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Peugeot 202 - genügsamer Franzose mit verschleierten Augen

Erstellt am 25. April 2012
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Balz Schreier 
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Bruno von Rotz 
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Archiv 
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Speziell war der Peugeot 202 weder wegen seiner Technik, noch seiner grundsätzlichen Architektur. Einzigartig waren die hinter dem Kühlergrill verborgenen Lampen, die dem Kleinwagen aus Paris einen hohen Wiedererkennungsgrad verschafften.

Geboren knapp vor dem zweiten Weltkrieg

Im April 1938 lancierte Peugeot einen modernen Nachfolger für das Modell 201. Ausgelegt auf vier Personen und etwas Gepäck, sollte der Wagen vor allem durch Energieökonomie und als Vielzweckfahrzeug überzeugen.

Konventionelle Ansätze

Technisch ging Peugeot mit dem 202 keine Wagnisse ein. Ein Kastenrahmenchassis mit einem Radstand von 2,45 Metern bildete die Basis für die Ganzstahlkarosserie. Ein Vierzylindermotor mit dreifach gelagerter Kurbelwelle und obengesteuerten Ventilen produzierte 30 PS aus 1’133 cm3 Hubraum, welche über ein Dreiganggetriebe an die Hinterräder übertragen wurden. Vorne waren die Räder einzeln aufgehängt, hinten hingen sie an einer Starrachse.

Rund 7 bis 8,5 Liter Benzin verbrauchte das Fahrzeug gemäss Hersteller pro 100 km, die Höchstgeschwindigkeit des rund 800 kg schweren Fahrzeugs lag bei 100 km/h.

Während der zehnjährigen Bauzeit wurden immer wieder Verbesserungen eingeführt, eine der wichtigsten war wohl der Ersatz der Seilzugbremsen durch hydraulisch betätigte Trommelbremsen.

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Mit Holzkohle und Holzkohlengriess durch den Krieg

Während dem zweiten Weltkrieg lag nicht nur die Produktion von Personenwagen weitgehend lahm, auch Benzin war Mangelware. Wer trotzdem fahren wollte und konnte, dem bot der sogenannte Holzvergaser die Möglichkeit, mit Holzkohle zu fahren. Findige Tüftler wie ein Herr Christen bauten aufwändige Einrichtungen, um aus dem Holz gefiltertes Gas zu generieren, das sich für den Antrieb eines Automobils eignete.

Die Automobil Revue hatte im Jahr 1942 die Gelegenheit, einen mit einem Christen-Generator ausgerüsteten Peugeot 202 zu prüfen.

Peugeot 202 von 1938 mit Christen-Generator im Jahr 1942

Die Tester zeigten sich richtiggehend begeistert, dass der kalte Wagen nach nur einer Minute “Ventilierens” gestartet werden konnte. Rund 11,9 kg Holzkohle genügten bei vorsichtiger Fahrweise für eine Fahrt über 100 km. Während die Fahrleistungen konstruktionsbedingt unter der Minderleistung des gasbetriebenen Fahrzeugs litten, beschrieben die AR-Redakteure die notwendigen Anbauteile (Gaserzeuger hinten, Reiniger vorne) als wenig störend.

Peugeot 202 von 1938 mit Christen-Generator für Holzvergasung im Jahr 1942

Besonders fasziniert waren sie davon, dass neben Holzkohle (deutsche Buche) auch Holzkohlengries (hälftig Tanne und Buche) verwendet werden konnte. Das Fahrzeuggewicht war um gut 200 kg angestiegen. 

Verschiedene Varianten

Neben der viertürigen Grundvariante bot Peugeot auch eine viersitzige Cabriolet-Limousine und ein zweisitziges Cabriolet mit vesenkbarem Verdeck, sowie eine Kombiversion, die “202u Commerciale” genannt wurde und Heckflügeltüren bot, an.

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Zehn Jahre in Produktion

104’126 Fahrzeuge des Typs 202 wurden zwischen 1938 und 1948 hergestellt, 15’000 Exemplare verliessen wohl im Schnitt pro tatsächliches Produktionsjahr - zwischen 1942 und 1946 wurden nur geringfügige Stückzahlen gebaut - die Fabrik. Die meisten Kunden griffen zur viertürigen Limousine.

Einfach zu fahren?

