Der Tod im F1-Rennsport und die öffentlich bekundete Anteilnahme

Daniel Reinhard
31.07.2015

Der Unfall von Francois Cevert vor vielen Jahren

Am Dienstag, dem 21. Juli 2015, nur wenige Tage vor dem Formel-1-Rennen in Ungarn, wurde der am 5. Oktober 2014 beim Grand Prix von Japan schwer verunglückte Franzose Jules Bianchi in Nizza zu Grabe getragen.

Jules Bianchi in Monaco (© Daniel Reinhard)

Ganze neun Monate lag er mit schwersten Kopfverletzungen im Koma bis am 17. Juli für ihn und seine Familie endlich die Erlösung kam.

Jules Bianchi (© Daniel Reinhard)

Ein Unfall, wie man ihn sich vorher nicht hätte ausdenken können, beendete die noch junge Karriere des Franzosen. Rund 20 Jahre nach Ayrton Senna und Roland Ratzenberger musste ein weiterer Formel-1-Pilot mit seinem Leben bezahlen. Damit steigt die Zahl derer, die bei ihrer Leidenschaft ihr Leben verloren, auf 33.

Abschiedsgrüsse auf der Rennstrecke werden fotografiert (© Daniel Reinhard)

Die Anteilnahme aller Beteiligten war noch nie vorher so gross wie jetzt in Ungarn bei Bianchi. Sämtliche Autos inclusive der GP2 und GP3 zierte eine Aufschrift wie "Ciao Jules",  "Jules nei nostri cuori", "JB17" usw.

Alle Helme der F1-Piloten waren mit einer Aufschrift versehen. Die meisten Kollegen waren auch in Nizza bei der Trauerfeier anwesend. Die Anteilnahme war gross, sehr gross.

Anteilnahme der F1-Fahrer am Tod Jules Bianchis (© Daniel Reinhard)

Dem war früher nicht so. Selbst beim brasilianischen Ausnahmetalent Ayrton Senna wurde 1994 einzig bei Williams der Name nach dem Unfall sichtbar am Auto verewigt, dies allerdings bis heute. An einigen Rennstrecken erinnern bis heute Büsten des Brasilianers an dessen unbestrittene Fahrkünste

In Montreal wird der 1982 in Zolder tödlich verunglückte kanadische Ferrari-Pilot Gilles Villeneuve bis heute gegrüsst. Die Aufschrift "Salut Gilles" erinnert jährlich an den sympathischen, aber verrückten Draufgänger.

Trauer um Gilles Villeneuve (© Daniel Reinhard)

Da es früher wesentlich mehr tödliche Unfälle gab, wurde der Tod von den Kollegen lieber  verdrängt. Nur die engsten Freunde des Verunglückten trafen sich an den Gräbern, aber zwei Wochen später wurde ohne jeglichen Trauerflor ins nächste Abenteuer gestartet.

Noch immer wird der Motorsport als extrem gefährlich abgestempelt. Aber die Sicherheit hat sich derartig verbessert, dass über 20 Jahre trotz einiger spektakulären Unfälle (man erinnere sich nur an jenen von Robert Kubica in Kanada) kein Fahrer tödlich verunglückte oder eine bleibende Behinderung davonzog. Felipe Massa war der Einzige, der knapp einer Katastrophe entkam, als ihm eine verlorene Schraube von Baricchellos Auto durch das Helmvisier oberhalb des rechten Auges eindrang.

Jules Bianchi`s Unfall war von ihm selbst nicht ganz unverschuldet, da er unter diesen Umständen und gelber Flagge wohl zu schnell unterwegs war. Dass er aber ausgerechnet in den Kranwagen  einschlagen musste, war riesengrosses Pech. Jo Siffert pflegte immer zu sagen: “Jeder Mensch wird mit einem Scheckheft geboren. Bei jedem Unfall wird davon ein Scheck aus dem Heft gerissen. Keiner weiss wie viele Schecks er hat und daher auch nich,t wann er seinen Letzten verliert.”

