Fortschritt? Drei Generationen Spitzenklasse im Vergleich

Bruno von Rotz
04.07.2015

Dreimal Mercedes-Benz S-Klasse W 109, W 116, W 126

Das war wohl nicht mal den Journalisten-Kollegen von damals vergönnt! Drei S-Klasse-Generationen aus drei Jahrzehnten innert weniger Tage zu fahren. Sie waren der Limousinen Massstab der Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahre, die Mercedes-Benz -Baureihen W 108/109, W 116 und W 126.

Mercedes-Benz 300 SEL 6.3 1967

Der W 108/109 wurde von 1965 bis 1972 gebaut, das Spitzenmodell hiess 300 SEL 6.3 mit Luftfederung und über sechs Liter grossem V8-Motor (M 100 aus dem 600-er).

Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 1973

Es folgte der W 116, produziert von 1972 bis 1980, den es als 450 SEL 6.9 wiederum mit dem nun noch grösseren V8 M100 mit 6,9 Liter Hubraum gab.

Mercedes-Benz 500 SE 1983

Als Nachfolger wurde 1979 der W 126 präsentiert, der von Anfang an einen Leichtmetall-Fünfliter-V8-Motor erhielt, womit der alte M 100 Motor nicht mehr benötigt wurde. Immerhin gab es ab 1985 bis 1991 auch noch einen 560 SE/SEL.

Und wie lassen sich diese Wagen nun vergleichen? Vom Charakter her sind sie erstaunlich ähnlich. Selbst mit der Spitzenmotorisierung verlocken sie kaum zum Rasen pder Räubern, aber immer zu schnellem Gleiten. Sie rollen dabei alle komfortabel ab und lassen sich ohne jeglichen Kraftaufwand fahren. Sie überzeugen mit Laufkultur und guten Manieren. Und mit "Wertigkeit", spürbarer Qualität basierend auf sorgfältiger Entwicklung und Produktion. Auch heute noch.

Interieur des Mercedes-Benz 300 SEL 6.3 1967

Setzt man sich von einer dieser S-Klassen in die nächste, beginnend mit dem W 109, dann kann man den Siegeszug des Kunststoffs sehr gut mitverfolgen, aber auch den Trend zu strafferen, stärker stützenden Sitzen.

Interieur des Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 1973

Die Lenkräder werden dicker, doch selbst die S-Klasse der Achtzigerjahre darf noch nicht auf ein Lederlenkrad zurückgreifen. Die Komfortelektrik nimmt mit jeder neuen Variante zu.

Interieur des Mercedes-Benz 500 SE 1983

Wurden Rückspiegel in den Sechziger- und Siebzigerjahren noch manuell und ohne elektrische Unterstützung eingestellt, hilft in den Achtzigerjahren zumindest beim Beifahrerspiegel bereits der Strom. Heizung/Belüftungsanlagen wurden immer ausetüftelter und auch das Radio legte an Komfort deutlich zu.

Optisch sind die Unterschiede grösser. Vom filigranen Chrom und zurückhaltenden Gesicht des W 108/109 zum fast schon protzigen Auftreten des W 116 bis zum funktionellen Äusseren des W 126 kann man die vorherrschenden Meinungen und Zielsetzungen der Zeit direkt wieder sehen. Besser muss nicht immer schöner heissen, schneller nicht immer eleganter.

Die S-Klasse war immer ein Pionier. Neuerungen, die erstmals in der grossen Baureihe von Mercedes-Benz eingeführt wurden, fand man 3, 5 oder 10 Jahre später oft auch in der Mittelklasse und einige Jahre darauf vielfach auch im Kleinwagen. Vielleicht wirken diese Limousinen deshalb so modern, vor allem der 30-jährige W 126.

Am besten würde man sich gleich alle drei in die Garage stellen, als fast perfekte Zeitzeugen ...

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