Als schnelles Beschleunigen noch die Ausnahme war
“Nicht immer wurde dem Beschleunigungsverhalten eines Wagens so viel Bedeutung beigemessen wie heute. Die Zeiten, in denen die meisten Wagen der Mittelklasse länger als eine halbe Minute brauchten, um auf eine Geschwindigkeit von 100 km/h zu kommen, liegen nicht sehr lange zurück. Inzwischen beginnt sich in Europa, das mit seinen Straßen- und Verkehrsverhältnissen auf wendige und nicht allzu große Autos angewiesen ist, ein Trend abzuzeichnen, der vom verkehrstechnischen Standpunkt aus betrachtet nur zu begrüßen ist: die Beschleunigung wird besser”, so leitete Dipl. Ing. Gert Hack 1965, also vor 55 Jahren einen Artikel zum Thema “Wie sie beschleunigen” ein.
Natürlich dokumentierte Hack auch die Fahrleistungen zeitgenössischer Automobile und da gab es durchaus beträchtliche Unterschiede, die direkt mit der Motorleistung und dem gemessenen Fahrzeuggewicht zusammenhingen. Da “auto motor und sport” die Fahrleistungen mit vollem Tank und zwei Personen an Bord ermittelte, litten kleinere und leichtere Autos stärker am Zusatzgewicht der zweiten Person im Auto (und am vollen Tank), was Hack wichtig zu erwähnen schien.
Hier ein Ausschnitt der interessanten Messwerte von Autos, die Mitte der Sechzigerjahre gebaut wurden (zum Sortieren einfach auf die entsprechende Kolonnenüberschrift klicken):
| Fahrzeug | kg/PS o.B. | kg/PS 2 Pers. | 0-100 km/h s | 1 km mit stehendem Start in s |
|---|---|---|---|---|
| VW 1200 | 23.1 | 27.5 | 30.2 | 43.9 |
| Opel Rekord 1500 | 17.8 | 20.6 | 22.2 | 40 |
| Opel Rekord 1700 | 16.4 | 18.8 | 18.2 | 39.2 |
| Mercedes-Benz 190 | 16 | 17.9 | 17.6 | 37.7 |
| VW 1500 S | 16.8 | 19.8 | 17.5 | 38.2 |
| Opel Kadett S | 14.1 | 17.6 | 17.2 | 38.8 |
| Ford 12 M TS Coupé | 13.3 | 15.6 | 15 | 36.1 |
| Glas 1700 | 12.7 | 14.6 | 14.8 | 36 |
| Fiat 1500 | 13.3 | 15.3 | 14 | 34.9 |
| Mercedes-Benz 220 S | 12.7 | 14.1 | 13.5 | 34.5 |
| Porsche 912 | 11.1 | 12.8 | 13.5 | 33.4 |
| BMW 1600 | 13.1 | 14.9 | 13.4 | 35 |
| Ford 20 M TS | 11.7 | 13.4 | 12.3 | 34.6 |
| Glas 1204 TS | 11.4 | 13.5 | 11.9 | 33.6 |
| Glas 1300 GT | 12.1 | 13.9 | 11.9 | 33.5 |
| Porsche 356 SC | 10.1 | 11.7 | 10.7 | 30.6 |
| BMW 1800 ti | 10.3 | 11.7 | 10.5 | 32 |
| Opel Diplomat | 8.4 | 9.2 | 9.9 | 31.4 |
| Mercedes-Benz 300 SEL | 9.5 | 10.4 | 9.8 | 30.5 |
| Mercedes-Benz 230 SL | 9.3 | 10.3 | 9.7 | 29.7 |
| Ford Mustang T5 | 7 | 7.8 | 9.2 | 29.6 |
| Exclalibur SS | 3.7 | 4.2 | 8.9 | 26.9 |
| BMW 1800 TI/SA | 7.3 | 8.3 | 8.9 | 29.5 |
| Alfa Romeo Sprint GTA | 7.5 | 8.9 | 8.8 | 29.9 |
| Buick Riviera | 6 | 6.4 | 8.6 | 30.3 |
| Porsche 911 | 8.4 | 9.6 | 8 | 28 |
| Porsche 904 GTS | 3.9 | 4.7 | 5.5 | 24.8 |
Zum Vergleich gibt es heute nur noch wenige Autos, die überhaupt auf mehr als 10 kg pro PS kommen und eine Beschleunigungszeit von 0 bis 100 km/h unter zehn Sekunden ist eigentlich schon fast Voraussetzung, um im heutigen Markt auf Stückzahlen zu hoffen (Ausnahmen bestätigen die Regel).
Interessant ist auch, dass es 1965 schon (fast) eines reinrassigen Rennwagens bedurfte, um auf eine Zeit unter sechs Sekunden zu kommen für den Spurt von 0 bis 100 km/h. Heute schaffen dies auch komplett alltagstaugliche Limousinen. Das Erlebnis, schnell zu beschleunigen, dürfte allerdings in einem Porsche 904 GTS damals deutlich grösser gewesen sein, als dieselbe Prozedur in einem heutigen Golf GTI mit DSG und mannigfachen elektronischen Hilfen.
Die kompletten Vergleichswerte und die Erklärungen von Gert Hack lassen sich natürlich im Zwischengas-Zeitschriftenarchiv nachlesen.

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