Ein Ziel, zwei Wege, ein Name - Fiat Multipla

Bruno von Rotz
11.09.2015

Fiat 600 Multipla 1957 (© Darin Schnabel - Courtesy RM / Sotheby's)

Vor 60 Jahren, als der Fiat 600 präsentiert wurde, waren Autos viel kleiner als heute. Dies bedeutet aber nicht, dass es nicht auch Leute mit Verlangen nach mehr Raum und Grösse gab.

So stellte Fiat dem vier- bis fünfsitzigen Fiat 600 den Fiat 600 Multipla mit sechs Sitzen in drei Reihen (oder zwei Sitzreihen und mehr Kofferraum) zur Seite. Der kleine Raumriese war vielfältig nutzbar, daher der Name «Multipla».

Innen grösser als aussen

Für maximale Raumausnutzung setzte man auf die Frontlenkerbauweise und man gestand den Grossteil der fünf Quadratmetern Grundfläche (ein moderner Mini weist übrigens 6,23 Quadratmeter auf) den sechs Passagieren zu.

Querschnitt des Fiat 600 Multipla

Das ganze Gefährt war nur 700 kg schwer und man konnte weitere 400 kg zuladen.

Fiat 600 Multipla 1957 (© Darin Schnabel - Courtesy RM / Sotheby's)

Rundum wurden Einzelradaufhängungen montiert und der wassergekühlte Vierzylinder mit 633 cm3 leistete knapp über 20 PS. Dies reichte für 101 km/h Höchstgeschwindigkeit und einen Benzinverbrauch um sechs Liter pro 100 km.

Heizung geben Aufpreis

6300 Franken kostete der Fiat 600 Multipla in der Schweiz, 4990 DM in Deutschland, die Heizung kostete allerdings 180 DM Aufpreis. Aber mit sechs Personen an Bord wurde es wohl auch ohne dieses Zubehör warm.

Der Wagen wurde geliebt und zwischen 1956 und 1965 wurden 129’994 Exemplare produziert. Taxifahrer, Heimwerker und Grossfamilien nutzten den kleinen Grossen gerne und viel. Und wem der Wagen zu langsam war, der konnte sich bei Carlo Abarth Tuningsätze kaufen, die den Minibus auf 38 PS und weit über 120 km/h Spitze hinaus brachten.

Multipla zum Zweiten

Dann war Pause ... bis 1999 wiederum ein Fiat Mulitipla die Welt beglückte, nun mit Frontmotor und angetriebenen Vorderrädern. Man hatte den Namen behalten und auch die Idee, auf geringer Fläche viel Platz anzubieten.

Fiat Multipla 1999 (© Fiat Group / Werk)

Auch beim Mulitpla für das neue Jahrtausend gab es sechs Sitzplätze, dieses Mal aber waren sie in zwei anstatt drei Reihen angeordnet. Und damit wurde der neue Multipla zum Liebling der Kinder, denn nun gab es vorne diesen zusätzlichen attraktiven Mittelsitz, direkt zwischen Mama und Papa.

Innenraum des Fiat Multipla 1999 (© Fiat Group / Werk)

Beim neuen Multipla, gebaut zwischen 1999 und 2010 setzte man voll auf die Karte “Frau”. Riesige Glasflächen schafften viel Übersichtlichkeit und erleichterten das Parken. Mit 4,1 Meter war der Wagen genügend kurz, um die meisten Parklücken zu meistern. Nur in der Breite forderten die sechs Sitze Kompromisse, denn mit 1,9 Meter war der Wagen doch arg füllig geraten.  Aber dafür strotzte er nur so von Ideen mit Praxisnutzen.

Ungewöhnliches Aussehen

Am meisten aber polarisierte das Design, denn die fast senkrecht stehenden Seitenwände, die riesigen Glasflächen, die weit aussen platzierten Räder und vor allem die Front, die mit einem zusätzlichen Blechwulst unterhalb der Windschutzscheibe und darin eingebauten Lampen für eine ungewöhnliche Optik sorgte, machten den Wagen unverwechselbar, allerdings nicht unbedingt schön.

Frontansicht des Fiat Multipla 1999 (© Fiat Group / Werk)

2004 wurde das Aussehen der übrigen Fiat-Palette angeglichen, was den Wagen zwar etwas weniger skurril, dafür aber auch deutlich gewöhnlicher werden liess.

Kunst?

Die ursprüngliche Variante von 1999 jedenfalls schaffte es in das New Yorker Museum of Modern Art, wenn das keine Ehre war.

Technisch entsprach der Multipla den Trends der Zeit, allerdings gab es ihn mit drei verschiedenen Antriebskonzepten, nämlich mit vorne liegenden Benzin-, Diesel- und Erdgasmotoren und 90 bis 120 PS. Die Engländer liebten ihn wegen seines agilen Handlings, in anderen Märkten kam der spezielle Italiener weniger gut an, trotz der Flexibilität, die das Sitzsystem mitbrachte.

Wertsteigerung

Die Fiat 600 Multipla erreichen heute an Versteigerungen (die nächste Gelegenheit ist in Hershey am 9. Oktober 2015 , wenn RM den abgebildeten Multipla unter den Hammer bringt) bereits Wertnotierungen, die fünf- bis zehnmal über dem damaligen Anschaffungswert liegen. Ob dies dem Nachfolger des neuen Milleniums auch gelingen wird, muss man erst noch sehen.

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