Zu viele oder zu wenige Knöpfe?

Bruno von Rotz
07.01.2021

Lexus LS 400 Cockpit

Man kann es fast nicht glauben, aber noch vor knapp 30 Jahren störten sich die Autotester an der Vielzahl der Schalter und Knöpfe. Als sich Götz Leyrer im Jahr 1990 für “auto motor und sport” den Lexus LS 400 vornahm, da kritisierte er die 70 Schalter/Knöpfe, die zur Bedienung der vielen Funktionen im Auto verteilt waren. Und man muss fairerweise zugeben, dass sich die Japaner gerade bei der Gestaltung von Hifi-Anlage und Mittelkonsole wirklich nicht zurückhielten.

Lexus LS 400 Mittelkonsole

Aber inzwischen hat sich das Blatt total gewendet, denn neuerdings fehlen den Autotestern und auch den Autokäufern die Schalter und Knöpfe, die direkten Zugang zu wichtigen Funktionalitäten boten. In modernen Autos werden Knöpfe mehr und mehr durch software-basierte Interaktionen auf einem Touch-Panel oder auch mittels eines Drehknopfes und Sichtkontrolle in der LCD-Anzeige ersetzt.

Tesla Cockpit

Die Automobile von Tesla treiben es wohl am weitesten, aber auch bei Volkswagen-Fahrzeugen fehlen heutzutage viele haptische Bedienungselemente, die wir uns noch vor wenigen Jahren gewohnt waren.

Was die Autos in der Produktion teilweise günstiger und die Funktionalität konfigurierbarer macht, das kann sich für den einen oder anderen Fahrer schnell zum Albtraum entwickeln oder ihm sogar eine Verkehrsbusse einbringen, wie ein kürzlich publizierter Rechtsstreit in Deutschland zeigte.

von Frank E.
08.01.2021 (22:35)
Antworten
Zugegeben, vor 30 Jahren wäre mir beim Tesla-Innenraum wohl die Kinnlade runtergefallen. Und der hat nicht mal einen Flux-Kompensator eingebaut. Und ja, der Lexus war damals trotzdem ein Zeichen für HighTech, hat aber zu viele Knöpfe, weil - wenn man aufs Detailbild schaut - alles stur mit einzelnen KNÖPFEN umgesetzt wurde, was man auch mit weniger, anderen Bedienelementen hätte umgesetzt werden können. (LO-MED-HI mit einem Dreh- oder Schieberegler wie früher auch, ...)

Womit ich zum Punkt komme, was weder damals z.B. beim Lexus, noch heute bei Tesla, und allen anderen berücksichtigt wird. Ein vernünftiges Bedienkonzept mit den angemessenen Bedienelementen, hinsichtlich Bedienhäufigkeit, Bedienlogik, Bediensicherheit, mal von der Anordnung ganz abgesehen. So bieder VW, Mercedes, BMW im Innenraum früher immer dargestellt wurden, bis vor kurzem war eine sichere, zuverlässige Bedienung gewährleistet.

