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Excalibur 35X - wenn der Nachbau selber zum Oldtimer-Klassiker wird

Erstellt am 29. Oktober 2014
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
2
Bruno von Rotz 
27
Archiv 
10

Nachbauten, auch Replicas genannt, haben unter Oldtimer-Enthusiasten keinen guten Ruf. Aber was tun, wenn der Nachbau selber zum Oldtimer wird und vielleicht sogar noch seltener als das Original ist? Beim Excalibur 35X scheiden sich die Geister.

Excalibur 35X (1969) - langer Radstand, kurze Überhänge, wie ein Vorkriegs-Sportwagen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Mit klassischem Design und moderner Technik

Die Firma Excalibur wurde durch den Amerikaner Brooks Stevens, der bei Studebaker als Designberater arbeitete, im Jahr 1964 gegründet und spezialisierte sich auf exklusive Fahrzeuge, deren Designwurzeln weit in die Vergangenheit reichten, die aber mit zeitgenössischer Technik ausgerüstet wurden.

Excalibur SSK (1968) - dem Mercedes Benz SSK nachempfunden
Archiv Automobil Revue

Der Excalibur SS (und SSK) nutzte zuest Studebaker-Technik, Stevens wechselte aber schon bald zu Motoren von Chevrolet. Wie es der Name sagt, sahen diese mit V8-Motoren ausgerüsteten Fahrzeuge den Mercedes-Benz-Modellen SS und SSK ähnlich, preislich waren sie auf Cadillac-Niveau angesiedelt.

Potential in Europa

Während der Absatz in den Staaten gut lief und auch das eine oder andere Modell nach Europa fand, kam Stevens Mitte der Sechzigerjahre mit dem Monegassen Guy Storr zusammen, der das Potential des europäischen Marktes für nostalgische Automobile ausschöpfen wollte.

Als frankophiler Geist befand Storr aber, dass ein Nachbau, der sich an der legendären Marke Bugatti orientierte, noch viel erfolgreicher sein konnte.

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Partner mit Reputation

Statt das Rad selber neu zu erfinden, wandte sich Guy Storr berühmten Partnern zu. Giovanni Michelotti entwickelte Chassis und Karosserie des neuen Sportwagens. Wem genau das Design zugestanden werden soll, ist unklar, Stevens jedenfalls soll die ersten Entwürfe gezeichnet haben.

Excalibur 35X (1969) - enger Zweisitzer
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Während die Front stark an die Bugatti-Modelle 35 und 57 erinnerte, wies das Heck Ähnlichkeiten mit den anderen Excalibur-Modellen auf und musste natürlich die moderne Technik und etwas Gepäck beherbergen können. Im Gegensatz zu anderen Nachbauten bestand die Karosserie fast vollständig aus Stahlblech.

Wie beim “grossen” Excalibur, griff man auch bei der europäischen Variante auf General-Motors-Technik zurück, nutzte Motor, Getriebe und Aufhängungsteile aus dem Ersatzteillager des Opel Commodore.

Zeitgemässe Technik

In der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre bot der Opel Commodore gute Voraussetzungen für den mit 4,1 Meter Länge und 1,6 Meter Breite kompakten Sportwagen. Der Reihensechszylindermotor leistete je nach Vergaserbestückung und Verdichtung 130 bis 180 PS.

Excalibur 35X (1969) - der Opel-Motor findet locker Platz
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die vorderen Räder waren einzeln aufgehängt, die hinteren wurden durch eine Starrachse geführt. Gebremst wurde mit Scheiben vorne und Trommeln hinten.

Die Räder kaufte man bei Borrani und montierte Reifen der Dimension 165 HR 15. Instrumente, Anbauteile und Sonstiges kaufte man bei den verschiedensten Zulieferern ein. Fertig war die Reinkarnation des Bugatti 35, denn diesem kam der Excalibur eigentlich näher als dem Typ 57, als den er angekündigt wurde.

