Von den Wenigen, denen zwei Leben gegönnt sind ...

Daniel Reinhard
24.09.2015

Ferrari 250 GT SWB (© Daniel Reinhard)

Es gibt sie tatsächlich, die Glückspilze mit zwei Leben. Ex-F1-Pilot David Coulthard, seine damalige Verlobte Heidi Wichlinski und der persönliche Fitnesstrainer, Andrew Matthews, haben den Absturz eines Learjets auf dem Flughafen der französischen Stadt Lyon am 2. Mai 2000 nur leicht verletzt überlebt. Der Pilot und der Copilot der Maschine kamen dabei ums Leben. David Coulthard zum Absturz:" Ich hatte wirklich gedacht, wir würden alle sterben. Ich hatte ein paar geprellte Rippen, Heidi und Andrew nur Schürfwunden und Prellungen. Es ist ein Wunder! Wir konnten kaum glauben, dass wir noch lebten." Coulthard ist einer der Glücklichen mit zwei Leben.

David Coulthard (© Daniel Reinhard)

Ähnlich erging es am 14 September 1965, also vor fast exakt 50 Jahren, Rolf Schneeberger, als er in Interlaken "seinen" Venom-Militär-Kampfjet aus der Kontrolle verlor. Der erst 24-jährige Swissair- und Kampfjet-Pilot startete in Interlaken zum ersten Mal mit Vollast, um im Gelände einen Erdkampfangriff mit der Salto-Technik zu fliegen. Das Programm "Salto", ein Angriffsverfahren welches das Unterfliegen von feindlichen Radarstationen ermöglichte, musste unter kriegsnahen Bedingungen mit Vollast geflogen werden, das heisst der Jet, eine Venom, startete mit zwei Bomben à 400 kg, vier Kanonen, Raketen und 2250 kg Kerosin Gewicht an Bord.

Venom Kampfflugzeug

In Interlaken musste aus topographischen Gründen nach dem Start sofort eine Linkskurve in Richtung Rugenlücke geflogen werden. Durch das hohe Startgewicht musste nach der bereits sehr langen Startrollstrecke noch etwas gerade aus geflogen werden um Geschwindigkeit aufzubauen bevor die Kurve eingeleitet werden konnte. Dadurch brauchte es mehr Querlage, nämlich rund 60 Grad anstelle der üblichen 20 bis 30 Grad. Dies führte dazu, dass die Strömung am Flügel teilweise abriss und das Flugzeug nicht mehr steuerbar war.

Rolf Schneeberger in der Schweizer Tageszeitung “Blick”: "Als ich das Flugzeug mit dem Querruder aufrichten wollte, reagierte das Steuer nicht. Die Maschine war in der Längsachse nicht mehr steuerbar."
Er lenkte den Flieger noch Richtung Wald oberhalb der Rugen-Brauerei und als die Bäume schon sehr nahe waren, aktivierte er den Schleudersitz und rettete damit sein Leben. Schneeberger: " Ich zog nur noch am Griff über mir, dann verlor ich für kurze Zeit das Bewusstsein."

Der heute 74-Jährige landete nur Sekunden später unterhalb der Rugenbräu AG ohne einen einzigen Kratzer. Sein grosses Glück war, dass das Cockpit der Maschine vom Hang weg zeigte, so dass er knapp die Mindesthöhe für den Fallschirm hatte und auch nicht gegen den Hang geschleudert wurde. Er kletterte ohne fremde Hilfe zur Rugenbräu AG und fragt dort die fassungslosen Mitarbeiter nach seiner Maschine. Der heute 83 jährige Walter Schmocker kann sich noch genau erinnern, wie Schneeberger mit dem Helm unterm Arm auf ihn zu kam und sich nach seiner Maschine erkundigte. Die Venom zerschellte nur wenige Meter entfernt von der Brauerei im Wald. Als sich Schneeberger am Stützpunkt zurückmeldet schaut er nur in die fassungslosen Gesichter seiner Kollegen und Vorgesetzten, da diese die Öffnung des Fallschirmes nicht mitbekommen hatten.

Nach einem kurzen Check beim Flieger-Arzt sowie beim Psychologen im Fliegerärztlichen Institut in Dübendorf sass der junge Pilot bereits einen Tag später wieder im Cockpit.

Ferrari 250 GT SWB (© Daniel Reinhard)

Was aber hat diese Geschichte, die sich fast ausschliesslich um Flugzeuge zu drehen scheint, auf "zwischengas" zu suchen? Rolf Schneebergers Herz hat nicht nur Platz für Flugzeuge, sondern auch für Autos. Eine wunderschöne Sammlung heissblütiger Italiener steht in seiner Garage und er ist ein oft gesehener und äusserst beliebter Gast bei historischen Veranstaltungen. Mit seinem Prunkstück, einem Ferrari 250 SWB (ex Tour de France und Siegerfahrzeug der 1000Km von Paris 1960 in Monthlery mit Olivier Gendebien am Steuer) nahm er dieses Jahr unter anderem auch an der Saalbach-Classic teil.

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