Wenn automobile Raritäten dem Feuer zum Opfer fallen

Bruno von Rotz
12.07.2015

Brand in Winterthur - verkohlte Reste eines W 126 SEC Coupés (© Kapo Zürich)
(Bilder: © Kapo Zürich)

Es war ein Schock für Balz Oertli, dem in der Szene bekannten Sammler und Kenner der Mercedes-Baureihen W 126, W 116, W 140 usw., als er von der Feuersbrunst hörte und den Schaden vor Ort in Augenschein nahm. 

Die Meldung der Kantonspolizei dazu liest sich nüchtern: “Bei einem Grossbrand in einer ehemaligen Ziegelei in Winterthur-Töss ist in der Nacht auf Mittwoch (8.7.2015) ein Schaden in der Höhe von mehreren Millionen Franken entstanden. Zwei Personen wurden leicht verletzt. Kurz vor 3.30 Uhr ging bei der Einsatzzentrale von Schutz & Rettung Zürich die Meldung ein, dass an der Dättnauerstrasse der Gebäudekomplex der ehemaligen Ziegelei brenne. Angehörige der Berufsfeuerwehr Winterthur rückten unverzüglich aus. Sie wurden unterstützt von den Feuerwehren Wiesendangen und der Stützpunktfeuerwehr Wallisellen. Trotz des sofortigen Löscheinsatzes wurde ein Grossteil der gewerblich genutzten Liegenschaft zerstört. Die genaue Brandursache ist zurzeit nicht geklärt und wird durch den Brandermittlungsdienst der Kantonspolizei Zürich untersucht. Der entstandene Schaden wird auf mehrere Millionen Franken geschätzt.”

Brand Winterthur - Luftaufnahme Winterthur Dättnau (© Kapo Zürich)

In dieser historischen Liegenschaft, die der Feuerstbrunst zum Opfer fiel, war die Mercedes-Benz Sammlung von Balz Oertli untergebracht. Sie wurde beim Brand komplett zerstört, womit auch seltene und einmalige Zeitzeugen vergangener Jahrzehnte vernichtet wurden.

“Es ist weniger der finanzielle, als der ideelle Schaden, der mich schmerzt”, meinte Oertli im Gespräch. Tatsächlich befanden sich in der Ziegelei nicht unbedingt sehr teure, aber sehr seltene und besondere Autos.

Monteverdi Tiara am Genfer Autosalon 1982

Peter Monteverdi baute 1981 drei Limousinen des Typs Tiara, die allesamt auf dem Mercedes-Benz W 126 basierten, aber ein verändertes Karosseriekleid zeigten . Eine grössere Produktion war geplant, sogar eine Einigung mit Mercedes und ein Vertrieb über deren Händlernetz schien möglich, als Monteverdi den Tiara 1982 am Genfer Autosalon präsentierte. Doch daraus wurde nichts und es blieb bei den drei Exemplaren, die allesamt im Firmenbesitz blieben, bis Balz Oertli eine der drei Limousinen kaufen konnte. Es war eines seiner Lieblingsfahrzeuge, jetzt ist es bis auf das bare Metal verbrannt, kann nicht mehr gerettet oder neu aufgebaut werden.

Ähnlich erging es einer Duchatelet-Limousine, von der nur 25 gebaut wurden. Nummer 14 wurde ein Opfer der Flammen. Insgesamt 24 Fahrzeuge aus Oertlis Sammlung verkohlten, darunter mehrere Limousinen der S-Klassen-Baureihe W 140, Coupés und Limousinen der Baureihe W 126 und ein  Coupé der Baureihe W 107. Fast jedes dieser Autos war besonders, da entweder spannende Besitzer dahinterstanden oder die Konfiguration sehr selten war. Und sie alle wurden ohne Rücksicht auf Kosten mit viel Liebe und Aufwand in bestem Zustand gehalten. Jetzt sind sie alle unwiderruflich verloren. Nur eine gute Handvoll Autos sind Oertli geblieben, da sie nicht in der Ziegelei in Winterthur untergebracht gewesen waren.

Neben den Autos ist auch ein grosses Teillager abgebrannt, in dem sich unter anderem seltene Sitzbezugsstoffe auf Bahnen befanden, viele Felgen, Ersatz- und Zubehörteile. Auf rund 1000 Quadratmeter konnte halt so einiges versorgt werden.

Brand Winterthur - 24 Autos zerstört (© Kapo Zürich)

Auf die Frage, ob er jetzt nochmals neu anfangen würde, die Sammlung wieder aufzubauen, verneint Balz Oertli. Man spürt, wie ihn der Verlust schmerzt und man kann es verstehen, denn wenn jemand Jahrzehnte in eine Autosammlung investierte, immer wieder Autos kaufte, um die Perlen zu finden, die die Sammlung krönten, dann ist es unendlich frustrierend, wenn all dies auf einmal zerstört wird.

Archivierte Einträge:

von hinti.org
14.07.2015 (18:45)
Antworten
Der absolute Horror für jeden Oldtimerliebhaber - dem Geschädigten meine volle Anteilnahme!
Absolut inakzeptabel war jedoch die Reaktion des Liegenschaftbesitzers im Lokalfernsehen. Sein schelmisches Grinsen über die kaum verbergbare Schadenfreude, dass "durch dummen Zufall" den Auflagen des Heimatschutzes ein Schnippchen geschlagen wurde, verriet einiges. Ohne etwas unterstellen zu wollen: als Brandermittler würde ich den Aufenthaltsort dieses Herrn zur Brandzeit sehr genau abgeklärt wissen...!
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