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Präsentation in New York

Im Frühjahr 1968 wurde der kleine Excalibur an der New York Autoshow präsentiert. Die Automobil Revue schrieb damals unter den Titel “Bugatti-Nachbau von Excalibur”::
"Nach ihrer Kopie des Mercedes-Benz SSK hat sich die Marke Excalibur dem Bugatti «angenommen». Industriezeichner Brooks Stevens und sein europäischer Freund Guy Storr lassen von Giovanni Michelotti in Turin diesen Bugatti-Spider bauen und rüsteten ihn - allen Fans der Marke werden sich die Haare sträuben - mit Motor und Getriebe, später sogar mit dem Automaten des Opel Commodore aus. Diese Ketzereis tandin New York neben den Mercedes-Kopien von Excalibur, die neuestens Motoren von Chevrolet Corvette erhalten.”

Der Neuankömmling setzte seine Reise durch die Autosalons fort, stand im Herbst dann in Paris und im Jahr darauf auf dem Genfer Autosalon.

Stockender Verkauf

Natürlich trafen nach der Salon-Tour viele Bestellungen bei Guy Storr ein und der Wagen (vermutlich der Prototyp) hatte sogar einen leinwandfüllenden Auftritt im französischen Film “Slogan” mit Serge Gainsbourg und Jane Birkin. Inzwischen hatte man den Wagen auf “35X” umgetauft und eifrig Prospekte gedruckt.

Batchweise liess sich Storr bei Michelotti die Karosserien und Fahrgestelle fertigen und dann zu fertigen Fahrzeugen komplettieren.

Die Nachfrage war aber geringer als erwartet und zudem stark von Konjunktur und Wirtschaftsstimmung abhängig. Dass der Monegasse dann auch noch mit seinem eigenen Excalibur 35X in einen Lastwagen fuhr, bescherte der europäischen Expansion einen weiteren Dämpfer. Doch Storr gab nicht auf, bestellte noch einmal einige 35X bei Michelotti und verlor bei einem weiteren Unfall das Leben. Nach seinem Ableben wurden die übriggebliebenen Komponenten und Ersatzteile verkauft, mancher der insgesamt 27 bei Michelotti entstandenen Fahrzeuge wurden erst nachträglich fertiggestellt.

Von der Replica zum eigenständigen Klassiker

Man kann dem Excalibur 35X Eigenständigkeit und Klassikerpotential attestieren, ohne rot zu werden. Natürlich orientierte sich das Aussehen am Vorbild aus dem Elsass, aber man könnte auch sagen, dass die Excalibur-Fahrzeuge frühe Vertreter des später sehr beliebt gewordenen Retro-Designs waren. Die geringe Stückzahl, die Fertigung bei Michelotti und das eigenständige technische Konzept heben den Wagen sicherlich von anderen Replicas ab und dass kaum ein Oldtimermagazin sich mit der Marke “Excalibur” beschäftigen mag, liegt eigentlich nicht an den Autos, die Brooks Stevens kreierte.

Excalibur 35X (1969) - dem Fahrer ist der Blick über die lange Motorhaube gegönnt
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz
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Unterwegs in Nummer 1

Es ist wirklich eine interessante Mischung aus Vorkriegsfahrgefühl und Sechzigerjahre-Dynamik, die der Excalibur 35X bietet. Das Fahrer bereiten kaum Probleme, denn alles sitzt dort, wo man es erwartet. Der Motor startet auf Schlüsseldreh, das Schaltschema entspricht dem klassischen “H”. Opel-typisch muss der Ring unter dem Schaltknopf angehoben werden, um den Rückwärtsgang einzulegen.

Excalibur 35X (1969) - der Schalthebel erinnert an die Opel-Technik
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der Sechszylinder legt sich kräftig ins Zeug und hat mit dem 950 kg schweren Wagen keine Probleme. Die Sitzposition ist angenehm, Fahrtwind gibt es natürlich jede Menge. In den Ohren hat man den Reihensechser-Wohlklang und geniess dazu den Blick über die lange Motorhaube. Fehlt eigentlich nur noch Jane Birkin auf dem Beifahrersitz.

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit, mit dem Prototypen der Excalibur 35X Serie Bekanntheit schliessen zu können.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von re******
04.11.2014 (08:35)
Antworten
Kunstledr ist Kunstleder und bleibt Kunstleder
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