Bianchi verlor ihn am 5. Oktober 2014 in Suzuka, mit gerade einmal 25 Jahren.

Die in der Formel 1 tödlich verunfallten Piloten

Pilot Marke/Team Jahr Ort/Strecke Kommentar
Onofre Marimon Maserati 1954 Nürburgring im Training
Eugenio Castellotti Ferrari 1957 Modena bei Testfahrten
Luigi Musso Ferrari 1958 Reims  
Peter Collins Ferrari 1958 Nürburgring  
Stuart Lewis-Evans Vanwall 1958 Ain Diab  
Harry Schell Cooper 1960 Sil verstone  
Chris Bristow Cooper 1960 Spa  
Alan Stacey Lotus 1960 Spa  
Ciulio Cabianca Cooper 1961 Modena bei Testfahrten
Wolfgang Graf Berghe von Trips Ferrari 1961 Monza  
Ricardo Rodriguez Lotus 1962 Mexico  
Carel Godin de Beaufort Porsche 1964 Nürburgring im Training
John Taylor Brabham 1966 Nürburgring  
Lorenzo Bandini Ferrari 1967 Monte Carlo  
Bob Anderson Brabham 1967 Sil vers tone bei Testfahrten
Jo Schlesser Honda 1968 Rouen  
Piers Courage De Tomaso 1970 Zandvoort  
Jochen Rindt Lotus 1970 Monza im Training
Jo Siffert BRM 1971 Brands Hatch  
Roger Williamson March 1973 Zandvoort  
François Cevert Tyrrell 1973 Watkins Glen im Training
Peter Revson Shadow 1974 Kyalami bei Testfahrten
Helmut Koinigg Surtees 1974 Watkins Glen  
Mark Donohue Penske 1975 Zeltweg Warm-Up
Tom Pryce Shadow 1977 Kyalami  
Ronnie Peterson Lotus 1978 Monza  
Patrick Depailler Alfa Romeo 1980 Hockenheim bei Testfahrten
Gilles Villeneuve Ferrari 1982 Zolder im Training
Riccardo Paletti Osella 1982 Montreal  
Elio de Angelis Brabham 1986 Le Castellet bei Testfahrten
Roland Ratzenberger Simtek 1994 Imola im Training
Ayrton Senna Williams 1994 Imola  
Jules Bianchi Marussia 2014 Suzuka  

 

Archivierte Einträge:

von bs******
04.08.2015 (08:17)
Antworten
Jeder Tote im Rennsport ist einer zu viel und es ist richtig das man Ihm gedenkt! Aber die Ursache liegt Eindeutig beim Fahrer, es ist nicht die Art der Räumung, noch das Fehlen des SC, sondern einzig und allein das nicht beachten der Flaggen. Leider ist seit Jahren der Respekt von diesem und vor allem gegenüber den Kommissaren komplett abhanden gekommen, ein schönes Beispiel ist ein Clip von 1994 oder 95 an gleicher stelle. Auch der SC hätte nicht geändert, hätte Bianchi in vor sich gefunden wäre er passiert, aber wohl eher wäre dieser schon an der Stelle vorbei gewesen. Abgesehen das die 17 nicht unbedingt bei denn meisten Beliebt ist, ist der Entscheid wohl eher von den beiden Todt's, aber ist das wirklich etwas in seinem Gedenken, wie viele werden oder hätten bei dieser Nummer an Bianchi gedacht?
Antwort von bs******
04.08.2015 (08:20)
Übrigens das erste Foto ist wohl eher Williamson in Zandvoort 1973.
von mi******
31.07.2015 (23:05)
Antworten
Hochbezahlte Angestellte erleiden einen tödlichen Arbeitsunfall. Tragisch für die Hinterbliebenen, keine Frage. Wenn am Bau einer vom Gerüst fällt, kräht kein Hahn nach ihm. Ist irgendwie tragischer.
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