Ist das noch ein Klassiker? Jaguar 300 SL oder Mercedes C-Type ...
Die Firma Hawker Racing, ein englischer Spezialist für Restaurationen von Autos und Flugzeugen, bietet seit kurzem ein Jaguar C-Type Coupé mit Flügeltüren an:
Davon sollen maximal drei Stück produziert werden.
Hawker preist das Auto an als „the best of 1950s sports car design whilst enabling the driver to enjoy an iconic supercar without the complexity and expense of a period machine” (das Beste von den Designs der Sportwagen aus den 50er Jahren, wobei es dem Fahrer die Freude an einer Ikone ohne die Umstände eines historischen Fahrzeugs bietet). Die Technik stammt von Jaguar oder aus der eigenen Entwicklung: „Designed around Jaguar components including a 3.8-litre straight-six engine, the C-Type Coupe will boast a five-speed gearbox with overdrive for long-legged touring, improved suspension and braking plus a useful boot. The leather-trimmed interior will maintain the period feel, with specially designed instruments” (Entwickelt um Komponenten von Jaguar herum inklusive einem 3,8-Liter Reihensechszylinder, trumpft das C-Type Coupé mit einem 5-Gang-Getriebe mit einem Schnellgang für lange Tourenfahrten, verbesserter Aufhängung und verbesserten Bremsen sowie einem brauchbaren Kofferraum auf. Das Leder-Interieur wird zusammen mit den speziell gestalteten Instrumenten für das 50er-Jahre-Feeling sorgen).
Es ist nicht die Frage, ob Hawker potentielle Käufer täuschen will. Effektiv sagen sie genau, was ihr Angebot ist: Ein moderner Supersportwagen, der innovative Konzepte aus der Sportwagentechnik der 50er Jahre zitiert.
Und es ist auch keine Frage, dass Autos mit Flügeltüren seit der Einführung im Mercedes-Benz 300 SL eine besondere Faszination ausüben. Ein Beispiel dazu ist der Marcos GT 1000 mit Flügeltüren von 1961:
Mit seinen Vorbildern hat das Jaguar C-Type Coupe die lange Motorhaube mit der charakteristischen Schnauze des C-Type ...
... und den Flügeltüren des 300 SL (W 198) gemeinsam.
Der Vergleich mit seinen Ahnen zeigt aber klar und deutlich, dass die Unterschiede überwiegen:
| Marke/Typ | Jaguar C-Type | Mercedes-Benz 300SL |
|---|---|---|
| Interne Bezeichnung | XK 120 C | W 194 |
| Baujahre | 1951-1953 | 1952 |
| Auslegung | offener 2-Sitzer | 2-sitziges Coupé mit Flügeltüren |
| Karosserie | Aluminium | Aluminium |
| Chassis | Stahlrohrrahmen | Stahl-Gitterrohrrahmen |
| Länge / Breite / Höhe in mm | 3‘960 / 1‘640 / 980 | 4‘212 / 1‘780 / 1‘270 |
| Radstand | 2‘440 | 2‘200 |
| Spur vorne / hinten in mm | 1‘295 / 1‘265 | 1‘345 / 1‘445 |
| Motor | 6-Zylinder in Reihe | 6-Zylinder in Reihe |
| Hubraum (Bohrung x Hub) | 3‘442 cm3 (83 x 106) | 2‘995 cm3 (85 x 88) |
| Verdichtung | 8:1 |
8,2:1 |
| Vergaser | 2 SU HB 2 in | 3 Solex Fallstromvergaser (die Serienversion W 198 hatte dann eine mechanische Einspritzung) |
| Ventile | 2 Ventile / Zylinder | 2 Ventile / Zylinder |
| Ventilsteuerung | 2 obenliegende Nockenwellen | 1 obenliegende Nockenwelle |
| Leergewicht | 950 kg | 1‘100 kg |
| Widerstandsbeiwert (cw) | 0,45 | 0,38 |
| Leistung (PS) | 210 @ 5‘300 Umin | 170 @ 5‘200 Umin |
| Drehmoment (Nm) | 298 @ 3‘900 Umin | 255 @ 4‘200 Umin |
| Getriebe | Moss 4-Gang manuell | 4-Gang manuell |
| Bremsen | 4 Trommelbremsen, später: 4 Scheibenbremsen von Dunlop | 4 Trommelbremsen |
Die Anspielung bezieht sich alleine auf die Form der Karosserie. Weder der Hubraum des Motors, geschweige denn der angepriesene, grosse Kofferraum, haben etwas mit den Originalen zu tun. Damit hebt sich der Hawker auch von den Fahrzeugen zum Beispiel von Lynx, die detailgetreue Nachbauten des C- und D-Type anbieten, ab.
Die Szene der Autosammler diskutiert intensiv den Unterschied zwischen originalen und authentischen Autos. Der Hawker sprengt diese Kategorien, indem er einfach nur mit der Geschichte spielt und Fahrspass verbunden mit einer atemberaubenden Form verspricht.
Aber wie sollen wir dieses Auto denn bewerten? Dazu drei Vorschläge:
- Hawker hat Recht: Das ist ein Auto, das Stil hat und trotzdem zeitgemäss ist.
- Eine echte Alternative zu den Ferrari F12berlinetta oder California, die auch mit den Formen aus den 50er-Jahren spielen.
- Vergangenheit und Gegenwart sind zwei verschiedene Dinge, die man nicht vermischen sollte. Wer ein Auto aus den 50er-Jahren fahren will, sollte das mit einem Original tun.
Oder sehen Sie das komplett anders? Wir sind gespannt. Kommentieren Sie einfach diesen Blogbeitrag ...

































