Die am teuersten versteigerten Autos im Jahr 2013

Bruno von Rotz
27.12.2013

Verstreigerungs-Preisrekorde 2013 (© Eric Fairchild - Courtesy Gooding & Company)

Wenn sich jemand nicht über Finanzkrisen und Konjunkturprobleme beklagen kann, dann sind es die grossen Versteigerungsfirmen Bonhams, Gooding & Company und RM Auctions. Diese drei Firmen machten im Jahr 2013 die grossen Auktions-Coups unter sich aus. Elf Autos figurieren auf der Top-Ten-Liste und dies deshalb, weil sich zwei den 10. Rang teilen. Unter diesen elf Autos finden sich sechs Ferrari, ein Bugatti, ein McLaren, ein Alfa Romeo und zwei Mercedes Benz. Und während fünf der Autos für den normalen Strassenverkehr geschaffen wurden, zählen sechs zu den Rennfahrzeugen. Drei Vorkriegsfahrzeuge stehen acht Nachkriegsautos gegenüber und davon ist sogar einer erst gerade einmal 16 Jahre alt. Drei der hohen Zuschläge wurden in Europa, die übrigen in den Vereinigten Staaten notiert.

Platz 1 - Mercedes Benz W196R von 1954

Sagenhafte Euro 22’737’740 respektive CHF 28’030’145 zahlte der Käufer des ex-Fangio Mercedes Benz W1965 von 1954, den Bonhams am 12. Juli 2013 anlässlich des Goodwood Festival of Speed versteigerte. Damit ist der Mercedes zwar nicht das teuerste Auto der Welt, aber er holte sich den höchsten Preis, der 2013 an Versteigerungen erzielt wurde.

Mercedes Benz W196R 1954 (© Steve Etherington / Mercedes AMG Petronas - Bonhams)

Dieser Mercedes-Monoposto mit Chassis 00006/54 ging mit Juan Manuel Fangio am Steuer siegreich aus den Grand Prix von Deutschland und der Schweiz hervor. Gleichzeitig war dieses Auto auch der erste Nachkriegs-Mercedes mit freistehenden Rädern, das einen Grand-Prix-Sieg errang und zwar gleich bei seinem Debüt in Deutschland.

Platz 2 - Ferrari 275 GTB/4 S N.A.R.T. von 1967

Für eine grosse Überraschung sorgte an der Monterey-Versteigerung von RM im August 2013 der am zweiten Abend aufgerufene Ferrari 275 GTB/4 N.A.R.T. Spider von 1967. Bereits der Schätzpreis hatte mit USD 14 bis 17 Millionen für hochgezogene Augenbrauen gesorgt, doch an der Versteigerung selber gingen die Bieter dann sogar bis USD 25 Millionen, also noch 60% höher.

Ferrari 275 GTB/4 S N.A.R.T. Spider (1967) - versteigert als Lot 225 durch RM Auction am 17. August 2013 in Monterey (© Darin Schnabel - Courtesy RM Auctions, 2013)

Damit wurde dieser Ferrari zum teuerste Strassen-Fahrzeug, das je an einer Auktion den Besitzer wechselte. Immerhin wurden die Kommissionen von RM für wohltätige Zwecke “geopfert”, was vielleicht die Kaufmotivation der Bieter noch etwas gesteigert haben dürfte. Inklusive Aufpreise/Kommissionen musste der Käufer Euro 20’625’000 respektive CHF 25’300’000 überweisen.

Platz 3 - Ferrari 250 LM von 1964

Die Versteigerung, die RM Auctions in Zusammenarbeit mit Sotheby’s organisierte, glänzte mit Masse statt Klasse. Im Schnitt kostete jeder Zuschlag über 1,6 Millionen Euro oder 2 Millionen Franken. An jener Versteigerung wurde der bis dahin teuerste Jaguar E-Type der Welt verkauft. In die Top-Ten-Liste aber schaffte es erst der letzte Wagen der Versteigerung vom November 2013, ein Ferrari 250 LM von 1964.

Ferrari 250 LM (1964) - angeboten als Lot 141 an der RM Auction Art of the Automobile am 21. November 2013 in New York (© Michael Furman - Courtesy RM Auctions, 2013)

Fünf Minuten dauerte der Bieterkampf. Von fünf Millionen stieg der Preis auf 8, 9, 9.5, 10, 10.5 und 11 Millionen. Der Mindestpreis war bereits erreicht, doch es ging weiter, bis der Zuschlag beim Rekordpreis von 13 Millionen USD mit dem Hammer besiegelt werden konnte. Inklusive Aufschlägen/Kommissionen bezahlte der neue Besitzer immerhin Euro 10’582’000 oder CHF 13’156’000, ein neuer Rekord für einen der 32 gebauten 250 LM.

