Klassikerperlen der Zukunft - Mercedes-Benz SL 500 R230
Zwölf Jahre lang war sein Vorgänger produziert worden, der R129, 18 Jahre lang sogar W107, da waren die Erwartungen an den Mercedes-Benz SL der Baureihe R230 entsprechend gross, als er im Juli 2001 in den Deichtorhallen in Hamburg der Presse vorgestellt wurde. Natürlich packten die Daimler-Ingenieure alles in den neuen Sportwagen hinein, was zeitgemäss und machbar war, am sichtbarsten war natürlich das Klappdach, welches das beim Vorgänger noch serienmässige Hardtop genauso obsolet machte wie ein Stoffdach.
Obwohl er nur minimal gewachsen war gegenüber seinem Vorgänger, wirkte der neue SL R230 deutlich kräftiger als der R129. Es gab ihn zunächst als SL 500 mit 306 PS, später kam der SL 55 AMG mit 476 PS und Kompressor, ab 2002 folgte der SL 350 mit 245 PS und 2003 noch der SL 600 mit 500 PS (V12-Biturbo). An Leistungsmangel musste der SL des 21. Jahrhunderts also nicht darben. Auch an Assistenzsystemen nicht, so gab es etwa die Distronic, ein Abstandsregel-Tempomatsystem oder das Notrufsystem Teleaid. Die Bremsen wurden beim R230 erstmals elektrisch betätigt (drive by wire).
Im Innern gab es Leder und Holz, aber auch etwas Kunststoff, schön gezeichnete Instrumente und einiges an Schaltern, schliesslich mussten die vielen elektrischen und elektronischen Helferlein ja auch bedient werden.
Mit seinem Vieraugengesicht und der langen Haube wirkte der SL 500 gleichzeitig modern und klassisch, er sah offen und geschlossen gut aus, das Klappdach hatte nur zu einem vergleichsweise kleinen Buckel geführt.
169’434 Autos der Baureihe 230 konnte Mercedes (vor allem auch in den USA) bis Ende 2011 verkaufen, zweimal wurde der SL modellgepflegt, erstmals sanft Ende 2005 und dann nochmals Ende 2008, als er eine komplett neue Front mit neuem Kühlergrill und grossflächigen Integralscheinwerfern erhielt. Der Nachfolger R231 führte die bisherige Linienführung in ähnlichem Stil weiter.
Der R230 war also ein zeitgemässer moderner Roadster mit viel Komfort und dem technisch Machbaren unter der Haube. Er durfte motorenseitig mit Acht- und Zwöllfzylinderaggregaten noch aus dem Vollen schöpfen. Das macht ihn denn auch sicherlich zu einer Klassikerperle der Zukunft, schliesslich wurden auch alle seine Vorgänger zu geliebten Zweit- und Sammelautos. Ob wir die alterungstechnischen Probleme mit der komplexen Elektronik und den damit zusammenhängenden Wartungsproblemen im Jahr 2031, wenn der erste R230 zum Oldtimer wird, gelöst haben werden, ist eine andere Frage.
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