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Pantheon Graber Sonderausstellung 2019/2020

Es schmerzt!

Daniel Reinhard - 19.12.2014

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Titelblatt der Schweizer Illustrierte im März 1967 mit Charles Vögele, Jo Siffert, Herbert Müller und Silvio Moser

Als einer der ganz grossen, aber auch beruflich vorbelasteten Motorsport-Fans, muss ich leider mit Schmerzen feststellen, dass sich der Stellenwert dieses vor Jahren noch super-geilen Sportes im freien Fall befindet. Das Interesse sinkt schon fast täglich. Die Zuschauerzahlen am Fernsehen von F1-Rennen nehmen von Rennen zu Rennen ab.

Da helfen auch keine künstlichen Spannungsmacher, wie doppelte Punkte im letzten Rennen, um die Einschaltquoten zu steigern. Genauso kontraproduktiv ist die Aufstockung der Rennen auf rund 21 Veranstaltungen pro Jahr.

Der Motorsport MUSS wieder zurück zu seinen Wurzeln. 16 Rennen sind genug, denn so kann man sich auf jeden einzelnen Event freuen. Dazu muss der Sport für jeden einfach und leicht verständlich sein. Zuviele Regeln die eh keiner versteht, versalzen nur die Suppe. Es muss möglich sein, wie beim Fussball oder Skirennen, sich mitten im Rennen zuzuschalten und sofort zu erkennen, wer, wo, wie, was da los ist.

Der Fernseh-Kommentator sollte nicht die ganzen 110 Minuten lang, Rennen für Rennen, Regeln und Vorschriften erklären müssen, sondern sich viel mehr auf die Charakteren der Piloten konzentrieren können und spannende oder lustige Hintergründe erzählen.

Aber Halt, diese Stories sind im Sport ja leider auch Tabu. Alles was ein Fahrer von sich gibt, bringt er heutzutage selbst auf Facebook und der ganze Rest darf auf keinen Fall ans Tageslicht der Öffentlichkeit.

Schon in den Nachwuchsformeln lernen die Jungen zukünftigen Weltmeister den Umgang mit den Medien: Grosses Reden rund um den Brei, ohne dabei etwas zu sagen. Pressekonferenzen sind zur Farce geworden.

Das war früher anders. Ich erinnere mich noch genau an den grossen Gala-Abend mit Preisverleihung anlässlich meines ersten Indy 500 Rennens. Alle 33 Fahrer kamen in der Reihenfolge ihrer Klassifizierung auf die Bühne. Jeder lobte sein Team für dessen grossartige Arbeit, völlig egal, wieviele Runden er mit dem “Koffer” fahren konnte. Zu jener Zeit sprach ein Regazzoni auch schon mal von einer "unfahrbaren Kiste" und keiner fühlte sich in irgend einer Form beleidigt. Die Resultate sprechen ja sowieso immer für sich, da hilft auch keine gespielte Euphorie der Fahrer.

Die Emotion im Sport gingen in den vergangenen Jahren fast komplett, langsam aber sicher verloren. Körperbeherrschung zählt heute für den Sportler von Klein auf zum A und O. Völlig egal ob Frust oder Wut sich in ihren Bäuchen breit macht, sie stehen da und strahlen um die Wette.

Man erinnere sich an die Siegerehrung in Imola 1982, als Didier Pironi Gilles Villeneuve den Sieg gestohlen hatte. Ohne jegliche Bildlegende erkannte man auf sämtlichen Podest-Fotos, dass Villeneuve mit dem Ausgang des Rennens in keiner Weise zufrieden war. Doch heute ziehen sich die siegreichen Fahrer zur Ehrung sogar noch um. Auch nach einer zweistündigen Extrem-Belastung in der tropischen Hitze Malaysias stehen die Drei wie eine Eins auf dem Podest.

Schade um Szenen wie in Ungarn, als Piquet sich vor Erschöpfung hinsetzen, oder Senna in Imola aus dem McLaren gehievt werden musste und erst mit Verspätung auf dem Podest erschien. Noch extremer war es vor dem Krieg bis in die späten Fünfzigerjahre, als die Sieger mit schwarzen Gesichtern aus dem Lorbeerkranz lachten. Leider wird der Sport immer deutlicher zu einem Marketing-Event, emotionslos und langweilig.