Platz 4 - Ferrari 340/375 MM Berlinetta 'Competizione' Pinin Farina 1953

Die Versteigerung des Ferrari 340/375 MM von 1953 geriet zu einem wahrhaftigen Bieterkampf an der RM-Versteigerung im Park der Villa Erba im Mai 2013. Bis zum Schluss gab es zwei Bieter vor Ort und einen am Telefonapparat, die nicht aufgeben wollten. Auktionator Marc Girardo zählte den Wagen mehrfach herunter, doch erst bei 8,8 Millionen Euro (immerhin fast 11 Millionen CHF) senkte sich der Hammer endgültig. Mit Aufpreisen investierte der Käufer also Euro 9’856’000 oder CHF 12’221’440 und da waren allfällige Zölle und Einfuhrkosten noch nicht einmal eingerechnet.

Der Star der RM Versteigerung Villa Erba 2013 - der Ferrari 340_375 MM von 1953 (© Bruno von Rotz)

Der Wagen war einer von drei Werks-375-MM, die 1953 an den 24 Stunden von Le Mans teilnahmen. Das Schwesterfahrzeug mit Ascari am Lenkrad fuhr dabei die schnellste Runde, doch nur die Berlinetta der Marzottos erreichte das Ziel, während das in der Versteigerung angebotene Auto, pilotiert von Hawthorn und Farina zwar auf den zweiten Platz vorrückte, dann aber wegen Nachfüllen von Bremsflüssigkeit disqualifiziert wurde. Später gewann derselbe Wagen dann mit Hawthorn und Magioli am Steuer die 12 Stunden von Pescara.

Platz 5 - Ferrari 250 GT Berlinetta 1957

Ferrari 250 GT LWB 14-Louver Berlinetta 1957 (© Mathieu Heurtault - Courtesy Gooding & Company))

Neun spezielle Ferrari 250 GT Berlinetta wurden, sozusagen als ultimative Tour-de-France-Variante gebaut, acht davon haben überlebt und einer erzielte dank Renngeschichte (u.a. Mille Miglia) und aufwändiger Restaurierung bei der Goodging & Company Versteigerung in Pebble Beach im August 2013 einen Verkaufspreis von Euro 7’095’000 respektive CHF 8’703’200.

Platz 6 - Alfa Romeo 8C-35 GP Monoposto 1935

Der Schätzpreis für den Alfa Romeo Tipo C 8C-35 mit Chassis-Nummer ‘50013’ aus dem Jahr 1935, den einst Tazio Nuvolari im Dienste der Scuderia Ferrari gefahren hatte, war mit £ 5,5 bis 6,5 Millionen in schwindelerregender Höhe angesetzt worden. Doch dies hielt die Bieter nicht ab und schliesslich wurde ein neuer Rekordpreis für einen Alfa Romeo an einer Auktion von £5’937’500 erzielt, was inklusive Aufpreis/Kommissionen Euro 7’072’242 oder CHF 8’752’527 bedeutete.

Alfa Romeo Tipo C 8C-35 (1935) - der Ex-Nuvolari-Rennwagen wird von Bonhams in Goodwood versteigert (© Bonhams - Pawel Litwinski)

Der Wagen war von Alfa Romeo als Waffe gegen die übermächtigen deutschen Hersteller gebaut worden. Die Technik entsprach dem damals Machbaren: Reihen-Achtzylinder mit Kompressoraufladung tief eingebaut, Einzelradaufhängungen rundum, hydraulische Bremsen.

Der versteigerte Wagen wurde nach seiner Zeit in der Scuderia Ferrari an den Schweizer Hans Rüesch verkauft, der damit in England am Shelsey Walsh Bergrennen antrat und zusammen mit Dick Seaman den Donington Grand Prix des Jahres 1936 gewann. In den folgenden Monaten startete Rüesch bei Rennen um die halb Welt, gewann den Grand Prix des Frontieres in Chimay (Belgien) und weitere Rennen.

Schliesslich verkaufte der Schweizer den Rennwagen an Robert Arburthnot, der ihn (über Umwege) an Dennis Poore weitergab. Die Rennkarriere des Monopostos war auch nach dem Krieg noch nicht zu Ende, so startete der Wagen 1948 am Rennen von Goodwood und gewann die englische Bergmeisterschaft des Jahres. Erst 1955 wurde der Rennwagen eingemottet und kam erst 1987 nach dem Hinschweiden von Poore wieder zum Vorschein.

An der Bonhams Monaco Versteigerung des Jahres 1987 wurde Chassis 50013 für USD 2,85 Millionen, damals ein unglaublich hoher Preis für einen Grand-Prix-Wagen, verkauft und später durch Peter Giddings in einen renntauglichen Zustand restauriert. Seither hat sich offensichtlich der Preis ungefähr vervierfacht.

Platz 7 - Ferrari 375 MM Spider Pinin Farina von 1953

Nur zwölf Ferrari 375 MM Spiders waren gebaut worden, kein Wunder erzielte Chassis 0364AM an der RM Versteigerung von Monterey am 17. August 2013 einen hohen Preis.

Ferrari 375 MM Spider Pinin Farina (1953) - versteigert als Lot 140 durch RM Auction am 17. August 2013 in Monterey (© Darin Schnabel - Courtesy RM Auctions)

Euro 6’806’250 oder CHF 8’349’000 waren dem neuen Besitzer dieser Rennwagen, der mit amerikanischer Renngeschichte überzeugte, wert. 340 PS, zwölf Zylinder in V-Form, vier Gänge und eine hübsche Karosserie von Pinin Farina versprechen jedenfalls einen attraktiven Auftritt bei künftigen Oldtimer-Veranstaltungen.

