Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen eine angenehmere Nutzung zu ermöglichen: Mehr Informationen.
 
Anmelden und profitieren, kostenlos!
alle Bilder grösser, Zugriff auf 1000+ Artikel
 
 
 
Jetzt einloggen oder kostenlos registrieren...
... und viel mehr Fotos und Artikel sehen.
Archivierte Einträge:

Nebengeschäft Autowerkstatt - oder - das Alfasud-Malheur

Michl Koch - 12.12.2014

Persönliches Archiv
Sie können nur dann Inhalte dem persönlichen Archiv hinzufügen, wenn Sie angemeldet sind.

Sie haben Benutzername und Passwort?
Dann melden Sie sich an (Login).

Noch kein Benutzername?
Die Registrierung ist kostenlos und dauert höchstens eine Minute.

Alfasud-Malheur - Zeichnung Stefan Rogger

Wir waren jung, studierten die Kunst des Maschinenbaus an der Stuttgarter Hochschule und sponsorten unser Auskommen durch Arbeiten in der eigenen Autowerkstatt. Das war ein Stall, über den heute selbst die Russen lachen würden: Ein Kuhstall als Ersatzteillager, dessen Geruchsnote die Umnutzung bedauerlicherweise nicht ganz erfolgreich nachvollzogen hatte.

Dem Trend der Zeit folgend sammelten wir dort unsere Werkzeuge und Berge von Gebrauchtersatzteilen und einen mit 90 Zentimetern Hubhöhe enorm hoch hebenden Wagenheber, der uns Grube und Hebebühne trefflich ersetzen konnte.

Die Arbeitsfläche lag draussen vor dem Stall und hatte drei schützende Wände. Das Fehlen der vierten Wand machten wir durch angepasste Arbeitszeit wett. Das bestand durch die Adaption auf hohen Arbeitsaufwand im Sommer, dicke Manöverklamotten von allen Armeen übereinander im Winter. Und wenn‘s gar nicht anders ging, etwa bei Schweissarbeiten an einem jählings durchgerosteten Kundenauto, dann wurde der struppige Hofhund mit Keksen aus dem Supermarkt mit unters Auto gelockt. Dort lag er dann, gab dem Schweisser geeigneten Windschatten gegen den Schneegraupel aus Nordost. Und wenn es plötzlich roch wie in der Hufschmiede, das lernte man rasch, dann musste man zügig den Hund löschen, dessen dickes Fell vom immer wieder in Glutbröckchen abfallenden Unterbodenschutz in Schwelbrand geraten war.

In dieser Idylle betrat ein Alfasud TI das Feld, es muss wohl in den Siebzigern gewesen sein, denn er war beileibe nicht mehr taufrisch. „Der bremst nicht mehr und muss zum TÜV“, so hatte es sich die ansehnliche Dame aus dem Bekanntenkreis gewünscht. Und so wurde der Auftrag ausgeführt: Wir fluchten wie die Holzhacker über die vorne innenliegenden Scheibenbremsen, in deren Sätteln sich die letzten Reste der winzigen Beläge gründlich festgefressen hatten. Zugänglichkeit unter aller Sau, so notierten wir im Geiste und trösteten uns mit ausführlichen Probefahrten des schicken Modells, das nach Austausch von Kugelköpfen und Lenkungsdämpfer an der Vorderachse wirklich ein ziemlich begeisterndes Fahrverhalten an den Tag legte.

Der TÜV-Termin verging wie im Fluge, obwohl der Prüfer angesichts der voranschreitenden Korrosion am Bodenblech die Stirne kraus zog. „Der kommt bald….“ So orakelte der Halbgott in Blau angesichts der oxidierenden Bördelkanten des Alfa. Wir verbuchten den Kommentar unter „typisch Miesepeter“ und steuerten eben mit frischem TÜV-Stempel zur heimischen Werkstatt, als das Unheil seinen Lauf nahm: Zunächst betrat eine Dame den Zebrasteifen voraus, zog den Fuss angesichts des nahenden Alfa jedoch zurück und animierte uns so zum Weiterfahren. Sodann zog ihre Begleitung sie doch noch vor dem anrollenden Alfa auf die Strasse, nötigte mich zur heftigen Vollbremsung. Der Alfa kam zwar sicher zum Stehen – bei der Bremsreparatur waren wir gründlich und erfolgreich gewesen, wie sich das gehörte. Doch die Windschutzscheibe löste sich aus der verrosteten Fassung und flog den beiden Damen auf dem Zebrastreifen  - gottlob, nicht auf – sondern vor die die Füsse. Der Schreck war gross, wobei sich die Damen rasch beruhigen liessen, es war ihnen ja wirklich nichts passiert. Die Alfa-Scheibe konnte man nur noch mit Beseli und Schäufeli beikommen, der Scheibenfassung nicht mehr: sie war schlichtweg weggerostet.

Es gelang mit viel Geduld und haarigen Schweissmanövern, die unsere Kenntnisse im Umgang mit beinahe-nicht-mehr-vorhandenem Dünnblech auf eine schwere Probe stellten, ein paar Haken und Stege an Dach und A-Säule so festzulöten, dass die neue Scheibe sich halbwegs vor Ort festkrallen konnte. Die Fahrzeugbesitzerin übernahm die Kosten für die Scheibe ebenso stoisch wie den gehobenen Aufwand für TÜV plus Folgeschaden. Aber sie hielt sich strikt an die Empfehlung, den flotten Feger lieber zügig zu verkaufen, bevor sich der Vorgang angesichts der nächsten Vollbremsung wiederholt.

Sie kam bald darauf mit einem Ford Thunderbird, den sie beim gleichen Händler mit einem ordentlichen Nachlass wegen des zerlemperten Alfa flottgemacht hatte. Und der T-Bird war natürlich für etliche weitere Anekdoten gut, denn er hatte als Vorführwagen der Schwabengarage in Stuttgart schon einiges erlebt, das man ihm besser erspart hätte…

(Zeichnung: Stefan Rogger)

Keine Kommentare

 
Möchten Sie einen Kommentar abgeben?
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.
  •  

    Weitere Blog-Einträge:

    Pantheon Graber Sonderausstellung 2019/2020