Mit Holz unterwegs im Opel Kadett City BiFuel

Bruno von Rotz
30.07.2015

Opel Kadett City von 1974

Von vorne sieht er aus wie ein normaler Opel Kadett City 1200. Kaum etwas würde den besonderen Status verraten. Doch halt, was macht dieses Auspuffrohr im Kühlergrill?

Rohr zum Austritt des Gases im Kühlergrill des Opel Kadett City von 1974

Genau, dies ist kein Lufteinlass, sondern ein Auslass. Hier tritt nämlich von der Holzvergasereinrichtung im Heck produziertes, aber im Motor nicht benötigtes Gas aus.

Gasaustritt während des Warmlaufends des Holzvergasers am Opel Kadett City

Von der Seite betrachtet erkennt man sofort den grossen, rund 90 kg schweren aus dem Jahr 1947 stammenden Anbau, der diesen Opel Kadett City zu einem Wagen macht, der auch mit Holz betrieben werden kann. An “BiFuel” als Begriff hätten natürlich die Entwickler der Anlage in den Vierzigerjahren nicht gedacht.

Opel Kadett City mit Holzvergaseranlage aus dem Jahr 1947 und Ersatztreibstoff für rund 120 km auf dem Dach

In den Vierzigerjahren entstanden überall aufwändig konstruierte Holzvergaseranlagen, die an Fahrzeugen wie dem Citroën Légère oder auch dem Ford V8 montiert vom nicht verfügbaren Benzin unabhängig machten.

Holzvergaser am Opel Kadett City von 1974

Allerdings war das Fahren mit Holz, der Kadett City verspeist am liebsten trockendes Hartholz, z.B. den Abfall, der bei der Herstellung von Davoser-Schlitten entsteht, deutlich aufwändiger als die benzinbasierte Fortbewegung. Denn man tankte ja nicht einen konfektionierten Treibstoff, sondern ein Rohprodukt, das erst noch in für den Motor bekömmliches Gas umgewandelt werden musste.

Was dies bedeutet, konnten wir mit dem Opel Kadett City in der Praxis sehen. Zuerst wird rund 6-10 kg Holz eingefüllt, zudem will die Anlage mit Wasser versorgt werden. Dann kann man anfeuern. Bis man losfahren kann, vergehen locker 30 Minuten. Doch produziert und filtert die Anlage erstmals mit stabilem Durchsatz Gas, kann der Wagen fast wie ein normaler Benziner gestartet werden und auch gefahren werden.

Zusätzliche Kontrollinstrumente im Opel Kadett City mit Holzvergaseranlage

Allerdings empfiehlt es sich, die speziellen Kontrollinstrumente stets im Auge zu halten und frühzeitige Leistungsabfälle wegen Engpässen im Gasnachschub zu antizipieren. Auch ist eine gleichmässige Fahrweise angesagt, denn ausgeprägte Bremsmanöver mag der holzbetriebene Opel nur beschränkt.

Überflüssig produziertes Gas wird beim Opel Kadett City mit Holzvergaseranlage abgelassen, wenn der Motor es nicht aufnehmen kann

Man rechnet mit rund 40% Leistungsverlust gegenüber käuflichem Tankstellenbenzin, beim Kadett City bleiben also etwa 40 PS übrig. Auf flacher Strecke kommt man damit also gut vorwärts, doch sobald es eine Steigung hochgeht, wird der Wagen immer langsamer.

Und spätestens nach 20 oder 30 km muss man sich um das Nachtanken kümmern, will heissen, man füllt die nächsten 7 bis 10 kg Holz in den Brenner. Dabei versucht man, sich nicht zu verbrennen, denn die Anlage ist nun empfindlich heiss. Etwa 5 bis 10 Minunten dauert der Boxenstopp, dann ist man für die nächsten 20 oder 30 km gerüstet, sofern nicht unterwegs Verstopfungen oder Nachschubsunterbrüche im Brenner oder den nachfolgenden Filtern entstehen. Ja, für gestresste Manager von heute wäre ein solches Auto wohl nichts, obschon im Notfall auch einmal mit Benzin gefahren werden kann.

Ein umfangreicher Artikel über den Holzvergaser-Opel und seine Hintergründe ist für die übernächste Ausgabe der SwissClassics Revue im Entstehen.

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