Ford Thunderbird - Donnervogel und Corvette-Schreck

Erstellt am 22. Mai 2014
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Ford Motor Company 
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Bruno von Rotz 
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Wenn der Detektiv Dan Tanna in seinem roten Ford Thunderbird Baujahr 1957 durch das Garagentor direkt in sein Wohnzimmer fuhr, dann waren ihm die Sympathien auch in den Siebzigerjahren, als die Fernsehserie “Vegas” ausgestrahlt wurde, gewiss.


Dan Tanna fährt in der Fernsehserie "Vegas" aus den Siebzigerjahren einen Ford Thunderbird mit Baujahr 1957
Zwischengas Archiv

Der T-Bird, wie der Wagen auch zärtlich genannt wird, gehört zu den bekanntesten amerikanischen Klassikern und neben Tanna fuhren ihn auch Marilyn Monroe, Frank Sinatra, Barbra Streisand, Bing Crosby oder Doris Day, um nur eine kurze Auswahl an Prominenten zu nennen, die mit dem frühen Thunderbird assoziiert sind.

Als Antwort auf die Corvette


Ford Thunderbird (1955)
Copyright / Fotograf: Ford Motor Company

Vorgestellt wurde der Ford Thunderbird ein Jahr nachdem General Motors mit der Präsentation der Corvette für Furore gesorgt hatte. Die Automobil Revue kündigte den neuen Sportwagen im Februar 1954 an:

“Der «Donnervogel», ein elegantes zweisitziges Cabriolet, so lautet die Antwort von Henry Ford auf den Chevrolet «Corvette». Dieser neue Wagen wurde letzte Woche an einer Ausstellung in Detroit gezeigt.
Der «Thunderbird» ist sowohl für den privaten Gebrauch wie für die Teilnahme an Sportveranstaltungen gedacht. Mit einem Gewicht von rund 1250 kg ist er verhältnismässig leicht und dürfte dank des 160-PS-Vierfach-Vergasermotors von Mercury auf hohe Leistungen kommen. Die neue Ford-Vorderradaufhängung mit Kugelgelenken soll sich auf die Präzision der Lenkung günstig auswirken. Das Lenkrad liegt tief im Schoss des Fahrers. Dank der Panorama-Windschutzscheibe hat man eine ausgezeichnete Sicht. Das Cabrioletverdeck, das mit einem Servoautomaten bedient wird, ist für den Sommer bestimmt, während ein Kunststoff-Aufsatz den Wagen im Winter zum Coupé macht. Für den Familiengebrauch ist eine reichhaltige Ausrüstung mit Radio, Heizung, Servo-Bremsen und -lenkung und Druckknopffensterbetätigung vorgesehen; Sportfahrern sind der Tourenzähler sowie eine eingebaute Stoppuhr bestimmt.
Der vorerst nur für den amerikanischen Markt bestimmte «Thunderbird» kommt vom Monat Oktober an zum Preis von 3050 Dollar (ohne Sonderausrüstung) zur Ablieferung.”

Rekordschnelle Entwicklungszeit

Am 9. Februar 1953 hatten die Ford-Leute mit der Entwicklung eines zweisitzigen Sportwagens, der gemäss Pflichtenheft ein Klappdach, einen V8-Motor und einen Radstand von 2,55 Meter sowie ein Leergewicht von knapp über 1100 kg haben sollte, begonnen. In der Rekordzeit von knapp zwölf Monaten entstand ein Wagen, der atemberaubend aussah und den Komfort für die Besatzung nicht zu kurz kommen liess.

Die Begeisterung bei der Vorstellung überflügelte alle Erwartungen, aber der ursprünglich gezeigte Wagen konnte nicht exakt so in Produktion gehen, wie er in Detroit gezeigt wurde.

Der Prototyp verfügte nämlich noch über eine Kunststoffkarosserie und an der wollte man bei Ford nicht festhalten. Auch sonst hatte die kurze Entwicklungszeit viele Kompromisse erfordert, dass bis zur Serienfertigung, die im September 1954 einsetzte, noch intensiv nachgearbeitet werden musste.

Dass der 4,7 Meter lange und fast 1,8 Meter breite Wagen am Ende dann rund 1500 kg schwer wurde und sich für den Renneinsatz deutlich weniger eignete als für das typisch amerikanische Cruisen, stellte für die Verkaufszahlen kein Hindernis dar. Der Thunderbird verkaufte sich deutlich besser als die Corvette, mit 16’155 Exemplaren im ersten Baujahr wurden alle Vorsagen übertroffen.

