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Bild (1/15): Fiat Panda 45 (1983) - asymmetrische Front ist gefällig (© Bruno von Rotz, 1983)
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    Der erste Fiat Panda - die tolle Kiste

    19. März 2011
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Fiat Group / Werk 
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    Die tolle Kiste”, so nannten die deutschen Marketing-Spezialisten den Fiat Panda. Und sie lagen der Wahrheit damit wohl näher, als die Fiat-Manager, die den Kompakt-Wagen, in Abkehr von der bisherigen rein auf Zahlen bezogenen Namensgebung, nach einer Bärenart benannten. Das Aussehen des Autos erinnerte schliesslich eindeutig an eine Schachtel oder eben Kiste.

    Fiat Panda 45 (1982) - die Werbung schlägt Kapital aus dem günstigen Preis und dem tiefen Gewicht
    © Zwischengas Archiv

    Höchstmass an Innenraum bei minimalsten Aussenmassen

    Dies war aber durchaus gewollt, denn das Pflichtenheft, das der Designer Giugiaro 1976 erhalten hatte, las sich wohl beinahe wie die Quadratur des Kreises und war durch die Nachwirkungen der Energiekrise und die generell unsicheren Zeiten geprägt: Der Wagen sollte wirtschaftlich preisgünstig zu produzieren sein, ein Höchstmass an Innenraum bei minimalsten Ausmassen und geringem Gewicht aufweisen und über eine Heckklappe und einen vielfältig wandelbares Interieur verfügen. Und das Resultat verdient volle Punkte. Die Grundfläche des Ur-Pandas, gebaut von 1980 bis 2003 (!), beträgt nur 4.9 Quadratmeter, das ist 1.3 Quadratmeter oder 21% weniger als ein moderner Mini. Ein Ur-Mini und ein Smart sind kleiner, aber die schaffen es auch nicht, vier Erwachsene einigermassen kommod von A nach B zu bringen. Und diese Fähigkeit hatte der Fiat Panda und sogar das effizient gepackte Reisegut konnte im 272 Liter grossen Kofferraum mitreisen.

    Wandelbares und praktisches Interieur

    Das Interieur des Ur-Pandas liess unterschiedlichste Konfigurationen zu, vom Lieferwagen mit 1088 Liter Stauraum bis zur fast vollständig flachen und raumfüllenden Liegelandschaft. Dass die Sitze eher wie Gartenstühle und die Sitzbank hinten wie eine Hängematte aussahen, tat dem Komfort keinen Abbruch.

    Fiat Panda 45 (1981) - geräumiges Interieur mit liegestuhlartigen Sitzen
    © Zwischengas Archiv

    Alles war auf “praktisch” ausgerichtet, auch die durchhängende Ablagenfläche unter der Frontscheibe.

    Kein Design-Meilenstein

    Ein auf maximale Raumausnützung und günstige Produktion optimiertes Fahrzeug wird wohl nur selten schön sein, die planen Blech- und Glasflächen beim Panda prägten die bereits erwähnte Schachtel-Ähnlichkeit. Interessant an den ersten Pandas war die asymmetrische Front und die hochgezogenen Kunststoff-Seitenflanken aus Glasurit. Diese tendierten allerdings dazu, über die Zeit immer heller und fleckiger zu werden, was das Auto noch unansehnlicher zu machen drohte.

    Fast eine Cabrio-Limousine

    Im Jahre 1981 ergänzte Fiat die Zubehörliste des Pandas mit einem doppelten Rolldach, das die Sonne ins Innere liess, wenn man mal die Öffnungsprozedur - selbstverständlich vollständig manuell - hinter sich gebracht hatte. Mit dieser Offenheit, die nur durch einen schmalen Steg und den aufgerollten Plastikdächern unterbrochen wurde, konnte man sich im Panda schon fast wie in einer Cabrio-Limousine fühlen. Der Aufpreis war gering, in Deutschland wurden rund 300 DM für das Rolldach verlangt.

