses Mal wollen wir wissen, ob sich die Oldtimermessen nach der langen Pause zum Bessern geändert haben, oder ob das Gegenteil der Fall ist.

Und selbstverständlich können alle Ergebnisse der bisherigen “Fragen der Woche” im Themenkanal nachgelesen werden.

Der Reiz des Reizlosen an der Retro Classics Stuttgart

Paul Krüger
24.04.2022

Renault 9 von 1982 an der Retro Classics 2022 (© Daniel Reinhard)

"Wenn man die Wahl zwischen mehr als sieben Sorten Himbeermarmelade hat, kauft man am Ende Nutella." Während meines diesjährigen Besuchs auf der Retro Classics Stuttgart musste ich des Öfteren an diese grosse Weisheit von Dr. Eckart von Hirschhausen denken. Wer nämlich mit der Absicht, einen Mercedes-Benz 300 SL zu kaufen, nach Stuttgart gekommen war, konnte von der Auswahl schnell überfordert werden.

Nehme ich jetzt das weisse Coupé mit den Rudge-Rädern oder den schwarzen Roadster mit Chrom-Radkappen? Oder doch lieber den im wunderbaren, exzentrischen Erdbeerrotmetallic? Vielleicht ja auch das graue Coupé mit dem cognacfarbenen Innenraum. Oder einen der anderen sieben 300 SL, die sich über die fünf Messehallen verteilten. Porsche-911-Interessenten bot sich ein ähnliches Bild, dass die Entscheidungsfindung fast zu einem Stresstest verkommen liess, wollte man nicht den Falschen auswählen.

Erlösung fand sich in Halle 10 in Form eines Fiat Tipo und eines Renault 9 mit jeweils fünfstelligen Kilometerständen für rund 6000 Euro. Wer sich für Biedermänner aus den Achtziger interessiert, hatte keine Wahl: entweder diese, oder keine. Denn von keinem der beiden Modelle fand sich ein zweites Exemplar auf der Messe.

Solche Gurken sind keine Liebhaberstücke und gehören auf keine Oldtimer-Messe, sagen Sie? Da hat sicher jeder seine eigenen Vorlieben. Für die einen sind derartige Mauerblümchen das Salz, für die anderen das Haar in der Suppe. Aber immerhin sind sie 30 und 38 Jahre alt und damit zumindest altersmässig berechtigt, die Messehallen zu füllen – ganz im Gegensatz zu neuen Lamborghini Urus oder jungen Gebrauchten vom Schlage eines Mercedes-AMG GT. Allemal exklusiver sind Fiat Tipo und Renault 9 heute sowieso.

Ein Fiat Tipo für 5900 Euro auf der Retro Classics Stuttgart

P.S. Die Retro Classics 2022 ist noch bis heute abend am Sonntag, den 24. April 2022 für Besucher offen. Ein vollständiger Abschlussbericht über die Retro Classics Stuttgart folgt am Montag.

Wenn Sie ihren Augen nicht mehr trauen können

Daniel Reinhard
23.04.2022

Mercedes-Benz 770 Restomod an der Retro Classics Stuttgart 2022 (© Daniel Reinhard)

Trauen Sie wirklich ihren Augen, wenn auf der Autobahn plötzlich bei 160 km/h dieser Mercedes-Benz W150 Typ 770 aus dem Jahr 1938 in ihrem Rückspiegel anklopft und mit seinem Armen-Seelen-Licht nach Platz zum Überholen sucht?

Vermutlich glaubt in diesem Moment wohl jeder an eine Halluzination. Wie irre würde es dann erst sein, wenn dieses Ding mit gut 180 km/h an einem vorbeizieht und das Weite sucht?

Blick unter die Haube des Mercedes-Benz 770 Restomod an der Retro Classics Stuttgart 2022 (© Daniel Reinhard)

Ja, unter der Haube steckt hier nicht ein “normaler” 7,7-Liter-8-Zylinder 770 mit 169 kW, nein hier verrichtet das Aggregat aus dem ML 55 AMG mit gut 347 PS seine Arbeit unter der langen Haube.

Blick unter die Haube des Mercedes-Benz 770 Restomod an der Retro Classics Stuttgart 2022 (© Daniel Reinhard)

Power ist das eine, aber ob da auch die Bremsen und das Fahrwerk mitspielen, ist wohl eher eine andere Frage. Gut, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, der Strassenzulassung aber leider schon.

Leider war der Besitzer des abgesperrten Autos nicht ausfindig zu machen, denn das moderne ML-Cockpit wäre ein weiteres Foto wert gewesen.

P.S. Wer den monumentalen Benz gerne selber anschauen möchte, der sei auf die Retro Classics in Stuttgart verwiesen, die noch bis Sonntag, 24. April 2022 ihre Tore offen hat. Unser vollständiger Abschlussbericht über die Retro Classics Stuttgart 2022 folgt am Montag.

Design damals schöner als heute?

Bruno von Rotz
22.04.2022

BMW G70 versus E38 (© BMW AG)

Gerade eben hat BMW den neuen 7-er in ICE- und E-Version (G70) präsentiert, also mit Benzinmotoren (Internal Combustion Engine = ICE) oder als I7 mit Elektroantrieb.

Wer die ersten Pressebilder betrachtet, denkt vielleicht wehmütig an frühere 7-er-Generationen zurück, etwa den luftigen und eleganten E38, gebaut von 1994 bis 2001. Grosse Fensterflächen, eine (vergleichsweise) kompakt gehaltene Niere und ein Gewicht meist unter zwei Tonnen waren typisch für ihn.