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Lewis Crusoe, ein Ex-GM-Mann, lieferte die Impulse für den Ford Thunderbird
Copyright / Fotograf: Ford Motor Company

Das Team mit Lewis D. Crusoe, George Walker, Frank Hershey, Bill Boyer und Bill Burnett hatte ein glückliches Händchen. Technisch basierten sie den Thunderbird auf Konzernteilen, bauten einen 4,7 Liter grossen V8-Motor mit knapp über 190 PS in einen stabilen Kastenrahmen mit kreuzweisen Verstrebungen ein. Die Räder hängten sie vorne an einzelne Trapezdreiecksquerlenker und hinten an eine blattgefederte Starrachse.

Die Linienführung war modern und schnörkellos. Der Wagen war sofort als Ford-Modell identifizierbar, was dem Initiand Lewis Cursoe wichtig war.


Ford Thunderbird (1955)
Copyright / Fotograf: Ford Motor Company

Positioniert wurde er als “personal luxury car”, er liess sich mit den unterschiedlichsten Zubehören verfeinern, darunter ein Kunststoffhardtop, Automatikgetriebe, elektrische Fensterheber, elektrisch verstellbare Sitze, Servolenkung, usw.. So verliessen die meisten T-Birds das Werk deutlich teurer, als es der Basispreis von knapp 3000 amerikanischen Dollars vermuten liess.

Evolution und Leistungssteigerung

Für das zweite Baujahr musste der Thunderbird kaum verändert werden, denn der Verkauf liess ja keine Wünsche übrig. Einzig die Farbpalette wurde erweitert, das Reserverad nach aussen verfrachtet (“continental kit”) und die Leistung angehoben. Und das Hardtop konnte man ohne Aufpreis mit Löchern, sogenannten Opera-Windows, bestellen.


Ford Thunderbird (1957)
Copyright / Fotograf: Ford Motor Company

Grösser waren dann die Anpassungen für das Baujahr 1957, Front und Heck wurden sanft angepasst, dem Motor wurde u.a. mit Kompressor noch mehr Leistung eingehaucht und die Elektrik auf 12 Volt umgebaut.

Kein echter Sportwagen

Das der Ford Thunderbird kein klassischer Sportwagen war, zeigte ein Vergleich der Zeitschrift ‘hobby’, die den Amerikaner mit der deutschen Leistungsikone Mercedes Benz 300 SL und dem Engländer Jaguar XK 150 verglich. Der T-Bird war komfortabler und wegen all der Bedienungserleichterungen wie Servolenkung, Bremshilfe und Automatik leichter zu fahren. Die weiche Federung und das hohe Gewicht forderten aber am Berg und in Kurven ihr Tribut.


Ford Thunderbird (1957) - viiel Rot und viel Chrom, sehr verspielt
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Dafür überzeugte die Sitzbank, auf der auch drei Personen Platz fanden und der nicht übertriebene Benzinverbrauch von 16,25 Litern pro 100 km. Preislich liess sich der Thunderbird damals mit dem Jaguar XK 150 vergleichen, den 300 SL unterbot er aber um rund einen Drittel.

Rennsport nur am Rande

Für den Rennsport war der Thunderbird eigentlich zu gross und zu schwer. Auf dem Dragstrip aber machten sich vor allem die mit Kompressoren leistungsgesteigerten Donnervögeln durchaus einen Namen und auch auf der Rundstrecke erschienen die sogenannten “Battlebirds”. Diese hatten nicht nur einen Kompressor, sondern auch einen Aluminiumkarosserie. Bei den Airport Sports Car Races konnte 1957 Marvin Panch einen guten zweiten Rang hinter Carroll Shelby im 4,9-Liter-Ferrari einfahren.


Ford Thunderbird (1957) - Marvin Panch fährt in einem "Battlebird" bei den New Smyrna Beach Airport Races Thunderbird gegen Carroll Shelby im 4.9 l Ferrari
Copyright / Fotograf: Ford Motor Company

Elf Generationen


Ford Thunderbird (1958)
Copyright / Fotograf: Ford Motor Company

Weil man bei Ford glaubte, dass die Beschränkung auf zwei Sitze, das Potential des Thunderbirds beschränkte, erhielt der Wagen dann für das Baujahr 1958 deren vier und ein komplettes Redesign. Damit wurde er eckiger, grösser, aber vor allem auch schwerer, und ein neues Kapitel der Thunderbird-Geschichte wurde eingeleitet, die noch bis ins neue Jahrtausend dauern sollte.


Zweimal Ford Thunderbird mit Baujahr 1966 und 1971
Copyright / Fotograf: Ford Motor Company

Der zweiten Generation sollten noch neun weitere folgen, die letzte wurde von 2002 bis 2009 gebaut und basierte auf einem Konzeptfahrzeug von 1999. Vorher durchlief auch der Thunderbird alle Exzesse und Trends des amerikanischen Autodesigns, aber kein Nachfolgemodell konnte die T-Birds der ersten drei Jahre an Eleganz und Zeitlosigkeit schlagen.

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit, den Ford Thunderbird kennenlernen zu können. 

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