Rund 50 Seiten umfasst die Betriebsanleitung für den Peugeot 202, aber erst auf Seite 47 tauchen eigentliche Instruktionen zum Einsatz des Fahrzeugs auf, knapp vier Seiten werden insgesamt für die Fahrhinweise verwendet. Der Rest der Anleitung erklärt die Technik und gibt Hinweise für Wartung und Instandhaltung.

Es wird im Handbuch empfohlen, die Brennstoff-Pumpe von Hand zu betätigen, wenn die Witterung kalt ist. Nach den (damals) vor Fahrantritt üblichen Kontrollen (Schmierung, Benzin, Wasser, Reifendruck, Werkzeug und Ersatzteile an Bord) kann mit dem Startprozedere begonnen werden. Das liest sich wie folgt:

“Wenn der Fahrer seinen Platz eingenommen hat, muss er sich davon überzeugen, dass der Schalthebel auf Leerlauf steht und der Bremshebel angezogen ist. Dann die Zündung einschalten, Knopf drücken, den “Starter”-Knopf herausziehen, den Anlasser-Knopf ziehen und sofort wieder loslassen, sobald der Motor läuft. Darauf achten, dass der Motor in kaltem Zustande nicht zu hohe Tourenzahlen dreht.”

Bei kaltem Motor wird zusätzlich empfohlen, diesen mit der Handkurbel einige Male durchzudrehen.
Dann folgen die Instruktionen, um den Wagen in Bewegung zu setzen:

“Zur Fortbewegung drücke man mit dem linken Fuss das Kupplungspedal ganz hinunter und bewege den Schalthebel zuerst seitlich nach links und ziehe in nach hinten. Empfindet man einen Widerstand, wende man ja keine Kraft an, sondern man lasse das Kupplungspedal herauf, indem man den Schalthebel zurückgehen lässt, und drückt es wieder nieder, indem man den Schalthebel wieder betätigt. Ist der Schalthebel nun im Ersten, lässt man langsam die Kupplung ein, indem man den linken Fuss allmählich hebt und gleichzeitig, nachdem man den Bremshebel gelöst hat, den rechten Fuss auf das Gaspedal niederdrückt.”

So geht es weiter und die Fahrerei leidet nicht nur unter der hanebüchenen Übersetzung, sondern auch an fehlenden Illustrationen.

Selbstversuch

in Tat und Wahrheit stellt einen das Fahren eines Peugeot 202 nicht vor grössere Herausforderungen, als man sich bei Fahrzeugen der Periode 1940 bis 1960 sowieso gewöhnt ist. Das Schaltschema folgt dem H-Schema, der erste (nicht synchronisierte) Gang liegt links hinten. Hat man nach Einlegen der weiteren (synchronisierten) Gänge ungefähr 60 km/h erreicht, fühlt man sich schon richtig schnell. Auf eine Erkundung der Spitze von 100 km/h will man sich gar nicht einlassen, so gross ist der Spass schon bei tieferen Geschwindigkeiten.

Man geniesst die recht gute Übersichtlichkeit, die kompakten Ausmasse und das serienmässige Schiebedach, das den Blick nach oben freigibt.

Der Motor hängt recht gut am Gas und trötet lustig sein Vierzylinder-Lied. Die bei späteren Modellen verbauten Hydraulikbremsen verzögern den Wagen zuverlässig und man will gerne glauben, dass der 202 ein beliebtes Gefährt war bis in die Fünfzigerjahre hinein.

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Zwischen Käfer und Olympia

6’850 Franken kostete der kleine Peugeot im Jahr 1948 in der Schweiz, damit lag er etwa in der Mitte zwischen VW Käfer (Typ 11) und Opel Olympia. Heute sind diese Fahrzeuge selten geworden, wer Glück hat kann vielleicht eine Limousine für eine knapp noch vierstellige Euro-Summe oder das Äquivalent in CHF finden, während die Cabriolets nur sehr selten angeboten werden. Restaurationen lohnen sich aus ökonomischer Sicht kaum, vieles muss nachgefertigt werden, oft ist viel Improvisation gefragt. 

Umso erfreulicher ist es, wenn man wieder einmal einen dieser Klassiker zu Gesicht bekommt und gar fahren darf, wie es uns die Oldtimer Galerie in Toffen ermöglichte..

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von C2******
09.07.2013 (09:45)
Antworten
Hallo, weitere Infos zu Vorkriegs-Peugeot und viele historische Fotos findet ihr auf der Homepage des deutschen Peugeot Vorkriegsregisters - www.vorkriegs-peugeot.de

Gruß Michael
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