Was brachte mich eigentlich auf die Idee zu diesem Blog? Ja genau, der "Credit Suisse Sports Award" vom vergangenen Sonntag. Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? Bei der Nomination der je zehn Kandidaten und Kandidatinnen zum Award fehlte eine Sportart komplett. Schwinger, Skifahrer, Tennisspieler, Langläufer, Mountain-Biker, Handballer, Snowboarder, Biathleten, Triathleten, Leichtathleten, Kunstturner und Eishockey-Spieler, sie alle waren vertreten. Der nunmehr dreifache Le Mans Sieger und Ex-Weltmeister Marcel Fässler fehlte einmal mehr, genauso wie auch der frischgebackene WEC-Weltmeister Sebastien Buemi. Wie können solche Sportler vergessen gehen. Ich glaube nicht, dass man in den Siebzigerjahren einen Siffert oder Regazzoni vergessen hätte, auch ohne Le Mans Siege und WM-Titel. Es tut im Herzen weh zu erkennen, dass der Motorsport, leider auch durch grosses Eigenverschulden der Beteiligten, massiv an Attraktivität verliert.

Ich kann nur an alle Beteiligten appellieren: Leben und leben lassen, zurück zu den Wurzeln, weniger diskutieren, dafür mehr fahren, einfachere Regeln, den Rennen freien Lauf lassen, Berührungen akzeptieren und sich an den Emotionen der Piloten erfreuen. Die Fans kommen von selber, sobald wieder richtiger Rennsport geboten wird.

Auf ein Titelbild der damals grössten Schweizer Familienzeitschrift, der Schweizer Illustrierten, wie am 13. März 1967 mit Charles Vögele, Jo Siffert, Herbert Müller und Silvio Moser oben abgebildet, mit drei oder vier erfolgreichen Rennfahrern wie Fässler, Buemi und Jani gemeinsam im Auto können wir wohl auch bis in alle Ewigkeit warten.

Neueste Kommentare

 
 
vf******:
23.12.2014 (12:27)
Lieber Herr Reinhard

Sie haben mit jeder Zeile Recht. Es ist schade, dass der Motorsport, insbesondere die Formel 1, seine Bedeutung immer mehr verliert. Aber Hand aufs Herz: wer ist denn heute noch emotional bei einem Skirennen dabei? Auch dort ist der Popularitätsverlust nicht aufzuhalten. Und die Interview-Antworten der Skirennfahrer sind ähnlich langweilig wie die der Autorennfahrer. Ihre Vorschläge für spannendere Rennen in Ehren, aber ich glaube, der Hund liegt viel tiefer begraben: heute muss alles Business sein, und zwar Business, das Rendite abwirft. Nicht nur der Sport, praktisch alle Lebensbereiche sind von Profit- und Gewinnstreben und vor allem von der Angst, einen Fehler zu machen, dominiert. Und deshalb wird alles aufgebauscht, aufgebrezelt, zu einem Event hochstilisiert, in der Hoffnung auf mehr zahlendes Publikum, so, dass der Inhalt immer mehr verschwindet und das ganze Drumherum immer mehr Platz einnimmt. Die glänzende Oberfläche ist viel wichtiger als ein kerniger Inhalt. Wir leben in einer Zeit, in der zwar ständig Emotionen beschwört und gefordert werden, aber nur auf Verlangen und ganz gezielt eingesetzt.Eine emotionale Äusserung am falschen Ort und der prominente Sportler oder Politiker muss weg! Schauen Sie sich unseren Sportler des Jahres an, RF: ein gescheiter, junger Mann mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten; der hätte was zu sagen, aber er sagt nichts als langweilige Nettigkeiten, immer darauf bedacht, nichts falsches von sich zu geben. (Da ist mir ein Sébastien Buemi viel lieber, der auch mal finster dreinblickt, wenn es ihm danach ist.) Irgendwann haben wir alles glattgebügelt und auf Hochglanz geschliffen und wir verschwinden unter unseren digitalen Helferlein. Die Krise liegt nicht im Motorsport, die Krise liegt in der globalen, menschlichen Zivilgesellschaft und ihrer unerschütterlichen Huldigung an den Gott des Geldes.
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