Dass nun die letzten Gralshüter meinen, ganz vorne beim "Touch-Wahn" mitspielen zu müssen, finde ich schon traurig. Die ganzen Touch-Bedienelemente, auch am Lenkrad, haben den Nachteil, dass man das Bedienelement nicht blind (also bei gleichzeitigem Blick auf die Straße, nicht wirklich "blind") ertasten kann, weil man bei der bloßen Berührung schon eine ungewollte Aktion auslöst, nicht erst beim bewußten Druck auf den Knopf oder Taster oder der Wippe.
von ww******
12.01.2021 (11:55)
Antworten
Muss ich mir wegen dem Touchscreen im Auto eine Varilux-Brille kaufen? Mit meiner normalen Kurzsicht Brille schaffe ich es nicht, sicher unterwegs zu sein. Oder ist angedacht, dass man einen Copiloten dabei hat?
von li******
12.01.2021 (11:59)
Antworten
Hallo Frank, genau richtig! Bei meinen Oldtimern kenne ich jeden Schalter blind. Bei den Neuen ist es fast unmöglich alles zu behalten, geschweig blind zu finden. Ob überhaupt alle Funktionen nötig sind, wage ich stark zu bezweifeln.
von th******
12.01.2021 (12:31)
Antworten
Meine ersten Autos hatten noch Schalter, die man drückte und die dann je nach Schalterstellung "an" oder "aus" waren. Das war eine wunderbare haptische Rückmeldung und ich konnte sogar die wenigen unbeleuchteten Schalter im FIAT 126 bambino und deren geschaltete Funktion, so eindeutig identifizieren.
Im Lancia Dedra/Nuova Delta war das ganze dann auf die Spitze getrieben mit beleuchteten Schaltern, Lenkstockhebeln und Bedienelementen an allen Stellen (ausser den unsichtbaren Türöffnern, die dann beim Lybra auch noch ein Lämpchen erhielten, obwohl sie nicht mehr so versteckt waren wie im Vorgänger). Aber es waren noch klassische Schalter, die einrasteten, dazu durfte ich mich glücklich schätzen die einwandfrei zu bedienende Heizung statt einer Klimaanlage (die bei FIAT/Lancia ab Mitte der 80er unzählige Knöpfe besaß) in meinen Lancias verbaut zu haben.
Seit Mitte/Ende der 90er hat die Unsitte um sich gegriffen, dass es nur noch Momenttaster gibt. Die reine Display- und Joystickbedienung in den ganz neuen Fahrzeugen ist nicht Meines. Früher war es ein schneller Vorgang von hingreifen-fühlen-ggf. drücken/drehen. Heute muss ich immer erst den Schalter oder die Bedienfläche suchen-nachsehen, was eingestellt ist, wenn ich es nicht im Tacho sehen kann-drücken/mehrfach drücken/drehen und drücken. Leider kein Beitrag zur Verkehrssicherheit.
von vo******
14.01.2021 (23:06)
Antworten
Voll einverstanden mit Vorkommentar.
Telefonieren ohne Freisprecher ist verboten. Könnte ja ablenken.

Einstellungen am Touchscreen benötigen den vollen Blick plus 1 Hand. Häufig sind mehrere Schritte
(Untermenues) oft sogar fuer trivialste Veränderungen (z.b. Klima) erforderlich. Das geht dann aber ok.

Autolobby ist eben stärker als "Telefonie". Oder ?
Abgesehen davon würde ein Bruchteil der Funktionen reichen.
von sp******
15.01.2021 (18:40)
Antworten
Ich hatte ein Riesenglück, im Spätherbst 2016 noch eines der letzten Peugeot-Modelle (208) zu kaufen, das eine manuelle Heizung hat. 3 Drehwähler für Luftströmung (oben., unten, gemischt), Ventilator und Temperatur. Lässt sich blind bedienen, der Blick bleibt immer auf der Strasse! Damit habe ich immer kühlen Kopf, warme Füsse und eine beschlagfreie Sicht nach aussen. Die neuen Modelle haben eine Bildschirmbedienung, die erfordert, dass man Lesebrille und Bedienungsanleitung hervorklaubt, bevor man die winzigen Piktogramme korrekt interpretieren kann. Ist etwa gleich gefährlich, wie SMS schreiben während der Fahrt!
Antwort von ba******
15.01.2021 (21:39)
Na, ganz so schlimm ist es auch nicht. Ich habe den 208 mit Touchbildschirm. Der hat eine Klimaanlage, die man einmal am Touchscreen einstellt bei stehendem Auto.
Falls die Scheibe beschlägt oder vereist ist, gibt es normale Knöpfe für den Defroster oder die Heckscheibenheizung und auch für die Temperatur einzustellen.
Eine Lesebrille brauchts nicht, weil ja gerade auf dem Bildschirm nur die ausgewählte Funktion angezeigt wird, und das grösser, als wenn man viele Knöpfe hat, die immer da sind.
Ich möchte es nicht mehr missen...
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...