    Ein bisschen Temperament

    Natürlich konnte man von einem 903 cm3 grossen und 45 PS starken Motor  - die 30 PS starke Zweizylinder-Version spielte in den deutschsprachigen Märkten keine Rolle - nicht sportwagen-artige Fahrleistungen erwarten, aber dank des geringen Gewichtes war das Mitschwimmen im Verkehr kein Problem. Den Sprint von 0 auf 100 km erledigte ein früher Frontantrieb-Panda in rund 18 Sekunden, der Dauertestwagen von Auto Motor und Sport schaffte den Sprint sogar in nur 16.5 Sekunden. Bei der Höchstgeschwindigkeit war bei gut 140 km/h Feierabend, genug für die zu Beginn der 80-er-Jahre limitierten Autobahnen der meisten Länder. Das Getriebe liess sich mit dem gummi-ummantelten Mittelschalthebel passabel schalten, die Zahnstangenlenkung war mit 3 1/2 Umdrehungen genügend direkt, die Bremsanlage (vorne Scheiben-, hinten Trommelbremsen) war dem Temperament jederzeit gewachsen. Das Fahrwerk und dessen Abstimmung waren auf Sicherheit getrimmt, Untersteuern und geringe Lastwechselreaktionen waren das Resultat.

    Ökonomie lässt Tankwart erblassen

    Der Fiat Panda wog rund 700 kg und schaffte mit seinem 45-PS-Motor Durchschnittsverbräuche um 7 Liter, 8 Liter waren nur bei fast ständigem Vollgaseinsatz machbar, 6 Liter bei vorsichtiger Fahrweise möglich. Die Zeitschrift Auto Motor und Sport kam in ihrem Dauertest über 50’000 km auf 7.5 Liter pro 100 km, andere schafften aber auch 6.8 Liter pro 100 km über viele Tausend Kilometer. Dies waren trotz der kompromissbehafteten Aerodynamik und älterer Motorkonstruktion hervorragende Werte, weshalb deutsche Werber einen Tankwart sagen liessen, dass er zum ersten Mal in 20 Jahren ein Auto fürchten müsse. Es kam dazu, dass der Tank mit 35 Litern die Rechnung beim Tanken immer tief hielt. 

    Die Ökonomie setzte sich aber auch beim Unterhalt fort. Fiat hatte zum Beispiel die Bremsanlage so konzipiert, dass die hinteren Räder früher zu bremsen begannen, womit die Bremsbeläge des Autos rund 10% länger halten sollten. Auch die Wartung des anspruchslosen Motors riss keine grossen Löcher in die Taschen der Besitzer, wie der 50’000-km-Langstreckentest von Auto Motor und Sport im Jahre 1981 enthüllte. Es waren eher kleine Defekte und Probleme, die Freude an dem Auto etwas trübten, insgesamt wurde der Panda aber als “weitgehend problemloses Alltagsmobil” beschrieben und das Auto das Blechkleid wies nach dem Dauertest keine nennenswerte Rostschäden auf.

    Der ökonomisch denkende Mensch freute sich aber bereits bei der Anschaffung: CHF 8’490.- oder DM 9’390.- kostete ein weitgehend vollständig ausgestatteter Panda 45 bei der Markteinführung, das war ein Wort!

    Fiat Panda 45 (1981) - erstaunlich viel Stauraum - Abbildung aus dem Verkaufsprospekt von 1981
    © Zwischengas Archiv

    23 Jahre Evolution

    Der kleine Fiat wurde während seiner über zwanzigjährigen Bauzeit stetig weiterentwickelt. Der aus dem Fiat 127 stammende Vierzylinder-Motor wurde durch moderne Fire-Aggregate ersetzt, die Vergaser wurden elektronisch gesteuert und später durch eine Einspritzung ersetzt, das Design wurde mehrmals überarbeitet, der unkonventionelle und in Wagenfarbe gehaltene Kühlergrill musste schon 1983 einem konventionelleren schwarz gerippten Modell weichen, vorbei war es mit der Individualität. Sogar ein 4x4-Modell mit Steyr-Puch-Antriebstechnologie gab’s und machte den Panda zum Kraxler.