Platz 8 - Bugatti Type 57 SC Atalante von 1937

Bugatti Type 57 SC Atalante 1937 (© Mathieu Heurtault - Courtesy Gooding & Company)

Einen Klassensieg errang der Bugatti 57 SC Atalante von 1937 am Pebble Beach Concours d’Elégance im Jahr 2011. Entsprechend hoch bewertet wurde der hochkarätig restaurierte Wagen dann auch an der Pebble Beach Versteigerung von Gooding & Company. Mit Euro 6’558’750 respektive CHF 8’045’400 wurde er zum bisher teuersten Bugatti überhaupt.

Platz 9 - McLaren F1 von 1997

McLaren F1 (1997) - als Lot 51 angeboten durch Gooding & Company in Pebble Beach 2013 (© Mike Maez - Courtesy Gooding Company)

Der jüngste Wagen unter den teuersten Autos der Welt ist einer von 106 gebauten McLaren F1 aus dem Jahr 1997, der von Gooding & Company an der Pebble Beach Versteigerung im August 2013 angeboten wurden. Mit Euro 6’352’500 respektive CHF 7’792’400 wurde der höchste je für einen McLaren F1 erzielte Preis erreicht und der versteigerte F1, der sich noch nicht einmal im Youngtimer-Alter befindet, wurde damit zum teuersten Gebrauchtwagen der Welt.

Platz 10 - Ferrari 250 GT LWB California Spider von 1958 und Mercedes Benz 680S Torpedo Roadster Saoutchik von 1928

Platz 10 teilen sich zwei Fahrzeuge, die in USD denselben Preis erzielten. An der Scottsdale Versteigerung veräusserte Gooding & Company im Januar 2013 einen Ferrari 250 GT LWB California Spider von 1958 für Euro 6’187’500 respektive CHF 7’672’500. Diese Fahrzeuge erfreuen sich vor allem in den Vereinigten Staaten einer grossen Beliebtheit, kein Wunder werden sie teuer gehandelt.

Ferrari 250 GT LWB California Spider 1958 (© Gooding & Company)

Sieben Monate später errang bei der RM-Versteigerung von Pebble Beach ein Mercedes Benz 680S Torpedo Roadster Saoutchik von 1928 denselben Dollar-Preis, umgerechnet Euro 6’187’500 oder CHF 7’590’000. Dieses Auto hatte nur ein Jahr zuvor die “Best of Show”-Auszeichnung am Pebble Beach Concours d’Elégance gewonnen.

Mercedes-Benz 680S Torpedo Roadster by Carrosserie J. Saoutchik (1928) - versteigert als Lot 216 durch RM Auction am 17. August 2013 in Monterey (© Michael Furman - Courtesy RM Auctions)

Nur elf Fahrzeuge, aber der zusammengenommene Wert beträgt Euro 110 Millionen oder CHF 136 Millionen. Ob die neuen Besitzer sich wohl mit diesen Prachtstücken noch auf die Strasse trauen? Jedenfalls wäre es schade, wenn die Sport- und Rennwagen hinter verschlossenen Türen versteckt würden.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die “Top-Seller” nochmals in einer sortierbaren Liste. Die Links in der Spalte “Versteigerung” führen direkt zum jeweiligen Artikel mit allen Ergebnissen und umfangreicher Fotogalerie.
Die Verkaufspreise in den Spalten “VPreis” beinhalten Aufpreise/Kommissionen und wurden mit den damals gültigen Wechselkursen umgerechnet.

Rang Auktionator Versteigerung Marke Typ Jahr VPreis € VPreis CHF
1 Bonhams Goodwood FoS Mercedes Benz W196R 1954 22737740 28030145
2 RM Auctions Monterey Ferrari 275 GTB/4*S N.A.R.T. 1967 20625000 25300000
3 RM Auctions New York Ferrari 250 LM 1964 10582000 13156000
4 RM Auctions Villa Erba Ferrari 340/375 MM Berlinetta 'Competizione' by Pinin Farina 1953 9856000 12221440
5 Gooding & Co Pebble Beach Ferrari 250 GT 14-Louver Berlinetta 1957 7095000 8703200
6 Bonhams Goodwood Revival Alfa Romeo 8C-35 GP Monoposto 1935 7072242 8752527
7 RM Auctions Monterey Ferrari 375 MM Spider by Pinin Farina 1953 6806250 8349000
8 Gooding & Co Pebble Beach Bugatti Type 53 SC Atalante 1937 6558750 8045400
9 Gooding & Co Pebble Beach McLaren F1 1997 6352500 7792400
10 Gooding & Co Scottsdale Ferrari 250 GT LWB California Spider 1958 6187500 7672500
10 RM Auctions Monterey Mercedes Benz 680S Torpedo Roadster Saoutchik 1928 6187500 7590000


Alle Versteigerungsberichte des Jahres 2013 finden sich hier .

Archivierte Einträge:

Keine Kommentare
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

Weitere Blog-Einträge:

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.