Der Charme des Krachens und Kratzens

Bruno von Rotz
21.07.2015

Schalthebel Jaguar E-Type

Wir sind ja so verwöhnt heute. Die wenigen handgeschalteten Fahrzeuge, die man heute noch kaufen kann, lassen leichtgängige und komplett geräuschlose Gangwechsel zu. Zwischengas unnötig. Gefühlsvolles Bewegen des Schalthebels durch die Gassen reiner Luxus. Das war früher anders! So manches Getriebe widersetzte sich gerne den Versuchen des Piloten, elegante und geräuscharme Schaltmanöver zu tätigen. Im Gegenteil, es kratzte im Getriebe und krachte in der Kraftübertragung, dass sich mancher Pilot wegen seiner offenbar fehlenden Fahrkünste schämen musste.

Schalthebel Austin-Healey

Kein Wunder, griffen mancher Eigner zu moderneren Getrieben und liess eine Moss-Viergangschaltbox durch ein modernere Getrag-Variante ersetzen oder griff gleich zu einem Getriebe aus einem moderneren Auto, das halt irgenwie in den alten Wagen einpassbar war. Zwar steigt der Schaltkomfort damit sicherlich an, doch bleibt nicht auch etwas auf der Strecke? Gehört es nicht gerade dazu, dass die alten Autos halt nicht so einfach zu fahren sind und mehr Sorgfalt benötigen? Ist nicht der Lustgewinn beträchtlich, wenn man dann tatsächlich einmal einen Gang butterweich einlegen kann, weil man die richtige Portion Zwischengas gegeben hat?

Schalthebel Austin Seven

Wir sind letzthin ein über sechzigjähriges Auto mit moderner (nachgerüsteter) Fünfgangschaltung gefahren, dessen Schaltpräzision vorbehaltlos überzeugte und deren drehzahlsenkende oberste Fahrstufe dem Wagen und seiner Nutzbarkeit sicher zum Vorteil gereicht. Doch wir haben uns am Schluss dann doch gefragt, ob bei dieser Modifikation nicht auch ein Teil des Fahrspasses verloren gegangen ist und ob der Klassiker mit der Aufrüstung nicht auch einen Teil seines Charmes verloren hat ...

Archivierte Einträge:

von mo******
29.07.2015 (14:12)
Antworten
Ein altes Auto ist ein altes Auto. Diese Erfahrung machen manche Leute leidvoll. Ein Bekannter von mir ist in den letzten Jahren nur mit modernen Autos der gehobenen Mittelklasse gefahren und hat sich vor einiger Zeit einen Oldtimer zugelegt. Und nun liegt er mir ständig in den Ohren: der Wagen braucht Öl, das Getriebe lässt sich schwer schalten, da und dort hört man ein Geräusch. Ganz normal, meine ich, so ist das eben bei einem 50 Jahre alten Auto. Wenn man so ein Auto fährt, muss man sich an einige Unzulänglichkeiten gewöhnen.
von tr******
28.07.2015 (10:21)
Antworten
Hallo,
man muß halt mit der alten Technik umgehen können, eine Gewöhnungssache.
In meinem Fall fahre ich seit 37 Jahren einen Triumph TR 4 Bj.63, der hat von zuhause aus schon ein sehr gut zu schaltendes Getriebe mit synchr. ersten Gang, keine Probleme. Ok, beim Einlegen des Rückwärtsganges kann es ein wenig knarzen wenn man zu forsch vorgeht. Aber im Normalbetrieb braucht man nur eine halbe Sekunde länger pro Schaltvorgang ( und minimalen Kraftaufwand mehr) als bei einem modernen Auto.
Ich käme nie auf die Idee irgendein anderes, moderneres Getriebe in meinen Oldie zu implantieren, natürlich auch keinen Motor der den Charakter total verfälschen würde.
Kleines Zugeständnis war allerdings der Einbau einer Volvo Diaphragma Kupplungsscheibe, an sich aber nur aufgrund höherer Langlebigkeit.
J.Renardy
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