    Man kennt sich

    Der Fiat Panda war insbesondere im Herkunftsland aus dem Strassenbild der 80-er-Jahre kaum wegzudenken, aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz kam das asketische Raumwunder gut an, nicht zuletzt auch wegen der originellen Werbung speziell in Deutschland, die in einen über Werbeflächen führenden Disput zwischen der Deutschen Bahn und dem Fiat Panda mündete.

    Fiat Panda (1983) - so sah ein fast neuer Fiat Panda mit Rolldach aus
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Viele haben wohl mit einem Panda erste Fahrerfahrungen gemacht oder fuhren einen als Studenten oder Lehrlinge. Manche Ferienerinnerung ist mit der “tollen Kiste” verknüpft und diverse Wohnungsumzüge konnten nur dank des grossen Stauraumes des Pandas günstig durchgeführt werden. in den letzten Jahren wurden die Pandas aber immer seltener auf unseren Strassen.

    Heute ein Oldtimer, wenn man einen findet

    Die ersten Fiat Pandas der Baujahre 1980 und 1981 sind über 30 Jahre alt und damit bereits Oldtimer. Die meisten dieser Fahrzeuge wurden jedoch vom Rost dahingerafft oder landeten auf dem Schrottplatz, selbst vor Einführung der Abwrackprämie. Einen gut erhaltenen Fiat Panda der ersten Baureihen zu finden, dürfte der gerne zitierten Suche einer Nadel im Heuhaufen gleichen. Eine aktuelle Recherche auf den grossen Online-Plattformen bringt tatsächlich keinen einzigen Panda 45 mit asymmetrischem Kühlergrill zu Tage! Wer also jetzt auf den Geschmack gekommen ist, wird eine ganze Weile suchen müssen und wohl einen richtigen Liebhaberpreis zahlen müssen. Es könnte sich aber trotzdem lohnen, denn das rustikale Auto macht viel Freude und die ihm anerzogenen Talente (Raumökonomie, Sparsamkeit, etc.) passen gut in die heutige Zeit.

    Andere Artikel zum Thema Fiat Panda

    • AR 43/1979 (18. Oktober 1979), Seite 43: Die grossen Kleinen kommen - Erwähnung des Fiat Panda “Schnappschüsse aus der heutigen Entwicklungsarbeit bei Fiat Auto”
    • AR 7/1980, (14. Februar 1980), Seite 25 und 27): Fahrbericht “Panda - neues Sparmodell von Fiat”
    • AR-Katalog 1980, Seite 56: Schnittzeichnung Fiat Panda

    • AR 24/1980 (5. Juni 1980), Seite 37: 12. MobilFiat Economy Run

    • AR 17/1983: Test Fiat Panda 45 Super
    • Auto Motor und Sport, Nr. 5/80, Seite 56, Fahrbericht Fiat Panda
    • Auto Motor und Sport, Nr. 16/80, Seite 96, Test Fiat Panda 45
    • Auto Motor und Sport, Nr. 20/81, Seite 76, Dauertest Fiat Panda 45 (50’000 km)
    • Auto Motor und Sport, Nr. 23/81, Seite 64, Vergleichstest von sechs Kleinwagen: Fiat Panda 45, Austin Mini Metro L, Citroën LNA, Lancia A 112 Junior, Peugeot 104 ZL, Suzuki Alto FX
    • Auto Motor und Sport, Nr. 4/83, Seite 74, Test Fiat Panda 45 Super
    • Auto Illustrierte Nr. 6/1981, Seite 50, Test Fiat Panda 45

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    18.04.2013 (20:15)
    Giorgetto Giugiaro nannte den Fiat Panda als den Wagen, auf den er am meisten stolz sei
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