Beim neuen G70 geht nichts mehr unter zwei Tonnen, schon der 735i hat ein Leergewicht von 2075 kg, das zulässige Gesamtgewicht wird mit 2785 kg angegeben. Beim i7 xDrive 60 sind es dann 2640 kg Leergewicht oder 3,25 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht.

BMW G70 von 2022 (© BMW AG)

Und dieses Gewicht ist auch äusserlich sichtbar, der “Neue” wirkt je nach Perspektive sehr massiv, mit riesiger Niere und Lichtschlitzen, die die Front noch bulliger und aggressiver wirken lassen. Es liegt auch an den Dimensionen: Der G70 ist fast 5,4 Meter lang, 1,95 Meter breit und 1,544 Meter hoch, kurz gesagt riesig.

BMW E38 mit V12-Motor (© BMW AG)

Da war der nun fast 30-jährige Vorgänger doch ein viel freundlicheres Auto mit niedriger Gürtellinie, grossen (fast runden) Scheinwerfern (Augen) und schlichter Eleganz. Dank deutlich kompakterer Dimensionen (4,99 Meter Länge, 1,86 Meter Breite und 1,43 Meter Höhe) wirkte er schon von Natur aus viel zierlicher, selbst in der abgebildeten Langversion, die noch etwas ausladender war.

Aber eben, das war halt damals …

Mein erstes Mal Zwischengas

Henri Weidmann
21.04.2022

Fiat 500 (© Weidmann)

Eines gleich vorneweg: Thema dieses Blog-Beitrags ist nicht meine erste Begegnung mit dieser Oldtimer-Plattform, schliesslich arbeite ich seit August vorigen Jahres als Praktikant bei Zwischengas. Vielmehr weist der Titel auf meinen allerersten Gangwechsel nach alter Schule hin. Wie bitte, mögen Sie nun erschrocken und empört aufschnauben, bei Zwischengas arbeiten Leute, die ebendieses Manöver beim Herunterschalten noch nie vorgenommen haben?

Bevor Sie nun einen Shitstorm heraufbeschwören, habe ich zu meiner Verteidigung vorzubringen, dass mir die Fahrtüchtigkeit erst vor 15 Monaten bescheinigt wurde. Und selbstverständlich bin ich schon davor in den Genuss unseres liebevoll „Tomate“ genannten Fiat Nuova 500 von 1973 gekommen, nur habe ich dessen entwaffnend ehrliche Einfachheit bis anhin nur vom Beifahrersitz aus erlebt. Heute soll sich das ändern.

Der kleine unsynchronisierte Fiat steht im Ohringer Industriegebiet nahe Winterthur und ich finde mich hinter dem (nicht originalen) winzigen Lenkrad wieder. Mein Vater erklärt mir das Startprozedere und gleich danach heisst es Schlüssel drehen, Choke ziehen und Anlasser betätigen. Je neun Pferde in zwei Ställen erwachen und scharren rhythmisch mit den Hufen. Nach ein paar Metern gemütlichen Dahintuckerns und einem Wendemanöver, das die Abwesenheit einer helfenden Servo-Hand deutlich zu Tage treten liess, schlägt die Stunde der Wahrheit. Auskuppeln, den zierlichen Schalthebel vom dritten Gang in die neutrale Stellung bewegen, Einkuppeln und simultan ordentlich aufs Gaspedal treten, erneut Auskuppeln, in den Zweiten schalten und die Kupplung sanft wieder schliessen lassen.

Am Lenkrad des Fiat 500 (© Weidmann)

Kurz durchschnaufen, die Premiere ist geglückt. Es folgen noch ein paar Repetitionen in selbiger statischer Umgebung, dann wird Kurs auf Andelfingen genommen. Ich erfahre, dass das Pilotieren eines gut 50-jährigen Kleinwagens Vorsicht im doppelten Sinn erfordert. Zum einen ermahnen die hauchzarten Türen und das Fehlen jeglicher Sicherheitssysteme zu einer defensiven Fahrweise, zum anderen verlangt das Zwischengas-Geben nach Zeit und somit auch nach vorausschauendem Blick.

Kurioserweise bereitet mir das Hoch- mehr Mühe als das Herunterschalten. Vermutlich bin ich zu ungeduldig und manövriere den Schalthebel nicht sachte genug, auf jeden Fall geht das Wechseln in den nächst höheren Gang stets mit einem mehr oder weniger ausgeprägten Ruck einher. Einzig das Schalten in den Dritten stellt mich mit seinen Regungen und Lautäusserungen regelmässig zufrieden. Allfällige Tipps hierzu dürfen sehr gerne in der Kommentarspalte platziert werden.

Zurück in Winterthur wird der Fiat mit einer Dusche für seine Mühen entlohnt. Die Fahrt in der knuffigen Kugel war erfrischend, aber auch intensiv. Das Herunterschalten erfordert Konzentration und geht mir noch nicht automatisch von der Hand und vom Fuss. Doch da die einfach gestrickte Tomate ungefiltert und unablässig über den Zustand des Strassenbelags  informiert und Gangwechsel mit einem herrlich metallischen „Klonk“ bestätigt, freue ich mich schon auf die nächste Ausfahrt mit Zwischengas.

Waschen des Fiat 500 (© Weidmann)

Zwischengas publiziert in diesem Blog täglich einen Beitrag seit 2010

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